Nobelpreisträgerin Ostrom "Wir dürfen uns nicht nur auf Klimaabkommen verlassen"
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"Wir müssen lernen, als Wissenschaftler zusammenzuarbeiten"

ZEIT ONLINE: Ihre Forschung lehrt, dass Selbstverwaltung immer dann gut funktioniert, wenn sich die Teilnehmer gut kennen und intensiv miteinander kommunizieren.

Ostrom: Das hilft zumindest sehr.

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ZEIT ONLINE: Im Internet ist das oft anders. Man bekommt seine Kommunikationspartner nicht zu Gesicht. 

Ostrom: Das stimmt in einigen Fällen. Allerdings gibt es im Internet auch sehr enge Formen der Kommunikation. Nehmen Sie etwa gemeinsame Entwicklung von Software. Man trifft sich zwar nicht persönlich, entwickelt aber enge Beziehungen zueinander. Ähnlich ist das auch bei kollaborativen Projekten wie Wikipedia. Da können wir Erkenntnisse aus unserer Forschung durchaus übertragen.

ZEIT ONLINE: Die Reputation der Ökonomen hat in der Krise sehr gelitten. Nur wenige haben die Krise richtig vorhergesehen. Hinzu kommt die Kritik, die Ökonomie sei zu abstrakt, die Modelle zu abgehoben. Große Teile Ihrer Arbeit sind konkreter. Sie arbeiten mithilfe von Feldforschung und Laborversuchen. Wird die Wirtschaftswissenschaft dadurch relevanter?

Ostrom:Ja. Ich arbeite eng mit einer Reihe von Ökonomen zusammen. Wir betreiben Spieltheorie und machen Experimente, und wir betreiben Feldforschung, und verzahnen beides miteinander. Eigentlich bin ich eine Feldforscherin, und ich glaube, ich kann inzwischen gut interpretieren, was ich da draußen sehe. Häufig aber passiert im Leben zu viel gleichzeitig, die Sache wird zu komplex. Dann kehrt man zur Theorie und ins Labor zurück, um die einzelnen Phänomene auseinanderzudividieren und tiefer zu verstehen.

ZEIT ONLINE: Wenn Sie eine Forschungsagenda zu formulieren hätten: Was stünde ganz oben?

Ostrom: Wir müssen lernen, als Wissenschaftler zusammenzuarbeiten. Wir können nicht alle relevanten Methoden beherrschen, jeder für sich, sondern müssen mit den Fachkollegen zusammenarbeiten, die die jeweiligen Methoden wirklich gut beherrschen.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?

Ostrom: Wenn wir einige der großen Umweltprobleme lösen wollen, müssen wir viel enger mit den Umweltwissenschaftlern zusammenarbeiten. Wir müssen die ökologische Seite genauso verstehen wie die sozialwissenschaftliche.

Das Gespräch führte Thomas Fischermann.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Fischermann: Bekommen wir doch noch die großen Menschheitsfragen in den Griff, allen voran das Klimaproblem?
    Elinor Ostrom (lacht): Wir werden es wohl müssen ...
    *** Lacht sie ihn aus? Lacht sie über so viel Unkenntnis beim Interviewer? ***
    Fischermann: (Der Schlüsselartikel von der Tragedy of the Commons) ... der zu dem Schluss kam, gemeinsam genutzte Güter würden am Ende stets ausgebeutet und zerstört ...
    Ostrom: ... wurde von Garrett Hardin geschrieben, einem Biologen. Es ist wichtig, diesen Pessimismus infrage zu stellen. Falsch ist allerdings auch, dass solche Probleme ganz von alleine verschwinden würden. Erfahrungsgemäß lösen sich vieler solcher Dilemmata – und viele tun es nicht.
    *** Da bleibt dann dioch wenigstens die Erkenntnis, dass man auch den Klimapessimismus des Interviewers in Frage stellen sollte. ***

    Ostrom: Wenn wir einige der großen Umweltprobleme lösen wollen, müssen wir viel enger mit den Umweltwissenschaftlern zusammenarbeiten. Wir müssen die ökologische Seite genauso verstehen wie die sozialwissenschaftliche.
    *** Also sieht Frau Ostrom die Notwendigkeit, die umweltpolitische Seite zu verstehen, um handeln zu wollen und können. Davon, dass die umweltpolitische Seite bereits verstanden sei, sagt sie kein Wort.
    Herr Fischermann sieht das zwar völlig anders, und das hat er ja ausführlich darlegen können. Warum hat er nicht sich selbst interviewt?

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