Fangprämien Ärzte räumen Bestechlichkeit ein

Auf vielfältigen Wegen haben Kassenärzte illegal Geld kassiert. Das gibt ihr Verband auch zu; zugleich wehren sich die Ärzte lautstark gegen Vorwürfe

Ärzte hätten auf verschiedene Weise Geld von Krankenhäusern bekommen, das ihnen nicht zusteht, räumte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, ein. Es handele sich aber um Einzelfälle. "Das muss geahndet werden", sagte Köhler am Donnerstag.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor Risiken für die Patienten bei Einweisungen in ungeeignete Kliniken. "Im Einzelfall kann das sogar den Tod des Patienten zur Folge haben", sagte Lauterbach dem Sender N24. Köhler entgegnete, das sei "Quatsch". Die Kranken könnten sich auf das ethische Handeln ihrer Ärzte verlassen. "Hier werden im Moment massiv die Patienten verunsichert."

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Auch Vorwürfe seitens der Krankenkassen ließ Köhler nicht gelten. "Da krieg ich das Kotzen", schimpfte er. Die Kassen sähen fehlerhafte Abrechnungen nämlich selbst. "Und dann sollen sie einen Prüfantrag stellen", sagte Köhler. Die Ärzteschaft werde dann gegen solche Mediziner vorgehen.

Köhler machte auf mehrere Arten möglichen illegalen Handelns aufmerksam. Er räumte ein, dass es Bestechung in Form von "Motivationsprämie, Fangprämie, Kopfpauschale" gebe. "Da kennen wir Krankenhäuser, die das machen. Das ist Zuweisung gegen Entgelt, und das ist berufsrechtlich zu ahnden."

Zudem sei es seit der jüngsten Gesundheitsreform und weiterer Änderungen möglich, dass Krankenhäuser etwa die Nachsorge ihrer Patienten per Vertrag an Praxisärzte abgeben. "Wenn es solche Vertragskonstruktionen gibt, ist es legitim, das mit dem Krankenhaus abzurechnen." Die besseren Übergänge von Klinik zu Praxis seien gewollt und dürften nicht verunglimpft werden.

Er räumte ein: "Nicht legitim ist es, das noch mal zusätzlich mit der Kassenärztlichen Vereinigung abzurechnen." Zudem gebe es auch unkorrekte Fälle, in denen Ärzte solche Behandlungen abrechneten, obwohl es keinen Vertrag darüber gebe. Außerdem gebe es "noch ganz sonderbare Konstruktionen" wie Prämien für Qualitätssicherung.

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, korrigierte Darstellungen vom Vortag, dass rund fünf Prozent der rund 14 Millionen Einweisungen unkorrekt seien. "Ich möchte hiermit klarstellen, dass sich meine Bemerkung von den geschätzten fünf Prozent auf die Krankenhäuser bezieht", sagte er. "Das heißt, dass fünf Prozent der Kliniken betroffen sein könnten." Spekulationen über Patientenzahlen entbehrten jeder Grundlage.

Leser-Kommentare
  1. 1. Tja...

    ... so ist das mit der Privatmedizin. Nicht umsonst ist das amerikanische Modell eines der teuersten und uneffektivsten.

    Wenn die "Nachfrage" nach Kranken hoch ist, dann müssen die Experten halt dafür sorgen, dass sie auch befriedigt wird. Notfalls über die ein- oder andere Zuwendung. Eigentlich kennen wir das schon lange, bei den Pharmakonzernen ist es seit Jahren üblich, Ärzte zu bestechen.

    Tja und wenn das Geld nicht reicht, wer wird dann geprügelt? Die Pharmakonzerne, die großen Klinikunternehmen, die Ärzte oder wir? Geisterten nicht erst kürzlich wieder Panik-Meldungen über unser angeblich unbezahlbares Gesundheitsystem durch die Schlagzeilen, basierend mehr oder weniger auf Kaffeesatzleserei? Wurden nicht erst kürzlich wieder Stimmen laut die Praxisgebühr anzuheben und gleichzeitig Leistungen zu senken und zu privatisieren?

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    Zustimmung zu Ihrem Beitrag. Für gewisse Vertreter von privilegierten Berufsgruppen sind die Vergütungsvorstellungen immer noch nicht in der Realität angekommen. Warumauch, wenn man beim Thema Gesundheit doch immer wieder Druck aufbauen kann, damit noch mehr Geld umverteilt wird.

    Mit Grausen erinnere ich mich auch an das wehklagen der Ärzte zur Gesundheitsreform und das folgende im wesentlichen stillschweigende abnicken der teilweise deutlichen Einkommenssteigerungen. Offensichtlich waren 10% mehr für manche eben nicht genug.

    Zustimmung zu Ihrem Beitrag. Für gewisse Vertreter von privilegierten Berufsgruppen sind die Vergütungsvorstellungen immer noch nicht in der Realität angekommen. Warumauch, wenn man beim Thema Gesundheit doch immer wieder Druck aufbauen kann, damit noch mehr Geld umverteilt wird.

    Mit Grausen erinnere ich mich auch an das wehklagen der Ärzte zur Gesundheitsreform und das folgende im wesentlichen stillschweigende abnicken der teilweise deutlichen Einkommenssteigerungen. Offensichtlich waren 10% mehr für manche eben nicht genug.

    • xtc
    • 03.09.2009 um 17:14 Uhr

    Dieses, unseres Gesundheitssystem ist durch jahrelange erfolgreiche Lobbyarbeit der Interessenverbände derartig "krank" gemacht worden, daß es dringend diverser "Chirurgischer Schnitte" bedürfte, um seine Zukunftsfähigkeit herzustellen.
    Diese ganze Verkommenheit in der Gesundheits-, Wirtschafts-, Finanz-, Politbranche, etc, k...zt mich dermaßen an, daß ich laut schreien könnte.
    Grauenhaft ist auch diese ungeheure Unverfrorenheit, mit der diese ganzen Filz- und Klüngelhaufen betrieben werden.

    _____________

    Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat. (Heinrich Heine)

  2. Was lehrt uns das? Wer laut jammert, dem muss es noch lange nicht schlecht gehen (ca. 18% Mehreinnahmen im letzten Jahr) und es schließt auch nicht aus, dass man sich von anderer Stelle schmieren lässt. Wäre man nicht auf die Götter in Weiß angewiesen, man müsste sie einfach boykottieren, bis der Sumpf ausgetrocknet ist.

    Und diese Herren machen in ihren Praxen auch noch öffentlich Wahlkampf für die FDP. Prost Mahlzeit.

  3. Zustimmung zu Ihrem Beitrag. Für gewisse Vertreter von privilegierten Berufsgruppen sind die Vergütungsvorstellungen immer noch nicht in der Realität angekommen. Warumauch, wenn man beim Thema Gesundheit doch immer wieder Druck aufbauen kann, damit noch mehr Geld umverteilt wird.

    Mit Grausen erinnere ich mich auch an das wehklagen der Ärzte zur Gesundheitsreform und das folgende im wesentlichen stillschweigende abnicken der teilweise deutlichen Einkommenssteigerungen. Offensichtlich waren 10% mehr für manche eben nicht genug.

    Antwort auf "Tja..."
    • iboxa
    • 03.09.2009 um 20:18 Uhr

    ...diesen Augiasstall auszumisten. Dabei dürfte selbst dem dümmsten klar sein dass dieses unkontrollierte Abrechnungssystem zur heimlichen Selbstbedienung einlädt. Könnte ich meine Arbeit mit einer Versicherung "abrechnen" wäre ich längst Millionär!
    Eindämmen ließe sich der Selbstbedienungssumpf ganz einfach: Indem jeder Kassenpatient nach der Behandlung eine Abrechnung bekommt, auf der er sehen kann was alles abgerechnet wurde - so wie es bei den privaten Kassen längst üblich ist.
    Aber an solche simplen Kontrollinstrumente traut sich unsere Gesundheitsministerin nicht ran - vielleicht hofft sie nach der Wahl selbst auf einen lukrativen Posten in der Gesundheitsbranche.

    • Zapp54
    • 04.09.2009 um 6:19 Uhr

    sind/waren Lizensen zum Gelddrucken.

    In den 60igern gehörte die Kö in Düsseldorf zu 90% der Ärzte (Kauf/Abschreibung/Steuern sparen...).

    Seit jahrzehnten wird NULL bei den Herrschaften kontrolliert, die Kürzungs-Orgien erfolgen ausschliesslich bei den Versicherten !!

    Ich habe 17 Jahre Ärzte Privat-Versichert und kenne sehr viele Details "aus der Branche"......*

    Die Lobby-Arbeit ist wirklich "überragend" im negativen Sinne.

    "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen." (Karl Valentin)

  4. Im Sonderband der Sozialen Welt des Jahres 1994 beschreibt Mahnkopf keine Ethik, sondern allgemeine Verhältnisse und die entsprechenden Mechanismen einseitiger Abhängigkeiten. An dieser Beschreibung scheitert der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Köhler, wenn er letztlich davon spricht, Ärzte seien auch ohne das entsprechend notwendige Bewusstsein darüber zu besitzen sämtlich solchen Verhältnissen und deren Mechanismen gegenüber erhaben. Durch Köhler drückt sich somit nichts weiter aus, als eben jene von Mahnkopf kritisierten Verhältnisse und er ist es damit selbst, der durch seine Person bestens öffentlich belegt, dass auf solche Weisen Patienten mindestens geschädigt, wenn nicht sterben mussten.

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