Klima-Glossar K wie Kosten des Klimaschutzes
Wer zahlt, wer erhält finanzielle Hilfe, um den Klimawandel zu bewältigen? Der Streit könnte den Klimagipfel entscheiden. ZEIT ONLINE schreibt, worüber verhandelt wird.
© Lluis Gene/AFP/Getty Images

Was kostet es, die Welt zu retten? Oxfam-Aktion in Barcelona, am Rande des dortigen Vorbereitungstreffens zu Kopenhagen, im November
Worum geht es in Kopenhagen? ZEIT ONLINE greift die wichtigsten Punkte der Agenda auf. Nach und nach entsteht so ein kleines Glossar. Diesmal: Was kostet Klimaschutz überhaupt? Zuvor erschienen: Wie positionieren sich die Unterhändler? Und: Über welche Ziele wird eigentlich verhandelt?
100 Milliarden Euro für Schwellen- und Entwicklungsländer
Der Klimawandel ist auch ein Geschäft: Banken, Börsen und Wertpapierhändler können am Handel mit Emissionszertifikaten und anderen Verschmutzungsrechten gut verdienen. Manch ein Ökonom sieht hier schon die nächste Spekulationsblase entstehen. In Kopenhagen geht es aber um andere Gelder: Ab dem Jahr 2020 sollen die Industrieländer rund 100 Milliarden Euro jährlich bereitstellen, um die Entwicklungsländer in ihrem Bemühen zu unterstützen, die Emissionen zu senken und sich dem Klimawandel anzupassen. Das sagt die Europäische Union; andere Berechnungen liegen etwas höher. Deutschland müsste etwa sechs bis sieben Milliarden Euro pro Jahr zahlen.
Dass die Reichen den Armen helfen, den Wandel zu bewältigen, ist gar nicht mehr umstritten, sondern wurde grundsätzlich schon 1997 beschlossen. In der Praxis hatte der Beschluss jedoch kaum Bedeutung. Ob es jetzt in Kopenhagen zu einer Einigung kommt, hängt sehr stark von der Bereitschaft der reichen Staaten ab, zu zahlen. Schwellenländer wie China wollen anders lautende Beschlüsse nicht akzeptieren. Denn der Klimawandel, der vor allem von den Industrieländern verursacht wurde, trifft die Entwicklungsländer besonders hart. Die Industrieländer ihrerseits wollen die Klimahilfen mit bereits jetzt existierenden Entwicklungshilfebudgets verrechnen und zudem die Kontrolle über die Gelder behalten.
Eine Einigung über die Zahlungen von Reich an Arm zu erzielen, wird wohl nicht einfach sein. Schließlich umfasst die gesamte weltweite Entwicklungshilfe derzeit etwa 86 Milliarden Euro. Man wird also versuchen müssen, neue Geldquellen aufzutun, um den Klimaschutz zu finanzieren. Denkbar wäre, sagen Ökonomen, eine globale Steuer auf den internationalen Schiffs- und Flugverkehr oder ein internationaler Emissionshandel, der nicht auf kostenlos vom Staat zugeteilten Verschmutzungsrechten basiert, sondern auf käuflich erworbenen Zertifikaten.
Darüber hinaus werden auch die Industrieländer Geld in die Hand nehmen müssen, um sich an die Erwärmung anzupassen. In Deutschland zum Beispiel wird es wegen heißerer Sommer künftig wohl schwieriger werden, Kohle- und Atomkraftwerke durch Flusswasser zu kühlen, erwarten Forscher des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig.
An Nord- und Ostsee müssen die Küsten besser gegen den Anstieg des Meeresspiegels und etwaige Sturmfluten geschützt werden. Sehr wahrscheinlich werden die Flüsse häufiger Hochwasser führen, zugleich werden die Sommer trockener, was Land- und Forstwirtschaft zur Anpassung zwingt. Durch das insgesamt wärmere Klima könnten sich bestimmte Krankheiten leichter ausbreiten. Auch die Zahl von Allergien dürfte zunehmen. All das verursacht Kosten – welchen Anteil davon der Staat tragen muss, ist noch völlig unklar.
Dennoch gibt es Schätzungen darüber, wie viel Geld insgesamt nötig sein wird, um Industrie- und Entwicklungsländer gegen den Klimawandel zu rüsten. Der Internationalen Energieagentur zufolge müssen bis zum Jahr 2030 mehr als zehn Billionen Dollar investiert werden. Das ist viel Geld. Doch jedes Jahr, das die Menschheit jetzt zögere, koste weitere 500 Milliarden, sagt die Agentur.
Bremser und Betroffener: Die USA
Die USA gelten als der größte Bremser auf dem Weg zu einer internationalen Einigung. Zwar hat Präsident Barack Obama am Dienstag angekündigt, in Kopenhagen konkrete Emissionsziele formulieren zu wollen. Doch was er auf der Klimakonferenz auch vorlegt: Er kann nicht sicher sein, dass der Gesetzgeber zu Hause ihm folgt. Denn dort sind gerade zwei Gesetzesentwürfe in der Pipeline, die unterschiedliche Klimaziele vorsehen. Ein Regierungssprecher sagte im Wall Street Journal, Obamas Zielvorgabe in Kopenhagen werde sich an dem Gesetzentwurf orientieren, der voraussichtlich verabschiedet werde.
Konkret geht es um zwei Gesetzesvorlagen. Das Repräsentantenhaus verabschiedete im Juni einen Text, der bis zum Jahr 2020 eine Minderung des Ausstoßes von Treibhausgasen von 17 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 vorsieht. Die Vorlage des Senats strebt gar eine Minderung von 20 Prozent an. Das klingt ambitioniert, doch im Vergleich zum eigentlich maßgeblichen Emissionsstand des Jahres 1990 wären das nur sieben Prozent. Was genau letztlich beschlossen wird, ist unklar.
"Die Welt ist von acht Republikanern abhängig", sagt Dirk Messner, klimapolitischer Berater der Bundesregierung. Um sein Klimagesetz zu verabschieden, brauche Obama neben den Stimmen der Demokraten im Senat acht weitere. Doch auch manche Demokraten haben Vorbehalte gegen den Klimaschutz, wie ein Blick ins demokratisch regierte und vom Kohlebergbau geprägte West Virginia zeigt.
Dabei drohen auch den USA Schäden durch den Klimawandel. Eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisation WWF und der Allianz (hier zum Download) warnt zum Beispiel davor, dass Hurrikane an der amerikanischen Nordostküste künftig Schäden in Billionenhöhe anrichten könnten. Derweil berichtet die Zeitschrift Economist, dass die Zahl der Klimaskeptiker (nicht nur) in den Vereinigten Staaten wächst. Die Unterstützung der Menschen für eine effektive Klimapolitik könnte bald sinken.
China und weitere Schwellenländer
China bewegt sich. Zwar akzeptiert das Land keine absoluten, rechtlich bindenden Reduktionsziele, wie es sie von den Industrieländern fordert. Zu wichtig ist den Regierenden das wirtschaftliche Wachstum. Doch China will künftig sauberer produzieren, auch um die eigene Umwelt zu schützen. Zu diesem Zweck will China die Kohlendioxid-Intensität der Wirtschaft bis 2010 um 40 bis 45 Prozent gegenüber 2005 verringern – als "freiwillige Maßnahme", darauf legt man in Peking Wert.
Gelingt das, würde jede Einheit des Bruttoinlandsprodukts nur noch 80 Prozent der damaligen Menge an Kolendioxid verursachen. Das alleine bedeutet zwar nicht, dass auch die absoluten CO2-Emissionen des Landes sinken. Doch spätestens im Jahr 2020, so forderte jüngst eine Regierungskommission, sollen sie ihren Höchststand erreichen. Ob die Regierung diese Forderung offiziell übernimmt, ist noch nicht entschieden. Manche Experten gehen davon aus, dass die chinesischen Emissionen auch mit entschiedenen Maßnahmen zum Klimaschutz erst zwischen 2030 und 2040 ihren Höchststand erreichen werden.
Von den Industriestaaten fordern die Schwellenländer, sie sollten sich verpflichten, ihre Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Angesichts der Probleme der USA, sich im eigenen Land auf Klimaschutzziele festzulegen, erscheint das in Kopenhagen kaum erreichbar. Hinzu kommt: Mit Japan hat ein weiteres wichtiges Industrieland Schwierigkeiten, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Seit Japan das Kyoto-Protokoll unterzeichnete, ist der CO2-Ausstoß des Landes gestiegen, statt zu sinken. Dabei ist das Inselreich schon jetzt eine der energieeffizientesten Volkswirtschaften der Welt. Die Möglichkeiten, noch sauberer zu wirtschaften, sind begrenzt.
China habe vor Kopenhagen ambitionierte Klimaschutzziele vorgelegt wie auch die meisten anderen Schwellenländer, etwa Indien, Brasilien, Südkorea oder Südafrika, sagt Wolfgang Sterk, Klimaexperte des Wuppertal Instituts. "Jetzt müssen sich die Industrieländer bewegen." Es gebe keinen Grund, ihre Verantwortung von sich zu schieben.
Das sehen die Schwellenländer ebenso. Sie brauchen die technische und finanzielle Hilfe der Reichen, um den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu schaffen – und sie fordern sie ein. Brasilien will die Entwaldung bremsen und seine Kohlendioxidemissionen senken. Indien plant, den Pro-Kopf-Ausstoß an Kohlendioxid niedrig zu halten. Indonesien will die Entwaldung ebenfalls aufhalten – immer unter der Voraussetzung, dass die Reichen ihren Teil dazu beitragen.
Die viel gescholtenen USA übrigens haben bereits ein Abkommen zur technischen Zusammenarbeit mit China geschlossen, während die Europäer noch zögern.
Feilschende Vorbilder: Europa und Deutschland
In Barcelona, auf der Vorbereitungskonferenz zum Klimagipfel, hat sich die Europäische Union einseitig verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent zu senken (verglichen mit 1990). Falls ein internationales Abkommen verabschiedet wird, will sie 30 Prozent Kohlendioxid einsparen. Deutschland bietet in diesem Fall eine Reduktion von 40 Prozent. Bis 2050 stellt die EU eine Einsparung von 80 bis 95 Prozent in Aussicht.
Das ist vorbildlich. Doch es reicht nicht, um in Kopenhagen einer internationalen Einigung nahe zu kommen. Knackpunkt ist die Frage, wie viel Geld die Schwellen- und Entwicklungsländer von den Industriestaaten erhalten sollen, um den Wandel zu bewältigen. Es geht nicht nur um eine sauberere Wirtschaft. Rund 100 Milliarden Euro werden bis 2020 jährlich nötig sein, damit die Entwicklungsländer sich an die Erderwärmung anpassen können, prognostiziert die EU. Andere Schätzungen liegen weit höher. Die genauen Kosten freilich kennt niemand.
Dennoch wird schon jetzt heftig um die Verteilung der Lasten gefeilscht. Ein internationaler Emissionshandel könnte bis zu 40 Prozent der benötigten Gelder erbringen, sagt die EU. Ein weiteres Drittel der Mittel will die Union aus eigenen Kassen zahlen. Manche Experten fordern zusätzlich, in Zukunft auch den weltweiten Schiffs- und Flugverkehr in den Emissionshandel einzubeziehen. Das könnte weitere Milliarden bringen.
China verlangt die Einrichtung eines internationalen Klimafonds, in den die reichen Länder jährlich mindestens 0,5 Prozent der nationalen Bruttoinlandsprodukte einzahlen, zusätzlich zur Entwicklungshilfe. An einer Einigung hängt möglicherweise das Ergebnis von Kopenhagen.
"Reparationen" für die Entwicklungsländer
Der äthiopische Premierminister Meles Zenawi (im Bild mit Bundeskanzlerin Angela Merkel) ist der Chef der ersten panafrikanischen Delegation auf einem Klimagipfel. Seit es diese Delegation gibt, übt Afrika Druck auf die reichen Staaten aus. Am 18. November kündigte Zenawi an, von den Industrieländern "Reparationen" für die von ihnen verursachten Klimaschäden zu fordern. Wie hoch die Summe sein soll, ließ er offen – bis zum Jahr 2020 geht es wohl um hunderte Milliarden US-Dollar, und zwar zusätzlich zur normalen Entwicklungshilfe. Falls der Norden nicht zahle, sagt Zenawi, werde Afrika die Klimaverhandlungen boykottieren.
Afrika gilt als der Kontinent, der am stärksten durch Klimaveränderungen betroffen ist. Auf bisherigen Klimagipfeln wurde dem jedoch kaum Rechnung getragen: Zu klein war die Macht der afrikanischen Delegationen, die jeweils nur für ihr Land sprachen. Durch die Bündelung ihrer Stimmen soll das in Kopenhagen anders werden. Kritiker werfen den Afrikanern jedoch vor, ihre Stimmen bloß teurer zu verkaufen als bisher. Wofür genau die Gelder aus dem Westen ausgegeben werden sollten, sei unklar – und die Herrschenden seien nicht eben als engagierte Umweltschützer bekannt.
Die tragischste Rolle im Klimapoker spielen wohl die im Südpazifik, vor Afrikas Küsten und in der Karibik gelegenen Inselstaaten: Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht ihre Existenz. Ihre Regierungen versuchen mit medienwirksamen Aktionen, auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen: So tagte das Kabinett der Malediven kürzlich unter Wasser, und im vergangenen Jahr suchten Tuvalu und Kiribati für ihre Bevölkerung um Asyl in Australien und Neuseeland nach. Die Allianz der Inselstaaten (AOSIS) fordert, die Klimaerwärmung weltweit auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und die weltweiten Emissionen bis 2050 um 95 Prozent zu senken. Doch das ist nahezu aussichtslos.
© Romeo Gacad/AFP/Getty Images

An der Wand der Britischen Botschaft in Jakarta: Eine Weltkarte, die den Einfluss des Klimawandels zeigen soll
Die klimapolitischen Meldungen der jüngsten Tage zeigen, wie schwierig es wird, einen Kompromiss in Kopenhagen zu erzielen: Die Länder des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) wollen nur noch eine politische Absichtserklärung erreichen statt eines rechtlich bindenden Vertrags.
Die Schwellenländer Brasilien und Südkorea sind hingegen bereit, sich konkrete Ziele zur Emissionsminderung zu setzen. Derweil verhandeln Umweltminister aus 40 Ländern über eine gemeinsame Erklärung zur Klimapolitik. Barack Obama und Hu Jintao fordern währenddessen in Peking, in Kopenhagen müsse ein umfassendes Abkommen erzielt werden. "Unser Ziel dort ist kein Teilabkommen oder eine politische Absichtserklärung", sagt Obama – der kurz zuvor auf dem Apec-Gipfel noch einen anders lautenden Beschluss mitgetragen hatte.
Das Zwei-Grad-Ziel
Über all dem Hin und Her in der Klimapolitik steht ein großes, übergeordnetes Vorhaben: Auf lange Sicht soll die auf der Erde herrschende Durchschnittstemperatur nicht höher steigen als zwei Grad über dem Wert vor der Industrialisierung. Darauf haben sich die großen acht Industriestaaten und die Schwellenländer China, Indien, Brasilien und Mexiko im Sommer verständigt, während des G-8-Gipfels im italienischen L'Aquila. Für viele der entscheidende Durchbruch in den Verhandlungen der vergangenen Jahre. Am Zwei-Grad-Ziel rüttelt bislang niemand, und es steht in Kopenhagen auch nicht zur Diskussion.
Darüber hinaus sind Fortschritte jedoch rar. Denn das Zwei-Grad-Ziel kann nur erreicht werden, wenn der globale Ausstoß an Treibhausgasen radikal sinkt. Wie sehr, darüber wird hinter den Kulissen hart gerungen. Noch größeren Streit gibt es darüber, wer den größten Teil der Lasten zu tragen haben wird und wie verbindlich die Staaten sich verpflichten sollen, ihre Emissionen zu senken.
Damit eng verbunden ist die Frage, in welchem Ausmaß und auf welche Art die Industriestaaten den Entwicklungsländern technische und finanzielle Hilfe leisten sollen. Und schließlich geht es auch noch um den Schutz des Regenwaldes, etwa in Brasilien, im Kongo oder Indonesien. Derzeit werden etwa 20 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verursacht, weil große Waldflächen verschwinden, geplündert und gerodet werden.
Weil es noch so viele strittige Punkte gibt, sieht es derzeit so aus, als würde in Kopenhagen kein juristisch verbindliches, umfassendes Vertragswerk verabschiedet. Entscheidend wird dann sein, welche Richtung für die weiteren Verhandlungen der Kopenhagen-Gipfel vorgibt. Die offizielle Position der Bundesregierung gibt diese Erwartungen wieder: "Wir wollen die politische Vereinbarung von Kopenhagen 2010 in ein rechtlich verbindliches Übereinkommen überführen", sagt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU).
Auch Gudrun Benecke, Referentin für internationale Umweltpolitik bei der grünen Heinrich-Böll-Stiftung, rechnet damit, dass es ein rechtlich-verbindliches Abkommen nicht vor Juni 2010 geben wird. In Kopenhagen werde vermutlich nur ein "Fahrplan" für den Weg dorthin verabschiedet. Aber, sagt sie: "Vor der Kyoto-Konferenz waren die Prognosen ähnlich schlecht. Man hat der damaligen Umweltministerin Angela Merkel geraten, gar nicht erst hinzufahren. Das sei bloß Kerosinverschwendung. Und dann ist dort eine bahnbrechende Einigung erzielt worden."
Eine leise Hoffnung gibt es noch: Vielleicht sind die Distanzierung des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums, die Zögerlichkeit der EU und Barack Obamas Eiertanz im Vorfeld des Gipfels auch nur verhandlungstaktisches Pokerspiel, mit dem sich die Staaten Spielräume für den Kopenhagen-Gipfel offenhalten wollen. Damit sie dort umso leichter zu einer Einigung finden.
© Oliver Berg dpa

Große Kohlendioxid-Emittenten: Braunkohlekraftwerke, wie dieses in Niederaußem bei Bergheim
Die Emissionsziele
Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die weltweiten Emissionen bis zum Jahr 2050 um die Hälfte sinken, verglichen mit dem Stand von 1990. So rechnen es internationale Wissenschaftler vor. Ganz sicher kann aber niemand sagen, ob das ausreichen wird, um die Erderwärmung zu stabilisieren. Die Wahrscheinlichkeit, sagen Studien, liegt immerhin bei 75 Prozent – das bedeutet aber auch: Selbst wenn die Welt es schafft, ihren Ausstoß an Treibhausgasen in den kommenden 40 Jahren um die Hälfte zu reduzieren, besteht immer noch eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Erde sich noch stärker aufheizt als angestrebt.
Die Klimaexperten sehen das bereits kommen. Schon jetzt schmilzt das Eis an den Polen schneller als gedacht, der Meeresspiegel steigt rascher, es häufen sich die Indizien, dass heftige Stürme zunehmen. Der Klimawandel schreitet offenbar schneller voran als angenommen.
Wissenschaftler des Wuppertal-Instituts leiten daraus radikale Forderungen ab: Das Zwei-Grad-Ziel sei gefährdet, wenn die Politik nicht schnell und grundlegend handle, schreiben sie. "Bis zum Jahr 2050 müssen darum die globalen Emissionen im Vergleich zu 1990 um 80 Prozent reduziert werden." Das sei vermutlich nur zu erreichen, wenn die Emissionen aus fossilen Brennstoffen und Industriegasen weltweit auf Null sänken. Im Moment sieht es nicht danach aus, als sei die Politik für solche Appelle offen. Auf dem Apec-Gipfel am Wochenende rückten die Staatschefs sogar vom 50-Prozent-Ziel ab.
Vor allem die Industriestaaten sind in der Pflicht. Sie haben bisher das meiste Kohlendioxid in die Luft gepustet. Bislang lautet die Minimalanforderung des UN-Klimarats (IPCC) an sie, ihren Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um 25 bis 40 Prozent zu senken, bis 2050 um 80 bis 95 Prozent. Im – praktisch kaum noch zu erreichenden – Idealfall würden sich die reichen Staaten der Welt in Kopenhagen genau dazu verbindlich verpflichten.
Auf dem G-8-Gipfel von L'Aquila haben sie immerhin schon erklärt, bis 2050 eine Reduktion von 80 Prozent anzustreben. Doch Kritiker fordern weit mehr: Langfristig, so sagen sie, müsste jedes Land der Welt das Klima mit einer einheitlichen Menge an CO2 je Einwohner belasten dürfen. Nur das sei demokratisch und gerecht. Mit dem 80-Prozent-Ziel aber nähmen die Industrieländer für sich in Anspruch, je Einwohner mehr als doppelt so viel Kohlendioxid ausstoßen zu dürfen als alle anderen Länder.
Die komplizierteste Frage aber: Wer soll welchen Anteil der Last tragen? Die USA, einer der größten Luftverpester des Planeten, ist bis 2020 nur zu einer Minderung um sieben Prozent bereit – allerdings ist selbst das unklar, denn das entsprechende Gesetz, das diese Ziffer beinhaltet, ist noch nicht verabschiedet. Die EU bietet immerhin 30 Prozent an – aber nur, wenn es zu einer internationalen Vereinbarung kommt, die auch die USA mit einschließt. Deutschland wäre zu einer Reduktion von 40 Prozent bereit. Die Schwellenländer ihrerseits haben zwar ambitionierte Klimaschutzziele vorgelegt, wollen aber verbindliche Emissionsziele für sich nicht akzeptieren. Im Vergleich zu den reichen Ländern haben sie zu viel aufzuholen, lautet ihr Argument: Armutsbekämpfung habe Vorrang, sagt beispielsweise China.
- Datum 08.12.2009 - 16:12 Uhr
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Ich hätte da gleich mal ein paar Fragen:
- Was wissen wir wirklich über das Klimasystem Erde? Hat irgendeines der genutzten Modelle einer unabhängigen Überprüfung standgehalten, z.B. an Zeiträumen der Vergangenheit?
- Haben Modelle ohne detaillierte Einbeziehung von Wolken, Wasserdampf, der Meere, solarer Faktoren, Kondensationskeime etc. überhaupt eine Aussagekraft? Oder geht es eher um Glauben, als um Wissen?
- Warum werden kritische Wissenschaftler mit teils brachial diktatorischen Methoden mundtot gemacht? Ist das noch Wissenschaft?
- Was ist aus der Mann'schen Hockey-Stick Kurve geworden?
- Wie groß ist die Fehlerstreuung von z.B. einer CO2-Steuer? Kann man die Komplexität der Erhebung überhaupt leisten oder ist allein schon die zwangsläufig vorhandene Fehler- und Betrugsquote ein Grund, das ganze Vorhaben sein zu lassen?
- In wieweit können zentral verwaltete Systeme, wie hier eine zentrale globale Emissionssteuerung eines Klima-Weltrates, überhaupt funktionieren? Alle bisherigen Systeme der Zentralverwaltungswirtschaft sind an der Komplexität der Realität gescheitert.
- Warum wird es seit etwa 10 Jahren wieder kälter? Und warum hat das keines der Modelle der Klimaforschung voraussagen können?
Theorien sind immer zu hinterfragen, natürlich, aber manchmal frage ich mich, ob sie zielführend sind? Was sollen diese Fragen im Zusammenhang mit der Konferenz in Kopenhagen? Das die Menschheit das Klima verändert, kann doch niemand mehr ernsthaft in Frage stellen wollen! Das ist müssig, denn keiner wird in Frage stellen wollen, dass die Erde eine Kugel ist, ob sie nun wirklich ganz rund ist oder eher abgeplattet an den Polen, darüber darf man streiten. Wie sich das Klima nun ändern wird und ob die Modelle geholfen haben, die Einzelheiten zu verstehen, darüber kann man diskutieren und das machen Wissenschaftler auch. Ich nehme mir hiermit mal das Recht heraus, einige Fragen zu kommentieren....
1. Frage --> Bezweckt die Frage, dass wir ersteinmal weitere wissenschaftliche Erkenntnisse abwarten sollten, so wie wir das seit mehr als 30 Jahren machen, bevor wir endlich handeln und die Verschwendung von Naturressourcen wie Gas, Öl und Kohle beenden?
2. Frage --> Hilft es uns bei der Klimadebatte, die Klimamodelle immer wieder in Frage zu stellen? Und wissen wir nicht langsam, dass wir nichts wissen und immer weiter forschen müssen und werden? Sollen wir warten, bis uns der Apfel der Erkenntnis in den Schoss fällt oder wir "ganz genau" wissen, dass wir den Planten vor die Wand fahren oder reicht ein ungefähres Wissen darüber, dass wir genau auf die Wand zu steuern und dabei aufs Gas drücken?
3. Frage --> Stimmt das? Und was heisst kritische Wissenschaftler? Wissenschaft ist immer kritisch! Es sei denn, die Ergebnisse der Gutachten sind vorher schon klar, aber das gibt es nicht nur bei Klimaforschern....
4.Frage --> Was ist eine Mann'schen Hockey-Stick Kurve und wie kann sie uns weiter bringen?
5./6.Frage --> Wenn wir uns immer vor komplexen Sachverhalten fürchten würden, würden wir noch in Höhlen sitzen und Mammutfleisch essen.
7. Frage --> Theorien, dass es wieder kälter wird, sind nicht neu und stellen nicht in Frage, dass es keinen Klimawandel gibt, sondern nur wie komplex Klima ist. Zum Beispiel "das Abreissen ds Golfstroms" ist nur eine Theorie oder Möglichkeit der Veränderungen, wollen wir das wirklich abwarten? Oder besser handeln, auch wenn wir noch nicht genau wissen, wie die Wand aussieht und aus welchem Material sie beschaffen, auf die wir so schnell zusteuern?
...insgesamt richtig und so ich es weiss bisher ungenügend beantwortet zu sein.
Das gilt für die naturwissenschaftliche Seite genauso zu gelten, wie es für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen gilt. Ebenfalls sind die Ziele schlecht formuliert, vermutlich weil die aufgeworfenen Fragen noch schlecht verstanden sind. Wie vergleiche ich die Verpuffung zweier Bevölkerungen, deren eine pro Kopf doppelt soviel CO2 ausstößt als die andere, aber pro Hektar bearbeitete Fläche die Hälfte ausstößt und damit effizient die Nahrung grosser Zahlen von Mensche herstellt?
Was sind die internationalen Folgen, wenn man das existierende Sicherheitssystem durch CO2 Maßnahmen zerstört? Wie wollen wir es ersetzen und bis Ersatz implementiert ist die Wirtschaft am Laufen halten?
Theorien sind immer zu hinterfragen, natürlich, aber manchmal frage ich mich, ob sie zielführend sind? Was sollen diese Fragen im Zusammenhang mit der Konferenz in Kopenhagen? Das die Menschheit das Klima verändert, kann doch niemand mehr ernsthaft in Frage stellen wollen! Das ist müssig, denn keiner wird in Frage stellen wollen, dass die Erde eine Kugel ist, ob sie nun wirklich ganz rund ist oder eher abgeplattet an den Polen, darüber darf man streiten. Wie sich das Klima nun ändern wird und ob die Modelle geholfen haben, die Einzelheiten zu verstehen, darüber kann man diskutieren und das machen Wissenschaftler auch. Ich nehme mir hiermit mal das Recht heraus, einige Fragen zu kommentieren....
1. Frage --> Bezweckt die Frage, dass wir ersteinmal weitere wissenschaftliche Erkenntnisse abwarten sollten, so wie wir das seit mehr als 30 Jahren machen, bevor wir endlich handeln und die Verschwendung von Naturressourcen wie Gas, Öl und Kohle beenden?
2. Frage --> Hilft es uns bei der Klimadebatte, die Klimamodelle immer wieder in Frage zu stellen? Und wissen wir nicht langsam, dass wir nichts wissen und immer weiter forschen müssen und werden? Sollen wir warten, bis uns der Apfel der Erkenntnis in den Schoss fällt oder wir "ganz genau" wissen, dass wir den Planten vor die Wand fahren oder reicht ein ungefähres Wissen darüber, dass wir genau auf die Wand zu steuern und dabei aufs Gas drücken?
3. Frage --> Stimmt das? Und was heisst kritische Wissenschaftler? Wissenschaft ist immer kritisch! Es sei denn, die Ergebnisse der Gutachten sind vorher schon klar, aber das gibt es nicht nur bei Klimaforschern....
4.Frage --> Was ist eine Mann'schen Hockey-Stick Kurve und wie kann sie uns weiter bringen?
5./6.Frage --> Wenn wir uns immer vor komplexen Sachverhalten fürchten würden, würden wir noch in Höhlen sitzen und Mammutfleisch essen.
7. Frage --> Theorien, dass es wieder kälter wird, sind nicht neu und stellen nicht in Frage, dass es keinen Klimawandel gibt, sondern nur wie komplex Klima ist. Zum Beispiel "das Abreissen ds Golfstroms" ist nur eine Theorie oder Möglichkeit der Veränderungen, wollen wir das wirklich abwarten? Oder besser handeln, auch wenn wir noch nicht genau wissen, wie die Wand aussieht und aus welchem Material sie beschaffen, auf die wir so schnell zusteuern?
...insgesamt richtig und so ich es weiss bisher ungenügend beantwortet zu sein.
Das gilt für die naturwissenschaftliche Seite genauso zu gelten, wie es für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen gilt. Ebenfalls sind die Ziele schlecht formuliert, vermutlich weil die aufgeworfenen Fragen noch schlecht verstanden sind. Wie vergleiche ich die Verpuffung zweier Bevölkerungen, deren eine pro Kopf doppelt soviel CO2 ausstößt als die andere, aber pro Hektar bearbeitete Fläche die Hälfte ausstößt und damit effizient die Nahrung grosser Zahlen von Mensche herstellt?
Was sind die internationalen Folgen, wenn man das existierende Sicherheitssystem durch CO2 Maßnahmen zerstört? Wie wollen wir es ersetzen und bis Ersatz implementiert ist die Wirtschaft am Laufen halten?
Was würde es konkret bedeuten, eine 40%-Minderung bis 2020 zu erreichen? Welche Konsequenzen hätte das für den Verkehrssektor, die privaten Hausheizungen, den Energiesektor?
Ist dies mit herkömmlichen Anreizsystemen (Steuerzuschuss etc.) überhaupt zu erreichen?
Man liest auch im Koalitionsvertrag und den Wahlprogrammen der Parteien viel über CO2-Einsparzielen, aber nichts über konkrete Mittel und Wege, diese zu erreichen.
Die Zertifikate - das neue Derrivatengeld - das ist das wirklich wichtige - Renditen!
Vielleicht gibt es bald eine AusAtemFlatrate?
Viele bunte Schweine die durchs Dorf gejagt werden bis die Sonne wieder aktiv wird oder bis man bemerkt - das man die Urwälder Amazoniens doch nicht hätte in Weideland verwandeln sollen - so wie die Büffel wieder zurückkommen, weil die Landwirtschaft in die Luft geweht worden ist!
Kennen Sie die Leitstudie 2008 vom DLR?
Diese zeigt eine Entwicklung bis 2050 auf, wie die Treibhausgasemissionen bis 2050 in Deutschland auf rund 20% des Werts von 1990 gesenkt werden können. Inklusive Zwischenziele z.B. bis 2020. Die Langfassung ist aber echt harter Stoff ;-)
http://www.erneuerbare-en...
oder
http://www.dlr.de/desktop...
Viel Spaß bei der Lektüre!
Kennen Sie die Leitstudie 2008 vom DLR?
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Viel Spaß bei der Lektüre!
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Diese zeigt eine Entwicklung bis 2050 auf, wie die Treibhausgasemissionen bis 2050 in Deutschland auf rund 20% des Werts von 1990 gesenkt werden können. Inklusive Zwischenziele z.B. bis 2020. Die Langfassung ist aber echt harter Stoff ;-)
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Vielen Dank für den Hinweis auf die Leitstudie 2008 (ich gestehe, ich habe mir nur die Kurzfassung zu Gemüte geführt).
Zu meiner Überraschung - und vielleicht beruhigt das auch einige Klimaskeptiker - ist ein 80% Reduktionsziel ohne gesellschaftliche oder ökonomische Umbrüche erreichbar, man muss es bloß wollen.
Der Knackpunkt scheint zu sein, dass im Augenblick zu viel in neue Kohlekraftwerke investiert wird, die dann auch wieder Fakten für ca. 40 Jahre schaffen. Vielleicht sollten die Manager der "Großen Vier" mal die Studie lesen: Ab ca. 2020 sind die erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung sogar die billigeren! Man könnte natürlich auch sanften Druck ausüben und die Co2-Zertifikate zusammenstreichen...
Nochmals vielen Dank. Jetzt muss ich nur noch überlegen, wie mein Häuschen binnen 10 Jahren c02frei beheizt werden soll :-)
Vielen Dank für den Hinweis auf die Leitstudie 2008 (ich gestehe, ich habe mir nur die Kurzfassung zu Gemüte geführt).
Zu meiner Überraschung - und vielleicht beruhigt das auch einige Klimaskeptiker - ist ein 80% Reduktionsziel ohne gesellschaftliche oder ökonomische Umbrüche erreichbar, man muss es bloß wollen.
Der Knackpunkt scheint zu sein, dass im Augenblick zu viel in neue Kohlekraftwerke investiert wird, die dann auch wieder Fakten für ca. 40 Jahre schaffen. Vielleicht sollten die Manager der "Großen Vier" mal die Studie lesen: Ab ca. 2020 sind die erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung sogar die billigeren! Man könnte natürlich auch sanften Druck ausüben und die Co2-Zertifikate zusammenstreichen...
Nochmals vielen Dank. Jetzt muss ich nur noch überlegen, wie mein Häuschen binnen 10 Jahren c02frei beheizt werden soll :-)
#4 war für #2.
Es ist fast unvorstellbar, wie verkommen der Journalismus ist. Jede noch so absurde Agenda wird da auf Kosten der Bevölkerung im Interesse ganz weniger Drahtzieher durchgepaukt.
Jetzt sollen wir also CO2 sparen, vor einem Schmelzen der Eismassen an den Polen mit anschließender Überschwemmung uns fürchten.
Dabei wird es in Wahrheit kälter.
Vielen Dank für den Hinweis auf die Leitstudie 2008 (ich gestehe, ich habe mir nur die Kurzfassung zu Gemüte geführt).
Zu meiner Überraschung - und vielleicht beruhigt das auch einige Klimaskeptiker - ist ein 80% Reduktionsziel ohne gesellschaftliche oder ökonomische Umbrüche erreichbar, man muss es bloß wollen.
Der Knackpunkt scheint zu sein, dass im Augenblick zu viel in neue Kohlekraftwerke investiert wird, die dann auch wieder Fakten für ca. 40 Jahre schaffen. Vielleicht sollten die Manager der "Großen Vier" mal die Studie lesen: Ab ca. 2020 sind die erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung sogar die billigeren! Man könnte natürlich auch sanften Druck ausüben und die Co2-Zertifikate zusammenstreichen...
Nochmals vielen Dank. Jetzt muss ich nur noch überlegen, wie mein Häuschen binnen 10 Jahren c02frei beheizt werden soll :-)
Uuuh, sie sind wieder da (s. #1 und #6).
Nicht provozieren lassen, jeder darf seine Meinung kundtun, aber Gott sei Dank habe ich auch die Freiheit, sie zu ignorieren *grins*
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