Krisenpolitik "Wir brauchen Keynes 2.0"
Mehr Macht für die Zentralbank? Der Ökonom Ulrich van Suntum plädiert für negative Zinsen in Rezessionsphasen - und eine Fortentwicklung des Keynesianismus.
ZEIT ONLINE: Herr van Suntum, sie sagen, die Krisenpolitik der Regierung ist zu teuer und ineffektiv. Was läuft falsch?
Ulrich van Suntum: Im Moment folgen die Regierungen einhellig dem Rat John Maynard Keynes': Fällt die Nachfrage der Privaten aus, muss der Staat als Nachfrager einspringen. Deshalb werden auf der ganzen Welt milliardenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt. Verschiedene Untersuchungen zeigen aber, dass die Pakete eher geringe Effekte zeitigen. Dafür steigt die Staatsverschuldung enorm, am Kapitalmarkt entsteht ein Verdrängungseffekt. Die Banken leihen in der Krise lieber dem Staat Geld als den Privaten. Die kommen schwerer an Kredite.
ZEIT ONLINE: Die Alternative zu Konjunkturprogrammen wäre gewesen, den Absturz der Volkswirtschaften hinzunehmen.
Van Suntum: Nicht unbedingt. Man hätte stattdessen dafür sorgen können, dass die private Nachfrage wieder anspringt. Der Keynesianismus ist in Folge der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren entstanden. Wir brauchen eine Weiterentwicklung, gewissermaßen einen Keynes 2.0.

ist Leiter des Instituts für Siedlungs- und Wohnungswesen in Münster und Botschafter der Initiative neue soziale Marktwirtschaft.
ZEIT ONLINE: Wie stellen Sie sich das vor?
Van Suntum: Die Wurzel des Problems war doch, dass der Geldkreislauf nach dem September 2008 dramatisch geschrumpft ist. Die Zentralbanken haben die Zinsen auf Null gesetzt, aber die Banken haben ihr Geld trotzdem auf Zentralbank-Konten geparkt oder es dem Staat geliehen, statt es an die Unternehmen weiter zu leiten. Im Kern gesunde Firmen kamen dadurch nicht mehr an Liquidität. Ich schlage deshalb vor, dass die Notenbank die Möglichkeit erhält, im Notfall auch zu negativen Zinsen Geld an die Banken zu verteilen.
ZEIT ONLINE: Das würde bedeuten, dass sich eine Bank beispielsweise eine Million Euro von der Zentralbank leiht, aber im Falle eines Zinssatzes von minus fünf Prozent nur 950.000 Euro zurückzahlt. Die Bank würde Gewinne machen, ohne etwas dafür zu tun.
Van Suntum: Deshalb schlage ich vor, den Zins variabel zu halten. Er sollte sich nach der jeweiligen Wachstumsrate im Quartal richten: Haben wir eine Rezession, ist er negativ, erholt sie sich wieder, ist er positiv. Die Banken müssen also mit dem Geld arbeiten, weil sie ja nach der Rezession wieder Zinsen zahlen müssen, statt welche geschenkt zu bekommen. Wenn sie das Geld einfach nur festhalten, würden sie also Verlust machen.
ZEIT ONLINE: Warum sollte der Staat den Banken, die mit ihrer Zockereien zur Krise beigetragen haben, in der Krise auch noch Geld schenken?
Van Suntum: Weil wir in einer Liquiditätsfalle stecken. Es gibt genügend Geld am Markt, aber es kommt nicht bei den Unternehmen an. Dort müssen wir ansetzen, statt künstliche Nachfrage über teure Konjunkturprogramme zu schaffen. Wenn die Unternehmen wieder investieren können, trägt das dazu bei, dass neue Jobs entstehen und – damit verbunden – mehr private Nachfrage.
ZEIT ONLINE: Ist es nicht richtig, dass die Banken weniger Kredite geben? Sie sind vorsichtig, weil sie fürchten Geld zu verlieren, wenn ihre Kunden Pleite gehen. Warum muss die Notenbank da nachhelfen?
Van Suntum: Für jede einzelne Bank mag es richtig sein, weniger Kredite zu vergeben. Makroökonomisch ist es fatal. Das ist ein wenig wie bei einem Flugzeug. In guten Zeiten kann man auf den Autopilot vertrauen. In schlechten Zeiten muss man auf Handsteuerung umschalten.
ZEIT ONLINE: Wie wollen Sie gewährleisten, dass die Banken mit dem billigen Geld nicht wieder zocken, statt es an die Unternehmen zu verleihen?
Van Suntum: Durch eine strikte Bankenaufsicht. Die brauchen wir ohnehin. Die Politik kann auch die Kreditvergabe an Bedingungen knüpfen. Nur wenn die Bank das Geld an die Unternehmen weiterreicht, darf sie sich über das Negativzins-Programm der Bundesbank finanzieren.
ZEIT ONLINE: Klingt nach einem enormen Aufwand. Überhaupt ist es doch fragwürdig, ob die Banken selbst bei negativen Zinsen mehr Geld verleihen, wenn sie fürchten, dass eine Firma in der Rezession Pleite geht.
Van Suntum: Ja, aber die Bank kann durch die Negativzinsen ihr Risiko abfedern, ohne dass das den Unternehmen weh tut.
ZEIT ONLINE: Mit anderen Worten: Die Zinsgewinne der Banken steigen.
Van Suntum: Nicht unbedingt. Die Banken verleihen ja im Gegenzug auch wieder mehr Kredite an Unternehmen. Falls die Pleite gehen, müssen die Banken die Verluste tragen. Mit dem Vorwurf der Linken, dass ich nur den Banken zu mehr Gewinnen verhelfen wolle, kann ich leben. Natürlich sagen die: Die Ökonomen sind jetzt völlig verrückt geworden. Aber als Wirtschaftswissenschaftler mache ich meinen Job schlecht, wenn ich nicht bereit bin, neue Ideen zu denken.
Das Gespräch führte Philip Faigle.
- Datum 01.10.2009 - 15:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wie kann das sein? Ein "Botschafter der Initiative neue soziale Marktwirtschaft" kommt hier zu Wort, um so relevante Themen wie "Keynes 2.0" und die Macht der Zentralbank zu erörtern.
Das Land verfügt hinlänglich über kompetente und unabhängige Wissenschaftler. Da sind derartige "Botschafter" - zumindest in renommierten Publikationen - gänzlich verzichtbar.
Der ZEIT möchte man zurufen: Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist. Ich bitte den Herausgeber Helmut Schmidt inständig, sich derartiger Vorfälle anzunehmen.
Warum wird nicht Herr Prof. Bernd Senf gefragt? Dieser Mann hat wirklich Ahnung!
www.berndsenf.de
[entfernt: Bitte vermeiden Sie persönliche Angriffe und Unterstellungen. Die Redaktion/ altun]
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Im Prinzip ist die Idee ja gut (wenn auch nicht neu). Nur handelt es sich dann bei den Zinszahlungen durch die Notenbank um reine Geschenke. Nur warum sollten diese ausgerechnet die Banken bekommen?
Der vermeintliche Zweck ist es natürlich die Kreditvergabe durch die Banken anzukurbeln, also will man deren Liquidität so überquellen lassen, dass etwas in die Realwirtschaft "herunter tropft". Genau diese Politik ist aber die Wurzel der meisten Probleme, denn die Banken können mit dem Geld nun mal machen was sie wollen - insbesondere in Finanzblasen investieren. Das ist nämlich sehr profitabel solange man rechtzeitig abspringt. Auch die irrsinnigen Boni sind eine Folge dieser Politik:: Sie sind schlicht Ausdruck der Tatsache, dass auf dem Weg in die Realwirtschaft sehr viel hängen bleibt, das Verfahren somit extrem ineffektiv ist. Das Ergebnis ist dann eine weitgehend virtuelle Finanzwirtschaft, die für die Realwirtschaft schnell eine echte Belastung werden kann.
Stattdessen müsste man die unselige "Trickle-down-Theorie" endlich aufgeben. Kapitalakkumulation funktioniert von unten nach oben. Wenn man der Wirtschaft Erleichterung verschaffen will, dann tut man das am besten von unten.
Den Banken enstehen durch den Geschäftsbetrieb Kosten.
Bei der Vergabe von Krediten zu 0% sollen diese Kosten von der Allgemeinheit übernommen werden.
Sie zahlen weniger Geld an die EZB zurück als sie von dort bekommen haben.
Bei verstaatlichten Banken könnte dies funktionieren.
Sind die explodierenden Staatschulden durch Konjunkturprogramme verursacht worden oder sind die Schulden sind einzig und allein das Ergebnis der Umverteilung von unten nach oben und das Ergebnis völlig falscher Steuerreformen?
Da war auch noch die deutsche Einheit!
Die Menschen mit durchschnittlichem und erst recht mit unterdurchschnittlichem Einkommen geben ihr Geld aus.
Sie brauchen mehr Einkommen, erst dann gibt es mehr Nachfrage, und erst dann haben die Unternehmen auch wieder einen Grund zu investieren.
Herr von Suntum hat überhaupt nicht begründet, warum trotz schrumpfender privater Nachfrage und damit düsterer Zukunftserwartungen die Unternehmen mehr investieren wollen.
Ja vor zwei Stunden hat die INSM der Bundesregierung die Kürzung der Löhne der Bundesregierung befohlen.
z.B. Gesundheitssystem Kopfpauschale.
[entfernt: Bitte vermeiden Sie persönliche Angriffe und Unterstellungen. Die Redaktion/ altun]
Gesell, der bereits den Nazis Pate stand?
"Unabhängig von seiner Bedeutung für die Lehre der Freiwirtschaft wird Gesell immer wieder mit Rassismus, Antisemitismus, Eugenik und Sozialdarwinismus in Verbindung gebracht. Genährt werden solche Verbindungen durch einzelne Redewendungen und Stereotypen in Gesells Schriften. So schrieb er beispielsweise von der „Hochzucht des Menschengeschlechts“, dem „Zuchtwahlrecht der Frauen“ oder hoffte auf eine „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“."
http://de.wikipedia.org/w...
Den wollen Sie uns echt andienen?
Ich rede nur von seiner Idee eines Wirtschaftssystems ohne Zinsen, das man sich ansehen könne um eventuell Lösungen für Fehler in unserem System zu finden. Mal über den Tellerrand schauen.
Wenn sie einen Verfecher der Freiwirtschaft hören wollen, dann wenden sie sich bitte an Herrn Bernd Senf.
Ach Herr Pausenfüller, bitte. Wer nur unreflektiert die Kritik liest und meint das sei "objektive Meinungsbildung", na gut. Abgesehen davon dass Wikipedia keine wissenschaftliche Quelle, d. h. auch nicht ausreichend neutral bzw. "redaktionell abgesichert" ist, empfehle ich vielmehr, wenigstens mal die Antworten der "Experten" dazu zu lesen:
http://www.sozialoekonomi...
Wer das natürlich nicht sehen will, dem ist nicht mehr zu helfen...
Ich rede nur von seiner Idee eines Wirtschaftssystems ohne Zinsen, das man sich ansehen könne um eventuell Lösungen für Fehler in unserem System zu finden. Mal über den Tellerrand schauen.
Wenn sie einen Verfecher der Freiwirtschaft hören wollen, dann wenden sie sich bitte an Herrn Bernd Senf.
Ach Herr Pausenfüller, bitte. Wer nur unreflektiert die Kritik liest und meint das sei "objektive Meinungsbildung", na gut. Abgesehen davon dass Wikipedia keine wissenschaftliche Quelle, d. h. auch nicht ausreichend neutral bzw. "redaktionell abgesichert" ist, empfehle ich vielmehr, wenigstens mal die Antworten der "Experten" dazu zu lesen:
http://www.sozialoekonomi...
Wer das natürlich nicht sehen will, dem ist nicht mehr zu helfen...
Ich rede nur von seiner Idee eines Wirtschaftssystems ohne Zinsen, das man sich ansehen könne um eventuell Lösungen für Fehler in unserem System zu finden. Mal über den Tellerrand schauen.
Wenn sie einen Verfecher der Freiwirtschaft hören wollen, dann wenden sie sich bitte an Herrn Bernd Senf.
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