KreditkartenbetrugPostbank-Kunden beschweren sich über Fehlbuchungen

Sparkassen, Deutsche Bank, Commerzbank: So wie in Spanien müssen auch deutsche Geldinstitute Hunderttausende Kreditkarten austauschen. Offenbar gibt es erste Schäden.

Nach dem Verdacht auf massenhaften Missbrauch von Kreditkartendaten berichten einige Kreditkarteninhaber über Unregelmäßigkeiten und Fehlbeträge. Die Postbank bestätigte am Mittwoch, es habe dementsprechende Kundenbeschwerden gegeben. Bei den Sparkassen, der Deutschen Bank und der Commerzbank hieß es, der Austausch betroffener Karten erfolge rein vorsorglich.

Laut Agenturberichten müssen in Deutschland mehrere Hunderttausend Karten ausgetauscht werden. Bestätigt wurde in Kreisen ein Bericht des Bayerischen Fernsehens, wonach allein bei den Sparkassen 190.000 Karten betroffen sind. Verbraucherschützer übten harsche Kritik: Die Geldhäuser müssten Kunden schneller aufklären und für mehr Schutz der Daten sorgen.

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Bereits vor vier Wochen hätten die Kartenunternehmen Mastercard und Visa die Institute über betroffene Karten informiert, kritisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Wer schon so lange über das Problem Bescheid weiß, sollte in der Lage sein, seine Kunden umfassend aufzuklären." Aller Wahrscheinlichkeit nach sei es zu einem kriminellen Angriff auf Karteninformationen bei einem spanischen Abrechnungsdienstleister gekommen.

Dort hätten anscheinend entweder Mitarbeiter Daten entwendet oder Hacker sich Zugang zu einem Computerserver verschafft. Die Dienstleister müssten sicherstellen, dass ihre Systeme nicht von außen geknackt werden könnten und sie ihr Personal mit größter Sorgfalt auswählten und kontrollierten.

Verbraucher sollten bei Banken nachfragen, ob ihre Karte betroffen sei, und Abrechnungen genau kontrollieren, sagte vzbv-Experte Manfred Westphal. "Wenn sich auf den Auszügen nicht genehmigte Abbuchungen befinden, sollten die Betroffenen von ihrer Bank umgehend fordern, die Beträge zu erstatten." Die Geldinstitute stünden in der Pflicht, für etwaige Schäden in jedem Fall einzustehen.

Die Postbank hat auch selbst bereits Unregelmäßigkeiten entdeckt, wie ein Sprecher sagte. Es handele sich bisher nur "um ein geringes Maß". Zahlen nannte er nicht. Karten betroffener Kunden seien gesperrt und ausgetauscht worden. Es sei noch nicht definitiv klar, ob die Unregelmäßigkeiten mit dem Datendiebstahl in Spanien zusammenhingen.

Bei der Deutschen Bank hieß es, derzeit würden wegen der Warnungen von Visa und Mastercard mehr Kreditkarten ausgetauscht als üblich. Wie viele Kunden des größten deutschen Kreditinstituts betroffen sind, wollte ein Sprecher nicht sagen. Auch zu Kosten für Herstellung und Vertrieb der Karten äußerte er sich nicht. Schadensfälle gebe es nicht, die Maßnahme sei rein präventiv.

Bei der Commerzbank wurde Anfang November "eine geringe Zahl von Kreditkarten umgetauscht", wie ein Sprecher sagte. Der Kartenaustausch sei "vorsorglich" und dauere einige Tage. Tatsächliche Betrugsfälle gebe es bei der Bank nicht.

Ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands sagte, es seien keine Schadensfälle und keine Hinweise darauf bekannt. Es zeige sich, dass die Alarmsysteme funktionierten. Die Landesbank Berlin (LBB) verstärkte ihre Risikoüberwachung. Bei auffälligen Transaktionen werde umgehend mit dem Karteninhaber über Sperre oder Austausch gesprochen, hieß es. Ein genereller Kartenaustausch sei daher bisher nicht geplant. Die LBB und ihre Tochter Berliner Sparkasse gehören mit 1,9 Millionen Karten zu den großen Anbietern.

Die Deutsche Kreditbank hat nach eigenen Angaben die betroffenen Karten bereits ausgetauscht. Schäden oder Betrugsfälle seien nicht festgestellt worden. Insgesamt sind in Deutschland mehr als 20 Millionen Kreditkarten im Umlauf.

Bei Visa Europa gibt es nach Angaben einer Sprecherin noch keine Informationen über tatsächliche Betrugsfälle. Wegen der laufenden Ermittlungen wollte das Kreditkartenunternehmen auch nicht erklären, wie ein möglicher Betrug funktionieren könnte, wer der Dienstleister in Spanien ist und wie viele Visa-Kunden vom Karten-Austausch betroffen sind. Die Sprecherin forderte alle Kunden auf, Abrechnungen genau zu prüfen und Unregelmäßigkeiten sofort zu melden.

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Leserkommentare
  1. Wie fast immer darf man wohl den Medien wie den Banken nicht trauen und eigene Recherchen gibt es kaum noch.

    Wer nach billig "outsourced", bekommt eben auch "billig" zurück. Darüber sollten auch die Bänker neben der Wirtschaft mal nachdenken.

    Hier gibt es tiefergehende Infos zu diesem Skandal.

    Datenklau bei Kreditkarten

    Weiterhin gibt es viele Betroffene. Es geht nicht um Schadensverhinderung, sondern um Schadensregulierung in vielen tausend Fällen.

    Nicht zu vergessen: Wenn es hart auf hart kommt, ist jeder Geschädigte nach den neuen AGB mit 150 € am Schaden beteiligt.

  2. 2. Jargon

    Hier ein kleiner Satzbaukasten für Pressesprecher und solche, die es werden wollen.
    - ... erfolgt rein vorsorglich (=wir wissen es auch erst seit eben)
    - ... im Sinne des Kunden (=sind ja seine Karten)
    - nur Einzelfälle betroffen (=die Kunden sind uns persönlich kaum bekannt)
    - in geringem Ausmaß (=Zahl mit mehr als 2 Stellen)
    - im Grunde niemand (bitte nur nutzen, wenn die 2 Sätze davor auch aufgenommen wurden)
    - leider keine genauen Zahlen (=Zahl mit mehr als 3 Stellen)
    - keine Schadensfälle und keine Hinweise darauf bekannt (=wir sind im Grund ahnungslos)
    - umgehend (="ich muss weg")
    - bereits ausgetauscht (=also meine zumindest)
    - noch keine Informationen (=fragen sie jemand anderen)
    - wegen der laufenden Ermittlungen (=wir müssen auch erst mal schauen)
    - Sie werden verstehen (=was ich nicht verstehe)
    - Ausnahme (=dass die Presse davon Wind bekommt)
    - intensive Gespräche (=mit dem outgesourcten Betreiber des (damals günstigsten) Anbieters)
    - mit Nachdruck (=wir wechseln zum zweitgünstigsten Anbieter)

    Das sollte eigentlich für die meisten Rügen bezüglich dieser neumodischen Dinge wie Datenschutz, Kundenidentität oder einfach der Forderung nach nicht nur günstiger, sondern ordentlicher Arbeit genügen.
    Im Zweifel bietet sich noch ein Appell an die Politik an ("es bedarf da des rechtlichen Rahmens"), um einfach auszudrücken, dass, solange die Schadensbegrenzungsaktionen weniger kosten als der Schutz vor Schaden, sich niemand darum kümmert.

  3. ...sehr negative Erfahrungen habe ich auch Übersee mit Postbankkarten gemacht.

    Die Bankkarte (zumindest jene, die sie besaß) funktioniert an Automaten der Urlaubsorte bzw. Großstädte in Übersee ebenfalls nicht. Das kann ein böses Erwachen werden, wenn man nicht noch eine Zweitkarte eines anderen Instituts oder Kreditkarte zur Hand hat. Nicht ausmalen möchte ich mir, was im Falle des Verlustes der Alternativ-Karte geschieht.

    Mit anderen Bankkarten blieb uns diese Erfahrung (zumindest bislang) gottlob erspart.

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