HSBC-Chairman "Garantie-Boni sind verwerflich"

Stephen Green ist Chairman von HSBC. Im Interview sagt Green, dass das Schlimmste der Finanzkrise vorbei, gleichzeitig aber noch mit Rückschlägen zu rechnen sei. Und er erklärt, warum das Investmentbanking nicht von Universalbanken abgetrennt werden sollte. Auch zum Thema Boni hat der HSBC-Banker eine klare Meinung.

Stephen Green, Chairman der britischen Bank HSBC sagt: "Die Bankenbranche hat sich nicht mit Ruhm bekleckert"

Stephen Green, Chairman der britischen Bank HSBC sagt: "Die Bankenbranche hat sich nicht mit Ruhm bekleckert"

Frage: Seit mehr als zwei Jahren kämpfen wir jetzt mit den Folgen der Finanzkrise. Ist das Schlimmste überstanden?

Stephen Green: Wir könnten das Tief tatsächlich durchschritten haben. Um ehrlich zu sein, kann das keiner ganz genau sagen. Aber ich denke, wir sehen immer mehr Indizien dafür, dass die Realwirtschaft einen Boden gefunden hat. Zumindest das Tempo der Abwärtsbewegung hat sich verlangsamt. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir eine rasante Erholung sehen werden.

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Frage: Müssen wir uns auf dem Weg zurück zur Normalität auf Rückschläge einstellen?

Green: Ich fürchte ja, zumindest in Europa und den Vereinigten Staaten wird sich die wirtschaftliche Aktivität nur sehr langsam erholen.

Frage: Was heißt das für die Bankenbranche? Besteht die Gefahr, dass die Geldhäuser noch einmal in akute Not geraten?

Green: Ich denke, die Branche hat sich stabilisiert, zumindest wenn man die Lage mit den finsteren Zeiten im vergangenen Winter vergleicht. Das lässt sich klar am Rückgang der Risikoaufschläge am Kapitalmarkt ablesen, die deutlich weniger Stress signalisieren als noch vor einigen Monaten.

Frage: Also sind die Banken aus dem gröbsten heraus? 

Green: Die Beruhigung der Lage heißt nicht, dass einzelne Institute nicht noch einmal frisches Kapital benötigen könnten. Aber ich denke, dass die Stabilität des Finanzsektors inzwischen gesichert ist und die Branche kein systematisches Risiko mehr darstellt.

Frage: Bankriesen wie HSBC haben im Moment nicht den besten Ruf. Sie gelten als so wichtig für die Stabilität des Finanzsystems, dass sie sich im Notfall auf die Hilfe des Staates verlassen können. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt, dass keine Bank so mächtig werden dürfe, dass sie Regierungen erpressen kann.

Green: Mervyn King, der Gouverneur der britischen Zentralbank hat ja bekanntermaßen gesagt, dass Banken, die zu groß sind, um sie Pleite gehen zu lassen, einfach zu groß sind. Das Problem mit diesem Argument ist nur, dass eigentlich schon kleinere Banken groß genug sind, um die Stabilität des Finanzsystems zu erschüttern. Banken spielen eine Sonderrolle in der modernen Wirtschaft, deshalb kann man auf sie nicht einfach die üblichen Insolvenzregeln anwenden. Banken lassen sich nicht einfach abwickeln wie andere Unternehmen, das ist ein Fakt, den man akzeptieren muss.

Frage: Vielleicht hilft es ja, wenn man die Banken einfach aufspaltet?

Green: Tatsächlich fordern einige Experten, eine Trennung von Investmentbanken und Universalbanken, eine Art Wiederherstellung des so genannten Glass Steagall Acts, der die Trennung viele Jahrzehnte lang in den USA festgeschrieben hat. Das soll verhindern, dass sich Banken, dem so genannten Casino-Kapitalismus verschreiben.

Frage: Keine gute Idee?

Green: Ich denke inzwischen ist den meisten klar, dass sich Investmentbanking und andere angebliche weniger riskante Bankgeschäfte nicht wirklich sauber trennen lassen, dazu ist die moderne Finanzwelt einfach zu komplex Außerdem lassen sich mit diesem Rezept Katastrophen nicht wirklich verhindern. Die britische Hypothekenbank Northern Rock war eine Bank mit einem eng umrissenen Geschäftsmodell, das kaum etwas mit Investmentbanking zu tun hatte, dennoch erschütterte ihr Beinahe-Zusammenbruch das britische Finanzsystem.

Leser-Kommentare
  1. Lustiger Mensch, dieser HSBC-Chairman.

    Am Ende des Interviews wird er esoterisch, spricht von einem "faustischen Moment" und erkennt das persönliche Glück, weil das Gemeinwohl der Gesellschaft in den Vordergrund rückt.

    Gleichzeitig macht er doch nur seinen Job, indem er eingangs viel mit dem TINA-Prinzip fährt:

    "Banken spielen eine Sonderrolle in der modernen Wirtschaft, deshalb kann man auf sie nicht einfach die üblichen Insolvenzregeln anwenden. Banken lassen sich nicht einfach abwickeln wie andere Unternehmen, das ist ein Fakt, den man akzeptieren muss."

    Also Systemrelevant. Too big to fail. Die übliche Leier. Super. Wie soll sich denn da überhaupt etwas ändern, wenn man diesen Fakt einfach akzeptieren muss ...

    "An den Märkten hat sich während des Booms die Meinung durchgesetzt, dass alle Geschäfte die legal sind, auch rechtens sind."
    Das ist leider nicht nur ein Fehler an den Märkten sondern in den Köpfen der Menschen.

    "Fragen über die moralische Rechtfertigung dieser Geschäfte oder über die Werte der Finanzindustrie wurden nicht gestellt. Das hat sich geändert und das ist eine sehr gute Sache."
    Am Sack! Wo hat sich etwas geändert???

    "Zu viele Menschen haben einen Vertrag mit dem Teufel geschlossen."
    Das ist wahr. Im Jahr 1980 gab es 7 Milliardäre, heute sind es über 1000. Das sind alles Menschen, die nicht von der eigenen Leistung leben, sondern von der Leistung sehr vieler anderer.

    Die Banken sind die willfährigen Helfer, wenn nicht gar der Teufel selbst.

  2. ...die KAPITALANLAGEN der Eigentümer (Aktioöne) vermutlich...
    ... ALS SB - SHOP (für Manager).

  3. ...andere Verträge, wie alle anderen Arbeitnehmer ?

    Vermutlich, weil diese im gegenseitigen Einvernehmen (VorstandUNDAufsichtsrat) im Rahmen einer gegenseitigen Bereicherungsabsicht zu Gunsten der angestellten Manager zu Lasten der Eigentümer (Kapitalanleger und Aktionäre) in Hinterzimmern unterzeichnet werden.

    Würde man bei Managern die gleichen Vertragsbedingungen vereinbaren, die bei allen anderen Arbeitnehmern ORTSÜBLICH sind, wären die Unternehmen KEINE Selbstbedienungsläden für Manager.

    Wer ist SCHULD ?

    Die AUFSICHTsräte, denn die KÖNNEN NICHTS ERKENNEN !

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