Laufzeitverlängerung Milliarden für die Atomkonzerne

Genugtuung bei den Stromversorgern: Nach dem Wahlsieg von Union und FDP ist eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke wahrscheinlich. Von Marlies Uken

Das E.on Kraftwerk Brokdorf bei Hamburg ist seit 23 Jahren am Netz. Nach aktuellem Atomgesetz könnte es noch bis etwa 2018 Strom produzieren

Das E.on Kraftwerk Brokdorf bei Hamburg ist seit 23 Jahren am Netz. Nach aktuellem Atomgesetz könnte es noch bis etwa 2018 Strom produzieren

Die Energieversorger halten sich am Tag nach der Wahl höflich zurück. "Wir kommentieren keine Wahlergebnisse" heißt es bei Vattenfall. Der süddeutsche EnBW-Konzern mag nur sagen: "Wir sind gesprächsbereit." Keiner der großen Stromkonzerne will öffentlich seine Genugtuung über das Wahlergebnis zeigen. Nur das Deutsche Atomforum wagt eindeutigere Worte und begrüßt es ausdrücklich: Jetzt biete sich die Chance "zu einer langfristig tragfähigen Energiepolitik aus einem Guss", teilt es mit. Dazu gehöre "ein breiter Energiemix unter Einschluss der Kernenergie".

Für die Energieversorger geht mit dem Wahlsieg von Schwarz-Gelb aller Vorrausicht nach eine Traumkoalition in Erfüllung. Sowohl Union als auch FDP haben in ihren Wahlprogrammen den Ausstieg vom Atomausstieg angekündigt. Und das bedeutet für die Versorger vor allem eins: ein unglaublicher Geldsegen. Denn die Kernreaktoren, mit denen sie Strom produzieren, sind bereits abgeschrieben – je länger sie noch laufen, desto höher der daraus resultierende Gewinn.

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Auf mindestens 119 Milliarden (falls die Strompreise auf aktuellem Niveau verharren) wenn nicht sogar 233 Milliarden Euro (bei steigenden Strompreisen) schätzt die LBBW in einer Studie die zusätzlichen Einnahmen der Versorger. Bis zur Hälfte der Gewinne könnten realistischerweise an den Staat gehen. Inklusive Steuern kommt die LBBW auf eine Abschöpfung von 51 bis 65 Prozent. "Wir unterstellen eine Laufzeit-Verlängerung von acht bis zehn Jahren", sagt Analyst Bernhard Jeggle, "das erscheint uns angesichts der Brisanz des Themas auch innerhalb der Parteien das wahrscheinlichste Szenario". Er betont, dass es sich bei den Zusatzgewinnen um Bruttozahlen handele. Der tatsächliche Barwert liege bei etwas mehr als einem Drittel.

Besonders der baden-württembergische EnBW-Konzern würde von einer Laufzeitverlängerung profitieren, so Jeggle. Das liegt unter anderem daran, dass EnBW im Gegensatz zu E.on, Vattenfall und RWE seine Gewinne vor allem in Deutschland erwirtschaftet und die Kernenergie-Sparte einen großen Anteil daran hat. An zwei Standorten produziert das Unternehmen zurzeit Atomstrom: in Neckarwestheim und Philippsburg. Grob überschlagen müsste im kommenden Frühjahr der Block 1 in Neckarwestheim vom Netz gehen, im Jahr 2012 wäre Philippsburg 1 an der Reihe. Seit Jahren kämpfen die Karlsruher darum, Strommengen vom jüngeren Block Neckarwestheim 2 auf den älteren Block zu übertragen, um ein Abschalten zu umgehen. SPD-Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hatte dies in der Vergangenheit abgelehnt – zurzeit liegt die Entscheidung beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim.

Leser-Kommentare
  1. Man kann das ganze durchaus auch positiv sehen. Ab nächstem Jahr treffen sich wieder vermehrt Menschen im Wendland und anderen Teilen Deutschlands um sich ein bisschen an der frischen Luft, über die Ergebnisse ihrer eigenen (Nicht-)Wahl zu beschweren. Das tut der Gesundheit dieser Menschen sicherlich gut.
    Außerdem könnte man sich ja vielleicht über die Verbilligung des Stroms um etwa einen halben cent für ein bis zwei Monate freuen.
    Und wir sollten uns auch für die Stromkonzerne freuen, denen geht es schließlich so schlecht, die können die Millionen wirklich gut brauchen. Denen ging es in letzter Zeit ja wirklich schlecht.
    (Noch 1460 Tage)

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    • ADoria
    • 28.09.2009 um 17:58 Uhr

    - weil ja deutschen Hochtechnologie-Kraftwerke - macht mal: Pubs! Vielleicht in BW oder Bayern. Dann fallen Opa Hoppenstedts Kühe doch noch um und die Leute müssen sich noch viel schneller bewegen. Man bedenke: Was alt ist, ist auch erprobt, krisenerprobt. Ob dies der Gesundheit gut tut, mmh - ich weiß nicht.

    • ADoria
    • 28.09.2009 um 17:58 Uhr

    - weil ja deutschen Hochtechnologie-Kraftwerke - macht mal: Pubs! Vielleicht in BW oder Bayern. Dann fallen Opa Hoppenstedts Kühe doch noch um und die Leute müssen sich noch viel schneller bewegen. Man bedenke: Was alt ist, ist auch erprobt, krisenerprobt. Ob dies der Gesundheit gut tut, mmh - ich weiß nicht.

    • ADoria
    • 28.09.2009 um 17:58 Uhr

    - weil ja deutschen Hochtechnologie-Kraftwerke - macht mal: Pubs! Vielleicht in BW oder Bayern. Dann fallen Opa Hoppenstedts Kühe doch noch um und die Leute müssen sich noch viel schneller bewegen. Man bedenke: Was alt ist, ist auch erprobt, krisenerprobt. Ob dies der Gesundheit gut tut, mmh - ich weiß nicht.

    Antwort auf "Positiv Denken"
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    Ich dachte, wir haben Hoppenstedts Kühe extra ein paar Leute engagiert. In den letzten Tagen wurden doch zwei Bewerbungsvideos bekannt.

    Von dem eingesparten Geld (auch die vielen Steuern, die wir bald nicht mehr zu zahlen haben), können wir die Overgarmentindustrie und die Bundesvermögensverwaltung fördern.

    Ich dachte, wir haben Hoppenstedts Kühe extra ein paar Leute engagiert. In den letzten Tagen wurden doch zwei Bewerbungsvideos bekannt.

    Von dem eingesparten Geld (auch die vielen Steuern, die wir bald nicht mehr zu zahlen haben), können wir die Overgarmentindustrie und die Bundesvermögensverwaltung fördern.

  2. Ich dachte, wir haben Hoppenstedts Kühe extra ein paar Leute engagiert. In den letzten Tagen wurden doch zwei Bewerbungsvideos bekannt.

    Von dem eingesparten Geld (auch die vielen Steuern, die wir bald nicht mehr zu zahlen haben), können wir die Overgarmentindustrie und die Bundesvermögensverwaltung fördern.

    • otto_B
    • 28.09.2009 um 19:57 Uhr
    4.

    Es kommt die übliche Schelte betreffs der Gelddruckmaschinen der Konzerne. Daß die "Milliardengewinne" zum Teil zu steuern werden, ist ja interessant. (ich hätteigentlich mit nichts anderem gerechnet.
    So, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.
    Was passiert den eigentlich, wenn es die Laufzeitverlängerung nicht gibt/gäbe......? Wenn die Reaktoren im Zustand des "vollzogenen Ausstieges" sind, werden aus dem nicht verkauften Strom erstmal keine Steuern bezahlt. Und die "Stromlücke"? Daß die vielgelobten

    • otto_B
    • 28.09.2009 um 20:08 Uhr

    (Vortsetzung von eben, Sendeknopf zu zeitig gedrückt..)
    Und die "Stromlücke"? Daß die vielgelobten Quellen aus Wind und Sonne, onshore oder offshore, besonders billig wären, kann ja nicht gesagt werden. Ist das das rotgrüne Job-Wunder: mit dem (mangels Ausweichmöglichkeit) in die Höhe getriebenen Strompreis könnte sicher in den "neuen Energien" der eine oder andere sein Auskommen finden.
    Aber das Wählervotum von gestern deutete da wohl doch in eine andere Richtung.
    Ob der allseits verehrte Helmut Schmidt gestern "SPD" gewählt hat? In der Atomkraftfrage sicher nur zähneknirschend.

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    Na ja, man hat's kommen sehen.

    Den rechtzeitigen und konsequenten Einstieg in die Energiewende haben wir schlicht und einfach verpennt!

    Deshalb stimme ich zähneknirschend dem Ausstieg aus dem Ausstieg der Kernenergie zu: Technisch könnten wir die Wende zu Effizienz / regenerativer Energie zwar einigermaßen zeitnah hinkriegen, ich fürchte jedoch um die Realitäten, die da heißen: Sehr gut organisierte Kohle/Kernenergielobby plus Politiker inkl. Bürger, von denen die allerwenigsten etwas von der Materie verstehen.
    Das bringt massive Verzögerungen bezüglich der Energiewende mit sich.

    Im Moment haben wir in der Tat keine Stromlücke. Das wird sich jedoch bald ändern ("bald" heißt in der Energiewirtschaft: 10-15 Jahre). Alte Kraftwerke werden in den nächsten Jahren massenhaft stillgelegt werden müssen. Die Vorgänger-Regierungen deshalb haben bereits für den Bau 29 neuer Kohlekraftwerke grünes Licht gegeben. Und haben das nicht einmal wirkungsvoll an eine CO2-Abscheidung/Speicherung (CCS) gekoppelt (Lobby lässt grüßen. Ist ja auch sehr offen, ob CCS einigermaßen wirtschaftlich funktionieren wird.). Ein Irrsinn ohne Gleichen!

    Da sind mir verlängerte Restlaufzeiten für bestehende Kernkraftwerke das kleinere Übel. Leider!!!!

    Wir sollten jetzt wenigstens Druck machen, dass die astronomischen Gewinne aus den Kernkraftwerken für Energie-Effizienzsteigerung (in allen Lebensbereichen) sowie für die
    Entwicklung hin zu preiswerterer regenerativer Energie eingesetzt wird.

    Das "großzügige" Angebot von RWE-Chef Großmann (bis zu 55% aus den Kernenergiegewinnen für Entwicklung erneuerbarer Energie) ist eine Nebelkerze: Soviel zahlen die Stromkonzerne bisher eh schon in Form von Steuern und Abgaben an den Staat.

    Lieber Herr Großmann: 90% müssten es schon sein!
    Gegenangebot von meiner Seite: Sie dürfen damit auch Ihre Innogy-Sparte (erneuerbare Energien) aufwerten.

    Na ja, man hat's kommen sehen.

    Den rechtzeitigen und konsequenten Einstieg in die Energiewende haben wir schlicht und einfach verpennt!

    Deshalb stimme ich zähneknirschend dem Ausstieg aus dem Ausstieg der Kernenergie zu: Technisch könnten wir die Wende zu Effizienz / regenerativer Energie zwar einigermaßen zeitnah hinkriegen, ich fürchte jedoch um die Realitäten, die da heißen: Sehr gut organisierte Kohle/Kernenergielobby plus Politiker inkl. Bürger, von denen die allerwenigsten etwas von der Materie verstehen.
    Das bringt massive Verzögerungen bezüglich der Energiewende mit sich.

    Im Moment haben wir in der Tat keine Stromlücke. Das wird sich jedoch bald ändern ("bald" heißt in der Energiewirtschaft: 10-15 Jahre). Alte Kraftwerke werden in den nächsten Jahren massenhaft stillgelegt werden müssen. Die Vorgänger-Regierungen deshalb haben bereits für den Bau 29 neuer Kohlekraftwerke grünes Licht gegeben. Und haben das nicht einmal wirkungsvoll an eine CO2-Abscheidung/Speicherung (CCS) gekoppelt (Lobby lässt grüßen. Ist ja auch sehr offen, ob CCS einigermaßen wirtschaftlich funktionieren wird.). Ein Irrsinn ohne Gleichen!

    Da sind mir verlängerte Restlaufzeiten für bestehende Kernkraftwerke das kleinere Übel. Leider!!!!

    Wir sollten jetzt wenigstens Druck machen, dass die astronomischen Gewinne aus den Kernkraftwerken für Energie-Effizienzsteigerung (in allen Lebensbereichen) sowie für die
    Entwicklung hin zu preiswerterer regenerativer Energie eingesetzt wird.

    Das "großzügige" Angebot von RWE-Chef Großmann (bis zu 55% aus den Kernenergiegewinnen für Entwicklung erneuerbarer Energie) ist eine Nebelkerze: Soviel zahlen die Stromkonzerne bisher eh schon in Form von Steuern und Abgaben an den Staat.

    Lieber Herr Großmann: 90% müssten es schon sein!
    Gegenangebot von meiner Seite: Sie dürfen damit auch Ihre Innogy-Sparte (erneuerbare Energien) aufwerten.

  3. jawohl, die Konzerne freuen sich. Die Altlasten für kommende Generationen interessiert sie nicht die Bohne. Geldmachen ohne Ende
    auf kosten des Menschheitswohl. Nach mir die Sündflut. Oh ja, diese kalten Machinenmenschen.

  4. in Asse stammen ja noch aus der Kohl Ära - da kann dann die gleiche Mischpoke weitermachen zum Wohle des großen Geldes - ist ja schon egal, in welchen Taschen es landet.

    Irgendwann weren sogar die Geldsäcke feststellen, dass man Geld nicht essen kann, wenn die Kartoffeln im Wendland verseucht sind.
    Ein Hoch auf die strahlende Zukunft -
    Wendelstein

  5. Dieses Jahr liefen 7 Atomkraftwerke nicht. Das sollte diesen "Stromlücke"-Schreiern mal zu denken geben. Wir haben Effizienz-Steigerungen bei Erneuerbaren Energien und Stromspar-Potentiale.

    Deutschland produziert 110% seines Strombedarfes, wir exportieren viel - trotz abgeschalteten Atomkraftwerken.

    Mit der FDP bekommen wir eine Lobbypartei, der es nicht um die Zukunft unseres Landes geht, sondern nur um Eigeninteressen.

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