"Von Kopenhagen muss ein Signal ausgehen" sagt Fatih Birol, der Chefökonom der Internationalen Energiebehörde (IEA). "Es ist entscheidend, dass die OECD-Länder sich dort klar für eine effektive Klimapolitik festlegen, selbst wenn kein detailliertes Abkommen erreicht werden kann."

In vier Wochen beginnt die Klimakonferenz in Kopenhagen. Auf dieser will die internationale Gemeinschaft ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll aushandeln. Die Welt hofft auf einen Durchbruch in der Klimapolitik. Doch es scheint unwahrscheinlich, dass er gelingt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat vor Kurzem wissen lassen, es werde wohl keinen Vertrag geben. Die USA, einer der größten Verschmutzer der Atmosphäre, wollen sich keinen international bindenden Verpflichtungen unterwerfen.

Birol fordert dennoch unverdrossen einen tiefgreifenden Wandel in der Energiepolitik. Der Ökonom bereiste in den vergangenen Wochen alle maßgeblichen Länder, um der Politik die Dringlichkeit der Lage klar zu machen: "Es geht um eine ernste Sache. Das ist kein Spiel."

Schon vor der offiziellen Veröffentlichung ihres Weltenergieberichts, während der Kopenhagen-Vorbereitungskonferenz in Bangkok, forderte die IEA die verhandelnden Staaten zu weitreichenden Investitionen auf: Man brauche mehr saubere Energie, etwa in der Stromerzeugung – dazu rechnet die IEA auch die umstrittene Kohlendioxidspeicherung unter der Erde (CCS) und die Atomkraft – oder im Individualverkehr. Man müsse Energie effizienter nutzen und zudem die Entwicklungsländer mit Geld und Technologie unterstützen.

Das alles ist teuer. Die Zahlen, zu denen die IEA in ihrer Prognose kommt, sind weit höher als die Ergebnisse anderer Berechnungen, etwa jene des britischen Ökonomen Nicholas Stern: 10,5 Billionen Dollar müssten bis 2030 investiert werden, um einen Wandel zu erreichen, sagt Birol. In Zahlen: 10.500.000.000.000 Dollar.

Doch es gibt keinen billigen Ausweg. Jedes Jahr, das man jetzt verliere, mache den Kampf gegen den Klimawandel um weitere 500.000.000.000 Dollar teurer, sagt Birol. "Eine Verspätung von nur einigen wenigen Jahren würde das Ziel wahrscheinlich komplett außer Reichweite schieben", heißt es im Weltenergieausblick. Falls die Klimawende nicht gelinge, müsse die Welt die Kosten steigender Energiepreise und jene der Erderwärmung tragen. Die Energieausgaben der Europäischen Union würden sich in diesem Fall bis 2030 verdoppeln, schätzt die IEA.