Währung China will unabhängiger vom Dollar werden

China will nicht mehr allein auf Amerikas Währung setzen. Ein schwieriges Thema für US-Präsident Obama bei seinem Besuch in Peking. Von Frank Sieren

Wird am Wochenende mit US-Präsident Obama über Dollar und Yuan sprechen: Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao

Wird am Wochenende mit US-Präsident Obama über Dollar und Yuan sprechen: Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao

Vor kurzem noch forderte US-Handeslminister Gary Locke im südchinesischen Guangdong ganz vorsichtig, den Yuan schrittweise anzuheben: "Wir denken in diesem Bereich sollte es Fortschritte geben." Locke sagte das vor allem im Hinblick auf den Antrittsbesuch von US-Präsident Barack Obama am kommenden Wochenende in Peking. Doch seine Forderung wird verhallen, China wird sich nicht bewegen. In diesem Punkt ist Jiang Jianjun vom chinesischen Handelsministeriums deutlich. "Solange die Exporte nicht anziehen, wird der Wechselkurs nicht groß verändert."

Chinesische Spitzendiplomaten sprechen bereits von einer "geteilten Weltwährung" aus Yuan und US-Dollar. Denn was immer mit dem US-Dollar passiert, der chinesische Yuan folgt ihm auf dem Fuße. Zwar hatte die chinesische Zentralbank den Yuan von 2005 bis Juli 2008 um 21 Prozent gegenüber den US-Dollar steigen lassen. An den wachsenden Handelsbilanzüberschüssen Chinas, vor allem gegenüber den Vereinigten Staaten, hat das nur wenig geändert. Im Juli vergangenen Jahres – kurz vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise – war dann Schluss mit dem Experiment. Seither hat sich der Yuan nicht ein Prozent von seinem großen Bruder wegbewegt.

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Für China hat das Vor- und Nachteile. Einerseits verliert der in US-Dollar angelegte Teil der Devisenreserven von inzwischen 2,27 Billionen Dollar stetig seinen Wert. Andererseits bedeutet die US-Dollar-Yuan-Schwäche frischen Wind für Chinas Wirtschaft. Die asiatische Konkurrenz wird teurer.

Seit seinem Höchststand im März sind der US-Dollar und damit auch der Yuan um gut 24 Prozent gegenüber dem südkoreanischen Won gefallen. Immerhin noch zehn Prozent sind es bei dem Singapur-Dollar und dem malayischen Ringgit. Und noch gut neun Prozent beim thailändischen Baht. Das heißt: Jedes Produkt aus diesem Land, das in China oder den USA verkauft wird, ist um den entsprechenden Prozentsatz teurer geworden. Die chinesische Führung kann sich also entscheiden, zwischen den nicht realisierten Verlusten bei den Devisenreserven und dem realen Zuwachs an dringend benötigten Exportaufträgen. Keine Frage, wofür sie sich entscheiden.

Für die Chinesen ergibt das derzeit sogar doppelt Sinn. Der Anreiz, Produktionen in die US-Dollar-Sphäre zu verlegen, um das Währungsrisiko abzufedern, steigt nun wieder für asiatische und europäische Hersteller. Wer in China für den amerikanischen Markt produziert, hat kaum Währungsrisiko für die USA und den wichtigsten Wachstumsmarkt, lautet das chinesische Versprechen. Der neuerliche Anstieg der Auslandsinvestitionen zeigt deutlich, dass diese Rechnung für China aufgeht. Im Juli und August waren es schon wieder 12 Milliarden US-Dollar mehr Investitionen. Auch sonst stehen die wirtschaftlichen Zeichen bestens. Trotz 15 Prozent Exporteinbruch konnte es sich die chinesische Führung leisten, die Devisenreserven im dritten Quartal diesen Jahres um 141 Milliarden US-Dollar zu erhöhen, ohne dass dies zu sozialen Spannungen in dem Riesenreich führte.

Die Zeche zahlen gegenwärtig die Europäer und die Asiaten. Die Europäer sind sich nicht einig, wie man darauf reagieren soll. Und selbst die Asiaten schließen sich nicht zusammen, um womöglich sogar gemeinsam mit den USA Druck auf China auszuüben.

Am vergangenen Wochenende passierte genau das Gegenteil. Die Führer der wichtigsten asiatischen Länder kamen zusammen und diskutierten über eine asiatische Freihandelszone inklusive Australien und Neuseeland. Ein Gebiet, das mit 3,1 Milliarden Menschen die Mehrheit der Weltbevölkerung vereinigt und zusammen ein Bruttoinlandsprodukt von 19 Billionen US-Dollar erwirtschaftet. Staatspräsident Hu Jintao erschien selbst zu dem Treffen im thailändischen Hua Hin und lockte mit Finanzhilfen für Infrastruktur und Landwirtschaft. Innerhalb einer solchen Zone wäre es durchaus denkbar, Währungen abzustimmen, beziehungsweise Sonderkonditionen zu vereinbaren, lockten seine Mitarbeiter.

Nur die Japaner haben auf diesem Treffen noch von den USA gesprochen. Sie denken über eine "ostasiatische Gemeinschaft“ inklusive der USA nach. Doch daran ist außer Japan niemand interessiert. Und Japan auch nur deshalb, weil es als Juniorpartner der USA in diesem Klub einen Gegenpart zu China spielen könnte. Der auch jüngst gewählte japanische Ministerpräsident, dessen Währung einst ein Hort der  Stabilität in Asien war, forderte "koordinierte Währungsbewegungen in Asien“, natürlich nicht gegen den chinesischen Yuan, sondern mit ihm. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg.

Auch auf dem kommenden G2 Gipfel zwischen dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao und Barack Obama wird sich an der gegenwärtigen Konstellation wenig ändern. "Warum soll China ohne großen Druck den Yuan steigen lassen, wenn es der chinesischen Wirtschaft am gegenwärtigen Punkt der wirtschaftlichen Entwicklung nicht hilft?", fragt Qing Wang, China-Ökonom bei Morgan Stanley." Die Möglichkeiten der USA, um Druck auszuüben, hält er für gering. "Die Chinesen wollen den US-Dollar schwächen, allerdings ohne erdrutschartige Veränderungen zu riskieren", sagt ein Spitzenvertreter eines Think-Tanks im Staatsrat.

Während die chinesische Regierung einerseits weiter amerikanische Staatsanleihen kaufen lässt, wenn auch mit gebremster Kraft, versucht sie gleichzeitig, bei Geschäften den US-Dollar auszuklammern. Nachdem China mit Argentinien, Südkorea, Hongkong, Indonesien, Malaysia und Weißrussland, entsprechende Vereinbarungen unterschrieben hat, einigten sich jüngst auch Russland und China, ohne den US-Dollar zu handeln. China und Brasilien haben ähnliche Pläne.

Dass China nicht mehr allein auf den US-Dollar setzen will, daran wird auch Präsident Obama in den Gesprächen mit Staats- und Parteichef Hu Jintao nichts ändern. Die Überzeugungskraft, die der US-Dollar gegenwärtig verliert, kann auch Obama mit seinem Charisma nicht auffangen.

 
Leser-Kommentare
  1. auf den $$. Egal was die Amerikaner machen, sie müssten auf jeden Fall den Anteil der inländischen Industrieproduktion genauso schnell erhöhen, wie die Kostenrechner und Shareholdervaluepropheten die Produktionsmaschinen in den letzten 25 Jahren nach China und in Billiglohnländer verschoben haben. Das wird nicht funktionieren meint ...
    Kuni

    • joG
    • 16.11.2009 um 13:04 Uhr

    ...den Chinesen zu Anfang der Clinton Administration bereits gesagt. Seitdem haben die Chinesen trotzdem den Dollar/Yuan fixiert und sich gegen eine normale Anpassung an den Wert gestellt. Sie waren nicht abhängig vom Dollar, sondern gestalteten ein globales wirtschaftliches Ungleichgewicht. Dadurch hatten sie Wachstum, das in einem offenen System unmöglich gewesen wäre, gehabt. Es ist die gleiche Wachstumsstrategie gewesen wie unter dem Bretton Woods Regim, als Deutschland und Japan ihre Wunder vollbrachten und wie später Süd Korea, Taiwan und die anderen Tiger. Das Problem ist nun, wie wir die Ungleichgewichte ohne einem verlorenen Jahrzehnt bewältigen. Eine der wichtigen Maßnahmen wäre daher, dass die Chinesen endlich auf Summers damaligen Rat hören und langsam den Yuan floaten.

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