IG Metall "Das geht nicht gut mit der FDP"

IG-Metall-Chef Berthold Huber über Hilfe für die Industrie, schwarz-gelbe Sozialpolitik, Opel und die Tarifrunde 2010

IG-Metallchef Huber auf einer Wahlkampf-Veranstaltung im September in Frankfurt am Main

IG-Metallchef Huber auf einer Wahlkampf-Veranstaltung im September in Frankfurt am Main

Frage: Herr Huber, was sagt Ihnen der Industriepolitiker Rainer Brüderle?

Berthold Huber: Bisher nichts. Ich kenne keine Vorstellungen zur Industriepolitik der FDP oder von Herrn Brüderle. Dabei geht es ja hier um die Frage, welche industriellen Kerne wir brauchen und erhalten wollen. Mit der Philosophie, alles dem Markt zu überlassen, die Herr Brüderle bislang immer propagierte, kommen wir jedenfalls nicht weiter. Maschinenbau und Autoindustrie sind Wertschöpfungsbringer für die Wirtschaft insgesamt, die müssen wir pflegen. Auch die Politik muss das tun.

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Frage: Wie viel Industrie geht jetzt in der Krise verloren?

Huber: Neben der Finanzkrise haben wir eine Nachfrage- und eine Strukturkrise in Teilen des Maschinenbaus und in der Autoindustrie. Das Thema Ökologie und Nachhaltigkeit ist vernachlässigt worden, die Entwicklung kleinerer Fahrzeuge und alternativer Antriebe kam bisher zu kurz. Das muss nun in den kommenden Jahren bewältigt werden.

Frage: Mit staatlicher Hilfe?

Huber: Es wird ohne staatliche Hilfe nicht gehen, weil wir auch eine Finanzierungskrise haben. Auch in Unternehmen und Betrieben übrigens, die zukunftsfähige Produkte herstellen. Wenn denen aber Liquidität und Eigenkapital fehlen, wird es trotzdem eng. Heute sind die Firmen konfrontiert mit absurden Zinsforderungen, die teilweise im zweistelligen Bereich liegen. Das nimmt solchen Unternehmen die Luft. Dort, wo Eigenkapital fehlt, muss man helfen, zum Beispiel durch den öffentlichen Beteiligungsfonds, den wir vorschlagen.

Karriere

Berthold Huber (59) lernte nach dem Abitur Werkzeugmacher. Beim Bushersteller Kässbohrer wurde er in jungen Jahren Betriebsratsvorsitzender. Franz Steinkühler holte Huber, der ein paar Jahre Geschichte, Philosophie und Politik studierte, 1990 in die Gewerkschaftszentrale. Vor zwei Jahren wählte ihn die IG Metall zu ihrem ersten Vorsitzenden.

Gewerkschaft

Mit knapp 2,3 Millionen Mitgliedern ist die IG Metall die größte deutsche Gewerkschaft. Huber bemüht sich um eine Stärkung der Gewerkschaft in den Betrieben. Doch in der aktuellen Krise drohen der Industrie und damit auch der IG Metall erhebliche Einbußen.

Frage: Dazu wollen Sie eine Zwangsanleihe erheben auf Vermögen über 750.000 Euro.

Huber: Das ist eine Möglichkeit der Finanzierung. Abgewickelt werden könnte es über die bundeseigene KfW, aber da ist die Hausbank immer mit im Geschäft, und KfW-Kredite sind auch nicht billig.

Frage: Ist die Krisenbewältigung nicht alles in allem gut gelaufen?

Huber: Bislang haben wir keine Massenentlassungen in den Firmen. Doch wir dürfen die 200.000 Leiharbeiter nicht vergessen, die in der Krise in der Versenkung verschwunden sind. Das ist ein politischer und moralischer Skandal.

Leser-Kommentare
    • TDU
    • 02.11.2009 um 18:12 Uhr

    Es geht nicht gut mit der FPD aber deren neoliberales Gedankengut kennt er nicht und Brüderles Konzept kennt er auch nicht. O. K.

    Ich denke, die Situatin der Leiharbeier ist kompliziert. Insbesondere wegen der Zwischenzeiten, die nicht nur in Hartz IV führen dürfen. Deswegen sollte man da mal abwarten. Auf jeden Fall darf der Arbeitsmarkt für diese Möglichkeit, sein Geld zu verdienen, nicht geschlossen werden.

    Zur Zwangsanleihe kann er gerne zustimmen. Er verlangt aber, dass sich die Politk aus der Tarifpolitik heraushält. Priorität sollte also für Ihn die Abteitsplatzsicherung und -Schaffung haben.

    Altersteilzeit, um jüngeren Platz zu machen. Wenn es aufgeht, gut. Wenn sie weiter die Barrieren für ältere Mitarbeiter, die das nicht wollen oder können, aufbaut, sollte Herr Huber mal nachdenken. Sonst haben wir bald die Altersarmut ab 48 Jahren.

    Die Kurzarbeit sollte selbsverständlich weiter unterstützt werden. Vielleicht gibt es ja mal eine Studie, ob sie wegen Mißbrauchs letztendlich Konjunktur bremsend wird. Aber ich denke zum Absahnen taugt sie nur bedingt. Und wer sie wegen schnellen Profits zu lange annímmt, wird mangels Auftragsbearbeitung vom Markt verschwinden, da ohne neue Aufträge in der Regel nichts läuft.

  1. Maßstab der allgemeinen Produktivitätsrate und damit die von keinem übersteigbare Grenze bleibt nach wie vor die Relation zur 35-Stundenwoche. Verkürzt ein Betrieb auf 28,5 Std./Woche zeigt er eine Steigerung um 19% an, verlängert er auf 40 Std./Woche dokumentiert das einen Anstieg um 14% vom Umsatz. Beträgt der Umsatz beispielsweise € 300 Mio./p. a. finanziert sich dieser Betrieb intern bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden in einem solchen Jahr mit € 42 Mio. selbst und kann daher nach drei Jahren mit nahezu € 130 Mio. seine Aufwände für das zu zahlende Entgelt an Arbeitnehmer decken. Beträgt letzteres etwa € 20 Mio./p. a. ermöglicht solchermaßen betriebene Innenfinanzierung wenigstens vier bis fünf Jahre bei gleichem Personalstand ohne jegliche private, geschweige denn staatliche Bürgschaft existent zu bleiben.

  2. ... also muss sich Herr Huber schon daran gewöhnen, denn die Vox populi hat gesprochen. Oder wie Bertolt Brecht es ausdrückte: Wenn den Oberen das Volk nicht mehr gefällt, so sollen sie sich doch ein anderes Volk wählen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben recht, aber Demokratie ist nichts anderes als die Diktatur der Mehrheit.

    Sie haben recht, aber Demokratie ist nichts anderes als die Diktatur der Mehrheit.

  3. 4. @Nr.3

    Sie haben recht, aber Demokratie ist nichts anderes als die Diktatur der Mehrheit.

    • Manu84
    • 03.11.2009 um 2:41 Uhr

    Huber hat als IG.Metall-Vorsitzender ein Problem: Er kann schlecht zugeben, dass Autos offensichtlich nicht mehr die Zukunft sind; zu viele Mitglieder der Gewerkschaft sind direkt bei Automobilherstellern oder bei Zulieferern beschäftigt. In Zukunft werden wir es uns umwelttechnisch schlicht und einfach nicht mehr leisten können, mit der eigenen Benzinkutsche allein 5-10 liter Spprit auf 100km zu verfahren. Übrigens schön nachzulesen in "Das Ende der Welt, wie wir sie kannten" von Claus Leggewie.
    Und dann muss sich die Politik halt mal neue Konzepte überlegen, anstatt immer nur durch das überkommene Wachstumsprinzip die Erde weiter zu zerstören, um noch ein paar Jahre rauszuholen und an der Macht zu bleiben. Und die Abwrackprämie als umweltpolitischen Erfolg darzustellen, zeigt im Fall von Herrn Huber leider, dass er von gewissen Dingen einfach gar keine Ahnung hat.

    • Martyy
    • 03.11.2009 um 9:26 Uhr
    6. huh?

    moment... habe ich es richtig verstanden dass er personen die etwas mehr geld als der durchschnitt haben gezwungen werden der automobilindustrie zu helfen?! ich persönlich hasse diese branche und würde ein teufel tun

    • Buker
    • 05.11.2009 um 13:08 Uhr

    750000 € sind für Sie "etwas mehr Geld"???

    In Ihren Relationen möchte ich auch mal denken können!!! ;)

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