Klima-Glossar K wie Kosten des Klimaschutzes

Wer zahlt, wer erhält finanzielle Hilfe, um den Klimawandel zu bewältigen? Der Streit könnte den Klimagipfel entscheiden. ZEIT ONLINE schreibt, worüber verhandelt wird.

Was kostet es, die Welt zu retten? Oxfam-Aktion in Barcelona, am Rande des dortigen Vorbereitungstreffens zu Kopenhagen, im November

Was kostet es, die Welt zu retten? Oxfam-Aktion in Barcelona, am Rande des dortigen Vorbereitungstreffens zu Kopenhagen, im November

Worum geht es in Kopenhagen? ZEIT ONLINE greift die wichtigsten Punkte der Agenda auf. Nach und nach entsteht so ein kleines Glossar. Diesmal: Was kostet Klimaschutz überhaupt? Zuvor erschienen: Wie positionieren sich die Unterhändler? Und: Über welche Ziele wird eigentlich verhandelt?

100 Milliarden Euro für Schwellen- und Entwicklungsländer

Der Klimawandel ist auch ein Geschäft: Banken, Börsen und Wertpapierhändler können am Handel mit Emissionszertifikaten und anderen Verschmutzungsrechten gut verdienen. Manch ein Ökonom sieht hier schon die nächste Spekulationsblase entstehen. In Kopenhagen geht es aber um andere Gelder: Ab dem Jahr 2020 sollen die Industrieländer rund 100 Milliarden Euro jährlich bereitstellen, um die Entwicklungsländer in ihrem Bemühen zu unterstützen, die Emissionen zu senken und sich dem Klimawandel anzupassen. Das sagt die Europäische Union; andere Berechnungen liegen etwas höher. Deutschland müsste etwa sechs bis sieben Milliarden Euro pro Jahr zahlen.

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Dass die Reichen den Armen helfen, den Wandel zu bewältigen, ist gar nicht mehr umstritten, sondern wurde grundsätzlich schon 1997 beschlossen. In der Praxis hatte der Beschluss jedoch kaum Bedeutung. Ob es jetzt in Kopenhagen zu einer Einigung kommt, hängt sehr stark von der Bereitschaft der reichen Staaten ab, zu zahlen. Schwellenländer wie China wollen anders lautende Beschlüsse nicht akzeptieren. Denn der Klimawandel, der vor allem von den Industrieländern verursacht wurde, trifft die Entwicklungsländer besonders hart. Die Industrieländer ihrerseits wollen die Klimahilfen mit bereits jetzt existierenden Entwicklungshilfebudgets verrechnen und zudem die Kontrolle über die Gelder behalten.

Eine Einigung über die Zahlungen von Reich an Arm zu erzielen, wird wohl nicht einfach sein. Schließlich umfasst die gesamte weltweite Entwicklungshilfe derzeit etwa 86 Milliarden Euro. Man wird also versuchen müssen, neue Geldquellen aufzutun, um den Klimaschutz zu finanzieren. Denkbar wäre, sagen Ökonomen, eine globale Steuer auf den internationalen Schiffs- und Flugverkehr oder ein internationaler Emissionshandel, der nicht auf kostenlos vom Staat zugeteilten Verschmutzungsrechten basiert, sondern auf käuflich erworbenen Zertifikaten.

Darüber hinaus werden auch die Industrieländer Geld in die Hand nehmen müssen, um sich an die Erwärmung anzupassen. In Deutschland zum Beispiel wird es wegen heißerer Sommer künftig wohl schwieriger werden, Kohle- und Atomkraftwerke durch Flusswasser zu kühlen, erwarten Forscher des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig.

An Nord- und Ostsee müssen die Küsten besser gegen den Anstieg des Meeresspiegels und etwaige Sturmfluten geschützt werden. Sehr wahrscheinlich werden die Flüsse häufiger Hochwasser führen, zugleich werden die Sommer trockener, was Land- und Forstwirtschaft zur Anpassung zwingt. Durch das insgesamt wärmere Klima könnten sich bestimmte Krankheiten leichter ausbreiten. Auch die Zahl von Allergien dürfte zunehmen. All das verursacht Kosten – welchen Anteil davon der Staat tragen muss, ist noch völlig unklar.

Dennoch gibt es Schätzungen darüber, wie viel Geld insgesamt nötig sein wird, um Industrie- und Entwicklungsländer gegen den Klimawandel zu rüsten. Der Internationalen Energieagentur zufolge müssen bis zum Jahr 2030 mehr als zehn Billionen Dollar investiert werden. Das ist viel Geld. Doch jedes Jahr, das die Menschheit jetzt zögere, koste weitere 500 Milliarden, sagt die Agentur.

Leser-Kommentare
  1. Was würde es konkret bedeuten, eine 40%-Minderung bis 2020 zu erreichen? Welche Konsequenzen hätte das für den Verkehrssektor, die privaten Hausheizungen, den Energiesektor?
    Ist dies mit herkömmlichen Anreizsystemen (Steuerzuschuss etc.) überhaupt zu erreichen?
    Man liest auch im Koalitionsvertrag und den Wahlprogrammen der Parteien viel über CO2-Einsparzielen, aber nichts über konkrete Mittel und Wege, diese zu erreichen.

  2. Die Zertifikate - das neue Derrivatengeld - das ist das wirklich wichtige - Renditen!

    Vielleicht gibt es bald eine AusAtemFlatrate?

    Viele bunte Schweine die durchs Dorf gejagt werden bis die Sonne wieder aktiv wird oder bis man bemerkt - das man die Urwälder Amazoniens doch nicht hätte in Weideland verwandeln sollen - so wie die Büffel wieder zurückkommen, weil die Landwirtschaft in die Luft geweht worden ist!

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    Kennen Sie die Leitstudie 2008 vom DLR?

    Diese zeigt eine Entwicklung bis 2050 auf, wie die Treibhausgasemissionen bis 2050 in Deutschland auf rund 20% des Werts von 1990 gesenkt werden können. Inklusive Zwischenziele z.B. bis 2020. Die Langfassung ist aber echt harter Stoff ;-)

    http://www.erneuerbare-en...

    oder

    http://www.dlr.de/desktop...

    Viel Spaß bei der Lektüre!

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  3. Kennen Sie die Leitstudie 2008 vom DLR?

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    Vielen Dank für den Hinweis auf die Leitstudie 2008 (ich gestehe, ich habe mir nur die Kurzfassung zu Gemüte geführt).

    Zu meiner Überraschung - und vielleicht beruhigt das auch einige Klimaskeptiker - ist ein 80% Reduktionsziel ohne gesellschaftliche oder ökonomische Umbrüche erreichbar, man muss es bloß wollen.

    Der Knackpunkt scheint zu sein, dass im Augenblick zu viel in neue Kohlekraftwerke investiert wird, die dann auch wieder Fakten für ca. 40 Jahre schaffen. Vielleicht sollten die Manager der "Großen Vier" mal die Studie lesen: Ab ca. 2020 sind die erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung sogar die billigeren! Man könnte natürlich auch sanften Druck ausüben und die Co2-Zertifikate zusammenstreichen...

    Nochmals vielen Dank. Jetzt muss ich nur noch überlegen, wie mein Häuschen binnen 10 Jahren c02frei beheizt werden soll :-)

    Vielen Dank für den Hinweis auf die Leitstudie 2008 (ich gestehe, ich habe mir nur die Kurzfassung zu Gemüte geführt).

    Zu meiner Überraschung - und vielleicht beruhigt das auch einige Klimaskeptiker - ist ein 80% Reduktionsziel ohne gesellschaftliche oder ökonomische Umbrüche erreichbar, man muss es bloß wollen.

    Der Knackpunkt scheint zu sein, dass im Augenblick zu viel in neue Kohlekraftwerke investiert wird, die dann auch wieder Fakten für ca. 40 Jahre schaffen. Vielleicht sollten die Manager der "Großen Vier" mal die Studie lesen: Ab ca. 2020 sind die erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung sogar die billigeren! Man könnte natürlich auch sanften Druck ausüben und die Co2-Zertifikate zusammenstreichen...

    Nochmals vielen Dank. Jetzt muss ich nur noch überlegen, wie mein Häuschen binnen 10 Jahren c02frei beheizt werden soll :-)

  4. #4 war für #2.

  5. Es ist fast unvorstellbar, wie verkommen der Journalismus ist. Jede noch so absurde Agenda wird da auf Kosten der Bevölkerung im Interesse ganz weniger Drahtzieher durchgepaukt.

    Jetzt sollen wir also CO2 sparen, vor einem Schmelzen der Eismassen an den Polen mit anschließender Überschwemmung uns fürchten.

    Dabei wird es in Wahrheit kälter.

  6. Vielen Dank für den Hinweis auf die Leitstudie 2008 (ich gestehe, ich habe mir nur die Kurzfassung zu Gemüte geführt).

    Zu meiner Überraschung - und vielleicht beruhigt das auch einige Klimaskeptiker - ist ein 80% Reduktionsziel ohne gesellschaftliche oder ökonomische Umbrüche erreichbar, man muss es bloß wollen.

    Der Knackpunkt scheint zu sein, dass im Augenblick zu viel in neue Kohlekraftwerke investiert wird, die dann auch wieder Fakten für ca. 40 Jahre schaffen. Vielleicht sollten die Manager der "Großen Vier" mal die Studie lesen: Ab ca. 2020 sind die erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung sogar die billigeren! Man könnte natürlich auch sanften Druck ausüben und die Co2-Zertifikate zusammenstreichen...

    Nochmals vielen Dank. Jetzt muss ich nur noch überlegen, wie mein Häuschen binnen 10 Jahren c02frei beheizt werden soll :-)

    Antwort auf "Hallo Kein Einstein"
  7. Uuuh, sie sind wieder da (s. #1 und #6).
    Nicht provozieren lassen, jeder darf seine Meinung kundtun, aber Gott sei Dank habe ich auch die Freiheit, sie zu ignorieren *grins*

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