Gesundheitsfonds Experten erwarten Milliarden-Defizit bei den Krankenkassen
Die gesetzlichen Krankenkassen müssen damit rechnen, 2010 Verluste in Höhe von 7,45 Milliarden Euro zu machen – neuer Konfliktstoff für die Berliner Koalitionäre.
© Jens Ressing/dpa

Die Gesundheitsversorgung ist teuer und könnte noch teurer werden.
Hohe Arzneimittelpreise, teure Krankenhausaufenthalte, steigende Honorare für Ärzte und die steigende Arbeitslosigkeit werden 2010 für ein Minus von 7,45 Milliarden Euro bei der gesetzlichen Krankenversicherung sorgen. Zu diesem Ergebnis kam der Schätzerkreis für die gesetzliche Krankenversicherung in Bonn. Für viele Versicherte könnte dies im nächsten Jahr höhere Beiträge bedeuten.
Die Finanzprobleme der Krankenkassen dürften die Koalitionsverhandlungen zum schwierigen Punkt Gesundheit erschweren, da die FDP sich in ihrer Kritik am Gesundheitsfonds bestätigt sieht. "Der Fonds hat mit zu dem befürchteten Defizit beigetragen", sagte der FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr. "Hätten die Krankenkassen Beitragsautonomie, dann hätten sie einen Anreiz gehabt, die Ausgaben mit den Einnahmen zu decken." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte jedoch zuvor gesagt, am Fonds festhalten zu wollen.
Der Vorsitzende des Verbands der Ersatzkassen vdek, Thomas Ballast, warnte vor Insolvenzen von Krankenkassen, wenn sie das fehlende Geld über Zusatzbeiträge nach den derzeit gültigen Regeln aufbringen müssten. "Viele Kassen sind wegen der Ein-Prozent-Begrenzung der Zusatzbeiträge nicht in der Lage, das fehlende Geld über Zusatzbeiträge zu erheben." Zusatzprämien sollen Kassen von ihren Versicherten erheben, wenn sie mit dem Geld aus dem Fonds nicht auskommen. Sie sind wegen der von der SPD durchgesetzten Sozialklausel auf ein Prozent des Einkommens begrenzt.
Die alte oder die kommende Regierung hätte nach geltendem Recht noch andere Möglichkeiten, die Finanzlücke zu schließen. Sie könnte die Steuerzuschüsse schneller steigen lassen als bislang geplant, den Einheitsbeitragssatz von derzeit 14,9 Prozent erhöhen oder mit einem drastischen Spargesetz schnell auf die Kostenbremse drücken. Gegen einen Anstieg des Einheitssatzes zulasten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern hatte sich bereits die scheidende Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) gewandt. Auch Bahr lehnte einen Anstieg der Lohnzusatzkosten strikt ab.
DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte, die Kostensteigerungen dürften nicht einseitig den Versicherten über Zusatzbeiträge aufgebürdet werden. "Es ist kein Platz für weitere Belastungen." Zu befürchten sei, dass es wegen der "Privatisierungswut der FDP" schnell dazu kommen könne, "dass Leistungen wie Krankengeld oder Zahnersatz ausgegliedert werden und privat übernommen werden müssten. Das wäre fatal".
Ballast forderte, die Steuerzuschüsse vorzuziehen, und den Einheitsbeitragssatz zu erhöhen. "Die Regierung wird nicht lange warten können." Nötig sei auch ein deutlicher Sparkurs. "Ärzte, Kliniken und der Arzneimittelsektor müssen sich auf eine Zeit der Sparsamkeit und Bescheidenheit einstellen."
- Datum 06.10.2009 - 20:48 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Die "nicht privaten Krankenkassen" haben das massive Problem, dass Ehepartner u. Familienmitglieder mitversichert sind, ohne dass sie Leistungen einzahlen. "Private Krankenkassen" haben dieses Problem nicht. Das ist bereits ein riesiger Systemunterschied. Die Anzahl der Mitglieder bei den "nicht privaten Krankenkassen", die aktiv in höheren Beschäftigungsverhältnissen u. somit höheren Einnahmenpotentialen für die Krankenkassen stehen, sinken ... bei gleichzeitiger Tendenz steigender Gesamtkosten.
Der politische Lösungsreflex wird wahrscheinlich sein, Beiträge einfach zu erhöhen und Leistungen aus dem System weiter auszugliedern, wie es bei den Zahnärzten schon länger der Fall ist. Eine Reform ist so etwas nicht, eher ein hilfloser Reflex, um Kosten zu senken und Einnahmen zu steigern (ohne an den komplizierten Lobbystellschrauben drehen zu müssen). Das System beginnt zu kollabieren, weil "Einzahlerstrukturen" schon lange nicht mehr stimmig zu den "Leistungsempfängerstrukturen" passen. Einfacher ist es dagegen Krankenkassenbeiträge zu erhöhen, anstelle Systemänderungen herbeizuführen. Diese Erkenntnis ist bereits gewonnen.
Die Krankenkassen sind Geldtöpfe der Pharamaindustrie, der Krankenhäuser und Ärzte.
Einige Beispiele ?
Die Pharmaindustrie verweigert Kostensenkung von 8,9 Mrd. auf 32 Mio. Euro durch ein preiswertes Medikament.
http://de.wikipedia.org/w...
Dazu kommen auf den letzten Drücker durchgeführte Knochenmarktransplantionen mit >70% Mortalität (jede KMT bringen 150.000 € - egal ob sinnvoll oder nicht).
Dazu kommt eine Ärzteschaft, die sich durch KVs einer effizienten Kontrolle entzieht.http://de.wikipedia.org/wiki/Kassenärztliche_Vereinigung#Aktuelle_Diskussion
Die Krankenkassen gehören den Versicherten.
Nicht der Industrie, nicht den Ärzten, nicht den Krankenhäusern.
Die FDP wird das Gesundheitswesen nun endgültig zum finanziellen Ausschlachten übernehmen.
Die Versicherten dürfen zahlen, zahlen, zahlen.
Private Versicherungen haben einen Riesenvorteil: sie suchen sich die besten Risiken heraus.
- Vor allem die besser verdienenden (die tendentiell gebildeter sind und daher besser wissen, wie sie ihre Gesundheit erhalten, die mehr dafür tun können und die durch größere Zufriedenheit und Identifikation mit ihren Aufgaben psychisch stabiler sind. Sie sind bekanntlich deutlich weniger krank.
- Frauen, die einen Kinderwunsch haben, werden sich wegen der Mitversicherung für eine gesetzliche Kasse entscheiden und der PV die Kosten ersparen.
- Menschen mit Vorerkrankungen werden einfach von den Privaten nicht genommen und verbleiben in der gesetzlichen Kasse.
- Gar nicht zu sprechen von den Mitversicherten, Arbeitslosen und sonstigen Gruppen, die nur in der gesetzlichen Versicherung Platz finden.
Allein dadurch dass sie sich die "guten Risiken" aussucht, kann die private Versicherung höhere Leistungen zu niedrigeren Tarifen verkaufen. Dass sie effizienter wäre, ist schlicht gelogen. Sie gibt z.B. viel mehr für Werbung aus und muss schließlich einen Gewinn für die Eigentümer mit erwirtschaften.
Die gesetzlich Versicherten zahlen folglich für die Vorteile der Privatversicherten.
In jedem anderen Markt - na ok, in fast jedem anderen Markt -, regiert Angebot und Nachfrage. Anbieter geraten unter Preisdruck und müssen ihre Dienste und Produkte marktgerecht anbieten. Scheinbar ist die Pharmaindustrie zu unser aller Lasten davon immer noch ausgenommen. Opfer ist hierbei der Patient, der Versicherte, der gezwungen ist, jeden Preis zu zahlen, der seitens der Krankheits-Industrie gefordert wird. Redet man über Einsparungen und Kosten, sollte man endlich auch damit beginnen, die Anbieter unter Druck zu setzen und ihnen eben nicht mehr die alleinige Herrschaft überlassen. Machen wir uns nichts vor - Pharmakonzerne und auch Ärzte und Pflegeeinrichtungen sind gewinnorientierte Unternehmen - nicht mehr, nicht weniger. Diesem Umstand wird bis heute nicht entsprochen - man lässt einfach gewähren. Hierbei wird alles getan, gerade die massiven Gewinne der Pharmaindustrie nicht zu schmälern und der Versicherte ist der, der dem ausgeliefert ist. Doch auch die Eigenkosten der Krankenkassen sollten langsam zur Disposition stehen. Auch hier wird bis heute nicht adäquat reagiert. Dem Versicherten zu bescheinigen, er verursache zu hohe Kosten, ist zwar bequem, lenkt aber erstens vom Kern des Übels ab und ist zweitens nur ein Aufschub. Denn - erhält er weniger Leistungen, wird die Industrie mit Preisen nachziehen, damit der Umsatz wieder passt. Ein derartiges Gebahren ist also sinnlos.
"In jedem anderen Markt - na ok, in fast jedem anderen Markt -, regiert Angebot und Nachfrage. [...] Scheinbar ist die Pharmaindustrie zu unser aller Lasten davon immer noch ausgenommen."
Kann nur beipflichten ... und das ganze "empirisch" unterfüttern.
Beruflich bin viel ich international unterwegs (und deswegen kein GKV, obwohl ich's ethischer fände). Ich finde es daher immer wieder überraschend, wenn man in Paraguay, Ägypten oder der Ukraine in die Apotheke geht und in Deutschland PRODUZIERTE Medikamente dort für einen Bruchteil des hiesigen Endverbraucher-Preises bekommt.
Nein, ich rede nicht von Generika und auch nicht von im Ausland produzierten Mitteln, die zur Veredelung noch mit einem Marken-Stempel versehen werden. Nur von solchen, die tatsächlich dadurch billiger werden, dass man sie um die halbe Welt fliegt ...
"In jedem anderen Markt - na ok, in fast jedem anderen Markt -, regiert Angebot und Nachfrage. [...] Scheinbar ist die Pharmaindustrie zu unser aller Lasten davon immer noch ausgenommen."
Kann nur beipflichten ... und das ganze "empirisch" unterfüttern.
Beruflich bin viel ich international unterwegs (und deswegen kein GKV, obwohl ich's ethischer fände). Ich finde es daher immer wieder überraschend, wenn man in Paraguay, Ägypten oder der Ukraine in die Apotheke geht und in Deutschland PRODUZIERTE Medikamente dort für einen Bruchteil des hiesigen Endverbraucher-Preises bekommt.
Nein, ich rede nicht von Generika und auch nicht von im Ausland produzierten Mitteln, die zur Veredelung noch mit einem Marken-Stempel versehen werden. Nur von solchen, die tatsächlich dadurch billiger werden, dass man sie um die halbe Welt fliegt ...
Im Rahmen des Gesundheitsfonds findet eine gigantische Geldverschwendung durch gut gemeinte, aber handwerklich völlig misslungene Anreizsysteme statt.
Der Gesundheitsfonds hatte das hehre Ziel, wenigstens INNERHALB des gesetzlichen Kassensystems Ungleichgewichte aufgrund unterschiedlicher Mitgliederstrukturen zu reduzieren. Seitdem gibt es für jeden Patienten nach Art der Krankheit eine Pauschale. Dadurch ist der Wettbewerb um möglichst junge und gesunde Mitglieder erst mal gebremst. Prima!
Aber stattdessen profitieren Ärzte und Kassen nun gleichermaßen von solchen Patienten, mit möglichst chronischen Krankheitsdiagnosen bei gleichzeitig aber relativ geringem Behandlungsaufwand. Wen wundert's dass die Deutschen bei Krankheiten in dieser Kategorie seit Einführung des Gesundheitsfonds schlagartig kränker worden sind (siehe dazu u.a.: "Die Krankmacher" http://www.spiegel.de/spi...).
Jedem Erstsemester-WiWi sind solche Mechanismen aus der Neuen Institutionenökonomik als Moral Hazard bekannt. Soll heißen: Man kann den "Selbstbedienern" noch nicht mal einen Vorwurf machen, wenn sie von einem verkorksten Regelwerk gerade zum Plündern gedrängt werden.
Auch mir erscheint längerfristig die Abschaffung unserer zweigleisigen GKV/PKV-Systems gerecht und erstrebenswert wert. Aber bitte nicht eine SOLCHE Geldfressmaschine als Einheitsversicherung!
"In jedem anderen Markt - na ok, in fast jedem anderen Markt -, regiert Angebot und Nachfrage. [...] Scheinbar ist die Pharmaindustrie zu unser aller Lasten davon immer noch ausgenommen."
Kann nur beipflichten ... und das ganze "empirisch" unterfüttern.
Beruflich bin viel ich international unterwegs (und deswegen kein GKV, obwohl ich's ethischer fände). Ich finde es daher immer wieder überraschend, wenn man in Paraguay, Ägypten oder der Ukraine in die Apotheke geht und in Deutschland PRODUZIERTE Medikamente dort für einen Bruchteil des hiesigen Endverbraucher-Preises bekommt.
Nein, ich rede nicht von Generika und auch nicht von im Ausland produzierten Mitteln, die zur Veredelung noch mit einem Marken-Stempel versehen werden. Nur von solchen, die tatsächlich dadurch billiger werden, dass man sie um die halbe Welt fliegt ...
Die SPD-geführte Gesundheitspolitik der letzten 11 Jahre hat vor allem die Marktmechanismen in der Gesundheitsversorgung gestärkt, z. B. durch Fallpauschalen. Teilnehmer in einem Markt sind gezwungen, im eigenen wirtschaftlichen Interesse zu handeln. Der Gesundheitsmarkt ist natürlich nur ein sehr eingeschränkter Markt--er kann und darf nicht unbegrenzt wachsen, der Kunde (Patient) bezahlt Leistungen nicht direkt selber, und die Mechanismen, die Leistung an Zahlung koppeln, sind wenig transparent und verzerren klinische Praxis; gewisse Leistungen werden erbracht, weil sie wirtschaftlich geboten sind, nicht weil sie klinisch erforderlich sind. Oder schlimmer im umgekehrten Fall.
Dass die Politik den Marktteilnehmern nun vorwirft, dass sie ihr Handeln an den von eben dieser Politik geschaffenen Anreizen orientieren, ist entweder unehrlich oder dumm. Das Profitinteresse der Gesundheitsanbieter, das nicht immer rational begründete aber reale Interesse der Patienten an maximaler medizinischer Versorgung, das Interesse der Politik, die Lohnnnebenkosten gering zu halten, und das Interesse der Gutverdienenden und Versicherungen, die Private KV nicht anzutasten, verfolgen alle etwas ganz anderes als eine bedarfsgerechte und für die Allgemeinheit finanzierbare Gesundheitsversorgung. Die Politik hat einen Pseudomarkt mit einem byzantinischen Regelwerk geschaffen, um in diesem Interessenkonflikt zu vermitteln, und sie ist damit selbstverständlich gescheitert.
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