Schwarz-gelbe Koalition Streit um künftige Steuerpolitik

Länder erwägen eine Verfassungsklage gegen die angekündigten Steuererleichterungen. Selbst FDP-Politiker kritisieren die Pläne und zweifeln an ihrer Finanzierbarkeit

Wolfgang Schäuble während einer Kabinettssitzung im Juli, damals noch als Innenminister. In seinem neuen Amt soll er die Steuern senken und zugleich den Haushalt nicht zu sehr belasten

Wolfgang Schäuble während einer Kabinettssitzung im Juli, damals noch als Innenminister. In seinem neuen Amt soll er die Steuern senken und zugleich den Haushalt nicht zu sehr belasten

Die Bundesregierung stimmt die Bürger allmählich auf Sparen und Einschnitte ein. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin", die am Sonntag gesendet wird, dass allein schon wegen der Schuldenbremse im Laufe der Legislaturperiode mit Sparanstrengungen zu rechnen sei. "Wenn wir im Sinne von Generationengerechtigkeit für Nachhaltigkeit sorgen, dann wird es nicht ohne Anstrengung gehen." Zugleich verteidigten Vertreter der Regierungsparteien im Bund die schwarz-gelbe Finanz- und Steuerpolitik gegen die Angriffe aus den Bundesländern.

Einige Länder erwägen Verfassungsklage, wenn die Bundesregierung im geplanten Umfang bei Steuern entlasten will. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) signalisierte im Tagesspiegel vom Sonntag allerdings, auf Bedenken der Länder eingehen zu wollen. "Die Sorgen der Länder müssen wir ernst nehmen", sagte er. "Wir können nur eine Lösung mit den Ländern finden, nicht gegen sie." Die vereinbarte Höhe der Entlastungen von 24 Milliarden Euro sei "die oberste Grenze dessen, was möglich ist". Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) warnte in der Welt am Sonntag, Steuern auf Kosten der Bildung zu senken.

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Schäuble sagte: "Das, was wir uns vorgenommen haben, ist die richtige Strategie." CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte dem Hamburger Abendblatt vom Samstag: "Der Koalitionsvertrag gilt. Es wäre absolut falsch, vorzeitig irgendwelche Abstriche zu machen." Eine Reihe von Ministerpräsidenten sei an den Koalitionsverhandlungen beteiligt gewesen und habe den Plänen zugestimmt. Zudem hätten die Parteigremien den Vertrag einhellig gebilligt.

Ähnlich argumentierte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in der Welt am Sonntag. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ganz bewusst eine Reihe von Ministerpräsidenten der CDU mit in die engsten Koalitionsverhandlungen genommen.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bekräftigte dagegen im Nachrichtenmagazin Der Spiegel: "Steuersenkungen auf Pump halte ich für unverantwortlich." Sachsen habe in den vergangenen Jahren Rücklagen gebildet und massive Anstrengungen unternommen, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. "Es kann nicht sein, dass dieses Geld jetzt einfach für Steuersenkungen verpulvert wird."

Der CDU-Politiker fügte hinzu: "Ich will, dass die Bundesregierung Vorschläge vorlegt, wie durch Einsparungen Geld für Steuersenkungen erwirtschaftet werden kann. Der Koalitionsvertrag ist dort sehr konkret, wo es um Wohltaten und Verheißungen geht, und immer dann sehr wolkig, wenn vom Sparen die Rede ist. Da muss Solidität hinein."

Ähnlich äußerte sich Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU): "Natürlich ist der Slogan 'Mehr Netto vom Brutto' grundsätzlich richtig. Nur fehlen mir schlicht die Polster, um Steuersenkungen zu bezahlen.» Nordrhein-Westfalens Finanzminister Helmut Linssen (CDU) sagte der Rheinischen Post  vom Samstag: "Wir werden die wirtschaftliche Entwicklung abwarten müssen.

Leser-Kommentare
    • hardob
    • 31.10.2009 um 21:14 Uhr

    "Helmut Linssen (CDU) sagte der Rheinischen Post vom Samstag: 'Wir werden die wirtschaftliche Entwicklung abwarten müssen' "

    Schau'n wir mal, dann seh'n wir schon.

    • joG
    • 01.11.2009 um 0:33 Uhr

    ...hinter Japan mit $1.591 die dritt höchsten Staatsausgaben der Welt. Sie sind mehr als die Hälfte jener der USA mit über 300 Mio Einwohnern. Das Volk wählte eine Regierung, die versprach, die Steuern und damit die Ausgaben zu senken. Wer behauptet, man könne diese Ausgaben nicht senken, der will nicht. Das ist ganzz einfach.

  1. Die Aussage von Herrn Tillich finde ich so gut, dass ich direkt einmal meinen Senf dazu geben mag. Wenn man natürlich annimmt, der Staat sei ein profitorientiertes Unternehmen, dann kann und muss man natürlich so argumentieren. Allerdings ist das nun einmal nicht so. Die Rücklagen wurden mit zugegebenermaßen großen Anstrengungen erreicht, aber noch immer auf Kosten der Bürger. Insofern spricht überhaupt nichts dagegen, das Geld zurückfließen zu lassen. Ich kann die Sorge, man könne die Steuersenkungen nicht finanzieren, durchaus verstehen, aber hier wird zum Einen völlig verquer argumentiert, zum Anderen wird der Nachweis erbracht, dass man mit "großen Anstrengungen" eine Steuersenkung vielleicht doch finanzieren könnte.

    Es tut mir leid, Herr Tillich, aber der Vergleich mit der sich am Bürger bereichernden Bananenrepublik drängt sich mir - überspitzt formuliert - auf. Das Geld des Staates ist zum Augeben/Umverteilen da, nicht, um langfristige, größere Rücklagen zu bilden. Das ist volkswirtschaftlich falsch.

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    • joG
    • 01.11.2009 um 9:19 Uhr

    ...Die Steuer ist die Finanzierung. Wenn der Bürger sagt er wolle die Steuern abbauen, so ist das die Aufforderung die Ausgaben zu reduzieren und eben nicht zu finanzieren. Es heist: "Staat! Du gibst zu viel aus!"
    Das widerspricht dem Selbstgefühl der Bürokratie. Das ist klar. Da die Politiker und Richter in großen Teilen aus der Bürokratie stammen wird der geforderte Abbau vermutlich auch verhindert werden.

    • joG
    • 01.11.2009 um 9:19 Uhr

    ...Die Steuer ist die Finanzierung. Wenn der Bürger sagt er wolle die Steuern abbauen, so ist das die Aufforderung die Ausgaben zu reduzieren und eben nicht zu finanzieren. Es heist: "Staat! Du gibst zu viel aus!"
    Das widerspricht dem Selbstgefühl der Bürokratie. Das ist klar. Da die Politiker und Richter in großen Teilen aus der Bürokratie stammen wird der geforderte Abbau vermutlich auch verhindert werden.

    • joG
    • 01.11.2009 um 9:19 Uhr

    ...Die Steuer ist die Finanzierung. Wenn der Bürger sagt er wolle die Steuern abbauen, so ist das die Aufforderung die Ausgaben zu reduzieren und eben nicht zu finanzieren. Es heist: "Staat! Du gibst zu viel aus!"
    Das widerspricht dem Selbstgefühl der Bürokratie. Das ist klar. Da die Politiker und Richter in großen Teilen aus der Bürokratie stammen wird der geforderte Abbau vermutlich auch verhindert werden.

  2. Ich vermisse das Anpacken. Anstatt zuerst über Streichungen zu reden, wäre es an der Zeit die Kritikpunkte der Landes- und des Bundesrechnungshofes aufzugreifen und die Verschwendung der Steuergelder zu minimieren. Außerdem sollte die Effizienz und Effektivität bisheriger Maßnahmen ( Subventionen, ... ) auf den Prüfstand. Ich bin mir fast sicher, dass sich so einige Geldmittel anfinden werden, um die Bürger zu entlasten.

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