Wirtschaftskrise "Arbeitslosigkeit ist wie Salzsäure"
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"Kurzarbeit allein wird 2010 nicht reichen"

Sinkt die Bedeutung der Industrie?

 Nein, obwohl der Wettbewerb aus Schwellenländern wächst und wir uns dort rechtzeitig einnisten müssen. Wir haben in unserer Wirtschaft einen Industrieanteil von 26 Prozent, die Amerikaner von zwölf Prozent. Wir halten unsere Struktur mit den vielen sich ergänzenden Clustern für vorbildlich. Aber wir dürfen auch nicht zwanghaft an überholten Strukturen festhalten. Unsere Webstühle waren auch mal gut, zu Gerhard Hauptmanns Zeiten, aber manches Know-how wird eben nicht mehr oder nur in geringerem Maße benötigt.

Brauchen wir das Opel-Know-how?

Wir hätten regional ein soziales Problem, keine Frage, wenn Opel vom Markt verschwände. Das Know-how aber würde zu einem großen Teil bestehen bleiben, in welcher Form auch immer.

Die Amerikaner helfen General Motors mit 50 Milliarden Dollar, und wir streiten über vergleichsweise geringe Opel-Hilfen.

Im Fall Opel ging es um Erhaltungssubventionen. In den USA gibt es nur noch zwei Autohersteller, und mit den Milliarden versucht die Regierung, General Motors zukunftsfähig zu machen. Das ist eine andere Situation als bei uns.

Zurück zum schwierigen Jahr 2010. Kurzarbeit wird vermutlich nicht mehr reichen, um Massenentlassungen zu vermeiden. Gibt es weitere Instrumente?

Beschäftigung zu halten ist für uns ein ganz großes Ziel. Das fällt für unsere Betriebe unter Zukunftssicherung. Und gesamtgesellschaftlich wirkt Arbeitslosigkeit ja wie Salzsäure, die frisst sich überall durch. Aber: Wenn es nicht mehr anders geht, dann muss man auch umstrukturieren können. Die Firmen dürfen in dem Fall nicht an den Pranger gestellt werden. Arbeitslosigkeit verhindern ohne Verkrustungen zu riskieren, das ist das Motto der Stunde. Alles in allem haben wir in diesem Jahr bisher eine Superleistung gebracht: Die Produktion sinkt um 25 Prozent, aber nur fünf Prozent der Arbeitsplätze wurde abgebaut. 

Im Ausland spricht man vom "German Beschäftigungswunder".

Ja, doch wir müssen wissen, wie wir uns das erkauft haben – nämlich mit viel Geld und einem Wechsel auf die Zukunft, über den Weg gewaltiger Schulden. Es war vor allem die große Übereinstimmung zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politik, die uns das mit dem Instrument der Kurzarbeit ermöglicht hat. Nur: Ein Instrument bleibt wirkungslos, wenn nicht die Überzeugung auf mittel- und langfristige neue Erfolge dahintersteckt.

Das Modell Deutschland funktioniert also noch, die Kooperation der Sozialpartner und überhaupt der Sozialstaat?

Ja, wir sind gut damit gefahren. Für 2010 mit seiner zunehmenden Differenzierung der wirtschaftlichen Entwicklung in den Betrieben wollen wir nicht allein auf die klassische Kurzarbeit setzen, sondern unserem Tarifvertrag Beschäftigungssicherung eine bessere Chance geben. Dieser Vertrag ermöglicht eine Verkürzung der Arbeitszeit von 35 auf 30 Stunden ohne Lohnausgleich – Arbeitszeit und Personalkosten fallen dann um 14 Prozent, und die Mitarbeiter erhalten im Gegenzug eine Jobgarantie. Dieses Instrument ist von der Kurzarbeit überdeckt worden.

Ist das so schlecht?

Für die Betriebe ist die Anwendung des Tarifvertrags flexibler und kostengünstiger. Deshalb würden wir die Option zu einer Absenkung unter 30 Wochenstunden für richtig halten. Die IG Metall entgegnet uns, dass dann der Einkommensverlust im Vergleich zum Kurzarbeitergeld nicht mehr akzeptabel wäre. Sie schlägt deshalb einen Teillohnausgleich vor, bei dem das Instrument für die Betriebe dann aber zu teuer wäre. Sie regt deshalb an, die auf unter 30 Stunden abgesenkte Wochenarbeitszeit von Sozialversicherungsabgaben für das Jahr 2010 zu befreien. Wir halten diesen Vorschlag für erwägenswert – er würde beim „großen Kurzarbeitergeld“ vermutlich Einsparungen bringen.

Martin Kannegiesser ist neun Jahren Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Der mächtigste deutsche Industrieverband ist Gegenspieler der IG Metall. Kannegiesser hat die Flexibilisierung des Flächentarifs forciert. Er wird wegen seiner Sachlichkeit auch in der IG Metall geschätzt. Das Gespräch führte Alfons Frese.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.11.2009)

 
Leser-Kommentare
  1. dass die Verhandlungsparteien hier eine Sicherheit erhalten. Kurzarbeit hat bislang alles stark abgepuffert, fragt sich nur, wie weit die Talfahrt (die wievielte seit 2000?) noch geht? Einkommen auf Halbmast für Angestellte und Nulleinkommen für Kleinselbstständige? http://kallewestrich.blog...

  2. Kümmert sich irgend jemand um die informationsverwalter und - bearbeiter? Freie Journalisten, Redakteure und Buchlektoren seit 10 Jahren unter der Armutsgrenze! Was glaubt der Leser, wer hier hilft? Google vielleicht? http://viereggtext.blogsp...

  3. Der Herr ist Gründer der INSM, einer Werbeagentur, die vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall jährlich mit über 8 Million Euro finanziert werden. Die Agentur hat 8 feste und vierzig freie Mitarbeiter. Darüber hinaus noch etliche Ehrenamtliche, die das Ziel der INSM teilen.
    Die Ziele bestehen darin, die Bevölkerung von der Unausweichlichkeit des Sozialabbaus in Zeiten der "Globalisierung" und des"demographischen Wandels" zu überzeugen. Das geschieht aber nicht offen, sondern meist in Form von Expertenmeinungen, Umfragen, geschickt plazierten Artikeln über Sozialhilfemißbrauch etc. Die INSM kooperiert eng mit der Versicherungswirtschaft.

  4. D'accord ... man muss die Leute einordnen können, um ihre Aussagen kritisch zu bewerten und ich teile Ihre Einschätzung der INSM als Krisenprofiteur.

    ABER: Wer Globalisierung und demographischen Wandel in Anführungszeichen setzt, setzt sich dem Verdacht aus, einen zentralen Punkt noch nicht verstanden zu haben ... dass diese Entwicklungen real und gerade im Falle des demographischen Wandels selbst theoretisch gar nicht mehr aufzuhalten sind. Und dass sie mittelfristig nicht nur eine Justierung, sondern eine Neugestaltung aller für unseren Gesellschaft maßgeblichen Sozialverträge erfordern.

    Man kann also auch mit der Wahrheit lügen ... und genau das macht die INSM. Oder anders: sie lügt nicht bei den Diagnose der Probleme, sondern dann, wenn sie suggeriert, dass es nur einen Weg gäbe, diese zu meisten (natürlich den Weg, der ihren Hintermännern den meisten Profit sichert).

    Statt dem nostalgischen Festhalten an zerbröselnden Strukturen warte ich sehnlichst auf einen echten Zukunftsentwurf aus dem linken Spektrum. Solange hier Fehlanzeige herrscht, haben INSM&Co. leichtes Spiel. Die linken Theoretiker, die in den 70ern über die Krise der Arbeitsgesellschaft schrieben, warum zu großen Teilen modernere Linke als SPD und Linke 30 Jahre später. Traurig!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Beim demographischem "Wandel" wird unterschlagen, dass in den letzten 20 Jahren etliche Millionen ( genaue Zahlen habe ich nicht im Kopf, meine aber, dass es circa 10 Millionen waren) zuwanderten. ( U.a. viele Aussiedler).
    Diese Menschen erscheinen natürlich nicht in der Geburtsstatistik.
    Außerdem ist die Produktivität des einzelnen Arbeitnehmers stark gestiegen. Diese Plus an Zugewinn sollte in Teilen der Rentenversicherung zufließen.

    Es gab und gibt modernere Konzepte, insbesondere das Konzept der Nachhaltigkeit.
    Bei allen oekonomischen Problemen duerfen wir die oekologische Komponente nicht uebersehen, im Gegenteil: Sie beinhaltet einen (nicht den, aber einen) Loesungsansatz.
    Zudem befinden wir uns unmittelbar vor Peak Oil, einem Punkt oder Zeitraum, der einen Uebergang zu einer anderen Wirtschaftsweise (qualitatives statt quantitatives Wachstum) erfordert.

    Insgesamt sieht die Loesungsskizze Nachhaltigkeit in etwa so aus:
    Die Sozialsysteme werden staerker auf Steuerbasis finanziert, was den Produktionsfaktor Arbeit ebenso wie Selbststaendige entlastet.
    Die Steuern werden vorzugsweise auf Umwelt- und Ressourcenverbrauch erhoben, langhaltbare Produkte, Energieeffizienz und Dienstleistungen (Beratung, Gesundheit, Bildung) erhalten also einen Vorzug, eine sanfte Umlenkung in diese richtung findet statt. Kurzfristdenken (wie es zur Lehman-Pleite fuehrte) wird hingegen teurer, also oekonomisch unattraktiver (eine Tobin-Steuer waere da eine notwendige Komponente).
    Insgeamt wird das Sozialsystem aus der demographischen Falle befreit (ohne Leistungseinschraenkung) und der notwendige Wandel fuer den Klimaschutz beschleunigt. Der Produktivitaetsfortschritt wird teilweise demographisch ausgeglichen, eine leichte Arbeitszeitverkuerzung tut ihr Uebriges (die Lohnstueckkosten sind ohnehin geringer, weil Rente und Gesundheit ueberwiegend aus Steuermitteln finanziert werden).

    Ihren Ruf nach einem echten Zukunftsentwurf aus dem linken Spektrum kann ich nur teilweise verstehen. Richtig daran ist, dass die Führung der Gewerkschaften so tut, als gäbe es keine Argumente gegen Neoliberalismus oder es fielen ihnen keine ein oder sie hätten seit dreißig Jahren wichtigere Themen.

    Globalisierung und demographischer Wandel sind die Themen gerade nicht. Stärkung des Binnenmarktes durch höhere Massenkaufkraft, bessere Löhne und verstärkte soziale Sicherheit wären die Themen. Mit den deutschen Exportüberschüssen brauchen wir die Globalisierung nicht zu diskutieren.

    Dass die Massenarbeitslosigkeit seit dreißig Jahren absichtlich durch restriktive Geld- und Finanzpolitik verursacht ist, sollte zwischen ehrlichen Menmchen auch kein Thema sein. Googeln Sie mal zu "Geldpolitik Weltwirtschaftskrise", das ist inzwischen alles geklärt, auch wenn die Massenmedien immer noch Blödsinn verbreiten.

    Die Absatzkrise und Binnenmarktschwäche ist die Folge der jahrzehntelangen Umverteilung von unten nach oben, des durch die Massenarbeitslosigkeit durchgesetzten Lohn- und Sozialabbaus. Die Massenarbeitslosigkeit hat man dafür mit Hochzinspolitik erzeugt seit Paul Volcker in den 80er Jahren. Bewusst und absichtlich!

    Wir wissen also, was zu tun wäre: Stärkung der Massenkaufkraft und Wiederaufbau des Sozialstaats und Schluss mit dem Neoliberalismus, der uns genau dahin gebracht hat, wo wir heute stehen.

    Beim demographischem "Wandel" wird unterschlagen, dass in den letzten 20 Jahren etliche Millionen ( genaue Zahlen habe ich nicht im Kopf, meine aber, dass es circa 10 Millionen waren) zuwanderten. ( U.a. viele Aussiedler).
    Diese Menschen erscheinen natürlich nicht in der Geburtsstatistik.
    Außerdem ist die Produktivität des einzelnen Arbeitnehmers stark gestiegen. Diese Plus an Zugewinn sollte in Teilen der Rentenversicherung zufließen.

    Es gab und gibt modernere Konzepte, insbesondere das Konzept der Nachhaltigkeit.
    Bei allen oekonomischen Problemen duerfen wir die oekologische Komponente nicht uebersehen, im Gegenteil: Sie beinhaltet einen (nicht den, aber einen) Loesungsansatz.
    Zudem befinden wir uns unmittelbar vor Peak Oil, einem Punkt oder Zeitraum, der einen Uebergang zu einer anderen Wirtschaftsweise (qualitatives statt quantitatives Wachstum) erfordert.

    Insgesamt sieht die Loesungsskizze Nachhaltigkeit in etwa so aus:
    Die Sozialsysteme werden staerker auf Steuerbasis finanziert, was den Produktionsfaktor Arbeit ebenso wie Selbststaendige entlastet.
    Die Steuern werden vorzugsweise auf Umwelt- und Ressourcenverbrauch erhoben, langhaltbare Produkte, Energieeffizienz und Dienstleistungen (Beratung, Gesundheit, Bildung) erhalten also einen Vorzug, eine sanfte Umlenkung in diese richtung findet statt. Kurzfristdenken (wie es zur Lehman-Pleite fuehrte) wird hingegen teurer, also oekonomisch unattraktiver (eine Tobin-Steuer waere da eine notwendige Komponente).
    Insgeamt wird das Sozialsystem aus der demographischen Falle befreit (ohne Leistungseinschraenkung) und der notwendige Wandel fuer den Klimaschutz beschleunigt. Der Produktivitaetsfortschritt wird teilweise demographisch ausgeglichen, eine leichte Arbeitszeitverkuerzung tut ihr Uebriges (die Lohnstueckkosten sind ohnehin geringer, weil Rente und Gesundheit ueberwiegend aus Steuermitteln finanziert werden).

    Ihren Ruf nach einem echten Zukunftsentwurf aus dem linken Spektrum kann ich nur teilweise verstehen. Richtig daran ist, dass die Führung der Gewerkschaften so tut, als gäbe es keine Argumente gegen Neoliberalismus oder es fielen ihnen keine ein oder sie hätten seit dreißig Jahren wichtigere Themen.

    Globalisierung und demographischer Wandel sind die Themen gerade nicht. Stärkung des Binnenmarktes durch höhere Massenkaufkraft, bessere Löhne und verstärkte soziale Sicherheit wären die Themen. Mit den deutschen Exportüberschüssen brauchen wir die Globalisierung nicht zu diskutieren.

    Dass die Massenarbeitslosigkeit seit dreißig Jahren absichtlich durch restriktive Geld- und Finanzpolitik verursacht ist, sollte zwischen ehrlichen Menmchen auch kein Thema sein. Googeln Sie mal zu "Geldpolitik Weltwirtschaftskrise", das ist inzwischen alles geklärt, auch wenn die Massenmedien immer noch Blödsinn verbreiten.

    Die Absatzkrise und Binnenmarktschwäche ist die Folge der jahrzehntelangen Umverteilung von unten nach oben, des durch die Massenarbeitslosigkeit durchgesetzten Lohn- und Sozialabbaus. Die Massenarbeitslosigkeit hat man dafür mit Hochzinspolitik erzeugt seit Paul Volcker in den 80er Jahren. Bewusst und absichtlich!

    Wir wissen also, was zu tun wäre: Stärkung der Massenkaufkraft und Wiederaufbau des Sozialstaats und Schluss mit dem Neoliberalismus, der uns genau dahin gebracht hat, wo wir heute stehen.

  5. Beim demographischem "Wandel" wird unterschlagen, dass in den letzten 20 Jahren etliche Millionen ( genaue Zahlen habe ich nicht im Kopf, meine aber, dass es circa 10 Millionen waren) zuwanderten. ( U.a. viele Aussiedler).
    Diese Menschen erscheinen natürlich nicht in der Geburtsstatistik.
    Außerdem ist die Produktivität des einzelnen Arbeitnehmers stark gestiegen. Diese Plus an Zugewinn sollte in Teilen der Rentenversicherung zufließen.

    Antwort auf "@madamef"
  6. 6. ...

    ... ich wünschte, man (z.B. Menschen wie der interviewte), wachten endlich auf und es würde sich WIRKLICH was ändern, als bloß große Reden geschwungen.

    JEDER kennt das "Ding" mit der Wertschöpfung, obwohl uns seit Jahr und Tag etwas anderes erzählt wird. Aber es ist eine unverrückbare Tatsache, dass der arbeitende Mensch das Geld verdient, den tatsächlichen Mehrwert schafft. Nicht das Geld. Geld vermehrt sich nicht von alleine. Es arbeitet auch nicht. Der Mensch tut's. Niemand sonst.

    Schafft endlich den Zins ab und entwickelt ein System, das Geld in den Umlauf zurückzwingt!! Aber nur, falls "man" wirklich an einer realistischen Lösung interessiert ist. Moment mal: es GIBT ja schon praktische Lösungsansätze. Und wurde in den 1930er Jahren nicht mal in irgend so einer österreichischen Stadt ein zu 100% erfolgreicher Feldversuch gestartet?? Ich meine: solange erfolgreich, bis die Banken die Daumen wieder draufgehauen haben...

  7. Wir entfernen uns zwar etwas vom Forumsthema, aber trotzdem ein paar Korrekturen:

    "Beim demographischem "Wandel" wird unterschlagen, dass in den letzten 20 Jahren etliche Millionen zuwanderten".

    Das ist (leider!) Vergangenheit. Deutschland hat derzeit ein ausgeglichenes und ins negative tendierendes Wanderungssaldo (d.h. Summe aus Zu- und Abwanderungen).
    Richtig ist: eine massive Zuwanderung junger und tendenziell gut gebildeter (d.h. auch: integrationsfähiger) Menschen könnte zukünftige Probleme puffern. Aber dazu ist Deutschland weder "bereit", noch sind wir derzeit für solche Migranten attraktiv.

    "Diese Menschen erscheinen natürlich nicht in der Geburtsstatistik."

    Sorry ... natürlich werden Migranten in der Bevölkerungsstatistik und demographischen Szenarien erfasst. Das Statistische Bundesamt rechnet Szenarien derzeit mit jährlichen Wanderungssalden von 0, +100.000 und +200.000

    Sieht so aus, als müssten wir unsere Hausaufgaben weitestgehend alleine machen.

    "Außerdem ist die Produktivität des einzelnen Arbeitnehmers stark gestiegen."

    Wenigstens das ist richtig :-) ... und hat als Puffer eine Zeitlang gewirkt. Leider ist die Dynamik der Produktivitätsgewinne abnehmend, während sich die Zunahme von Renten- vs. Erwerbsbevölkerung über die nächsten Jahrzehnte massiv beschleunigen wird.

    Genau das meinte ich in der vorigen Mail: Die deutsche Linke schaut immer nach HINTEN, nicht nach VORNE. Wacht doch endlich mal auf! Das Land braucht Euch!!!!!!!!!!

  8. Es gab und gibt modernere Konzepte, insbesondere das Konzept der Nachhaltigkeit.
    Bei allen oekonomischen Problemen duerfen wir die oekologische Komponente nicht uebersehen, im Gegenteil: Sie beinhaltet einen (nicht den, aber einen) Loesungsansatz.
    Zudem befinden wir uns unmittelbar vor Peak Oil, einem Punkt oder Zeitraum, der einen Uebergang zu einer anderen Wirtschaftsweise (qualitatives statt quantitatives Wachstum) erfordert.

    Insgesamt sieht die Loesungsskizze Nachhaltigkeit in etwa so aus:
    Die Sozialsysteme werden staerker auf Steuerbasis finanziert, was den Produktionsfaktor Arbeit ebenso wie Selbststaendige entlastet.
    Die Steuern werden vorzugsweise auf Umwelt- und Ressourcenverbrauch erhoben, langhaltbare Produkte, Energieeffizienz und Dienstleistungen (Beratung, Gesundheit, Bildung) erhalten also einen Vorzug, eine sanfte Umlenkung in diese richtung findet statt. Kurzfristdenken (wie es zur Lehman-Pleite fuehrte) wird hingegen teurer, also oekonomisch unattraktiver (eine Tobin-Steuer waere da eine notwendige Komponente).
    Insgeamt wird das Sozialsystem aus der demographischen Falle befreit (ohne Leistungseinschraenkung) und der notwendige Wandel fuer den Klimaschutz beschleunigt. Der Produktivitaetsfortschritt wird teilweise demographisch ausgeglichen, eine leichte Arbeitszeitverkuerzung tut ihr Uebriges (die Lohnstueckkosten sind ohnehin geringer, weil Rente und Gesundheit ueberwiegend aus Steuermitteln finanziert werden).

    Antwort auf "@madamef"

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