Bankberatung Der Preis der Unabhängigkeit

Die Direktbank Comdirect bietet eine neue Anlageberatung an: Die Kunden zahlen, dafür streichen die Berater keine Provision ein. Verbraucherschützer haben Bedenken.

Die Commerzbank-Tochter Comdirect reagiert auf die Debatte um schlechte Bankberatung in Deutschland

Die Commerzbank-Tochter Comdirect reagiert auf die Debatte um schlechte Bankberatung in Deutschland

Der Unmut der Kunden über die oft schlechte Anlageberatung der Banken zeigt Wirkung. "Wir haben eine Debatte in Deutschland, wie gut die Anlageberatung ist. Hierauf reagieren wir nicht mit Beschwichtigungen, sondern mit einem neuen Angebot", sagt der Vorstandsvorsitzende der Comdirect, Michael Mandel.

Die Direktbank, die im Besitz der Commerzbank ist, bietet ab dem kommenden Donnerstag eine "Anlageberatung Plus" an. Anders als bei anderen Instituten üblich, soll der Kunde für die Dienste des Bankberaters zahlen. Dafür verdient die Comdirect nicht an Provisionen für die Vermittlung bestimmter Produkte. Bislang müssten Bankmitarbeiter meist "als Verkäufer arbeiten statt als Berater", beklagt Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das will die Comdirect als eines der ersten größeren Institute ändern. Für die Konzernmutter Commerzbank, Nummer zwei im deutschen Markt, ist dies ein Probelauf.

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"Wenn 80 Prozent der Deutschen sagen, dass ihnen die Unabhängigkeit der Beratung besonders wichtig ist, wenn die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young den Schaden durch mangelhafte Beratung auf 30 Milliarden schätzt – dann kann man doch nicht einfach weitermachen wie bisher", sagt Mandel. Die Beratung gegen Honorar, wie er sie sieht, könne "ein neuer Standard" werden. Etwas weniger überzeugt klang dies vor wenigen Wochen beim Mehrheitseigner Commerzbank. "Wir testen das jetzt", sagte damals Vorstandsmitglied Achim Kassow. Er erwarte aber nicht, dass sich das Modell durchsetze.

Bislang haben nur Nischenanbieter wie die Quirin Bank und Cortal Consors eine Honorarberatung im Angebot. "Wenn andere uns jetzt kopieren, ist das eine Bestätigung für unser Geschäftsmodel", sagt Quirin-Vorstand Karl Matthäus Schmidt. Das kleine und zugleich sehr selbstbewusste Geldhaus wirbt derzeit mit Anzeigen, in denen die Bundeskanzlerin aufgefordert wird, ein Verbot von Provisionen durchzusetzen.

Allerdings hat Cortal Consors, als Onlinebroker gestartet und heute Tochter der größten französischen Bank BNP Paribas, bislang mit der eigenen Honorarberatung wenig Erfolg. Zwar glaubt das Unternehmen weiter an die Zukunft des Geschäftsmodells. Aber von 4000 Kunden, welche die Direktbank in den vergangenen Monaten angeschrieben hat, wollte nur eine zweistellige Zahl einen Beratungsvertrag unterzeichnen. Auch von der Deutschen Bank heißt es, man wisse aus Umfragen, "dass unsere Kunden nicht bereit sind, für Beratungsleistungen extra zu zahlen, die bisher inklusive sind."

Viele Kunden scheinen offenbar noch nicht verstanden zu haben, dass sie in jedem Fall zahlen, wenn sie Dienste von Bankberatern in Anspruch nehmen – ob direkt oder verdeckt. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz fordert deshalb mehr Transparenz in der Finanzberatung. Mancher in der Branche fürchtet, dass die Politik die Regeln für die Banken verschärft. Die spezialisierte Unternehmensberatung Steria Mummert befragte im Sommer Entscheider in den 100 größten Kreditinstituten zu ihren Strategien bis 2012. "Immerhin ein Viertel plant, ein nicht provisionsgetriebenes Beratungsmodell aufzubauen", heißt es in der Untersuchung. "Auf diese Weise soll verloren gegangenes Vertrauen beim Kunden zurückgewonnen werden."

Leser-Kommentare
  1. Ich bin Finanzberater, aber auch Verbraucher, ich würde niemals ein Honorar für Beratung bezahlen!

    In Deutschland gab es in der Vergangenheit ein Dienstleistungsbewußtsein, das seinesgleichen suchte. Sie wurde allerdings nie bezahlt, sondern galt als selbstverständliche Voraussetzung zum Erwerb eines Produktes.
    Das ist leider Geschichte, auf Kosten der Dienstleistung wurden die Produkte billiger, auch Dank zunehmender ausländischer Konkurrenz, die manchmal nur durch ihre Minderwertigkeit bestach, ohne das dies beim Kauf sichtbar wurde.

    Man sollte sich davor hüten zu glauben mit Honorarberatung würde Beratung seriöser. Das ist ein fundamentaler Irrtum! Lediglich das Verdienstinteresse wird vom Lösungsinteresse getrennt, was durchaus zum selben Unsinn führen kann, wie in der Provisionsberatung.
    Seriösität hängt primär vom Verkaufsdruck ab, ob der Ertrag nun durch Honorar oder über das Produkt rein kommt ist unerheblich, solange transparent beraten wird und Erwartungen und Prognosen der Finanzinvestitionen nicht geschönt werden oder unseriös mangelnder Ertrag oder Risiken verschleiert wird. Oder aber schlicht hohe Vorgaben zum Umsatz gemacht werden.
    Da die Änderung Letzteres größere Probleme aufwirft, ist die Honorarberatung der leichtere Weg, regulatorische Versäumnisse zu vertuschen oder unangenehmen Auseinandersetzungen mit der mächtigen Finanzlobby aus dem Wege zu gehen.

    H.

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    • TDU
    • 13.11.2009 um 21:07 Uhr

    Deswegen macht es im Kassenarztwesen auch die Masse der Patienten, da Beratung nichts kosten darf. Einerseits wollen Sie für Beratung nichts zahlen, andererseits aber wenn es im Form des Festgehaltes kommt, soll es kosten und ehrenhaft sein aber dann auch wieder nicht. Wie die "Rennlisten" bei den Banken. Warum wollen Sie denn nicht zahlen für Beratung?

    Der Titel zeigt es ja schon: "einstreichen". Würde man von eiem unfähigen Bonzen, der seine Stelle durch Beziehungen bekommen hat, nie sagen. Oder über einen Psychologen, Anwalt oder sonst wen.

    Man schimpft ja auch immer auf die Makler. Man sollte mal unter denen, die ein Haus 20 Jahre bewohnen einen Umfrage machen, wie zufrieden sie denn sind. In Hamburg ist das übrigens ein ehrenwerter Beruf, anders als z. B. in NRW.

    Ein Provisonsverbot schafft nur eines richtig: Den Menschen, der seine Arbeit mit seiner Gedanken und Initiave Kraft verdienen will, abzuschaffen und ihn als Handlanger in den Dienst der Großkonzerne zu stellen. Vorgaben gibt es von Oben, Computer gesteuert, ohne Bezug zum Leben.

    Vorwerk, Tupper und andere Firmen haben bewiesen, dass der Vetreter ein ehrenwerter Beruf sein kann. In Deutschland Klinkenputzer in USA akzeptiert.

    Es könnten ja auch mal im Energiebereich Produkte kommen, die an den Kunden gebracht werden müssen. Vielleicht hat er noch mal Konjunktur, der Klinkenputzer, der ja angeblich immer betrügt, um an seine Provision zu bekommmen.

    Ihre Meinung würde mich durchaus interessieren.

    • TDU
    • 13.11.2009 um 21:07 Uhr

    Deswegen macht es im Kassenarztwesen auch die Masse der Patienten, da Beratung nichts kosten darf. Einerseits wollen Sie für Beratung nichts zahlen, andererseits aber wenn es im Form des Festgehaltes kommt, soll es kosten und ehrenhaft sein aber dann auch wieder nicht. Wie die "Rennlisten" bei den Banken. Warum wollen Sie denn nicht zahlen für Beratung?

    Der Titel zeigt es ja schon: "einstreichen". Würde man von eiem unfähigen Bonzen, der seine Stelle durch Beziehungen bekommen hat, nie sagen. Oder über einen Psychologen, Anwalt oder sonst wen.

    Man schimpft ja auch immer auf die Makler. Man sollte mal unter denen, die ein Haus 20 Jahre bewohnen einen Umfrage machen, wie zufrieden sie denn sind. In Hamburg ist das übrigens ein ehrenwerter Beruf, anders als z. B. in NRW.

    Ein Provisonsverbot schafft nur eines richtig: Den Menschen, der seine Arbeit mit seiner Gedanken und Initiave Kraft verdienen will, abzuschaffen und ihn als Handlanger in den Dienst der Großkonzerne zu stellen. Vorgaben gibt es von Oben, Computer gesteuert, ohne Bezug zum Leben.

    Vorwerk, Tupper und andere Firmen haben bewiesen, dass der Vetreter ein ehrenwerter Beruf sein kann. In Deutschland Klinkenputzer in USA akzeptiert.

    Es könnten ja auch mal im Energiebereich Produkte kommen, die an den Kunden gebracht werden müssen. Vielleicht hat er noch mal Konjunktur, der Klinkenputzer, der ja angeblich immer betrügt, um an seine Provision zu bekommmen.

    Ihre Meinung würde mich durchaus interessieren.

    • TDU
    • 13.11.2009 um 21:07 Uhr

    Deswegen macht es im Kassenarztwesen auch die Masse der Patienten, da Beratung nichts kosten darf. Einerseits wollen Sie für Beratung nichts zahlen, andererseits aber wenn es im Form des Festgehaltes kommt, soll es kosten und ehrenhaft sein aber dann auch wieder nicht. Wie die "Rennlisten" bei den Banken. Warum wollen Sie denn nicht zahlen für Beratung?

    Der Titel zeigt es ja schon: "einstreichen". Würde man von eiem unfähigen Bonzen, der seine Stelle durch Beziehungen bekommen hat, nie sagen. Oder über einen Psychologen, Anwalt oder sonst wen.

    Man schimpft ja auch immer auf die Makler. Man sollte mal unter denen, die ein Haus 20 Jahre bewohnen einen Umfrage machen, wie zufrieden sie denn sind. In Hamburg ist das übrigens ein ehrenwerter Beruf, anders als z. B. in NRW.

    Ein Provisonsverbot schafft nur eines richtig: Den Menschen, der seine Arbeit mit seiner Gedanken und Initiave Kraft verdienen will, abzuschaffen und ihn als Handlanger in den Dienst der Großkonzerne zu stellen. Vorgaben gibt es von Oben, Computer gesteuert, ohne Bezug zum Leben.

    Vorwerk, Tupper und andere Firmen haben bewiesen, dass der Vetreter ein ehrenwerter Beruf sein kann. In Deutschland Klinkenputzer in USA akzeptiert.

    Es könnten ja auch mal im Energiebereich Produkte kommen, die an den Kunden gebracht werden müssen. Vielleicht hat er noch mal Konjunktur, der Klinkenputzer, der ja angeblich immer betrügt, um an seine Provision zu bekommmen.

    Ihre Meinung würde mich durchaus interessieren.

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