Jugendarbeitslosigkeit Keine Jobs für Spaniens "verlorene Generation"Seite 2/2

Aber auch junge Akademiker machen die brutale Erfahrung, dass das Studium immer öfter in die Arbeitslosigkeit führt. Zum Beispiel Maria Gallego. Die 25-jährige Betriebswirtin aus der Hauptstadt Madrid beginnt seit Monaten den Tag in ihrer Studentenbude vor dem Computer: Durchforsten von Jobportalen im Internet, Bewerbungen für ein Praktikum, Kontakte suchen.

"Frustrierend", sagt sie. "Wir werden wohl nicht gebraucht." Überall suche man Kandidaten mit "mindestens drei Jahren Berufserfahrung". Und unter den Arbeitslosen gebe es derzeit "Zehntausende Akademiker mit zehn Jahren Berufserfahrung".

Ich dachte, mir gehört die Zukunft, aber nun fühle ich mich als die große Verliererin

Maria Gallego, Betriebswirtin, 25 Jahre

Die frisch studierten Ingeniere, Architekten, Juristen und Wissenschaftler bevölkern nicht die Arbeitsämter, denn dort finden sie weder finanzielle Stütze noch Jobs. Lieber suchen sie auf eigene Faust. Laut offizieller Statistik machen sie 25 Prozent der jugendlichen Arbeitslosen aus.

Kein Job, keine Unabhängigkeit, keine eigene Wohnung. "Ich ziehe zurück zu meinen Eltern", kündigt Maria an. "Kein Geld mehr." Auch der Stundenjob als Hilfskellnerin sei gekündigt worden. Einen Kredit für das Studium müsse sie noch zurückzahlen. "Ich dachte, mir gehört die Zukunft, aber nun fühle ich mich als die große Verliererin." Adiós,
Emanzipation.

"In Krisenzeiten", sagt der Soziologieprofessor Javier Elzo, "ist es normal, dass die Arbeitslosigkeit unter den jungen Menschen wütet." Es sei schlicht einfacher und oft "gerechter", jüngere Beschäftigte zu entlassen, als ältere Angestellte, die von ihrem Lohn eine Familie ernähren müssten.

Zerstörerisch, unerträglich und nicht hinnehmbar

Spaniens Oppositionschef Mariano Rajoy zur Jugendarbeitslosigkeit

Hinzu kommt, dass gut 90 Prozent der Arbeitnehmer unter 25 in Spanien üblicherweise mit "Müllverträgen" arbeiten. So nennt man zeitlich befristete Jobs, die leicht gestrichen werden können. "Die Jungen sind deshalb sehr verwundbar", bedauert Pilar Duce, Sprecherin der Gewerkschaft UGT.

"Zerstörerisch, unerträglich und nicht hinnehmbar", sei Spaniens Horrorquote der Jugendarbeitslosigkeit, sagt Spaniens konservativer Oppositionschef Mariano Rajoy. Während sich die sozialdemokratische Regierung Zapateros seit Monaten im Gesundbeten der Arbeitslosenkatastrophe übt. Und Arbeitsminister Celestino Corbacho "positive Ergebnisse" der staatlichen Beschäftigungspolitik ausmacht.

Derweil fordert José Angel Gurria, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Jobkrise mit entschlossenen Milliardenprogrammen entgegenzusteuern, ähnlich wie bei der Überbrückung der Finanzkrise. Sonst, warnt Gurria, werde eine "verlorene Generation" junger Menschen heranwachsen.

 
Leser-Kommentare
  1. Die OECD hat vor kurzem in einem Ranking festegstellt, dass die Lenensqualität in Spanien deutlich höher liegt als in Deutschland oder in Italien. Wie passt das zu dieser Nachricht ? Außerdem sagte Zapatero, dass Spanien Deutschland bald beim pro Kopf BIP überholen werde.

    Wer soll nach Meinung des OECD Chefs die Milliardenprogramme finanzieren ? Wieder die EU Nettozahler ?

    Ich denke die Krise der spanischen Wirtschaft ist nicht nur auf die weltweite Rezession zurückzuführen. Ein Problem lag darin, dass ein Wirtschaftswachstum künstlich durch von der EU mitfinanzierte Bauprojekte geschaffen wurde. (Spanien hat netto mehr Geld von der EU erhalten als jedes andere Land) Als das Geld verbaut war fielen die Arbeitsplätze dann weg. Daher sollte man die EU Subventionspolitik überdenken.

    Anstatt Prestigebauten wie Hochgeschwindigkeitszüge, Luxusbahnhöfe und neue Flughafenterminals zu bezahlen sollte die EU nur noch Maßnahmen finanzieren, die der Qualifizierung von Arbeitslosen und der Schaffung einer industriellen Basis dienen.

    Prachtbauten und neue U bahnen können die Mitgliedstaaten später alleine finanzieren, wenn sie eine gute Wirtschaftslage haben.

  2. Die Statistik belegt meiner Ansicht nach die These, dass ein Mindestlohn zu einer hohen Jugendarbeitslosigkeit führt. Die Niederlande, Dänemark und der UK haben einen relativ hohen Mindestlohn und trotzdem mit die geringste Jugendarbeitslosigkeit !

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    • Buker
    • 29.10.2009 um 11:31 Uhr

    Irgendwie haben sie es geschafft sich in nur 2 Sätzen selbst zu widersprechen, oder haben Sie nur im ersten Satz ein "nicht" vergessen???

    • Buker
    • 29.10.2009 um 11:31 Uhr

    Irgendwie haben sie es geschafft sich in nur 2 Sätzen selbst zu widersprechen, oder haben Sie nur im ersten Satz ein "nicht" vergessen???

  3. >"Zerstörerisch, unerträglich und nicht hinnehmbar", sei Spaniens Horrorquote der Jugendarbeitslosigkeit, sagt Spaniens konservativer Oppositionschef Mariano Rajoy.<

    Entschuldigung, welche Partei hat denn diese Schutzlosigkeit AUCH zugelassen? Das war doch Rajoy's Vorgänger als Parteivorsitzender...

    Spanien müsste viel mehr in Bildung, Fortbildung, Wissenschaft investieren. Stattdessen wird genau dort gespart.

    • Buker
    • 29.10.2009 um 11:31 Uhr
    4. ? ? ?

    Irgendwie haben sie es geschafft sich in nur 2 Sätzen selbst zu widersprechen, oder haben Sie nur im ersten Satz ein "nicht" vergessen???

    Antwort auf "Mindestlohn"
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    Entschuldigung ich habe ein "nicht" vergessen. Es sollte natürlich heißen: Die Statistik belegt meiner Ansicht nach die These, dass ein Mindestlohn nicht zu einer hohen Jugendarbeitslosigkeit führt. :)

    Entschuldigung ich habe ein "nicht" vergessen. Es sollte natürlich heißen: Die Statistik belegt meiner Ansicht nach die These, dass ein Mindestlohn nicht zu einer hohen Jugendarbeitslosigkeit führt. :)

  4. Entschuldigung ich habe ein "nicht" vergessen. Es sollte natürlich heißen: Die Statistik belegt meiner Ansicht nach die These, dass ein Mindestlohn nicht zu einer hohen Jugendarbeitslosigkeit führt. :)

    Antwort auf "? ? ?"
  5. die jugendarbeitslosigkeit wäre auch mit ausbildung so hoch
    weil maurer , KFZ-mechaniker,maler und und und eben doch im familien betrieb anfangen oder beim onkel lernen
    Die soziale sicherheit in spanien basiert auf der katholischen grossfamilie nicht auf dem Staat.
    hunderttausende "private" Wohnungsbauer haben Ihre gesamte Familie in das Business einbezogen
    die jungs auf dem bau die maedchen im Buro.
    Das Konzept einer dreijährigen Berufsausbildung gibt es in spanien praktisch nicht. hier ist qualifizeiert wer empfohlen wird .punkt.
    Das würde auch herfvorragend fünktionieren wenn spanien nicht den riesen fehler gemacht hätte der EU beizutreten .
    Man kann hier nicht mit der deutschen oder amgelsächsischen messlatte rangehen. Sie würden ja Birnen und Äpfel auch nicht als das selbe bezeichnen

  6. Spanien muss vorallem vom mitteleuropäischen Bildungsbürger in ruhe gelassen werden und nicht in seiner neurothischen absurden Sprache sprechen müssen .Sein grosskötziger und omnipotenter "das solltest du eigentlich wissen " Anspruch ist der Improvisierten und heutebezognenen denkweise des Spaniers schier zuwieder.Zertifikate und Abschlüsse sind hier nur soviel Wert wie der Arbeiter auch beweisen kann das er kann was von Ihm laut Papier verlangt wird . deswegen die Zeitverträge und 0,5% Blaumacher ;)
    Arbeit haben war und ist der Kern des Spanischen Stolzes .
    Dabei spielt Qualifizierung nur eine untergeordnete Rolle .
    Ich bin ein hoch qualifizierter Facharbeiter im IT Bereich
    habe meine Arbeit verloren weil ich jung bin und keine Familie ernähren muss . Ein 52 jähriger hat dafür weiter arbeiten dürfen und wurde vor einer tiefen altersdepression bewahrt . Ich finde das nur gerecht . Ich finde schon wieder was , er warscheinlich nicht .

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