G-20-Gipfel Die Boni-Debatte ist ein Scheingefecht
Die Finanzminister der G 20 wollen die Bonuszahlungen der Banker begrenzen. Doch das eigentliche Problem liegt ganz woanders, schreibt Conrad Mattern im Börs-o-Meter
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Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner auf dem G-20-Gipfel in London. Die Delegierten einigten sich auf einen Kompromiss: Die Boni der Banker sollen nicht gekürzt, aber zeitlich verzögert gezahlt werden
Die These ist populär und sie hält sich beharrlich: Die Banker, so heißt es, seien im Boom vor allem deshalb immer größere Risiken eingegangen, weil sie mit steigenden Gewinnen fette Bonuszahlungen kassieren konnten.
Die Finanzminister der G 20 wollen dieser Praxis ein Ende bereiten und haben sich in London auf einen Kompromiss verständigt: Die Boni der Banker sollen zwar nicht gekürzt, dafür aber zeitlich gestreckt werden. Nur wenn die Gewinne langfristig sprudeln, sollen sie auf den Konten landen. Laufen die Geschäfte schlecht, könnten die Banken die Extragehälter sogar wieder zurückfordern.
Das klingt vernünftig. In Wahrheit aber ist es naiv zu glauben, die Gehaltsexzesse könnten so begrenzt werden. Bereits vor Wochen verordnete die Politik jenen Banken, denen sie mit Staatshilfen beisprang, einen Stopp der Bonuszahlungen. Die Institute taten wie befohlen – und erhöhten stattdessen das Grundgehalt ihrer Mitarbeiter.
Am Ende standen die Banker sogar besser da als vorher. Denn durch das höhere Grundgehalt erwerben sie mehr Rentenansprüche und können höhere Abfindungen kassieren, wenn sie das Unternehmen verlassen. Die Politik hatte das Gegenteil dessen erreicht, was sie bezwecken wollte.
Ohnehin zielt die Boni-Debatte am eigentlichen Problem vorbei. Es mag zwar richtig sein, dass die Gier viele Banker antrieb. Viel wichtiger aber war, dass es kein System gab, dass verhinderte, dass die Banker unkalkulierbare Risiken eingingen.
Noch immer arbeiten die Banken mit Risikomodellen, die versuchen, von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen. Value at Risk nennen das die Banker. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Papier ausfällt oder Verluste macht, wird aus der Kursentwicklung der Vergangenheit berechnet. Gab es in den letzten Jahren keine Krise, melden die Systeme auch keine Gefahr. Erst jetzt bringen die Modelle zum Vorschein, dass viele Geschäfte gefährlich waren. Zu spät.
Es gibt daher nur eine Möglichkeit die Banker vor sich selbst zu schützen: Die Institute müssen mehr Eigenkapital zurücklegen, um vor unkalkulierbaren Risiken gefeit zu sein. Das beseitigt zwar nicht das Übel an sich – die fahrlässige Risikokontrolle der Banken. Aber es ist weitaus sinnvoller als die nutzlose Regulierung von Bonuszahlungen.
Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er immer zum Wochenbeginn die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.
- Datum 08.09.2009 - 15:36 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Ohne Haftung und Einschränkung der Vertragsfreiheit muss sich die "Bankenkrise" wiederholen.
(In Krise wie Krieg wird gut verdient, nur eben nicht von allen)
Eine Scheindebatte entsteht nur, wenn man die Motivation der Beteiligten außer acht lässt. Sachzwänge und Akteure des Systems bleiben erhalten.
Conrad Mattern redet von einer einzigen Möglichkeit - mehr Eigenkapital.
Das ist mit Verlaub einfach Blödsinn. Wie Mattern selbst eingesteht, beseitigt das nicht die Fahrlässigkeit und die Ignoranz der Verantwortlichen.
Weder die Begrenzung der Entlohnung nach oben noch eine zeitliche Streckung werden weitere Exzesse und weiteren Leichtsinn verhindern.
Notwendig ist die persönliche Haftung der mit Kompetenzen und Verantwortung ausgestatteten Entscheidungsträger - bis zum letzten Hosenknopf. Eventuell bewahrt sie das vor sich selbst.
Und was für die Personen gilt, das wäre sinngemäß auch auf die Institutionen anzuwenden. Banken und auch andere Finanzierungsinstitute sollten über entsprechende zwangsweise installierte Sicherungsfonds verpflichtet werden, die Schäden durch unsinnige Wertpapiere, durch heikle Finanzierungspraktiken u.ä. aus ihren eigenen Reihen zu begleichen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Qualitätskontrolle der geschaffenen Gelder bzw. der geldnahen Werte durch eine unabhängige Kommission von Fachleuten mit entsprechend weitgehenden Handlungsbefugnissen.
Darüber sollten sich die Regierungen weltweit mit Standards einigen.
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