G-20-Gipfel Die Schwächen der Agenda von Pittsburgh
Die Pläne der G 20 greifen zu kurz. Um neue Exzesse zu verhindern, müssen die Staaten die schädlichen Spekulationen an den Finanzmärkten stoppen. Von Rainer Falk und Barbara Unmüßig
© Daniel Berehulak/Getty Images

Eine Szene aus Mumbai: Ein Mann entfernt im Slum Dharavi, einem der größten Slums der Erde, Beulen aus leeren Ölkannen. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise wächst das Elend in den Slums von Mumbai wieder
Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise ist alles andere als überwunden. Vielmehr erleben wir gerade ihre vierte Welle. Nach dem Ausbruch der Finanzkrise in den USA und Europa griff sie zunächst auf die Realwirtschaft über. Dann kam die Ansteckung der südlichen Staaten des Globus. Jetzt wird die Ausbreitung der Massenarbeitslosigkeit in den Industrieländern erwartet. Viel zu kurz greift da die Mikroregulierung, um die in Pittsburgh gerungen wird.
Die Europäer wollen vor allem die Deckelung der Boni an Manager verhandeln; die US-Amerikaner plädieren dafür, die Schuldenhebel zu begrenzen, mit denen die Banken operieren. Hinzu kommt der Plan, die Eigenkapitalhinterlegung der Banken aufzustocken. In allen drei Fällen lautet die Argumentation: Eine Hauptursache der Finanzmarktkrise war die übermäßige Risikobereitschaft, geboren aus Gier und Übermut der Finanzmarktakteure. Um eine Wiederholung der Krise zu verhindern, müssten diese Verhaltensweisen gezähmt werden.
Ganz falsch ist die Argumentation nicht. Doch Gier und Risikobereitschaft sind das eine – das regulatorische Umfeld, in dem sich diese entwickeln können (oder nicht), ist das andere. Solange also der Mangel an Disziplinierungsmechanismen auf den Finanzmärkten fortbesteht, wird auch die Lust zum Risiko nicht abebben. Um die Tendenz zur übermäßigen Verschuldung und das prozyklische Herdenverhalten der Finanzmarktakteure – die Hauptursachen der systemischem Instabilität auf den Finanzmärkten – in den Griff zu bekommen, bräuchte es zusätzlich und ergänzend makroökonomische Regulierungen. Gerade solche Schritte sind im G-20-Kreis bislang kaum angedacht worden.
"Von einem entschlossenen Vorgehen gegen die destabilisierenden Faktoren an den Finanzmärkten kann bislang keine Rede sein"
Alle Welt beklagte zwar, dass den Banken aus dem Too big to fail ein gewaltiges Erpressungspotenzial gegenüber den Staaten erwächst. Aber inzwischen sind die Banken noch größer geworden und die Schuldenhebel sind durchweg gewachsen. Die Krise hat einen Konzentrations- und Zentralisationsprozess in der Finanzbranche ausgelöst, in dem viele insolvente Konkurrenten geschluckt wurden. Doch nur ganz wenige – wie der Chef der britischen Finanzaufsicht, Lord Turner – geben zu, dass der Finanzsektor zu groß geworden ist und viele seiner Aktivitäten nur von minimalem oder gar keinem gesellschaftlichen Nutzen sind.
- Datum 24.09.2009 - 12:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Hin- und Hergerissensein der G20-Entscheider zwischen unbändigem Kapitalfluss und Eindämmung der Skrupellosigkeit? Sind die Überlegungen wirklich geeignet, die Anleger zu schützen? http://kallewestrich.blog...
Der Artikel von Rainer Falk und Barbara Unmüßig ist in mehreren Punkten fragwürdig.
Erstens ist die Wirkung einer Transaktionssteuer, Börsenumsatzsteuer bzw. Tobinsteuer keineswegs ein brauchbares Mittel gegen die Finanzkrise. Es gibt mehrere empirische Untersuchungen, die belegen eher einen destabilisierenden Einfluß mit einer höheren Volatilität. Siehe dazu auch die Quellenbelege im folgenden Link, Abschnitt empirische Wirtschaftsforschung:
http://de.wikipedia.org/w...
Verheerend als Brandbeschleuniger in der Finanzkrise waren ja auch nicht die Umsätze mit Aktien, sondern Schaffung/Handel von hochriskanten Wertpapieren wie CDOs, dazu siehe:
http://de.wikipedia.org/w...
Zweitens ist die Problematik des US-Dollars als Weltreservewährung nicht mit den Ursachen der Finanzkrise verknüpft. Die USA haben in der Vergangenheit in erheblichem Maße importiert, ohne daß dem Import ein entsprechender Export von Waren und Dienstleistungen entsprach. Dieses Außenhandelsdefizit hat sich nicht in einer deutlichen Abwertung des US-Dollars bemerkbar gemacht, weil einerseits Hauptexporteure wie China ihre Exporterlöse in US-Dollar angesammelt haben und weil Exporteure die für Waren und Dienstleistungen erhaltenen Dollar zu Direktinvestitionen in den USA eingesetzt haben; außerdem hat das Ausland Wertpapiere auf Dollarbasis aus den USA gekauft. Der Vorstoß von China in Richtung neue Leitwährung beruht auf der Angst um seine Dollarreserven.
ich bewundere Ihre Sachlichkeit angesichts des in dem Artikel propagierten Katalogs an politisch korrekten aber schon auf mittlere Sicht kontraproduktiven Maßnahmen.
ich bewundere Ihre Sachlichkeit angesichts des in dem Artikel propagierten Katalogs an politisch korrekten aber schon auf mittlere Sicht kontraproduktiven Maßnahmen.
...Nehmen wir ein anderes Problemfeld, die grassierende Spekulation mit Währungen und Rohstoffen. Von einem entschlossenen Vorgehen gegen diese destabilisierenden Faktoren kann bislang keine Rede sein. Das Thema ist nach wie vor nicht einmal auf der Agenda der G 20."
Es mag sein, dass das daher kommt, dass sich eine Auseinandersetzung mit dem Datenmaterial dazu nicht hergibt, "Spekulation" treibende Kraft der Preisbewegungen zu belegen. Da "Spekulanten" auch ganz wesentliche wirtschaftliche Aufgaben erfüllen, würde eine Einengung deren Tätigkeit auch ebenso wesentliche Nachteile mit sich bringen.
Zuletzt mag man sich auch fragen, was denn den "Spekulanten" überhaupt ausmacht. Ist es Einer, der grosse Summen in Ölförderung investiert obwohl er weiss, dass er bankrotiert, wenn Öl unter $ 50 fällt? Ist es eine Regierung, die eine ganze Industrie aufbaut mit dem Risiko keine Entsorgungsstelle zu haben? Ist es vielmehr der Politiker, der anderer Leute (Steuer)Geld Milliarden darauf setz, dass man Transrapide verkaufen kann? Also da ist mir Einer lieber, der wettet der Dollar würde fallen!
Eine Spekulation in neue Produkte (selbst den Transrapid) ist ein erforderliches Risiko um Neues zu schaffen. Da kann man schon mal daneben liegen. Reine "Geld"-Spekulanten haben die Welt noch keinen deut weiter gebracht, soeben eher an den wirtschaftlichen Abgrund. Ich habe meine Steuergelder nur sehr ungern für die Rettung der keineswegs verarmten Banker gegeben, ich tröste mich damit, dass man nicht wirklich gefragt hat...
Eine Spekulation in neue Produkte (selbst den Transrapid) ist ein erforderliches Risiko um Neues zu schaffen. Da kann man schon mal daneben liegen. Reine "Geld"-Spekulanten haben die Welt noch keinen deut weiter gebracht, soeben eher an den wirtschaftlichen Abgrund. Ich habe meine Steuergelder nur sehr ungern für die Rettung der keineswegs verarmten Banker gegeben, ich tröste mich damit, dass man nicht wirklich gefragt hat...
Die Krise hatte ihre letzte Ursache darin, dass es Kreditgebern möglich war, ihre durch die Kreditvergabe an Hans und Franz eingegangenen Risiken vollständig an Investoren in aller Herren Länder weiterzureichen, die die Risiken in keiner Weise mehr gebührend einzuschätzen wussten.
Hätte die Möglichkeit nicht bestanden, die Risiken vollständig weiter zu reichen, viele dieser Kredite wären nie vergeben worden.
Die Krise wäre wohl ausgeblieben.
Prinzip müsste sein, wer einen Kredit vergibt, bleibt in der Verantwortung, bis der Kredit getilgt ist, es sei denn, der Kreditnehmer sucht sich selbständig eine andere Bank, die ihm Geld leiht
Diese wird die Bonität des Kunden natürlich dann erneut genau prüfen.
Ich sehe nicht, dass obiger Artikel wirklich zielgerichtet dazu beitragen könnte, auch nur die Wiederholung der letzten Finanzkrise zu verhindern.
... ist so eine Frage. Die Amis hätten halt nicht so viel kaufen sollen im Ausland. Das sagte Summers damals zu Beginn der Clintonadministration. Aber das haben sie auch nur daher, weil sie so grosse Mengen unter Preis kaufen konnten. Das konnten sie, weil der Yuan zum Dollar viel zu billig fixiert war. usw...Dass dann irgendwelche verantwortungslose Landesbankmanager Anlagen kauften, die sie nicht verstanden? Tja, das wäre Untreue, denke ich.
... ist so eine Frage. Die Amis hätten halt nicht so viel kaufen sollen im Ausland. Das sagte Summers damals zu Beginn der Clintonadministration. Aber das haben sie auch nur daher, weil sie so grosse Mengen unter Preis kaufen konnten. Das konnten sie, weil der Yuan zum Dollar viel zu billig fixiert war. usw...Dass dann irgendwelche verantwortungslose Landesbankmanager Anlagen kauften, die sie nicht verstanden? Tja, das wäre Untreue, denke ich.
Eine in Frankfurt/Main erscheinende Tageszeitung veröffentlicht heute wiederholt die ohnehin seit einiger Zeit allgemein bekannte Diagnose der deutschen Bundeskanzlerin. Demnach rührt die andauernde monetäre Auszehrung weltweit daher, weil das Absolute sozialer Verhältnisse bislang unentwegt infrage gestellt und dadurch ausschließlich von Dritten allenthalben selbst ihr als Kanzlerin unzulässig Schwierigkeiten bereitet würden, die außerdem jedes normale Maß überstiegen. Wegen dieser einschlägigen Diagnose entfallen sämtlich somit Fragen etwa domestizistisch nach "Zähmung" oder technizistisch nach "Stabilisatoren", wenn es längstens genügte, solche Praktiken von vornherein nicht zu beginnen und auf diese Weise das, was unter "Krise" firmiert, flugs in den Orkus entschwinden lassen zu können.
ich bewundere Ihre Sachlichkeit angesichts des in dem Artikel propagierten Katalogs an politisch korrekten aber schon auf mittlere Sicht kontraproduktiven Maßnahmen.
Es tut gut, das einmal zu lesen :-)
Es tut gut, das einmal zu lesen :-)
... ist so eine Frage. Die Amis hätten halt nicht so viel kaufen sollen im Ausland. Das sagte Summers damals zu Beginn der Clintonadministration. Aber das haben sie auch nur daher, weil sie so grosse Mengen unter Preis kaufen konnten. Das konnten sie, weil der Yuan zum Dollar viel zu billig fixiert war. usw...Dass dann irgendwelche verantwortungslose Landesbankmanager Anlagen kauften, die sie nicht verstanden? Tja, das wäre Untreue, denke ich.
Eine Spekulation in neue Produkte (selbst den Transrapid) ist ein erforderliches Risiko um Neues zu schaffen. Da kann man schon mal daneben liegen. Reine "Geld"-Spekulanten haben die Welt noch keinen deut weiter gebracht, soeben eher an den wirtschaftlichen Abgrund. Ich habe meine Steuergelder nur sehr ungern für die Rettung der keineswegs verarmten Banker gegeben, ich tröste mich damit, dass man nicht wirklich gefragt hat...
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