EU-Kommissar
Oettinger muss die Macht der Energiekonzerne einschränken
Günther Oettinger wird EU-Energiekommissar. Für die Verbraucher eine schlechte Nachricht, denn er ist politisch zu bieder, um etwas zu bewegen.
© Thomas Niedermueller/Getty Images

Soll in Brüssel neuer Energiekommissar werden: Günther Oettinger, Ministerpräsident von Baden-Würtenberg
Es ist eine der größten Überraschungen der neuen Europäischen Kommission. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger soll nicht als Industrie-, sondern als Energiekommissar nach Brüssel gehen. Damit könnte er in den nächsten fünf Jahren zweifelsohne zu den einflussreichsten Politikern unter Führung von José Manuel Barroso zählen. Wenn er denn will. Schließlich steht Oettinger in den nächsten fünf Jahren vor einem gewaltigen Spagat. Er muss Europas Abhängigkeit von Russland verringern, ohne dabei die Verbraucherinteressen aus den Augen zu verlieren. An letzterem sind schon viele Kommissare gescheitert, zum Beispiel sein Vorgänger Günter Verheugen.
Als Industriekommissar hatte der zwar öffentlich die industrielle Öko-Revolution versprochen, knickte dann aber vor dem Druck der Autolobby ein, als es um schärfere Abgaswerte für Neuwagen ging. Jeder Autofahrer wird diese Rolle Rückwarts noch Jahre an der Zapfsäule spüren. Die Energiekonzerne sind ähnlich stark wie die Autoindustrie in Brüssel aufgestellt und gerade die deutschen Gas- und Stromlieferanten sind nicht dafür bekannt, im Sinne der Verbraucher zu handeln.
Oettingers Job wird es daher sein, den Wettbewerb endgültig in den Gasmarkt zu bringen. Bisher gibt es den in den Niederlanden und in Großbritannien, in Deutschland nur auf dem Papier. Gerade erst wurde bekannt, dass E.on Ruhrgas Kapazitäten für Wettbewerber künstlich verknappen soll. Stimmen die Vorwürfe, dann hält der Gaskonzern Preise hoch, die im europäischen Vergleich ohnehin ihresgleichen suchen. Nur in wenigen Ländern ist Energie teurer als in Deutschland – auch ohne Steuer.
Mehr Wettbewerb heißt zunächst einmal die deutschen Konzerne um E.on Ruhrgas, RWE und EnBW in enge Schranken zu weisen. Schließlich bietet den Konzernen auch die dritte Reform des europäischen Energiebinnenmarktes erhebliche Spielräume in der Gestaltung von "mehr Wettbewerb". Denn die neue Gesetzgebung zwingt sie keineswegs zur Trennung von Netz und Produktion, aus Sicht von Verbraucherschützern aber Voraussetzung für Wettbewerb um niedrige Preise.
Die zweite Herausforderung wird sein, eine Energiewende in Europa herbeizuführen. Eine Wende hin zu mehr Effizienz, die von der Doppelverglasung der heimischen Stube bis zum modernen Kraftwerk reicht. Binnen kurzer Zeit könnte der Energiehunger Europas damit um bis zu 20 Prozent gestillt werden.
- Datum 27.11.2009 - 18:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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wissen schon welchen Politiker sie wohin setzen lassen. Am besten dorthin, wo er bisher wenig Ahnung/Kompetenz gezeigt hat. Dann ist für einne Marionette auch die Versuchung nicht so groß, nach eigenem Willen strampeln zu wollen.
Leute wie Herrhausen oder Rohwedder ? Fürchterlich !
Gerade auf die wurde dann geschossen.
haben sie da mit Herrn Öttinger, er weiss ganz genau was EnBW und Konsorten von ihm erwarten, das hat er auch im Ländle bewiesen.
Die EG-Kommission ist sowieso nicht Gegengewicht der Lobbyisten, sondern eher deren verlängerter Arm. Die Kommission hat den Lobbyisten extra ein völlig intransparentes Ausschussnetzwerk (Komitologie) eingerichtet und den Lobbyklüngel so geschützt vor dem Auge der Öffentlichkeit institutionalisiert.
Wer gesehen hat, wie Oettingers kleinkarierte Landesregierung in Energiefragen herumdilettiert hat weiß, was nun kommt: im besten Fall Stillstand. In Baden-Württemberg wurde und wird der Aufbau von Kapazitäten erneuerbarer Energien ähnlich wie in Hessen politisch massiv behindert.
... nix erreicht im Ländle, bloß domm un schnell dohergschwädsd, nor Weiber im Schädel. Aber jedzd Ennagiekommissär. Viel Schbass met dem Verbrauerschutz.
Dös Büble on die Lobbiischde? I lach mi dod.
Fresse, saufe, tralala. Dös werd elles sei was der Kerle nobringt.
...wetten, bei EnBW knallen jetzt die Sektkorken?
Pragmatisch ist immer schlecht, allerdings mit ideolgischen Mitteln war der Industrie zugunsten der Verbraucher irgendwie auch nicht beizukommen.
Dass die Zeit eher für die SPD eintritt ist ja okay, aber inhaltlich habe ich langsam das Gefühl, sie hielte Neuwahlen für das Beste, die allerdings obsolet wären, denn eigentlich ist a priori nur einer aus der SPD oder von den Grünen ein guter Politiker. Prognosen und Spekulationen sowie Zeugnisse anderer sind einfach auf Dauer inhaltslos und langweilig. Und wie man gesehen hat, nützt es dem Favoriten überhaupt nichts, wenn man den Gegner nur niedermacht. Und dem Verbraucher mangels kritischer, d. h. untersuchender Information schon gar nichts. Ist aber nur meine bescheidene Meinung.
was man von einem EU-Energiekommissar erwarten kann, würde mich brennend interessieren. Einer aus dem Ländle hat ja meistens ganz eigene Vorstellungen von der Welt, die er aber vermutlich am liebsten für sich behält und die nur wenig mit theoretischen Vorstellungen über Marktversagen und Allokation zu tun haben müssen. Mal sehen, was er dem EU-Parlament bei seiner Vorstellung zum Besten gibt. Herr Oettinger ist ja bisher nicht unbedingt für sein kritisches Potential in Sachen Marktregulierung in Erscheinung getreten und eher der Gruppe von Menschen verbunden, die von der Torte das größte Stück für sich beanspruchen, als sich um den geregelten Zugang zum Naschwerk Gedanken zu machen. Pappenheimer sein oder nicht sein, ist hier wohl die Frage.
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