ZEIT ONLINE: In einer aktuellen Studie (hier als pdf-Download verfügbar) kommt die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zu dem Ergebnis, dass Hunger und Klimawandel zugleich bekämpft werden können, wenn die Entwicklungsländer bestimmte landwirtschaftliche Anbautechnologien stärker einsetzen. Wie groß ist der Einfluss der Landwirtschaft auf den Klimawandel?

Alexander Müller: Die Landwirtschaft spielt weltweit eine große Rolle: Sie ist ein wesentlicher Emittent von klimaschädlichen Gasen. Zugleich sagt uns die Wissenschaft, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern – und damit auf die Ärmsten und Hungernden – katastrophal sein werden.

Allein auf Ackerbau und Viehzucht entfallen 14 Prozent der Emissionen weltweit. Rechnet man Lebensmittelproduktion und Forstwirtschaft mit hinzu, sind es sogar 30 Prozent. Düngemittel zum Beispiel sind sehr klimaschädlich, weil ihre Produktion viel Energie verbraucht, auch Traktoren und andere Maschinen brauchen Energie. Brandrodung setzt viel CO2 frei, Pflügen ebenso. Die Viehwirtschaft verursacht Methan-Emissionen. Auf der anderen Seite gibt es in der Landwirtschaft große Potenziale, Humus und damit CO2 im Boden zu speichern. Nicht nur Wälder sind gute Kohlenstoffspeicher, auch der Erdboden kann es sein. Das wird viel zu wenig berücksichtigt.

ZEIT ONLINE: Wie kann man Böden als Kohlenstoffspeicher nutzen?

Müller: Man muss die landwirtschaftlich genutzten Flächen richtig bewirtschaften, mit dem Ziel, die Böden zu konservieren. Zum Beispiel sollte man nicht pflügen, damit der Kohlenstoff im Boden bleibt. Pflanzt man bestimmte Pflanzen oder Bäume, bindet das zusätzlich Kohlenstoff. Kompostierung vergrößert den Anteil von organischer Masse in der Erde. Das erhöht zugleich die Produktivität der Böden und bringt so höhere Erträge.

Die Dürre lässt das Land zu Staub werden. Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke zu öffnen! © Simon Maina/AFP/Getty Images

Die Verfahren sind bekannt, manche wirken vielleicht sogar etwas antiquiert, wie die Kompostierung – die Botschaft ist: Wir brauchen dem Klima angepasste Technologien. Bisher ist es so, dass arme Kleinbauern in den Entwicklungsländern ihre Äcker so lange bewirtschaften, bis sie nichts mehr hergeben, und dann durch Brandrodung neue Flächen erschließen. Die Böden sind kaputt, der Wald auch. Das kann nur gestoppt werden, wenn die Bauern wirtschaftliche Alternativen haben.

ZEIT ONLINE: Sie plädieren für eine nachhaltige Landwirtschaft statt Gentechnik und künstlicher Düngung, um den Hunger zu bekämpfen. Können auf diese Art überhaupt genügend Nahrungsmittel erzeugt werden?