Nobelpreis für Ökonomie Komitee ehrt zwei Grenzgänger
"Markt oder Plan" – Oliver Williamson hält nichts davon. "Privatisieren oder Verstaatlichen" – zu simpel, sagt Elinor Ostrom. Wer sind die Wirtschaftsnobelpreisträger?
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Elinor Ostrom, die diesjährige Gewinnerin des Nobelpreises für Ökonomie
Ganz schön kompliziert, die Sache mit dem Wirtschaftsnobelpreis und der Politik. Als im vergangenen Jahr die Auszeichnung an den Ökonomen Paul Krugman ging, interpretierten das Viele als Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf: Krugman forscht seit Jahren nicht mehr allzu viel und nimmt stattdessen hauptsächlich die republikanische Partei mit einer scharfzüngigen Zeitungskolumne aufs Korn.
Unter Krugmans Professorenkollegen war die Aufregung ähnlich groß, wenn auch aus anderen Gründen: Zwar hielten viele Krugmans Leistungen in der Außenhandelstheorie für unumstritten. Gleichzeitig fanden sie aber, dass andere Forscher eher an der Reihe gewesen wären. Solche etwa, die das bessere Verständnis von Firmen, Ämtern und sonstigen Organisationen vorangebracht hatten. Das ist das Problem einer Ehrung, die im Gegensatz zu den "richtigen" Nobelpreisen erst seit 1969 vergeben wird und gar nicht mit der Auszeichnung der Würdenträger hinterher kommt.
In diesem Jahr geht der Preis aber an zwei Wissenschaftler, die sich mit "ökonomischer Organisation" beschäftigen, mit jenem Gebiet also, von dem viele Professoren zuletzt meinten, das Nobelpreiskomitee habe es vernachlässigt. Beide haben einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, die Ökonomie als mehr zu verstehen als die Lehre vom Markt - von Angebot und Nachfrage, die am Ende irgendwie zusammen finden. Beide haben sich in ihrer Forschung weit herausgewagt aus den Elfenbeintürmen ihrer Fakultäten, aus der Welt der mathematischen Formeln und wissenschaftlichen Fachaufsätze. Sie haben dabei genau auf das Leben in Unternehmen, Haushalten, Verbänden und Ämtern geschaut.
Oliver Williamson warf Anfang der 1970er Jahre eine simple Frage neu auf: Warum gibt es überhaupt Unternehmen? Warum erledigen wir all unser "Wirtschaften" nicht einfach an Märkten, wenn die doch so schrecklich effizient sein sollen? Die Antwort leuchtet intuitiv ein: Natürlich will ein Fabrikant in spe nicht jeden Morgen eine Sekretärin und fünf Arbeiter bei monster.com anwerben, eine Maschine leasen und seine Kugelschreiber bei eBay ersteigern. Es hilft, wenn solche Dinge für einige Zeit fest organisiert sind.
Im Groben hatte das auch schon der Wissenschaftler Ronald Coase beantwortet, der 1991 den Nobelpreis bekam: Die "Transaktionskosten" für bestimmte Dinge sind innerhalb einer hierarchischen Organisation geringer als an Märkten, also bilden sich Unternehmen, lautete seine Erkenntnis. Es sei denn, die Verwaltungskosten eines Unternehmens wachsen derart in die Höhe, dass sich das Ganze nicht mehr lohnt.
Williamson war der erste, der wirklich erklären konnte, worin diese Transaktionskosten bestanden. Er lieferte am Ende eine ganze Reihe von Antworten. Die wichtigste lautete: Je komplizierter die Transaktionen sind, je abhängiger die Teilnehmer voneinander sind und je schwieriger sich ihre Abmachungen mit schlichten Verträgen regeln lassen, desto eher wird die ganze Sache unter ein Firmendach gesteckt. Sprich: Eine gute und unersetzliche Sekretärin stellt ein kluger Chef fest an. Sein Frühstücksbrötchen besorgt er sich aber auf dem Weg zur Arbeit in einer beliebigen Bäckerei.
Elinor Ostrom hat ihren Blick hingegen auf einen ungewöhnlicheren Aspekt des Wirtschaftens gerichtet: Sie interessiert sich dafür, wie Menschen eigentlich damit umgehen, wenn sie gemeinsam ein Wirtschaftsgut verwalten. Einen Fischteich, eine Weide, oder einen Wald zum Beispiel. Wie nutzen Menschen solche gemeinsamen Güter, wie halten sie sie in Stand?
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Oliver E. Williamson, Ökonom in Berkeley, gewinnt gemeinsam mit Elinor Ostrom den diesjährigen Nobelpreis.
Das wirkt auf den ersten Blick wie eine exotische Fragestellung. Doch das stimmt nicht. Erstens: Ein großer Teil unserer aktuellen Umweltprobleme, der Schutz der Meere etwa und die Rettung des Klimas, sind exakt solcher Natur. Und zweitens, in den Worten des Nobelpreiskomitees: "Ostroms Arbeit lehrt uns viel Neues über die Mechanismen, die überhaupt Kooperation in menschlichen Gemeinschaften aufrecht erhält." Ostroms Arbeit dreht sich um die Frage, ob es unter Menschen etwas Anderes gibt als Jeder gegen Jeden.
Das vielleicht überraschendste Ergebnis in Ostroms Arbeit ist, dass sie nicht wie viele andere harsche Nutzungsbeschränkungen empfiehlt, strenge Auflagen durch den Staat oder eine Aufteilung und Privatisierung der Weiden, Seen oder Meere. Nein, die von ihr betrachteten Beispiele gemeinschaftlicher Nutzung seien häufig erstaunlich gut verwaltet gewesen. Die Menschen würden selber dazu neigen, untereinander Regeln auszumachen, die eine übermäßige Nutzung vermeiden. Und sie würden diese dann auch einhalten und durchsetzen.
So gut geht es allerdings nicht immer aus. Ostrom hat in teilweise unkonventionellen Feld- und Laborversuchen erforscht, wann die Gemeinschaftsprojekte funktionieren. Offenbar nämlich immer dann, wenn alle Teilnehmer dazu angehalten werden können, bei der Überwachung der selbst gesetzten Regeln – im Ernstfall auch an einer gemeinsamen Bestrafung – mitzumachen.
Williamson und Ostrom, könnte man sagen, haben also beide hergebrachte, vermeintliche Gegensätze aufgehoben. Williamson, weil er die alte ideologische Frage von "Markt oder Plan?" beantwortet, Ostrom, weil sie das Gerede vom "staatlich regulieren oder gleich privatisieren!" durchbrochen hat. Wenn man genauer hinschaut, sind die Menschen nämlich offenbar viel erfinderischer und organisieren ihr Leben viel subtiler, als es uns Ideologen aller Richtungen weismachen wollen.
- Datum 12.10.2009 - 18:20 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Es tut gut, so etwas zu lesen. Die extremen "Markt" Schreier und Privatisierer sind ja schon ruhiger geworden, wegen ihres offensichtlichen Scheiterns.
Leider sieht sich deshalb in Deutschland die politische Gegenseite, das linke Lager, bestätigt und bläst zum Gegenangriff.
Offensichtlich ist der Wähler, oder wohl doch die jüngeren Generationen schon weiter, sie haben sich gegen einen Rückfall ins andere Extrem gewandt und eher konservativ, liberal oder grün gewählt.
Da mag zwar immer noch viel Unverbesserliches mitschwimmen, aber kaum so verbohrtes wie bei den geifernden Linken, wie aktuell im Saarland oder vorher in Thüringen oder letztes Jahr in Hessen.
Da ist selbst Koch noch erträglicher.
h.
Das ist ein völliges Missverständnis und offenbart erneut die ideologische Eintrübung, welche die ZEIT-Redaktion nicht nur seit der Finanzmarktkrise befallen hat. Mit der ideologischen Frage, ob Marktwirtschaft oder staatliches Handeln die bessere Alternative sei, hat weder die Forschung von Elinor Ostrom noch von Oliver E. Williamson das Geringste zu tun. Beide hätten sich auch niemals so verstanden, auf diese Ideologiedebatte des "alten Europas" nach einer Antwort zu suchen.
Das ist ein völliges Missverständnis und offenbart erneut die ideologische Eintrübung, welche die ZEIT-Redaktion nicht nur seit der Finanzmarktkrise befallen hat. Mit der ideologischen Frage, ob Marktwirtschaft oder staatliches Handeln die bessere Alternative sei, hat weder die Forschung von Elinor Ostrom noch von Oliver E. Williamson das Geringste zu tun. Beide hätten sich auch niemals so verstanden, auf diese Ideologiedebatte des "alten Europas" nach einer Antwort zu suchen.
Das ist ein völliges Missverständnis und offenbart erneut die ideologische Eintrübung, welche die ZEIT-Redaktion nicht nur seit der Finanzmarktkrise befallen hat. Mit der ideologischen Frage, ob Marktwirtschaft oder staatliches Handeln die bessere Alternative sei, hat weder die Forschung von Elinor Ostrom noch von Oliver E. Williamson das Geringste zu tun. Beide hätten sich auch niemals so verstanden, auf diese Ideologiedebatte des "alten Europas" nach einer Antwort zu suchen.
In den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten haben sowohl These als auch Gegenthese den Preis erhalten. Zudem handelt es sich um Wirtschaftstheorien. Das Geschäft des Kaufmanns, des Kapitalgebers, des Unternehmers und des Lohnarbeiters ist aber real. Und manche These hat sich gleich bei der Anwendung in der Hand ihrer Protagonisten als zu labormäßig und anfällig erwiesen.
Der Artikel ist mir zu abstrakt und zu ungenau. Marktwirtschaft ist nicht jeder gegen jeden und wo sind denn die gemeinsamen Besitztümer wo es funktioniert. Allerdings finde ich schon die Idee von Flexibilität in der Frage Markt oder Staat bestechend, so dass ich mich mit den beiden beschäftigen werde.
Seit 1969 gibt es mit dem Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel eine Auszeichnung, die häufig als Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bezeichnet wird.
Alfred Nobel wäre aber nie auf die Idee gekommen für Ökonomie einen Preis zu vergeben.
Die Zinsen aus seinem Vermögen sollte zu fünf gleichen Teilen auf die Gebiete
-Physik,
-Chemie,
-Physiologie oder- Medizin,
-Literatur und für
Friedensbemühungen
verteilt werden.
Und wenn es doch einen richtigen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geben würde, dann hätte Karl Marx posthum gerade in dieser Weltwirtschaftskrise den Nobelpreis bekommen müssen.
Da die Zentralbank von Schweden aber voll hinter dem Kapitalismus steht, würde sie nie Karl Marx als dem bedeutendsten aller Wirtschaftswissenschaftler und Kapitalismuskritiker (der den Kapitalismus u.a. als Herrschaft der Bourgeoisie kritisierte) posthum den Nobelpreis verleihen. Auch daran sieht man, dass dieser Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften vollkommen verlogen und nicht im Sinne von Alfred Nobel ist.
Im Fernsehen erwartet man nichts anderes, in einer Zeitung ist mehr Mühe vonnöten. Der Autor hat entweder keine Ahnung von den angesprochenen Fachgebieten, oder er möchte das Thema unbedingt aufbauschen.
Beispiel:
"Ostrom, weil sie das Gerede vom "staatlich regulieren oder gleich privatisieren!" durchbrochen hat."
Gerede? In den Wirtschaftswissenschaften wird wie in anderen Wissenschaften geforscht, Gerede findet woanders statt. Das angesprochene Gerede vom regulieren oder privatisieren bezieht sich nur sehr selten auf öffentliche Güter, sondern fast ausschließlich auf (ehemalige) Monopole (Telekommunikation, Bahn, ...).
Ein Beispiel für die Regulierung / Privatisierung des öffentlichen Gutes "stabiles Klima" ist der Zertifikatehandel für Kohlendioxid in der EU. Er ist sinnvoll, um die Verursacher einer Verschmutzung für diese auch bezahlen zu lassen, anstatt es der Gemeinschaft aufzubürden. Deshalb wird dieser in "der Zeit" sonst zurecht regelrecht beworben.
Ostrom hat weder einen Gegensatz durchbrochen noch etwas widerlegt, sondern die Theorie Öffentlicher Güter bereichert.
Der Markt kann nicht versagen….
….es ist die Nichterfüllung der verfolgten Absicht, deren Scheitern der der Markt anzeigt.
Statt:
Eine gute und unersetzliche Sekretärin stellt ein kluger Chef fest an. Sein Frühstücksbrötchen besorgt er sich aber auf dem Weg zur Arbeit in einer beliebigen Bäckerei
wäre interessant gewesen:
Ein guter und unersetzlicher Sekretär stellt eine kluge Chefin fest an. Ihr Frühstücksbrötchen besorgt sie sich aber auf dem Weg zur Arbeit in einer beliebigen Bäckerei.
Und, nein, ich bin nicht fanatischer Alice Schwarzer Fan.
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