Die Energieversorger halten sich am Tag nach der Wahl höflich zurück. "Wir kommentieren keine Wahlergebnisse" heißt es bei Vattenfall. Der süddeutsche EnBW-Konzern mag nur sagen: "Wir sind gesprächsbereit." Keiner der großen Stromkonzerne will öffentlich seine Genugtuung über das Wahlergebnis zeigen. Nur das Deutsche Atomforum wagt eindeutigere Worte und begrüßt es ausdrücklich: Jetzt biete sich die Chance "zu einer langfristig tragfähigen Energiepolitik aus einem Guss", teilt es mit. Dazu gehöre "ein breiter Energiemix unter Einschluss der Kernenergie".

Für die Energieversorger geht mit dem Wahlsieg von Schwarz-Gelb aller Vorrausicht nach eine Traumkoalition in Erfüllung. Sowohl Union als auch FDP haben in ihren Wahlprogrammen den Ausstieg vom Atomausstieg angekündigt. Und das bedeutet für die Versorger vor allem eins: ein unglaublicher Geldsegen. Denn die Kernreaktoren, mit denen sie Strom produzieren, sind bereits abgeschrieben – je länger sie noch laufen, desto höher der daraus resultierende Gewinn.

Auf mindestens 119 Milliarden (falls die Strompreise auf aktuellem Niveau verharren) wenn nicht sogar 233 Milliarden Euro (bei steigenden Strompreisen) schätzt die LBBW in einer Studie die zusätzlichen Einnahmen der Versorger. Bis zur Hälfte der Gewinne könnten realistischerweise an den Staat gehen. Inklusive Steuern kommt die LBBW auf eine Abschöpfung von 51 bis 65 Prozent. "Wir unterstellen eine Laufzeit-Verlängerung von acht bis zehn Jahren", sagt Analyst Bernhard Jeggle, "das erscheint uns angesichts der Brisanz des Themas auch innerhalb der Parteien das wahrscheinlichste Szenario". Er betont, dass es sich bei den Zusatzgewinnen um Bruttozahlen handele. Der tatsächliche Barwert liege bei etwas mehr als einem Drittel.

Besonders der baden-württembergische EnBW-Konzern würde von einer Laufzeitverlängerung profitieren, so Jeggle. Das liegt unter anderem daran, dass EnBW im Gegensatz zu E.on, Vattenfall und RWE seine Gewinne vor allem in Deutschland erwirtschaftet und die Kernenergie-Sparte einen großen Anteil daran hat. An zwei Standorten produziert das Unternehmen zurzeit Atomstrom: in Neckarwestheim und Philippsburg. Grob überschlagen müsste im kommenden Frühjahr der Block 1 in Neckarwestheim vom Netz gehen, im Jahr 2012 wäre Philippsburg 1 an der Reihe. Seit Jahren kämpfen die Karlsruher darum, Strommengen vom jüngeren Block Neckarwestheim 2 auf den älteren Block zu übertragen, um ein Abschalten zu umgehen. SPD-Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hatte dies in der Vergangenheit abgelehnt – zurzeit liegt die Entscheidung beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim.