Klimaschutz Jetzt aber schnell, EU

Klimaschutz lohnt sich. Ein Team von Forschern, dem WWF und der Allianz zeigt, dass Nichtstun weitaus teurer ist. Es favorisiert Ökostrom und Kohlendioxid-Speicher.

Braunkohle ist der klimaschädigendste Energieträger überhaupt. Ohne Umwelttechnologien wie CCS, dem unterirdischen Speichern von Kohlendioxid, hat der Abbau wie hier bei Cottbus kaum eine Zukunft

Braunkohle ist der klimaschädigendste Energieträger überhaupt. Ohne Umwelttechnologien wie CCS, dem unterirdischen Speichern von Kohlendioxid, hat der Abbau wie hier bei Cottbus kaum eine Zukunft

In dem heute erschienen "Report on Energy and Climate Policy in Europe" hat Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ((PIK) und Leiter der Arbeitsgruppe Vermeidungsstrategien des Weltklimarats IPCC, zusammen mit einem italienischen, französischen und britischen Forschungsinstitut die Kosten von Klimaschutzmaßnahmen berechnet. Vor drei Jahren hatte der britische Ökonom Nicholas Stern schon mit ähnlichen Kalkulationen für Furore gesorgt. Wenn man die Erwärmung der Erde nicht aufhalte, argumentierte Stern, verliere man langfristig fünf bis 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.

Stern ging in seinen Berechnungen allerdings davon aus, dass ein globaler Emissionshandel bereits 2005 etabliert sei. Die neue Studie rechnet dagegen damit, dass ein globaler Emissionshandel erst 2020 beschlossen wird. Zudem berechnen die Forscher auch Szenarien, in denen sich kurzfristig nur eine Vorreitergruppe zum Klimaschutz bekennt.

Anzeige

Das Team kommt zu dem Schluss, dass sich die Gesamtkosten des Klimaschutzes in überschaubaren Grenzen bewegen. Die Forscher rechnen mit einem jährlichen Rückgang des weltweiten Wirtschaftswachstums um 0,7 bis vier Prozent. Übersetzt heißt das: Wächst die Wirtschaft jährlich um drei Prozent, dann würde bei einem Konsumverlust von einem Prozent die Welt das Wohlstandsniveau von 2050 lediglich ein Jahr später erreichen als ohne diese Klimaschutzkosten. "Die Kosten sind also klein im Vergleich zu potenziellen Klimaschäden", sagt Edenhofer.

Edenhofer fordert vor allem die Europäische Union auf, ihre bisherige Vorreiterrolle nicht aufzugeben. Für die EU würden sich Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen in jedem Fall lohnen, selbst wenn andere Regionen der Welt nicht mitziehen. "Wer jetzt handelt, verschafft sich einen wichtigen Vorsprung." Allerdings tickt die Uhr. Nach 2020 sei es nahezu unmöglich, den Klimawandel und eine verträgliche Konzentration der Treibhausgase noch in den Griff zu bekommen. Daher müsse die EU auf der Weltklimakonferenz in Kopenhagen mit verbindlichen Reduktionszielen auftreten.

Auffällig ist, dass die Wissenschaftler keine Technologie favorisieren. Sie sprechen sich für einen umfassenden Mix von erneuerbaren Energien, die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid (CCS) und Energieeffizienz-Maßnahmen aus. Kohle habe durchaus eine Zukunft als Energieträger, aber nur, wenn das produzierte Kohlendioxid unter Tage verpresst werde. Kohlekraftwerke ohne CCS-Techologie sollten nicht mehr gebaut werden. Wenn CCS eines Tages verfügbar sei und mit Biomasse kombiniert werde, könne der Atmosphäre sogar aktiv Kohlendioxid entzogen werden.

Leser-Kommentare
  1. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass allein im Energiesektor bis 2030 die Investitionen in emissionsarme Technologien wie CCS auf jährlich 400 bis 1000 Dollar steigen müssen.

    In welchem Verhältnis sollen die Investitionen auf 400 bis 1000 Dollar steigen? Pro Megawatt, pro Kilo Kohle oder pro Tonne CO2 oder was?

    • Amreix
    • 03.11.2009 um 21:38 Uhr

    Ich finde es sehr merkwürdig CCS schon jetzt als emissionsarme Technologie zu verkaufen, wo noch gar nicht klar ist, ob diese Technik überhaupt funktioniert und eine sichere Lagerung möglich ist

  2. ... wahrscheinlich müssen erst wieder die Grünen an die Regierung, bis mal wieder was in Angriff genommen wird. Zum Beispiel ein durchaus bezahlbares Vorzeigeprojekt wie:
    http://www.heise.de/tp/bl...
    Mit lokaler Auftragsvergabe könnte man damit gleichzeitig Wirtschaftsförderung für D betreiben.

    Aber Merkel hat das Aussitzen von Kohl gelernt und die Möchtegern-Liberalen brauchen das Geld um ihre Lobby zu bedienen. Da ist es natürlich viel einfacher in den CCS Fördertopf der EU zu greifen und die Laufwerke für A-Kraft zu verlängern. Dann kann man noch einige Jahre die Hände in den Schoß legen und der Ausichtsratsposten nach dem Ausscheiden aus der Politik ist sicher... Wolfgang Clement lässt grüßen.

  3. Überschrift aus der FAZ vom 13. Juli 2007:
    "In China geht jeden zweiten Tag ein Kohlekraftwerk ans Netz"

    Daraus leite ich zwei Dinge ab:
    1) Alles was wir in Europa tun, ist verglichen damit ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir tun es also, um ein Vorbild*) zu sein und imho um uns besser zu fühlen.
    2) Wenn CCS in China nicht funktioniert, ist ein CO2-Anstieg nicht mehr zu verhindern.

    Wäre ich Inder oder Chinese würde ich auf den drastisch unterschiedlichen Lebensstandard verweisen und die europäischen Öko-Scheinheiligen, die mich wegen CCS kritisieren würden, mit Ihren 3l-Autos nach Hause schicken und sagen, kommt mal mit dem Fahrrad wieder und dann reden wir weiter

    Hoppla, da fällt mir noch etwas ein:
    Wieso ist es eigentlich besser, leichter, sicherer, wenn wir CO2 unter die Erde schicken, statt Atommüll? Ist dabei eingeplant, dass das CO2 in x-hundert Jahren wieder auftaucht, aber dann ist alles anders oder gibt es doch sichere Lagerstätten unter der Erde, in denen man was "für immer" einlagern kann?

  4. Freie Autorin
    • MUken
    • 04.11.2009 um 9:19 Uhr

    Lieber "Betroffener"
    die Studie nennt nur eine absolute Zahl und sagt, dass "bis 2030 die Investitionen in emissionsarme Technologien auf jährlich 400 bis 1000 Milliarden US-Dollar steigen" müssen.
    Insgesamt rechnen die Autoren damit, dass jährlich 0,2 bis ein Prozent des Welt-BIPs investiert werden müssen. Auf der anderen Seite gibt es Einspareffekte: Investments in fossile Technologien sinken um bis zu 500 USD.
    Viele Grüße
    M.Uken

  5. Der Artikel ist ziemlich hinter den aktuellen Ereignissen hinterher. Laut Mojib Lativ ist die globale Durchschnittstemperatur (was das auch sein mag) seit 1998 nicht mehr gestiegen und wird das auch die nächsten 10 bis 20 Jahre nicht mehr tun. Grund sind bis vor kurzem unbekannte aber stetig auftretende Veränderungen von globalen Meeresströmungen.

    Und in diesen 10 bis 20 Jahren wird es sich ja wohl hoffentlich auch bis nach Potsdam rumgesprochen haben, das innerhalb der Lufthülle der Erde keinerlei Wärme mittels Wärmestrahlung sondern ausschließlich über die Konvektion und den Wasserkreislauf transportiert wird. Und auf diese Transportwege haben sogenannte Treibhausgase überhaupt keinen Einfluss.

    Die Strahlung hat als Wärmetransportweg erst außerhalb der Lufthülle eine Bedeutung, dort allerdings mit 100%. Nur, dort gibt es halt keinerlei Treibhausgase und das Wetter wird von dort auch nicht beeinflusst.

    Aber wie gesagt - in den nächsten 10 bis 20 Jahren wird es sich schon herumsprechen. Alternativ könnte das IPCC auch mal die Ursachen der Wind- und Wolkenentstehung in seine Untersuchungen einbeziehen. Das hätte nicht nur den Vorteil, das endlich mal die WETTERBILDUNGSPROZESSE selbst untersucht werden. Sie würden dann vielleicht auch zutreffender bewertet. Ist zumindest zu hoffen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Leider gibt es immer noch Zeitgenossen, die die Erkenntnisse der Klimaforschung weiterhin in Frage stellen. Gelegentlich kommt zum Ausdruck, die Klimaforschung würde Schreckensszenarien entwickeln, nur um an weitere Forschungsgelder zu kommen. Verschwörungsanhänger finden sogar noch abstrusere Ideen. Aber den Wissenschaftlern unglaubliche Dummheit zu unterstellen, das ist neu!
    Th.Bernhard schreibt: "...,dass innerhalb der Lufthülle der Erde keinerlei Wärme mittels Wärmestrahlung sondern ausschließlich über die Konvektion und den Wasserkreislauf transportiert wird."
    Wie stellen Sie sich dann die Erwärmung der Erde im kalten Universum vor? Demnach müsste die Wärmestrahlung der Sonne die obere Atmosphäre erwärmen, diese warme Luft müsste dann durch Konvektion zur Erdoberfläche gelangen. Schon überlegt, dass es dann in der obersten Atmosphäre wärmer sein müsste als an der Erdoberfläche?
    Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Klimaforscher die besten Fachleute auf diesem Gebiete stellen, deren Erkenntnisse wir gerne diskutieren sollten, aber wir sind sicherlich nicht die klügeren Physiker.

    Leider gibt es immer noch Zeitgenossen, die die Erkenntnisse der Klimaforschung weiterhin in Frage stellen. Gelegentlich kommt zum Ausdruck, die Klimaforschung würde Schreckensszenarien entwickeln, nur um an weitere Forschungsgelder zu kommen. Verschwörungsanhänger finden sogar noch abstrusere Ideen. Aber den Wissenschaftlern unglaubliche Dummheit zu unterstellen, das ist neu!
    Th.Bernhard schreibt: "...,dass innerhalb der Lufthülle der Erde keinerlei Wärme mittels Wärmestrahlung sondern ausschließlich über die Konvektion und den Wasserkreislauf transportiert wird."
    Wie stellen Sie sich dann die Erwärmung der Erde im kalten Universum vor? Demnach müsste die Wärmestrahlung der Sonne die obere Atmosphäre erwärmen, diese warme Luft müsste dann durch Konvektion zur Erdoberfläche gelangen. Schon überlegt, dass es dann in der obersten Atmosphäre wärmer sein müsste als an der Erdoberfläche?
    Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Klimaforscher die besten Fachleute auf diesem Gebiete stellen, deren Erkenntnisse wir gerne diskutieren sollten, aber wir sind sicherlich nicht die klügeren Physiker.

  6. sorry, aber das ist Käse. Niemand weiß, ob die Technik, Co2 zu vergraben, jemals funktionieren wird, ob das Co2 im Boden bleibt und selbst wenn, ob das den Klimawandel aufhalten wird. Dass der Klimawandel in 2020 nicht mehr aufzuhalten sei, ist ebenfalls nicht wirklich haltbar. Das wär ja schon in neun Jahren, was soll bis dato großartig in Sachen Klimaschutz passieren?

  7. Leider gibt es immer noch Zeitgenossen, die die Erkenntnisse der Klimaforschung weiterhin in Frage stellen. Gelegentlich kommt zum Ausdruck, die Klimaforschung würde Schreckensszenarien entwickeln, nur um an weitere Forschungsgelder zu kommen. Verschwörungsanhänger finden sogar noch abstrusere Ideen. Aber den Wissenschaftlern unglaubliche Dummheit zu unterstellen, das ist neu!
    Th.Bernhard schreibt: "...,dass innerhalb der Lufthülle der Erde keinerlei Wärme mittels Wärmestrahlung sondern ausschließlich über die Konvektion und den Wasserkreislauf transportiert wird."
    Wie stellen Sie sich dann die Erwärmung der Erde im kalten Universum vor? Demnach müsste die Wärmestrahlung der Sonne die obere Atmosphäre erwärmen, diese warme Luft müsste dann durch Konvektion zur Erdoberfläche gelangen. Schon überlegt, dass es dann in der obersten Atmosphäre wärmer sein müsste als an der Erdoberfläche?
    Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Klimaforscher die besten Fachleute auf diesem Gebiete stellen, deren Erkenntnisse wir gerne diskutieren sollten, aber wir sind sicherlich nicht die klügeren Physiker.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service