Jugendarbeitslosigkeit
Keine Jobs für Spaniens "verlorene Generation"
In Spanien ist die Jugendarbeitslosigkeit höher als anderswo in Europa – am Bildungssystem wurde gespart. Auch Akademiker finden keine Stelle. Von Ralph Schulze, Madrid
© Pierre-Philippe Marcou/afp/Getty Images

José Maria Garcia, ein 34jähriger arbeitsloser Spanier, isst in einer Suppenküche in der Nähe von Madrid zu Mittag
Die Schlange führt morgens um neun, als das Arbeitsamt aufmacht, bereits bis zur nächsten Straßenecke. Einer von jenen, die sich in Parla, einem Vorort im Süden Madrids, vor der Tür die Beine in den Bauch stehen, heißt José Martinez. Seit sechs Uhr wartet der 21-jährige in der Straße San Blas, um im Amt zu fragen, ob es in Spanien Arbeit für ihn gibt.
"Es ist zum Verrücktwerden", sagt José. Jeden Monat komme er vorbei. "Nichts. Kein einziges Angebot." Seit Januar geht das so. "Ich habe die Schule mit 15 abgebrochen und dann auf dem Bau als Maurer angefangen", erzählt er. Fünf Jahre zog er täglich Hauswände hoch. Doch als Spaniens überhitzter Immobilienmarkt zusammenbrach, war auch sein Arbeitgeber plötzlich bankrott – und José ohne Job.
Im Moment bewegt sich nichts
Berater auf einem Arbeitsamt bei Madrid
Parla gilt als Brennpunkt der Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt-Region Madrid. Eine Schlafstadt, die vor allem durch Landflüchtlinge aus der Provinz, Immigranten (25 Prozent der Einwohner) und billigen Wohnraum ungezügelt wucherte. Die Hälfte der 108.000 Einwohner ist jünger als 35 Jahre. Die offizielle Arbeitslosigkeit Parlas liegt bei über 20 Prozent, die inoffizielle bei nahezu 40 Prozent.
Als José endlich bis zum Schalter vordringt, ist es elf Uhr. Doch auch heute macht ihm das Arbeitsamt, das in Spanien Inem heißt, keine Hoffnung. "Tut mir leid", sagt der Berater, "im Moment bewegt sich nichts." In der Wirtschaftskrise, die Spanien heftiger erwischte als die europäischen Nachbarn, gibt es keine neuen Jobs. Erst Recht nicht für junge Leute.
Viele Jahre erstaunte der südeuropäische Aufsteiger damit, dass es so viele Arbeitsplätze schuf, wie sonst kein EU-Land. "Ein wunderbares Wachstum", jubelte damals José Luis Zapatero, der sozialdemokratische Regierungschef. Dem Höhenflug, angetrieben durch einen irren Bauboom, folgte ein tiefer Fall, nachdem der aufgeblähte Wohnungsmarkt wie ein Kartenhaus zusammenfiel: Spanien ist heute Europas schlimmster Arbeitsplatzvernichter.
Die Gesamtarbeitslosigkeit liegt laut Eurostat bei 19 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei dramatischen 39 Prozent – beide Quoten doppelt so hoch wie der EU-Schnitt und weiter steigend (vgl. Infografik auf der folgenden Seite). Die junge Generation zwischen 16 und 25 Jahren leidet unter der höchsten Arbeitslosenquote der EU. "Generation Null" wurden die jungen Spanier von Spaniens größter Tageszeitung El País getauft, weil sie "Null Arbeitschancen" haben.
Fälle wie jener Josés gibt es Tausende in der Arbeitervorstadt Parla, und Hunderttausende im ganzen Land. Schulabbrecher machen den Großteil des jugendlichen joblosen Heeres von 875.000 Menschen aus. Spanien beherbergt, mangels Bildungsinvestitionen, mit die meisten Schulversager Europas: Ein Viertel der Schüler gibt vor dem mittleren Bildungsabschluss auf. Das rächt sich: In der Krise haben vor allem die Unqualifizierten das Nachsehen.
- Datum 28.10.2009 - 16:20 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 7
- Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Die OECD hat vor kurzem in einem Ranking festegstellt, dass die Lenensqualität in Spanien deutlich höher liegt als in Deutschland oder in Italien. Wie passt das zu dieser Nachricht ? Außerdem sagte Zapatero, dass Spanien Deutschland bald beim pro Kopf BIP überholen werde.
Wer soll nach Meinung des OECD Chefs die Milliardenprogramme finanzieren ? Wieder die EU Nettozahler ?
Ich denke die Krise der spanischen Wirtschaft ist nicht nur auf die weltweite Rezession zurückzuführen. Ein Problem lag darin, dass ein Wirtschaftswachstum künstlich durch von der EU mitfinanzierte Bauprojekte geschaffen wurde. (Spanien hat netto mehr Geld von der EU erhalten als jedes andere Land) Als das Geld verbaut war fielen die Arbeitsplätze dann weg. Daher sollte man die EU Subventionspolitik überdenken.
Anstatt Prestigebauten wie Hochgeschwindigkeitszüge, Luxusbahnhöfe und neue Flughafenterminals zu bezahlen sollte die EU nur noch Maßnahmen finanzieren, die der Qualifizierung von Arbeitslosen und der Schaffung einer industriellen Basis dienen.
Prachtbauten und neue U bahnen können die Mitgliedstaaten später alleine finanzieren, wenn sie eine gute Wirtschaftslage haben.
Die Statistik belegt meiner Ansicht nach die These, dass ein Mindestlohn zu einer hohen Jugendarbeitslosigkeit führt. Die Niederlande, Dänemark und der UK haben einen relativ hohen Mindestlohn und trotzdem mit die geringste Jugendarbeitslosigkeit !
Irgendwie haben sie es geschafft sich in nur 2 Sätzen selbst zu widersprechen, oder haben Sie nur im ersten Satz ein "nicht" vergessen???
>"Zerstörerisch, unerträglich und nicht hinnehmbar", sei Spaniens Horrorquote der Jugendarbeitslosigkeit, sagt Spaniens konservativer Oppositionschef Mariano Rajoy.<
Entschuldigung, welche Partei hat denn diese Schutzlosigkeit AUCH zugelassen? Das war doch Rajoy's Vorgänger als Parteivorsitzender...
Spanien müsste viel mehr in Bildung, Fortbildung, Wissenschaft investieren. Stattdessen wird genau dort gespart.
Irgendwie haben sie es geschafft sich in nur 2 Sätzen selbst zu widersprechen, oder haben Sie nur im ersten Satz ein "nicht" vergessen???
Entschuldigung ich habe ein "nicht" vergessen. Es sollte natürlich heißen: Die Statistik belegt meiner Ansicht nach die These, dass ein Mindestlohn nicht zu einer hohen Jugendarbeitslosigkeit führt. :)
Entschuldigung ich habe ein "nicht" vergessen. Es sollte natürlich heißen: Die Statistik belegt meiner Ansicht nach die These, dass ein Mindestlohn nicht zu einer hohen Jugendarbeitslosigkeit führt. :)
die jugendarbeitslosigkeit wäre auch mit ausbildung so hoch
weil maurer , KFZ-mechaniker,maler und und und eben doch im familien betrieb anfangen oder beim onkel lernen
Die soziale sicherheit in spanien basiert auf der katholischen grossfamilie nicht auf dem Staat.
hunderttausende "private" Wohnungsbauer haben Ihre gesamte Familie in das Business einbezogen
die jungs auf dem bau die maedchen im Buro.
Das Konzept einer dreijährigen Berufsausbildung gibt es in spanien praktisch nicht. hier ist qualifizeiert wer empfohlen wird .punkt.
Das würde auch herfvorragend fünktionieren wenn spanien nicht den riesen fehler gemacht hätte der EU beizutreten .
Man kann hier nicht mit der deutschen oder amgelsächsischen messlatte rangehen. Sie würden ja Birnen und Äpfel auch nicht als das selbe bezeichnen
Spanien muss vorallem vom mitteleuropäischen Bildungsbürger in ruhe gelassen werden und nicht in seiner neurothischen absurden Sprache sprechen müssen .Sein grosskötziger und omnipotenter "das solltest du eigentlich wissen " Anspruch ist der Improvisierten und heutebezognenen denkweise des Spaniers schier zuwieder.Zertifikate und Abschlüsse sind hier nur soviel Wert wie der Arbeiter auch beweisen kann das er kann was von Ihm laut Papier verlangt wird . deswegen die Zeitverträge und 0,5% Blaumacher ;)
Arbeit haben war und ist der Kern des Spanischen Stolzes .
Dabei spielt Qualifizierung nur eine untergeordnete Rolle .
Ich bin ein hoch qualifizierter Facharbeiter im IT Bereich
habe meine Arbeit verloren weil ich jung bin und keine Familie ernähren muss . Ein 52 jähriger hat dafür weiter arbeiten dürfen und wurde vor einer tiefen altersdepression bewahrt . Ich finde das nur gerecht . Ich finde schon wieder was , er warscheinlich nicht .
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren