Die schwere Wirtschaftskrise hinterlässt tiefe Spuren in der Unternehmenslandschaft: Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, treibt der heftige Konjunktureinbruch die Zahl der Firmen- und der Privatinsolvenzen in Deutschland weiter in die Höhe.

Demnach stieg die Zahl der Firmenpleiten im Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,9 Prozent auf 2788. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Insolvenzen einschließlich ehemals Selbstständiger um 7,0 Prozent auf 13.655.

Bei den Verbrauchern ergab sich ein Anstieg um 4,1 Prozent auf 8434. Auf das gesamte erste Halbjahr 2009 bezogen allerdings sank die Zahl derer, die von ihren privaten Schulden erdrückt wurden: Von Januar bis Juni entschieden sich rund 48.000 Menschen für den Weg in die Privatinsolvenz, 2,6 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die deutschen Insolvenzverwalter erwarten in den kommenden Monaten einen weiteren deutlichen Anstieg der Firmenpleiten – und das trotz der leichten Erholung der Wirtschaft. Siegfried Beck, Chef des Insolvenzverwalterverbands VID, warnte davor, von 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal gleich auf eine nachhaltige Erholung zu schließen. Erstens gehe die Erholung von einem historischen Tief aus. Zweitens seien hier vermutlich Einmaleffekte am Werk, die durch staatliche Hilfen ausgelöst worden seien.

Und drittens stehe bei wichtigen Schlüsselbranchen eine nachhaltige Erholung noch in weiter Ferne. So müssten der Automobil- und Maschinenbau, aber auch die Möbelindustrie noch eine weite Wegstrecke zurück zur Normalität bewältigen. "Von einem Rückgang der Insolvenzanmeldungen bei Unternehmen ist deshalb vermutlich erst Ende 2010 auszugehen", erklärte Beck.

Besonders besorgniserregend ist aus Sicht des VID, dass zuletzt eine Vielzahl "eigentlich gesunder Unternehmen" habe Insolvenz anmelden müssen. Sie verfügten zwar über eine starke Eigenmittelausstattung und hielten deshalb in der Krise länger durch als andere. "Viele Unternehmen bleiben noch kurz vor Ende der Durststrecke liegen", sagte Beck. "Sie haben keine Reserven mehr, um ans rettende Ufer zu gelangen." Hinzu komme noch die weiterhin sehr vorsichtige Kreditvergabepraxis der Banken, die vor allem den Mittelstand belaste.

Auch in puncto Privatinsolvenzen rechnen die Experten noch mit einer erneuten Zunahme. Sie befürchten in der Spätphase der Krise viele Kündigungen, die wegen der verlängerten Kurzarbeiterregelung von zahlreichen Firmen bislang noch nicht ausgesprochen wurden.