Opel-Proteste "Wir akzeptieren die Entscheidung von GM nicht"
Alfred Klingel, Opel-Betriebsratschef in Kaiserslautern, über die Stimmung im Werk, sein Vertrauen in die Bundesregierung und seine Erwartungen an GM
ZEIT ONLINE: Nach über einem Jahr Hängepartie um Opel: Wie geht es den Arbeitern?
Alfred Klingel: Als gestern die GM-Entscheidung bekannt wurde, Opel nicht an Magna zu geben, war die Stimmung natürlich extrem niedergeschlagen. Da war Enttäuschung und Wut in einem, das ist ganz klar. Heute müssen wir nach vorne schauen. Wir versuchen, nicht den Kopf in den Sand zu stecken.
ZEIT ONLINE: In den Opel-Betrieben finden heute Warnstreiks statt. Was hoffen Sie mit den Protesten zu erreichen?
Klingel: Wir möchten GM und der Öffentlichkeit zeigen, dass wir die Entscheidung so nicht akzeptieren. Uns lagen schließlich bereits unterschriftsreife Verträge vor. Mit dem Rückzug von GM hat niemand gerechnet. Wir müssen GM sagen: Es tut uns leid, aber so eine Entscheidung ist einfach verrückt. Unsere Mitarbeiter hätten Opfer gebracht, und sie bringen sie auch nach wie vor – aber unter einer Voraussetzung: keine Werkschließung und keine betriebsbedingten Kündigungen.
ZEIT ONLINE: Was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung?
Klingel: Es hat ja bereits Gespräche mit der Regierung gegeben. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz hatte einen Termin mit Frau Merkel, es wird Gespräche mit den Ministerpräsidenten geben, Kurt Beck wird ins Rüsselsheimer Werk kommen. Natürlich wird sich die Bundesregierung jetzt Gedanken machen müssen über all das, was mit Magna besprochen war und wie sie auf den Rückzieher von GM reagieren wird.
ZEIT ONLINE: Nach der Bundestagswahl könnte Angela Merkel weniger Gründe haben, sich für die Opelaner zu verwenden.
Klingel: Frau Merkel wird sicher nicht von heute auf morgen das Gegenteil von dem denken, wofür sie vor der Wahl stand. Noch einmal: Von unserer Seite wird es Gespräche geben! Es muss über eine staatliche Unterstützung in Form einer Bürgschaft geredet werden, um die Zukunft Opels zu sichern.
ZEIT ONLINE: Sie haben nach wie vor Vertrauen in die Bundesregierung?
Klingel: Ich habe nach wie vor Vertrauen, ja.
- Datum 05.11.2009 - 12:36 Uhr
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Klingel: "Wir möchten GM und der Öffentlichkeit zeigen, dass wir die Entscheidung so nicht akzeptieren."
Nun, Herr Klingel und seine Genossen im Geiste haben eine einfache eindeutige und wirksame Möglichkeit, ihren Worten Taten folgen zu lassen.
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Alles andere ist aufgeplusterte Dummschwätzerei. Wenn die Zustände des Unternehmens Opel unter der Führung von GM in den Augen eines Mitarbeiters nicht zumutbar sind, dann sollte er sich schleunigst einen anderen Job suchen.
Wer ist davon eigentlich überrascht? GM wollte Opel nie verkaufen, das hat man doch nur gemacht, weil man in arger finanzieller Bedrängnis war, und dabei ganz offensichtlich ständig auf Zeit gespielt. GM braucht Opel sogar dringender denn je, wenn in Amerika keine gigantischen SUVs mehr verlangt werden.
...wieder überraschend was Gewerkschaften und Betriebsräte so von sich geben.
Opel gehört GM und nicht der IG Metall und auch nicht der Bundesregierung. GM entscheidet was gemacht wird. Ob man mit allen Tricks und Kniffen einverstanden ist, mit denen versuht wird an Geld zu kommen ist ein anderes Thema. Ich kann auch nicht meinen Supermarkt zwingen, all das auf Lager zu halten was ich will. OK, gehe ich halt wo anders hin.
Gewerkschaften kommen immer dann aus den Löchern, wenn es um Lohnerhöhungen geht. Sich den neuen Bedingungen des Marktes anzupassen, davon merke ich nichts. Manchmal wird man das Gefühl nicht los, sie sind ein Teil des Problems.
Wenn ich meine Firma schließen muss, dann kann das an einer unternehmerischen Fehlentscheidung liegen oder an schlechten Mitarbeitern (wäre auch eine Fehlentscheidung). Es kann aber auch daran liegen, dass mein Produkt nicht mehr markfähig ist. Dann muss ich umdenken oder wenn ich das nicht kann, dann "Tschüss".
Mit Aussagen wie
"Wir akzeptieren die Entscheidung nicht" oder "Wir zahlen nicht für Eure Krise" belügen sich die Arbeitnehmer selbst. Es wird ihnen nichts anderes übrigbleiben.
Das ist nämlich systemrelevant.
Es ist das gute Recht der Beschäftigten, sich legalen Mitteln gegen Betriebsschließungen und Massenkündigungen zu wehren.
Ob dabei etwas herauskommt, ist eine andere Frage.
Unsere Gesetze zur Betriebsverfassung und Mitbestimmung haben lange Zeit für einen sozialen Frieden gesorgt, von dem andere Länder träumen.
Es ist das gute Recht der Beschäftigten, sich legalen Mitteln gegen Betriebsschließungen und Massenkündigungen zu wehren.
Ob dabei etwas herauskommt, ist eine andere Frage.
Unsere Gesetze zur Betriebsverfassung und Mitbestimmung haben lange Zeit für einen sozialen Frieden gesorgt, von dem andere Länder träumen.
Es ist das gute Recht der Beschäftigten, sich legalen Mitteln gegen Betriebsschließungen und Massenkündigungen zu wehren.
Ob dabei etwas herauskommt, ist eine andere Frage.
Unsere Gesetze zur Betriebsverfassung und Mitbestimmung haben lange Zeit für einen sozialen Frieden gesorgt, von dem andere Länder träumen.
wenn die Opelaner aufgebracht sind, der Betriebsrat weiter kräftig heizt und die Leitung einfach nur auf Länder und Bund verweist, die brav helfen sollen, damit GM auch noch ein paar Tage an Opel und seinen Angestellten festhält?
Schauen Sie einfach zu, wie dieses Lehrstück des Kapitalismus abläuft: Instrumentalisierte (=protestierende) Mitarbeiter, schon angekündigte Hilfen durch die Länder und ganz am Ende ein lächelnder GM-Vorstand, der nicht nur viel Geld wird behalten dürfen, sondern auch noch welches dazu bekommen wird. Dazu verliert er weder Mitbestimmung an Opel, noch deren Technologie.
Sollte sich die Regierung ein wenig zieren, kann man ja zudem noch darauf verweisen, dass sie bezüglich der anderen "Deals" schon Unterstützung zugesagt hatte.
Nebenbei: Was genau hat eigentlich die Abwrackprämie außer Kosten gebracht? :-p
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