20 Jahre Mauerfall Ramsauer will "Aufbau West"

Als Ausgleich für die Investitionen in den Osten solle jetzt der Westen Geld erhalten, sagt der Verkehrsminister. Dabei könnte der Ost-West-Gegensatz bald überholt sein.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat gegen Widerstände des Koalitionspartners FDP seine Pläne für ein "Sonderprogramm West" bekräftigt. In den alten Bundesländern gebe es einen erheblichen Modernisierungsbedarf bei Straße und Schiene, sagte Ramsauer zum 20. Jahrestag des Mauerfalls der Welt am Sonntag.

Die FDP hatte Ende Oktober davor gewarnt, nach dem Mammutprojekt Ost erneut ein Sonderprogramm aufzulegen und damit eine neue Ost-West-Diskussion zu riskieren. Das Geld müsse vielmehr nach Bedarf ausgegeben werden, so die Position der Partei.

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Die Ministerpräsidenten der alten Bundesländer fordern seit langem einen "Aufbau West" als Ausgleich für die milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur der ehemaligen DDR. Ramsauer
nannte drei Hauptprojekte für den Westen. Neben dem Ausbau des Kölner Autobahnrings müsse man die von der Ostsee bis nach Saarbrücken führende Autobahn A1 schrittweise sechsspurig befahrbar machen. Zudem solle der Ausbau der ICE-Trasse von Nürnberg nach Berlin vorangetrieben werden. Dringend ausgebessert werden müssten zudem viele weitere Autobahnen, auch neue Ortsumgehungen seien nötig.

Dabei könnte die innerdeutsche Wohlstandsgrenze künftig nicht mehr zwischen Ost und West verlaufen, sondern zwischen Nord und Süd. Das sei "nicht unwahrscheinlich", zitiert die Welt am Sonntag den IWH-Präsidenten Ulrich Blum. Die wirtschaftlich starken Regionen im Süden Ostdeutschlands seien künftig voraussichtlich weniger stark auf Transferzahlungen aus dem Westen angewiesen als bisher.

Insgesamt flossen dem Blatt zufolge zwischen 1990 und 2005 netto rund 1,3 Billionen Euro von Westdeutschland nach Ostdeutschland. Das gehe aus einer unveröffentlichten Studie der Hallenser Ökonomen hervor. Zum Ende des Zeitraums hin seien die Zahlungen sogar deutlich gestiegen. Als einen Grund dafür gaben die Forscher an, dass in den vergangenen Jahren im Osten eine wachsende Anzahl von Menschen auf staatliche Sozialleistungen angewiesen sei, ohne dass entsprechende Beiträge aus der Region gezahlt würden. Prozentual gesehen seien die Transfers aus dem Westen für den Osten jedoch weniger wichtig als in den neunziger-Jahren: Ihr Anteil am ostdeutschen Bruttoinlandsprodukt sei seither gesunken.

IWH-Präsident Blum warnte davor, die Zahlen als "Kosten der Einheit" zu interpretieren oder den Westen in seinem Vorurteil zu bestätigen, dass er mit seinen Zahlungen zu einem Großteil für den Wohlstand im Osten sorge. "Im Gegensatz zu vielen anderen osteuropäischen Staaten hat der Osten Deutschlands auch Erträge vorzuweisen" sagte er. Ostdeutsche, die in die alten Bundesländer abgewandert seien, trügen dort 60 bis 70 Milliarden Euro pro Jahr zur Wertschöpfung bei.

Zudem seien die hohen Zahlungen auch eine Folge des stark auf regionalen Ausgleich bedachten Steuersystems in Deutschland: Das Geld flösse in den Osten, weil er wirtschaftlich stärker gebeutelt sei als der Westen, sagte Joachim Ragnitz, einer der Autoren der IWH-Studie. Wenn es Teilen Westdeutschlands schlecht gehe, bekämen sie die gleiche Hilfe.

 
Leser-Kommentare
  1. Mag ja alles sein. Trotzdem ist Ramsauer in meinen Augen ein 'ewig Gestriger'. Solche Leuten spalten mehr als sie zusammenführen.

    Solch ein Typ würde die PKW-Mout auch dazu nutzen um die Mauer wieder aufzubauen.

  2. Vordergründig wird das Bauchgefühl im Sinne von "Die haben jetzt genug bekommen" angesprochen. Der teuflische Hintergedanke dürfte aber die Zementierung der Solidaritätsabgabe als weitere Dauerfinanzspritze für die Bahn sein.

  3. für ansässige Bürger tatsächlich auszugleichen, hätten wir Geld für Aufbau Gesamt. Nur der Verkehr aus und nach Osteuropa wäre blockiert. http://viereggtext.blogsp...

  4. 4.

    Mehr Autobahnen, darum geht es hintergründig. Mehr Autobahnen = mehr Verkehr. Tiefste 60er.

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    ... auf Probleme, etwa durch den pervers zugenommenen LKW-Verkehr, reagiert man nur noch mit Baumaßnahmen. Politische Weitsicht: totale Fehlanzeige.

    Dabei hätte die Politik in D gute Chancen was zu verändern, immerhin ist (meines Wissens) der Bund immer noch Haupteigentümer der Bahn. Mehr Verkehr auf die Schiene bekommt man leicht, wenn man die Preise senkt, kundenfreundlich und transparent gestaltet, so dass das Fahren mit dem Auto nicht mehr 4 mal billiger und einfacher ist. Aber das kostet halt auch Geld und eine Straße bauen ist einfacher, so investiert die Bahn halt lieber ihr Geld im Ausland...

    ... auf Probleme, etwa durch den pervers zugenommenen LKW-Verkehr, reagiert man nur noch mit Baumaßnahmen. Politische Weitsicht: totale Fehlanzeige.

    Dabei hätte die Politik in D gute Chancen was zu verändern, immerhin ist (meines Wissens) der Bund immer noch Haupteigentümer der Bahn. Mehr Verkehr auf die Schiene bekommt man leicht, wenn man die Preise senkt, kundenfreundlich und transparent gestaltet, so dass das Fahren mit dem Auto nicht mehr 4 mal billiger und einfacher ist. Aber das kostet halt auch Geld und eine Straße bauen ist einfacher, so investiert die Bahn halt lieber ihr Geld im Ausland...

  5. Die Idee ist gut, denn die Autobahnen müssen immer befahrbar sein ohne Dauerstaus.

    Ost/West ist aber an dieser Stelle eher kein Thema. Insbesondere die Leistungsträger (die oft viel unterwegs sind) würden hiervon profitieren. Eine gute Idee. Wer viel arbeiten muss, sollte seine Zeit nicht noch mit Staus verschwenden.

  6. ... auf Probleme, etwa durch den pervers zugenommenen LKW-Verkehr, reagiert man nur noch mit Baumaßnahmen. Politische Weitsicht: totale Fehlanzeige.

    Dabei hätte die Politik in D gute Chancen was zu verändern, immerhin ist (meines Wissens) der Bund immer noch Haupteigentümer der Bahn. Mehr Verkehr auf die Schiene bekommt man leicht, wenn man die Preise senkt, kundenfreundlich und transparent gestaltet, so dass das Fahren mit dem Auto nicht mehr 4 mal billiger und einfacher ist. Aber das kostet halt auch Geld und eine Straße bauen ist einfacher, so investiert die Bahn halt lieber ihr Geld im Ausland...

    Antwort auf "Kommentar Nr. 4"
    • CM
    • 08.11.2009 um 20:07 Uhr

    Erst die PKW-Maut-Idee, dann der "Aufbau West". Wenn man glaubt, das Kabinett habe mit Westerwelle und Guttenberg schon einige wirklich spektakuläre Fehlbesetzungen, dann kommt Ramsauer und toppt das noch.
    Aber wahrscheinlich ist er nur das Bauernopfer, das uns die unbequemen Sachen "verkaufen" soll und dann ausgewechselt wird.
    Was daran unbequem wird?
    Nunja, irgendwer wird seine absurden Strassenausbaupläne (wohl im Auftrag einiger Unternehmen) bezahlen müssen. Nächste Woche wird er dann statt von Steuererhöhungen von einem höheren "Solidaritätsbeitrag" reden...

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