Finanzmarkt US-Finanzminister attackiert die Banken

Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner hat die Kritik der Banken an einer zu scharfen Regulierung zurückgewiesen.

Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner

Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnte am Wochenende vor einer Überregulierung des Bankenwesens in Folge schärferer Kapitalregeln. Es bestehe die Gefahr, dass dadurch das globale Wirtschaftswachstum gebremst werde, sagte Ackermann. Ähnlich hatte sich der Chef des Bundesverbands der deutschen Banken geäußert.

Auf die Frage, ob die Bedenken der Banken gerechtfertigt seien, sagte US-Finanzminister Timothy Geithner im Gespräch mit ZEIT ONLINE: "Ich glaube, das ist Lobbying. Natürlich gibt es das Risiko, dass man zu schnell vorgeht, aber das ist nicht das größte Risiko. Das größte Risiko ist, dass es uns nicht gelingt, den politischen Willen für Reformen aufrechtzuerhalten."

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"Die Banken tun das, was zu erwarten war. Sie präsentieren Argumente, die nahelegen, es gehe hier um Wachstum. Aber ohne ein stabiles Finanzsystem kann keine effiziente Allokation von Kapital statt finden", so Geithner.

Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen hatten vor mehr als einer Woche schärfere Regeln für die Bankenbranche nach der Finanzkrise angekündigt. Es wird mit höheren Eigenkapitalanforderungen gerechnet. Europäische Banken befürchten Wettbewerbsnachteile gegenüber US-Instituten.

Das ausführliche Interview mit Timothy Geithner lesen Sie am Donnerstag in der ZEIT.

 
Leser-Kommentare
    • Rebel
    • 04.10.2009 um 20:13 Uhr

    Das derzeitige Finanzsystem mit Aufsichtsstrukturen und die finanzielle Stützung durch den Staatshaushalt ist in höchsten Maße ineffizient. Die Bankenlobby verleugnet diesen volkswirtschaftlichen Zustand aus eigeninteressengeleiteten Vorteilen. Damit bleibt eine weitere Finanzkrise vorhersagbar. Unabhängigkeit und Durchsetzung volkswirtschaftlicher Grundregeln können diesen Zustand ändern. Das derzeitige Führungspersonal ist aus persönlicher Abhängigkeit und Machtgier nicht zur Umsetzung willens und fähig. Alles nur schöne Worte. Es geht weiter wie gewollt.

    • Rebel
    • 05.10.2009 um 4:46 Uhr

    für Keynesianer und Monetaristen:

    http://www.wissensnavigat...

    Und nun ?

    Minskys beinahe konsequente Vernachlässigung von fundamentalen Verteilungsaspekten wie Arbeitslosigkeit, Einkommens- resp. Vermögensungleichheit und schliesslich auch von
    wirtschaftlicher Macht in kapitalistischen Gesellschaften lässt den Schluss zu, dass er davon ausging, dass sich diese Probleme von selbst lösen, wenn das kapitalistische Finanzsystem
    stabilisiert werden kann. Dies zeigt sich auch in den wirtschaftspolitischen Vorschlägen von Minsky, die vor allem auf die Stabilisierung des Finanzsystems ausgerichtet sind. Hierbei werden Fragen des ungleichen Wohlstands und ungleicher Machtverhältnisse in kapitalistischen Gesellschaften, wenn überhaupt, nur am Rande gestreift (Dymski/Pollin
    1992, S. 53).

  1. "Das größte Risiko ist, dass es uns nicht gelingt, den politischen Willen für Reformen aufrechtzuerhalten."
    Da trifft Timothy Geithner den Punkt, wobei ich einwerfen möchte, dass die zeitversetzt eintretenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, ausgelöst durch Bankenkrise, auf den Arbeitsmarkt sowie die anschwellende Zahl der Regelinsolvenzen kleiner und mittlerer Unternehmen unübersehbare Merkposten für die verantwortlichen Politiker sind und bleiben werden, die Finanzmärkte effizienter zu kontrollieren. Das verlangsamt vielleicht vordergründig Wachstum, bringt aber m.E. auf lange Sicht die nachhaltigere Konsolidierung.

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