Es ist eine der größten Überraschungen seit Ausbruch der Finanzkrise. Zumindest für jene, die jeden Zwischenton aus Paris, London oder Berlin ernst genommen haben in den vergangenen Monaten. Nun aber haben sich Europas Regierungschefs am Donnerstagabend auf ein gemeinsames Vorgehen gegen überzogene Boni-Gehälter in der Finanzindustrie geeinigt – und wollen die notfalls auch ohne US-Präsident Obama und andere Mitglieder der G 20 begrenzen.

Wenn sich nächste Woche die Staatenlenker der weltweit 20 mächtigsten Industrie- und Schwellenländer in Pittsburgh treffen, gehen die EU-Vertreter unter dem Vorsitz des schwedischen Premiers Fredrik Reinfeldt mit einer klaren Botschaft in die Debatte. "Die Bonusblase ist geplatzt", verkündete der Staatschef nach dem gemeinsamen Abendessen in Brüssel: "Genug ist genug." Recht hat er.

Wie bereits vor zwei Wochen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Amtskollegen Nicolas Sarkozy und Gordon Brown vorgeschlagen hatten, sollen Vergütungsausschüsse in Unternehmen über die Bezahlung wachen und Banken zur Offenlegung ihrer Gehaltspraxis gezwungen werden. Die variable Bezahlung sollte angemessen sein im Verhältnis zum Festgehalt, Misserfolg wird mit Bonusentzug bestraft. Und schließlich sollen die G 20 Möglichkeiten erwägen, die variablen Anteile nach oben zu begrenzen.

Zumindest in Europa könnten die Bonusexzesse damit vorbei sein. Kommissionspräsident José Manuel Barroso bekräftigte, dass die EU notfalls allein vorangehe. Ein wichtiges Bekenntnis, denn es befreit die Europäer – vor allem die Briten – ein wenig von dem Vorwurf hoch zu pokern. Man könnte auch sagen: falsch zu spielen.

Gordon Brown kann nun nicht mehr darauf setzen,  dass die USA ohnehin die Kappung der Boni verhindern. Er steht bei seinen Kollegen im Wort. Die Londoner City wird ihm das wohl kaum verzeihen, Millionen britische Wähler schon.

Das Bekenntnis zum Boni-Deckel ist nicht nur moralisch geboten, sondern auch politisch. Millionengehälter für den kurzfristigen Erfolg sind in den nächsten Jahren nicht zu rechtfertigen. Die staatliche Rettung der Zockerbuden Commerzbank, IKB oder BayernLB vergessen weder Steuerzahler noch Arbeitslose so schnell.

Zugleich lohnt sich Spekulation für Aktien-, Anleihe- und Subprimehändler weniger. Der Herdentrieb wird ein wenig gedämpft. Insofern könnte an diesem Abend der Blase durchaus etwas Luft ausgewichen sein.

Geplatzt aber ist sie noch lange nicht. Dafür bedarf es einer besseren Finanzaufsicht, die Banken sollten mehr Geld für riskante Geschäfte als Sicherheit hinterlegen, und vielleicht gibt es ja doch noch Gelegenheit für die längst totgesagte Tobinsteuer, mit der weltweit Finanztransaktionen besteuert werden könnten. Die ist laut Merkel zwar noch weit entfernt: "Dafür brauchen wir eine Verabredung der G 20."  Doch wer hätte schon vor dreizehn Monaten gedacht, dass sich einmal 27 EU-Staaten darauf einigen, Gehälter in der Finanzbranche zu deckeln?