Lügendetektor (8) "Die Kernenergie ist vorerst unverzichtbar"
Ohne Atomstrom geht es nicht, behauptet die Union. Dabei sinkt die Bedeutung der Kernkraft seit Jahren - in Deutschland und weltweit. Von Marlies Uken
© Thomas Starke/Getty Images

Das AKW in Grohnde bei Hameln
Wahlkampfzeit ist Märchenzeit. Im Kampf um die meisten Stimmen versprechen die Parteien viel und reden die Bilanz ihrer bisherigen Regierungszeit schön. ZEIT ONLINE hat deswegen den Lügendetektor ausgepackt. In den kommenden Wochen bis zur Wahl nehmen wir uns regelmäßig zentrale Aussagen der Parteien vor und prüfen sie auf ihren Wahrheitsgehalt. Im achten Teil unserer Serie untersucht Marlies Uken die Behauptung der Union, Deutschland sei auf Kernkraft angewiesen.
"Die Kernenergie ist vorerst unverzichtbarer Teil in einem ausgewogenen Energiemix." (CDU-Wahlprogramm)
Sie ist sanfter geworden, die Union. Seit einigen Jahren geht sie das Thema Kernkraft auffällig zurückhaltend an – eine Reaktion auf die Sicherheitsdiskussion, die zuletzt durch die erneute Abschaltung des Vattenfall-Meilers Krümmel und die neuen Erkenntnisse über das Atomlager Asse neue Nahrung erhielt.
In ihrem aktuellen Programm betont die Partei, dass sie einen Neubau von Atomkraftwerken ausdrücklich ablehnt. 2005 war eine solche Passage noch nicht im Wahlprogramm zu finden. Unionsvorsitzende Angela Merkel plädiert allerdings dafür, die Laufzeiten der "sicheren deutschen Anlagen" zu verlängern – also für einen Ausstieg aus dem Atomausstieg. Diese Linie wird von der CSU mitgetragen, auch wenn der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) angekündigt hat, dass er im Falle einer Laufzeitverlängerung Gegenleistungen von den Konzernen erwartet, darunter einen Beitrag zur milliardenschweren Sanierung des Atommüllzwischenlagers Asse.
Der Standpunkt des möglichen Koalitionspartners FDP ist ähnlich. Käme es nach der Bundestagswahl aber erneut zu einer Großen Koalition, wäre der Konflikt zwischen den Regierungsparteien programmiert. Geht es nach der SPD und den Grünen, darf am Atomausstieg auf keinen Fall gerüttelt werden. Erst im TV-Duell am Wochenende warnte SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, dass sonst nötige Investitionen in erneuerbare Energien ausblieben.
Welche Bedeutung hat also die Kernenergie in Deutschland – und brauchen wir sie tatsächlich als Übergangstechnologie? Zunächst erst einmal ein paar Fakten zum Energiemix: Er ist mit Strom aus Kohle, Gas, Kernkraft, Wind, Wasserkraft und Biomasse schon heute ganz schön bunt. Der wichtigste Energielieferant ist die Braunkohle, dicht gefolgt von der Kernenergie. Die 17 Atommeiler, die in Deutschland derzeit laufen, lieferten im vergangenen Jahr rund 23,3 Prozent des Stroms.
Die Bedeutung der Atomkraft sinkt allerdings. Das zeigen die Zahlen der AG Energiebilanzen, in der sich Verbände der Elektrizitätswirtschaft und Forschungsinstitute zusammengeschlossen haben – also durchaus ein branchenfreundlicher Verein. Vor fünf Jahren lag der Atomstromanteil noch bei 33,8 Prozent. Drei Jahre später, im Jahr 2007, waren es nur noch 27,9 Prozent.
Obwohl die Bedeutung der Kernkraft also sinkt, kann Deutschland sogar Strom exportieren. Seit fünf Jahren verkaufen die deutschen Versorger ihre Überschüsse ins Ausland. Im Jahr 2008 waren das 22,4 Milliarden Kilowattstunden. Das ist sogar noch mehr als im Jahr 2007 (19,1 Mrd. Kwh). Deutschland konnte die Produktion von Atomstrom sogar steigern, obwohl im vergangenen Jahr diverse Atomkraftwerke nicht am Netz waren.
Unter anderem fielen die beiden Vattenfall-Kraftwerke Brunsbüttel und Krümmel komplett aus. Auch das RWE-Kraftwerk Biblis lief nicht das ganze Jahr durch. Greenpeace kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass sich die sieben ältesten Meiler in Deutschland problemlos abschalten ließen, ohne dass die deutsche Industrie und Privathaushalte mit Beeinträchtigungen rechnen müssten.
Auf Wahlkampfveranstaltungen lässt die Union dagegen selten unerwähnt, dass Deutschland mit dem Atomausstieg weltweit einen Sonderweg beschreite. Auch die Industrievertretung, das Deutsche Atomforum, spricht gerne von einer weltweiten Renaissance der Kernkraft. Diese Einschätzung widerlegt eine Studie, die das Bundesumweltministerium jüngst im Wahlkampf veröffentlichte. Demnach sind zurzeit weltweit 435 Reaktoren in Betrieb. Das sind neun weniger als 2002. Atomkraft macht nur zwei Prozent der weltweit genutzten Endenergie aus, der Anteil sinkt seit Jahren.
Der Report relativiert insbesondere die Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation. Sie listet zwar 52 Meiler als "im Bau" befindlich auf. Doch 13 dieser Baustellen werden bereits seit mehr als 20 Jahren aufgeführt, so die Autoren rund um den unabhängigen Kernenergieexperten Mycle Schneider. Mindestens die Hälfte der Projekte verzeichnet erhebliche Verzögerungen und verteuert sich im Lauf der Zeit immens, etwa der Bau von Europas erstem Druckwasserreaktor in Finnland.
Während die Kernenergie in Deutschland und weltweit an Bedeutung verliert, holen die erneuerbaren Energien auf. Inzwischen liegt der Anteil von Strom aus Wind, Sonne und Biomasse bei mehr als 15 Prozent der Stromproduktion. Er hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Gerade der Windstromanteil ist rasant gewachsen. Seit Sommer drehen sich die Räder des ersten deutschen Offshore-Windparks vor Borkum. Erst kürzlich verkündete das Bundesverkehrsministerium, dass 2500 Windräder in Nord- und Ostsee genehmigt seien.
Gerade dem Strom von Windanlagen von hoher See misst die Bundesregierung große Bedeutung zu, da sich die Räder, im Gegensatz zu Windanlagen an Land, gleichmäßiger drehen und Flauten seltener sind. Nicht zu unterschätzen ist allerdings die Herausforderung, alle Ökostrom-Arten so zu vernetzen, dass sie gleichmäßig Energie liefern – und Kernkraft tatsächlich ablösen können. Hier sind die Versorger zurzeit auf der fieberhaften Suche nach Speichermöglichkeiten. Die aber sind schwer zu finden.
- Datum 21.09.2009 - 14:45 Uhr
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- Serie Lügendetektor
- Quelle ZEIT ONLINE
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Bei dem Thema geht es doch Schwarz-gelb nur ein eines: Die Profite der der "edlen Spender" von CDU/CSU und FDP weiter zu erhöhen. Um nichts anderes. Wenn Herr Söder meint, die Stromkonzerne müßten für eine Laufzeitverlängerung ein Teil der so eingenommenen Millaraden an den Steuerzahler geben, so halte ich das für genauso gelogen wie das Versprechen, dass Bankmanager von vom Staat mit vielen Milliarden geretteten Banken nicht mehr als 500.000 Euro im Jahr verdienen dürfen. Fragen Sie mal Herr Carstenesen in SH oder Herrn Öttinger in BW ob diese Versprechen eingehalten wurden (oder ob sie nur dazu genutzt wurden die Milliardenhilfen für die eh schon reichen Banken durchzusetzen).
Um so absurder ist es für mich, dass wir für diesen kleinen Teil so ein hohes Risiko auf uns nehmen und unseren Kinder mit dem Atommüll so ein übles Erbe hinterlassen.
Schade, dass Sie nicht auch auf die Mär vom "billigen" Atomstrom eingegangen sind. Ein von der Deutschen Umwelthilfe durchgeführter Preisvergleich entlarvt auch das als falsch, von den Kosten die der Steuerzahler für die Lagerung des Mülls zahlen muss ganz zu schweigen.
Auch wenn die Kosten für die Lagerung des Mülls von heute auf morgen auf O,oo sinken würden wäre und alle Kraftwerke stillgelegt würden, würde es keine Cent Steuerentlastung geben.
Entscheidend ist, was der Strom den Bürger kostet. Es gibt eine preisgrenze, die auch auch durch sparen nicht meht kompensiert werden kann.
Dann eben so konsquent sein und in Kauf nehmen, dass viele Menschen eben von der Teilnahme an bestimmtem Komfort ausgeschlossen sind und das auch öffentlich sagen. Dahingehend ist jeder Artikel über Bevorzugung einer Energie, der das Preis Problem ausser acht lässt, unvollständig und für mich uninteressant.
http://www.gsi.de/documen...
Auch wenn die Kosten für die Lagerung des Mülls von heute auf morgen auf O,oo sinken würden wäre und alle Kraftwerke stillgelegt würden, würde es keine Cent Steuerentlastung geben.
Entscheidend ist, was der Strom den Bürger kostet. Es gibt eine preisgrenze, die auch auch durch sparen nicht meht kompensiert werden kann.
Dann eben so konsquent sein und in Kauf nehmen, dass viele Menschen eben von der Teilnahme an bestimmtem Komfort ausgeschlossen sind und das auch öffentlich sagen. Dahingehend ist jeder Artikel über Bevorzugung einer Energie, der das Preis Problem ausser acht lässt, unvollständig und für mich uninteressant.
http://www.gsi.de/documen...
Die genannten Zahlen (sinkender Anteil des Atomstroms, steigender Anteil des Ökostroms) und Fakten (Deutschland exportiert Energie - hier wäre eine Prozentzahl zum Vergleich intressant gewesen) stimmen mich nachdenklich. Frage mich nur, wieso dann gerade der Iran trotz seiner riesigen Ölreserven Atomkraftwerke braucht.
Warum braucht der Iran überhaupt Öl etc? Dort scheint eh dauernd die Sonne, das ideale Land für jede Form von Sonnenenergiegewinnung.
Die Gründe dürften daher vielschichtig sein:
1) in einer Diktatur ist die Endlagerfrage kein Problem, schon gar kein teures, was Atomstrom vermutlich vergleichbar billiger macht als Öl (mit dem man schön Devisen verdienen kann)
2) die Technik kann man verkaufen, auch an andere Paria-Staaten (etwa Cuba)
3) die Beherrschung der Technologie schafft Respekt in den Anrainerstaaten, auch weil damit eine A-Bombe in den Bereich des Möglichen rückt
4) auch in Diktaturen verdient die korrupte Herrscherclique mehr an zentralen Großprojekten, als an dezentraler Energieversorgung
Dazu gibt es übrigens auch eine Studie vom Wuppertal-Institut mit dem Namen "Der unnötige Atomkonflikt in Iran"...
http://www.wupperinst.org...
Warum braucht der Iran überhaupt Öl etc? Dort scheint eh dauernd die Sonne, das ideale Land für jede Form von Sonnenenergiegewinnung.
Die Gründe dürften daher vielschichtig sein:
1) in einer Diktatur ist die Endlagerfrage kein Problem, schon gar kein teures, was Atomstrom vermutlich vergleichbar billiger macht als Öl (mit dem man schön Devisen verdienen kann)
2) die Technik kann man verkaufen, auch an andere Paria-Staaten (etwa Cuba)
3) die Beherrschung der Technologie schafft Respekt in den Anrainerstaaten, auch weil damit eine A-Bombe in den Bereich des Möglichen rückt
4) auch in Diktaturen verdient die korrupte Herrscherclique mehr an zentralen Großprojekten, als an dezentraler Energieversorgung
Dazu gibt es übrigens auch eine Studie vom Wuppertal-Institut mit dem Namen "Der unnötige Atomkonflikt in Iran"...
http://www.wupperinst.org...
In den vergangenen 18 Jahren ist der Stromverbrauch in Deutschland um etwa 15 % gestiegen, 1 % pro Jahr.. Die Hälfte dieses Zuwachses wird von den erneuerbaren Energien geliefert. Den gleichen Anteil liefern noch einmal die installierten Kapazitäten an Erdgaskraftwerken. Da die erneuerbaren Energien einschließlich Wasserkraft und auch das Erdgas in Spitzenlasten abgerufen werden, bedeutet dies: Die neu geschaffenen Energieressourcen decken im Wesentlichen den gestiegenen privaten Verbrauch. Der Grundsockel aus Kernenergie, Braun- und Steinkohle ist in etwa konstant geblieben. Sollte in diesen Jahren die Industrieproduktion auch gestiegen sein, müsste man sogar fragen, ob nicht im gleichen Zeitraum ein effizienterer Umgang mit Energie im Bereich der Grundlast stattgefunden hat.
In jedem Fall steigt der Energieverbrauch, was natürlich Kosten und Ressourcenverbrauch zur Folge hat.
http://www.cooretec.de/lw...
...
"Der Anteil aller erneuerbaren Energien an der deutschen Stromerzeugung lag nach den Erhebungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) 2008 bei 15,1 Prozent. Vermutlich wäre er noch größer gewesen, wenn die Netze nicht ständig mit Atomstrom blockiert wären: Bläst beispielsweise im Norden der Wind kräftig, müssen dort die Windräder abgeschaltet werden, weil die Stromnetze das Mehr an grüner Energie nicht fassen können."
http://www.klima-luegende...
Warum braucht der Iran überhaupt Öl etc? Dort scheint eh dauernd die Sonne, das ideale Land für jede Form von Sonnenenergiegewinnung.
Die Gründe dürften daher vielschichtig sein:
1) in einer Diktatur ist die Endlagerfrage kein Problem, schon gar kein teures, was Atomstrom vermutlich vergleichbar billiger macht als Öl (mit dem man schön Devisen verdienen kann)
2) die Technik kann man verkaufen, auch an andere Paria-Staaten (etwa Cuba)
3) die Beherrschung der Technologie schafft Respekt in den Anrainerstaaten, auch weil damit eine A-Bombe in den Bereich des Möglichen rückt
4) auch in Diktaturen verdient die korrupte Herrscherclique mehr an zentralen Großprojekten, als an dezentraler Energieversorgung
Dazu gibt es übrigens auch eine Studie vom Wuppertal-Institut mit dem Namen "Der unnötige Atomkonflikt in Iran"...
http://www.wupperinst.org...
Auch wenn die Kosten für die Lagerung des Mülls von heute auf morgen auf O,oo sinken würden wäre und alle Kraftwerke stillgelegt würden, würde es keine Cent Steuerentlastung geben.
Entscheidend ist, was der Strom den Bürger kostet. Es gibt eine preisgrenze, die auch auch durch sparen nicht meht kompensiert werden kann.
Dann eben so konsquent sein und in Kauf nehmen, dass viele Menschen eben von der Teilnahme an bestimmtem Komfort ausgeschlossen sind und das auch öffentlich sagen. Dahingehend ist jeder Artikel über Bevorzugung einer Energie, der das Preis Problem ausser acht lässt, unvollständig und für mich uninteressant.
Ich verstehe Ihren Kommentar nicht ganz, denn ich habe ja gesagt, dass diese Studie zeigt, dass Atomstrom eben nicht billiger ist (und damit auch dieses Argument für die Kernenergie nicht korrekt ist) und dann zusätzlich noch Kosten in Milliardenhöhe
anfallen.
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Ich verstehe Ihren Kommentar nicht ganz, denn ich habe ja gesagt, dass diese Studie zeigt, dass Atomstrom eben nicht billiger ist (und damit auch dieses Argument für die Kernenergie nicht korrekt ist) und dann zusätzlich noch Kosten in Milliardenhöhe
anfallen.
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