Das ZDF braucht einen neuen Chefredakteur: Der Verwaltungsrat des Mainzer Senders hat sich gegen eine Vertragsverlängerung von Nikolaus Brender entschieden. Das teilte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und Vorsitzende des Gremiums Kurt Beck am Freitag in Berlin mit. Demnach haben sieben der 14 Mitglieder für Brender gestimmt, für eine Verlängerung wären jedoch neun Stimmen erforderlich gewesen.

Damit haben sich die unionsnahen Kräfte im Verwaltungsrat um den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch durchgesetzt. Koch, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender, hatte sich in den vergangenen Wochen öffentlich gegen Brender ausgesprochen und den Rückgang der Quoten der ZDF-Informationssendungen während Brenders Amtszeit als Begründung genannt.

Der hessische CDU-Politiker verteidigte die Entscheidung des Verwaltungsrats. Die Abstimmung über eine solche Personalie sei ein normaler Vorgang. Er fühle sich in vollem Maße als Volksvertreter dazu legitimiert, die Verantwortung im Verwaltungsrat auszuüben. Zudem seien nicht Brenders journalistische Fähigkeiten beurteilt worden, sondern seine Managementqualitäten.

Genau dies sieht Beck anders. Er kritisierte, dass es keine stichhaltigen Argumente gegen Brender und auch keine sachliche Begründung gegeben habe. Auch ZDF-Intendant Markus Schächter hatte sich für eine Vertragsverlängerung um weitere fünf Jahre eingesetzt und zudem eine verkürzte Amtszeit bis 2012 als Kompromiss ins Gespräch gebracht. Nach der Entscheidung des Verwaltungsrats zeigte er sich enttäuscht und sagte, er habe kein Verständnis dafür, dass selbst diese Lösung im Verwaltungsrat keine Mehrheit gefunden habe.

Nach der Entscheidung kündigte der Senderchef eine rasche Lösung an. Noch in diesem Jahr soll in einer Sondersitzung ein neuer Chefredakteur berufen werden. Schächter betonte, Brender habe in den vergangenen zehn Jahren einen wichtigen Beitrag zum Erfolg seines Senders geleistet. Er lobte dessen Unabhängigkeit und Kompetenz sowie dessen solide Haushaltsführung, die deutliche Einsparungen ermöglicht habe.

Brender selbst sieht durch die Umstände seiner Ablösung das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem beschädigt. "Das Ergebnis zeigt, dass das machtpolitische System im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zur Selbstheilung nicht in der Lage ist." Die einzige Institution, die die Unabhängigkeit sichern könne, sei das Bundesverfassungsgericht. Brender betonte, die große Unterstützung für ihn vor der Verwaltungsratsentscheidung sei ein ermutigendes Signal für die vielen unabhängigen Journalisten im ZDF gewesen.

Bei der Bewertung von Brenders Arbeit – seit 2000 ist dieser Chefredakteur des ZDF – zeigte sich in den vergangenen Wochen eine scharfe Trennlinie zwischen Union und SPD. Allerdings ist Brender keinem der beiden Parteilager zuzurechnen, gehört keinem der sogenannten Freundeskreise an. Er gilt vielmehr als unabhängige Instanz, die sich immer gegen Einflussnahme von außen, vor allem von der Politik, auf die Informationssendungen gewehrt hat.

Das politische Tauziehen um Brenders Vertragsverlängerung hatte bereits in den vergangenen Wochen für Proteste auf breiter Front geführt. Journalistenverbände, Staatsrechtler und hochrangige Medienschaffende hatten sich neben SPD-Politikern für einen Verbleib Brenders im Amt ausgesprochen und gegen die Einmischung der Politik in die Personalien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.