Klimakonferenz EU geißelt niedrige Reduktionsziele der Klimasünder
Der Klima-Gipfel in Kopenhagen sorgt für eine hitzige Debatte: Die EU fordert höhere Zusagen insbesondere der USA und von China. Peking sieht die Europäer in der Pflicht.
© Carsten Koall/Getty Images

Die Welt blickt gen Kopenhagen: Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer verhandeln über ihren gemeinsamen Beitrag zum Klimaschutz
Die Europäische Union hat China, die USA, Japan und andere Länder eindringlich aufgefordert, größere Anstrengungen zur Verringerung der Treibhausgase zu unternehmen. Die Zusagen für den Klimagipfel seien nicht ausreichend, warnte der EU-Ratspräsident, Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, auf dem EU-China-Gipfel. "Was an globalen Bemühungen auf den Tisch gelegt worden ist, ist nicht genug", sagte er mit Blick auf das Ziel, die Erderwärmung unter zwei Grad halten zu müssen. "Es muss mehr getan werden."
Insbesondere die USA hätten eine historische Verantwortung wegen der bereits angesammelten Treibhausgase und des hohen Ausstoßes an Kohlendioxid pro Kopf, hob Reinfeldt hervor. Aber auch China – heute der größte Treibhausgasproduzent weltweit – müsse vorangehen. "Wir können das Problem des Klimawandels für die Menschheit nicht lösen, wenn China nicht Führerschaft zeigt und Verantwortung übernimmt."
Gleichwohl begrüßte der Schwede die Zusagen Chinas, den Ausstoß von Kohlendioxid für jeden erwirtschafteten Yuan bis 2020 um 40 bis 45 Prozent zu reduzieren, als wichtigen Schritt für Kopenhagen.
Chinas Regierungschef Wen Jiabao äußerte sich zurückhaltend und sagte, beim Klimaschutz müsse der Grundsatz der "gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung" gelten. Es dürfe nicht vergessen werden, dass China noch immer ein Entwicklungsland sei. Er hoffe, dass die EU im Klimaschutz eine führende Rolle übernehme, und kündigte an, die Kooperation mit den Europäern auch in diesem Punkt weiter auszubauen.
Zudem kündigte China an, dass die geplanten Kürzungen beim Schadstoffausstoß nur eingeschränkt internationaler Kontrolle unterliegen sollen. Es würden nur die Teile des Programms offengelegt, die auch vom Ausland finanziell unterstützt würden, sagte der für den Klimaschutz zuständige Botschafter Yu Qingtai. Der größte Teil des Programms werde nicht in diese Kategorie fallen.
Die Pekinger Führung hatte sich am Wochenende auf eine gemeinsame Verhandlungslinie mit Indien, Brasilien und Südafrika für den anstehenden Klimagipfel geeinigt. Alle vier Schwellenländer bezeichneten die bisher vorgelegten Schritte der reichen Länder als insgesamt nicht ausreichend. Zudem bestehen sie darauf, dass die Industriestaaten anderen Ländern finanzielle und technologische Hilfen im Kampf gegen den Klimawandel leisten sollen.
Ab dem 7. Dezember sollen auf der Weltklimakonferenz in Kopenhagen die Grundlagen für ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Klimaprotokoll erarbeitet werden. Inzwischen haben mehr als 85 Staats- und Regierungschefs ihre Teilnahme zugesagt. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel will auch US-Präsident Barack Obama in die dänische Hauptstadt reisen. In der vermutlich entscheidenden Phase gegen Ende des Treffens wird er dagegen nach bisherigem Stand nicht dabei sein.
Unterdessen hat Gastgeberland Dänemark einen ersten Vertragsentwurf vorgelegt. Demnach soll der weltweite Ausstoß klimaschädlicher Stoffe bis 2050 auf die Hälfte des Niveaus von 1990 senken. 80 Prozent des Abbaus soll demnach von den Industrienationen getragen werden. Der Entwurf könnte als Basis für eine politische Vereinbarung am Ende des Treffens dienen. Darin wird angedeutet, dass 2020 als Höhepunkt des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes festgelegt werden könnte. Mittelfristige Emissionsziele für wirtschaftsstarke Staaten – eine Hauptforderung der ärmeren Länder – wurden in dem Entwurf nicht spezifiziert.
Viele Experten blicken skeptisch gen Kopenhagen. Sie warnen davor, dass sich mit den bisher zugesagten Reduktionen des Treibhausgas-Ausstoßes eine wirksame Begrenzung des Temperaturanstiegs auf der Erde nicht erreichen lasse."Wir stehen an einer Zeitenwende", sagte der Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung, der Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber. "Es zählt wirklich jedes einzelne Jahr." Ein Misserfolg des Klimagipfels könnte nach Einschätzung dramatische Auswirkungen auf Hunderte Millionen Menschen haben. "Aber wenn wir jetzt handeln, können wir das Schlimmste verhindern."
- Datum 30.11.2009 - 10:56 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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Ja, ja, die Gier der Menschheit ist wie ein Fass ohne Boden.
So wunderbar die menschlichen Errungenschaften sind, vieles davon wird aus der Süße bald Bitternis und Gift. Wir brauchen nur mit wachem Verstand die Geschichte zu sieben, da finden wir zu Hauf die Giftbrocken der menschlichen Gier und Hinterlassenschaft.
Hoffendlich wird die Klimakonferenz nicht zum Schönreden benutzt! --- Im Netzwerk der Umwelt darf der Mensch nicht noch mehr Löcher hineinreißen - er sollte sie wieder reparieren soweit es noch geht.
...auf Basis 1990 sondern auf heute indexiert werden. Auch sollte sie nicht auf nationale CO2 Verpuffung auf Basis von Einzelpersonen, Klimaverhältnisse und bearbeitete Landflächen erfolgen. Sie sollte auch eine angemessene Beteiligung an anderen internationalen öffentlichen Gütern berücksichtigen. Das ist zwar weniger griffig, entspricht aber den wirtschaftlichen und umweltlichen Bedingungen viel eher, als bspw zufällige Grenzen dies tun.
Wenn man sieht, mit welchem Eifer die chinesische Obrigkeit Geld aus dem Fenster wirft um Jahrestage, Olympiaden und im Alltag vor allem die eigene Genuss- und Prahlsucht zu inszenieren, ist es befremdlich, dass sie sich nun ploetzlich wieder als Entwicklungsland sehen und weiterhin Foerdergelder wollen.
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