G-20-Gipfel Danke, Barack!

Der G-20-Gipfel ist ein Erfolg - aber das Lob gebührt den Amerikanern, nicht den Deutschen. Diese legen den Fokus auf die falschen Themen. Mark Schieritz kommentiert

Der britische Premierminister Gordon Brown, US-Präsident Barack Obama und der französische Präsident Nicolas Sarkozy auf dem G-20-Gipfel in Pittsburgh, Pennsylvania

Der britische Premierminister Gordon Brown, US-Präsident Barack Obama und der französische Präsident Nicolas Sarkozy auf dem G-20-Gipfel in Pittsburgh, Pennsylvania

Es tut sich etwas in Pittsburgh. Der Weltfinanzgipfel ist zwar noch nicht zu Ende, doch erste Ergebnisse zeichnen sich ab. Die Eigenkapitalregeln für die Finanzhäuser werden verschärft, der Handel mit Finanzderivaten wird überwacht. Großbanken werden besonders streng kontrolliert. Angela Merkel und Peer Steinbrück können sogar einen kleinen symbolischen Sieg in der Frage der Banker-Boni davontragen, denn auch für die soll es künftig Regeln geben – wenn auch nur auf nationaler Ebene. Doch das ist verschmerzbar, denn der Streit um die Boni war schon immer populistisches Wahlkampfgetöse. Mit der Krise selbst hatten sie wenig zu tun. 

Die Aufräumarbeit ist damit noch nicht getan. Im Vertrauen auf die segensreiche Wirkung der Marktkräfte hat sich der Staat in den vergangenen 30 Jahren Stück für Stück zurückgenommen. Er hat die Wechselkurse flexibilisiert, den Kapitalverkehr liberalisiert und es den Banken erlaubt, ihre Geschäfte mit immer weniger Eigenkapital zu tätigen. Das waren die zentralen Fehler, die diese Krise verursacht haben und die jetzt korrigiert werden müssen.

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An die Wechselkurse und den Kapitalverkehr traut sich die Weltgemeinschaft noch nicht heran, aber immerhin werden jetzt die Eigenkapitalvorschriften reformiert. Künftig müssen die Geldhäuser mehr Kapital auf die Seite legen. Das erschwert das Zocken und schafft Puffer für schlechte Zeiten. Die Boni sinken da ganz von alleine. Auch wollen die G 20 auch die globalen Kapitalströme strenger überwachen. Es kann nicht gut gehen, wenn eine Hälfte der Welt immer nur spart und ihr Kapital in die andere überweist, die sich immer stärker verschuldet. Genau das aber passiert derzeit, und so sind die Kreditexzesse der USA und die hohen Sparquoten in Deutschland, Japan oder China zwei Seiten einer Medaille. 

Der Internationale Währungsfonds soll künftig darauf achten, dass sich solche Ungleichgewichte nicht aufbauen. Sanktionen und bindende Vorschriften gibt es nicht, aber immerhin ist das Thema jetzt auf der Agenda der großen Politik. Man sollte das angesichts der divergierenden Interessen der beteiligten Staaten nicht gering schätzen. 

Es waren übrigens die Amerikaner, die dafür gesorgt haben, dass in Pittsburgh über die globalen Ungleichgewichte überhaupt gesprochen wird. Das verdient Lob, denn es handelt sich hier um eine zentrale Krisenursache. Wenn die Kanzlerin  das Thema als Nebenaspekt bezeichnet, dann offenbart sie, dass sie diese Krise immer noch nicht verstanden hat. Die von deutscher Seite als Gegenmodell zu den Vorschlägen der Amerikaner entworfenen Charta für nachhaltiges Wirtschaftswachstum jedenfalls wird international zu Recht kritisiert. Sie konzentriert sich einseitig auf die hohe Staatsverschuldung und berücksichtigt nicht die enorme Verschuldung der Bürger.

Es ist ein von der deutschen Regierung gerne verbreiteter Mythos, dass Amerikaner und Briten in den internationalen Verhandlungen nur bremsen, während die Deutschen die Sache vorantreiben. Tatsächlich kommen viele sinnvolle Vorschläge aus der angelsächsischen Welt, während sich die wahlkämpfenden Großkoalitonäre auf populistische Ansätze wie die Kontrolle der Banker-Boni stürzten. 

Im Übrigen hält niemand die Bundesregierung davon ab, ihr eigenes Haus endlich in Ordnung zu bringen. Wann werden die überflüssigen, Steuergelder verschlingenden Landesbanken endlich geschlossen? Wann werden Banker und sonstige Profiteure der Exzesse der vergangenen Jahre über eine Sondersteuer an den Kosten der Krisenbeseitigung beteiligt? All dies sind Dinge, die die Politik auch im nationalen Alleingang regeln kann. Wenn die Zockerei der Banken den Wohlstand schmälert, dann sollte man sich darüber freuen, dass der Finanzplatz Frankfurt an Bedeutung verliert, statt den Verlust der nationalen Wettbewerbsfähigkeit als Argument gegen eine Regulierung ins Feld zu führen. Der Verweis auf das vermeintlich regulierungsfeindliche globale Umfeld jedenfalls ist keine Entschuldigung dafür, zu Hause nichts zu tun.

 
Leser-Kommentare
    • self22
    • 25.09.2009 um 18:52 Uhr

    Etwas habe ich in den letzten Jahren gelernt. Wenn die Amis etwas wirklich machen, dann hilft das in erster Linie einmal Amerika selbst. Und mit etwas Glück schadet es den anderen zumindest nicht. Von dieser Erkenntnis lasse ich mich nur noch schwer abbringen, auch nicht mit dem berühmten und blödsinnigen Totschlagargument "amerikafeindlich".
    Natürlich haben die horrenden Bankerboni etwas mit der Krise zu tun. Damit wurden die letzten Bedenken einiger noch "normal" tickender Investment-fuzzies ertränkt, um das absurde Geschäftsmodell voll und schnell durchzuziehen. Denn dass dieses Geschäft nur begrenzte Zeit funktioniert, war auch diesen allzeit klar. Es sind in dieser Höhe Bestechungsgelder und nicht Gehälter. Niemand würde blutjungen Angestellten Gehälter in dieser Höhe für das ordnungsgemäße Ausführen ihrer Lohnarbeit bezahlen. Ich glaube, dass sich ohne diese Bestechung nur wenige Leute für diese windigen Geschäfte gefunden hätten, sprich, es ist ein entscheidender Auslöser dieser Exzesse.
    Zweitens: Dass eine stärkere als die internationale Regulierung den Standort D schädigt, habe ich mindestends schon von 30 Wirtschaftsinstituten aus In- und Ausland gelesen. Wieso soll das jetzt plötzlich im Alleingang ohne Nachteile möglich sein. Habe ich hier eine neue Wirtschaftstheorie verpasst?

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    • tom310
    • 25.09.2009 um 20:04 Uhr

    wenn er sein Land nicht "egoistisch" vertreten würde. Und ganz still und leise sind es doch die USA, die die Richtung vorgeben, nur eben nicht mehr mit Krawall.

    • tom310
    • 25.09.2009 um 20:04 Uhr

    wenn er sein Land nicht "egoistisch" vertreten würde. Und ganz still und leise sind es doch die USA, die die Richtung vorgeben, nur eben nicht mehr mit Krawall.

  1. Seit fast 30 Jahren hat USA eine negative Leistungsbilanz. Das kommt daher, dass sie konsequent alle möglichen Produktionsstätten, die ihnen entbehrlich erschien, ins billigere Ausland verlagert haben. Der Konsum wurde dadurch zwar billiger, unterm Strich konsumierte Amerika aber Jahr für Jahr mehr, als sie produzierten. Die Exportmeister gaben gerne Kredit, denn schließlich hatten sie viele Fabriken, die ausgelastet sein wollten.

    Die erste Kreditblase fliegt uns gerade um die Ohren, schaut man sich an, in welchem Umfang in amerikanischen Banken noch die unterschiedlichsten Derivate lagern, hört man lieber auf zu denken, was noch alles kollabieren könnte.

    Sehr schöner Artikel. Endlich wird mal nicht alle Schuld auf die bösen Chinesen geschoben, die die Amerikaner in die Schulden getrieben hätte, oder die bösen Banker, die dafür sorgten, dass das Geld für den amerikanischenn Konsum per Kreditgeschäft ins Land kam. Schuld sind alle Exportmeister und natürlich Amerika, die ihre Realwirtschaft vernachlässigt haben.

    Export, um sich zu bereichern, hat schon nach dem Ersten Weltkrieg nicht funktioniert. Ich bin entsetzt, dass Frau Merkel es stur wieder versuchen will. Bleibt zu hoffen, dass die neue Weltwirtschaftsaufsicht solche Ausreißereien unterbindet.

    • tom310
    • 25.09.2009 um 20:04 Uhr

    wenn er sein Land nicht "egoistisch" vertreten würde. Und ganz still und leise sind es doch die USA, die die Richtung vorgeben, nur eben nicht mehr mit Krawall.

  2. Sehr geehrter Herr Schieritz, leider haben Sie weder die Sache verstanden noch wissen Sie ueber die Hintergruende der angesprochenen Themen Bescheid.
    1, Tatsache ist, dass die G-20 seit 1999 (eine in Berlin von Deutschland und Kanada initiierte Aktion) stets versucht hat die Welt- und Europa relevanten Wirtschafts-Probleme zu loesen.
    2, September 2008 heralded the early rise of a European regulatory authority (demanded by german Chancellor Angela Merkel - Regulation instead of reform).
    3, A major consequence of the global financial crash of September 2008 was the rise of the Financial Stability Board (FSB), an EU-controlled regulatory authority, into a place of prominence on the world scene. As a direct consequence of the global crash, all G-20 nations have signed up to a plan to permit the fsb to regulate their economies. The latest G-20 meeting being held in Pittsburgh this week confirmed the regulation of the global economy by FSB (EU central bankers)!!!!

  3. ... ein Artikel der knallhart sagt was Sache ist:

    "Im Übrigen hält niemand die Bundesregierung davon ab, ihr eigenes Haus endlich in Ordnung zu bringen. Wann werden die überflüssigen, Steuergelder verschlingenden Landesbanken endlich geschlossen? Wann werden Banker und sonstige Profiteure der Exzesse der vergangenen Jahre über eine Sondersteuer an den Kosten der Krisenbeseitigung beteiligt? All dies sind Dinge, die die Politik auch im nationalen Alleingang regeln kann. Wenn die Zockerei der Banken den Wohlstand schmälert, dann sollte man sich darüber freuen, dass der Finanzplatz Frankfurt an Bedeutung verliert, statt den Verlust der nationalen Wettbewerbsfähigkeit als Argument gegen eine Regulierung ins Feld zu führen."

    Danke Herr Schieritz!

  4. Vor allem erstmal die Boni regulieren! Typisch wieder, das unwichtigste Problem zuerst anzupacken, denn das bringt Wähler. Dabei haben die Boni die Krise bestimmt nicht verursacht.

    • Rebel
    • 25.09.2009 um 21:16 Uhr

    You are quiet right Mr. Schieritz. Aber es braucht schon wirklich unabhängige Aufsichten, deren Ergebnisse dann auch umgesetzt werden müssen. Finanzierung aus Transaktionssteuern problemlos möglich. Ratingagenturen sind völlige Selbstbeweihräucherungsinstitute der Bankengruppen und aufzulösen.
    Volkswirtschaftliches Ziel ist eine ausgeglichene Handelsbilanz - so wird es immer sein. Nur was gespart wird kann auch investiert werden : S = I. Geldschöpfung ohne Eigenkapitaldeckung ist Casino ohne Kontrolle - pure junk. Die Politiker und wir alle wissen das jetzt ganz genau und werden beim nächsten Crash nie wieder als verblödetes Volk und Stimmvieh mißbraucht werden können!!! Übrigens am Sonntag sind noch demokratische Wahlen.Zeit, dass sich was dreht!

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    Ihren heilvollen Glauben an die Sonntag-09 Unwahlen halte ich jedoch für einen Aberglauben

    Ihren heilvollen Glauben an die Sonntag-09 Unwahlen halte ich jedoch für einen Aberglauben

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    Antwort auf "globalize"

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