Kohlekraft Der Profi-Protest der Klimaschützer

Die Klima-Allianz ist neu unter den deutschen Kohlekraft-Gegnern - aber sie hat zahlungskräftige Geldgeber. Unter ihren Finanziers ist der berühmt-berüchtigte britische Hedgefonds TCI. Von Marlies Uken

Lobbying für´s Klima: Kohlekraftgegner wie hier in Hanau sind inzwischen professionell organisiert.

Lobbying für´s Klima: Kohlekraftgegner wie hier in Hanau sind inzwischen professionell organisiert.

Karin Kaspar kämpft gegen den dänischen Stromkonzern Dong Energy. Der Versorger will an der Ostseeküste ein Kohlekraftwerk mit einer Kapazität von 1600 Megawatt errichten. Kaspar ist Sprecherin der Allianz "Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin", eines Zusammenschlusses von Bürgerinitiativen, die gegen das Vorhaben protestieren. Anfang November werden sie in Greifswald einen großen Kongress zu dem Thema veranstalten.

Sie haben solvente Unterstützer. Ob für Saalmiete oder Plakatdruck: Die Klima-Allianz aus Berlin, ein Bündnis von Kohlekraft-Gegnern, hat bereits einen großzügigen vierstelligen Betrag zugesagt. Geht der Protest vor Gericht, wird die Allianz sogar Prozesskosten absichern. "Die Klima-Allianz unterstützt uns sehr in unseren Kampagnen", sagt Kaspar. "Aber fragen Sie mich nicht, woher sie wiederum das Geld erhält."

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Die Klima-Allianz ist ein relativer Neuling in der deutschen Klimaschutz-Szene. Das Bündnis wurde vor zwei Jahren gegründet und zählt inzwischen wohl zu den am besten organisierten Netzwerken in Deutschland. Es hat mehr als 100 Mitgliedsorganisationen, darunter Umweltschutzverbände wie den Bund für Umwelt und Naturschutz, die Deutsche Umwelthilfe, aber auch Kirchen, Bioanbau-Verbände oder kleine Kunstinitiativen wie Grünrekorder.

Das gemeinsame Ziel ist simpel: "Wir wollen möglichst viele der geplanten 29 Kohlekraftwerke in Deutschland verhindern", sagt Allianz-Sprecher Holger Michel. Dabei setzt das Bündnis auf ein umfangreiches Netzwerk an Kontakten. Die Anti-Kohle-Kampagne der Klima-Allianz, von zwei Mitarbeitern aus Berlin geleitet, unterstützt lokale Bürgerinitiativen bei Protesten, übernimmt teilweise deren Pressearbeit und finanziert Büromaterialien.

Sieben Kohlekraftwerke habe man bereits verhindert, erwähnt die Allianz nicht ohne Stolz, darunter das Kraftwerk in Mainz, dessen fehlende Finanzierung man aufgedeckt habe. Erst am Donnerstag stoppte ein Oberverwaltungsgericht den Bau eines E.on-Kraftwerks in Datteln – ein schwere Schlappe für den Konzern.

Ihre Kampagnen finanziert die Organisation aus einem relativ stattlichen Budget, vergleicht man es mit dem von anderen Nicht-Regierungsorganisationen. Rund 350.000 Euro stehen ihr im Jahr zur Verfügung. Etwa 100.000 Euro bringen Mitgliedsbeiträge und Spenden ein, den Rest überweist die European Climate Foundation.

Die European Climate Foundation mit Sitz in Brüssel, Berlin und Den Haag wiederum ist eine Gründung von sieben anderen Stiftungen. Dazu gehört unter anderem die milliardenschwere Stiftung von William Hewlett, dem Mitbegründer von Hewlett-Packard und The Children´s Investment Fund-Foundation von Christopher Cooper-Hohn.

Chris Hohn, wie ihn die Finanzmarkt-Szene nennt, ist an den Finanzmärkten ein mächtiger Akteur. Er verwaltet den Hedgefonds The Children's Investment Fund (TCI). Mit einem geschätzten Anlagevermögen von rund 9,5 Milliarden US-Dollar wettet TCI auf Aktien und beteiligt sich gezielt an Unternehmen, um Einfluss auf die Dividendenpolitik zu nehmen. In einer beispiellosen Kampagne drängte der Brite vor vier Jahren den Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, und Aufsichtsratschef Rolf Breuer aus dem Amt. Hohn war maßgeblich an der Aufspaltung der niederlänischen ABN Amro-Bank beteiligt.

Nutznießer seines Hedgefonds ist vor allem seine Stiftung. Im vergangenen Jahr erhielt sie mehr als 560 Millionen Euro aus den Spekulationserträgen. Genaueres ist nicht zu erfahren. "No Comment", heißt es in der Londoner Zentrale. Zum Engagement der Stiftung gegen die Kohlekraft will sich die Stiftungs-Sprecherin ebenfalls nicht äußern.

Die Klimaallianz ist sich des Zündstoffs durchaus bewusst. Denn schließlich ist gerade bei einem Hedgefonds nicht klar, mit welchen Investments er sein Geld macht. "Natürlich haben wir lang diskutiert, woher wir unser Geld erhalten", sagt Klima-Allianz-Sprecher Michel. "Wir haben die European Climate Foundation geprüft und die Ziele der Stiftungen. Aber wir können nicht auch noch die Finanzquellen der Geldgeber hinter den Stiftungen prüfen."

"Ohne Geldgeber wie die European Climate Foundation wäre ein derart intensiver Widerstand gegen Kohlekraftwerke nicht möglich", sagt Martin Rocholl, politischer Direktor der Stiftung. Er  kennt sich aus in der Klimaschützer-Szene. Rocholl war jahrelang Geschäftsführer der Organisation Friends of the Earth Europe und berät seit langem den BUND in Deutschland. Im vergangenen Jahr wechselte er zur Brüsseler Klimastiftung.

Rocholl betont, dass nicht der Hedgefonds TCI, sondern die Stiftung die Gelder gebe. Diese leiste beeindruckend gute Arbeit, setze sich weltweit für Kinderrechte ein und kämpfe gegen Hunger. "Die Verantwortlichen des TCI-Fonds wollen sich jetzt auch im Klimaschutz engagieren, weil sie wissen, dass ihre Arbeit in den anderen Bereichen  eng mit Klimaschutzfragen vernetzt ist."

Die Frage, ob das Geld 100 Prozent ökologisch korrekt verdient sei, könne kaum jemand beantworten. Im Zweifel finde man immer etwas, das sich kritisieren ließe, sagt Rocholl. Für ihn ist entscheidend: Hätte ein Investor einen wirtschaftlichen Vorteil durch das Engagement in der Stiftung und versucht er, Einfluss auf die Arbeit zu nehmen? "Das ist bei uns nicht der Fall. Das kann ich garantieren." Überprüfen lässt sich das nicht. Schließlich unterliegt TCI als Hedgefonds nur laxen Publikationspflichten. Wo er zurzeit investiert, ist unklar.

Der Umweltschutzorganisation Greenpeace, sogar Mitbegründer der Klima-Allianz, passte die Finanzierung des Bündnisses nicht. Die Hamburger legen strenge Kriterien an ihre Spender an, Großspenden von Unternehmen, Parteien und Organisationen sind tabu. Als klar war, dass die European Climate Foundation Geld gibt, stieg Greenpeace aus dem Bündnis aus. Schließlich könne man nicht über andere Mitgliedschaften Großspenden annehmen, so die offizielle Begründung. Die Gerüchte gehen indes anders: Die Klimaschutz-Allianz sei Greenpeace inzwischen zu erfolgreich und prominent geworden.

 
Leser-Kommentare
  1. Ist die Frage nicht ob in zukunuft Kohle, Atom oder etwas anderes unseren Hunger stillt?
    Und ist Kohle wirklich besser als Atom?

  2. der Hedgefonds TCI wirklich? Alles grün für die Kinder? Man darf nicht vergessen, dass unsere Energieselbstständigkeit nur im Bereich Kohle gegeben ist, der Rest ist Gefahr, nicht effizient genug und Einkäufe aus dem Ausland. http://kallewestrich.blog...

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    Energieselbstständigkeit nur im Bereich Kohle gegeben

    auch das ist die nicht gegeben, der größte teil wird auch Importiert.

    Energieselbstständigkeit nur im Bereich Kohle gegeben

    auch das ist die nicht gegeben, der größte teil wird auch Importiert.

  3. Energieselbstständigkeit nur im Bereich Kohle gegeben

    auch das ist die nicht gegeben, der größte teil wird auch Importiert.

  4. So langsam glaube ich die Deutschen haben einen gewaltigen Knall. Kohlekraftwerke, AKWs, neu Oberleitungen und selbst Windkrafträder werden verhindert, woher soll dann der Strom kommen, aus der Steckdose? Spinner sind das! Bald muss selbst der Strom Importiert werden.

  5. Haben die gleichen Leute noch bei einer anderen Demo gegen die Gier-Banker und mehr Regulierung des Finanzmarktes protestiert, so bedient man sich nun dem gleichen Instrumentarium um die Demo gegen Kohlekraft zu finanzieren. Ganz professionell, mit passendem T-Shirt und Mouse-Pad. Und dann ohne Pause gleich weiter zur nächsten durchorganisierten und durchgestylten Anti-AKW Demo mit Autogramm-Stunde mit Jürgen Trittin. Wahnsinn!!!!

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    ...als wenn RWE seine bestimmt vollkommen unabhängigen Azubis auf eine Pro-Atom-Demo schickt.
    Aber ist ja klar: Kaum demonstriert jemand gegen Umweltzerstörung, darf er nicht den kleinsten Fleck auf der Weste haben. Dass die FDP und die CDU jeweils ein vielfaches an Unternehmensspenden kassieren, als jede andere Interessenvertretung, kann man dann vergessen, oder wie?
    Es ist nunmal leider so, dass sich ohne Geld kein Protest organisieren lässt, müssen sich also nun die Protestierenden schämen? Ich finde nicht. Zumal, wie der Artikel ja auch dar stellt, der Investor nur einer von vielen ist, und es, wie das Ende des Artikels zeigt, nicht einmal erkennbar war.

    ...als wenn RWE seine bestimmt vollkommen unabhängigen Azubis auf eine Pro-Atom-Demo schickt.
    Aber ist ja klar: Kaum demonstriert jemand gegen Umweltzerstörung, darf er nicht den kleinsten Fleck auf der Weste haben. Dass die FDP und die CDU jeweils ein vielfaches an Unternehmensspenden kassieren, als jede andere Interessenvertretung, kann man dann vergessen, oder wie?
    Es ist nunmal leider so, dass sich ohne Geld kein Protest organisieren lässt, müssen sich also nun die Protestierenden schämen? Ich finde nicht. Zumal, wie der Artikel ja auch dar stellt, der Investor nur einer von vielen ist, und es, wie das Ende des Artikels zeigt, nicht einmal erkennbar war.

  6. Es wäre schon mal interessant zu wiessen, ob TCI eventuel ein größeres Investment in Unternehmen für alternative Energiegewinnung besitzt (Atom, Wind, Wetter Sonne). Ich würde mich ja kringeln, wenn da ein Hedgefond seine eigenen Beteiligungen stützt, in dem er substituirende Produkte via Protest vom Markt fernhält. Und dafür die selben Weltenretter einspannt, die morgens noch bei G20 protestiert haben.

  7. ...als wenn RWE seine bestimmt vollkommen unabhängigen Azubis auf eine Pro-Atom-Demo schickt.
    Aber ist ja klar: Kaum demonstriert jemand gegen Umweltzerstörung, darf er nicht den kleinsten Fleck auf der Weste haben. Dass die FDP und die CDU jeweils ein vielfaches an Unternehmensspenden kassieren, als jede andere Interessenvertretung, kann man dann vergessen, oder wie?
    Es ist nunmal leider so, dass sich ohne Geld kein Protest organisieren lässt, müssen sich also nun die Protestierenden schämen? Ich finde nicht. Zumal, wie der Artikel ja auch dar stellt, der Investor nur einer von vielen ist, und es, wie das Ende des Artikels zeigt, nicht einmal erkennbar war.

    Antwort auf "Tja, so ist das eben"

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