Streit um Nutzungsrechte : Frankreich soll sein Streckennetz der Deutschen Bahn öffnen

Verkehrsminister Ramsauer sieht kein Problem darin, dass bald Frankreichs Züge auf Deutschlands Gleisen fahren. Doch es ärgert ihn, dass umgekehrt nicht das Gleiche gilt.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer findet es "nicht zu beanstanden", dass die französische Staatsbahn SNCF demnächst der Deutschen Bahn auf innerdeutschen Strecken Konkurrenz machen wolle. Umgekehrt mache es Frankreich der Deutschen Bahn aber unmöglich, auf französischen Gleisen eigene Verbindungen anzubieten, beklagte er im Gespräch mit der Rheinischen Post. "Das kann so nicht weitergehen", sagte Ramsauer. Er habe deshalb bereits mit seinem französischen Amtskollegen Dominique Bussereau telefoniert. Frankreich müsse die eigenen Märkte deregulieren und dem internationalen Wettbewerb öffnen.

Die französische Staatsbahn SNCF will der Bahn künftig auf wichtigen Fernstrecken in Deutschland Konkurrenz machen. So wollten die Franzosen von Frankfurt nach Berlin und Hamburg fahren. Außerdem habe das Berliner Unternehmen Locomore Rail den Zuschlag bekommen, bereits von 2010 an mehrmals täglich auf der Strecke von Köln nach Hamburg zu fahren. Hinter Locomore Rail soll ein ausländischer Investor stecken.

Bislang hat die Deutsche Bahn im Personenfernverkehr fast keine Konkurrenz.

Ein Sprecher der Bahn bestätigte, dass der SNCF-Vorstandschef Guillaume Pépy vor zwei Wochen die Deutsche-Bahn-Spitze über eine "bevorstehende Trassenanmeldung" informiert habe. Der Vorgang zeige, wie weit in Deutschland die Liberalisierung fortgeschritten sei. Umgekehrt bleibe der Deutschen Bahn der Zutritt auf den französischen Markt noch verwehrt.

Bahn-Vorstand Ulrich Homburg hatte den Vorstoß der Franzosen bereits als Angriff gewertet. "Das wird eine blutige Schlacht, die in den Bilanzen tiefe Spuren hinterlässt", hatte er gesagt. Umgekehrt attestierte er vor allem den Franzosen eine protektionistische Haltung: In Frankreich würden trotz EU-Vorgaben hohe Hürden errichtet, um den dortigen Zugverkehr vor ausländischer Konkurrenz zu schützen.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Problem?

Natürlich ist es gar kein Problem, wenn statt einer einzigen Monopolbehörde nun auch ein Wettbewerber Verbindungen anbieten kann. Die Bahnkunden dürfte es jedenfalls freuen, besonders die, die ständig auf die Ticketpreise schimpfen.

Was die Öffnung des sog. »Marktes« in Frankreich (der in Wirklichkeit gar keiner ist) betrifft, so kann man wohl noch lange warten: Im Mutterland des Étatismus steht der Merkantilismus noch heute so hoch im Kurs wie zu Zeiten eines Louis XIV.

"Umgekehrt bleibe der Deutschen Bahn der Zutritt auf den französischen Markt noch verwehrt."

Ich finde es inakzeptabel, wenn es der SNCF gestattet würde, in Deutschland Verbindungen anzubieten, ohne dass es der Deutschen Bahn gestattet wäre, dasselbe in Frankreich zu tun. Es kann nicht sein, das Frankreich in wirtschaftlicher Hinsicht Europa à la carte haben möchte - die eigenen Unternehmen von den Vorzügen profitieren zu lassen, andererseits aber ausländischen, insbesondere aber deutschen Firmen den Marktzugang bzw. Uebernahmen zu verwehren. Dieses Spiel konnte man seit 1990 bereits ein paar Mal beobachten und ich verstehe nicht, weshalb sich Deutschland weiterhin auf der Nase herumtanzen lässt, anstatt einmal für die Durchsetzung von Fairness zu sorgen.

Die ganze Privatisierung der Bahn ist ein Unding...wenn ein Unternehmen, dass maßgeblich die Infrastruktur der Schienennetze hält, privatisiert wird, muss es wirtschaftlich arbeiten wie jedes andere, dh. unrentable Strecken und Bahnhöfe schließen, personelle Einschnitte vornehmen und weiteres. Wenn dann noch ein Konkurrent auf den Markt tritt, verschärft sich die Situation. Leidtragender diesen Prozesses wird vor allem der ländliche Raum sein. Die Streckenanbindungen zu kleineren Städten werden schon seit Jahren gestrichen, dies dürfte zunehmen, bis wirklich nur noch die Verbindungen erhalten werden, die rentabel sind...damit wird der ländliche Raum mal wieder unattraktiber. Dass Frankreich die Bahn nicht auf seinem Lande fahren läßt, dient auch daher vor allem dem Schutz des heimischen Unternehmens. Von daher wird SNCF von der sicheren Burg Frankreich aus Europas Bahnunternehmen angreifen, und der Bahn nimmt man genau jenes sicheres Standbein weg, dass es braucht, um anderen Konkurrenz machen zu können...zumindest theoretisch.

Liberalisierung des Marktes Notwendig

Auch die Franzosen sollten ihr Schienennetz ausländischen Unterehmen öffnen. Notfalls muss der bewährte Weg über die EU gegangen werden. Verstehen kann man die Franzosen schon mit ihrem High-End-Hochgeschwindigkeits-Schienennetz. Ein Grund gegen die Öffnung des Schienennetzes könne die mangelnde Eignung des ICE für das Französische Schienennetz sein. Da der TGV / AGV konstruktiv anders aufgebaut sind als ein deutscher ICE.
Ein anderer Grund ist wahrscheinlich, dass die deutsche Bahn sowieso keine preisliche Konkurrenz für die SNCF darstellen kann. Für die Strecke Strasbourg-Paris (ca 400km) verlangt die SNCF gerade einmal 29€, während die DB für eine Ähnliche Strecke mittlerweile 50€ berechnet.