Autoindustrie Für GM ist Opel ein Juwel

Opel hat Erfahrung mit der Entwicklung sparsamer Autos, die GM braucht. Die Deutschen sollen für Innovationen sorgen. Doch es gibt Hindernisse. Von Henrik Mortsiefer

GM-Europe-Präsident Carl-Peter Forster präsentiert auf der IAA in Frankfurt den Hoffnungsträger Opel Astra

GM-Europe-Präsident Carl-Peter Forster präsentiert auf der IAA in Frankfurt den Hoffnungsträger Opel Astra

Opel soll nach der Entscheidung in der GM-Zentrale künftig ein wichtiger Baustein bei der Neuaufstellung des US- Autoherstellers werden. Dabei setzen die Manager auf die Autoinnovationen aus Deutschland, die Präsenz von Opel und Vauxhall auf den europäischen Märkten und die Chancen im Osten.

"Von der industriellen Logik her ist es besser, wenn Opel in einen größeren Konzernverbund eingebunden ist", sagte am Mittwoch Autoanalyst Arndt Ellinghorst von Credit Suisse. Der Rüsselsheimer Autobauer dürfe zum ersten Mal in der 80-jährigen GM-Zugehörigkeit als Juwel des Konzerns angesehen werden. Denn Opel habe Entwicklungskapazitäten und Erfahrung mit sparsamen Klein- und Mittelklassewagen, die GM braucht.

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In Eisenach fertigt Opel den Kleinwagen Corsa, der sich durch die Abwrackprämie gut verkaufte. Das Modell wird auch im spanischen Saragossa produziert, ein Standort, der besonders produktiv und rentabel arbeitet. Auch im Mittelklassesegment hat Opel mit dem in Rüsselsheim gefertigten Insignia Erfolg. Deutschland ist der wichtigste Mittelklassemarkt Europas. Große Hoffnungen verbinden sich mit dem Golf-Konkurrenten Astra, der ab 5. Dezember bei den Händlern steht und mit dem Opel einen Großteil seines Umsatzes bestreitet. Der Astra wird in Bochum, Antwerpen, Ellesmere Port (Großbritannien) und Gliwice (Polen) gebaut.

Die Absatzzahlen für Opel hätten den GM-Verwaltungsrat hoffen lassen, "auch dank Innovationen wie dem Insignia", sagte Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg. So stieg der deutsche Marktanteil im Oktober auf 9,1 Prozent (2008: 7,2 Prozent). Laut Opel hält die GM-Tochter damit im neunten Monat in Folge den zweiten Platz in der Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes. Darüber hinaus feiert der Hersteller mit bisher knapp 299.000 Zulassungen "das beste Ergebnis seit 2001". "Da sind dann die Amerikaner endlich aufgewacht und haben die wahre Bedeutung der Opel-Technologie erkannt", sagte Meinig. Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim habe für GM einen neuen Stellenwert erhalten.

Die Frage, ob GM auf die Kleinwagen- Kompetenz der Deutschen angewiesen ist, wird von Experten unterschiedlich bewertet. "Kleinwagen kann GM auch preiswert in seinem Technologiezentrum in Korea entwickeln", sagte der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Ohnehin sei es teuer, Volumenmodelle zentral zu entwickeln und zu fertigen und auf verschiedenen Märkten zu verkaufen. Dies zeige die Opel-Schwestermarke Saturn, die auf dem US-Markt gescheitert sei.

Die Kompetenz, CO2-arme Autos zu bauen, hat Opel nur eingeschränkt unter Beweis gestellt. Das Elektroauto Volt, das 2010 in den USA und später als Opel-Variante Ampera auf den Markt kommen soll, ist ein Gemeinschaftsprojekt von GM und Rüsselsheim. Immerhin: Der deutsche Chefingenieur des Volt, Frank Weber, soll von GM zu Opel wechseln.

Schwierig dürfte es nach Einschätzung von Dudenhöffer für GM werden, den Marktanteil auf dem europäischen und russischen Markt zu erhöhen. "In Europa ist Wachstum nur über Rabatte möglich – und die Russen hat GM mit seinem Rückzieher verprellt."

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 5.11.2009

 
Leser-Kommentare
  1. bei Opel, keiner weiß mehr von dem Desaster der lettzen 12 Monate, alles heile Welt, nur der Stellenabbau ist nicht gestoppt. http://kallewestrich.blog...

  2. Das Management von GM hat es fertig gebracht die Zukunft auszumustern und zu verschrotten. Der EV 1, ein Elektrofahrzeug wurde verschrottet. Nun sahen sie den Erfolg der Japaner und haben schnell den Volt nachgeschoben, viel zu spät kommt dieses Fahrzeug auf den Markt. Statt das man dieses Fahrzeug hier sofort auf den Fertigungsstraßen baut, denkt dieses Drecksmanagement an Erpressung, Werksschließungen nach. Von uns gibt es für solche Nieten keinen müden Euro mehr.

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    Das Gm Management wurde schon gehoerig ausgemistet. Immerhin musste Ex-Chef Wagoner gehen. Der Verwaltungsrat ist jetzt vorrangig mit neuen Leuten besetzt.
    Denen muss man aber auch die Chance geben, Entwicklugen anzustossen. Wenn man dies nicht macht, muesste ich Sie dem Vorwurf des Populismus aussetzen.

    Das Gm Management wurde schon gehoerig ausgemistet. Immerhin musste Ex-Chef Wagoner gehen. Der Verwaltungsrat ist jetzt vorrangig mit neuen Leuten besetzt.
    Denen muss man aber auch die Chance geben, Entwicklugen anzustossen. Wenn man dies nicht macht, muesste ich Sie dem Vorwurf des Populismus aussetzen.

  3. Seitdem der Hummer H1 nicht mehr produziert wird, geht es bergab.
    Wenn wundert das denn bitte ernsthaft?

  4. 4. Bluff

    Für GM ist Opel ein Juwel!

    Deshalb ist die Drohung von GM mit der Insolvenz Bluff.

    Eventuelle staatliche Unterstützung für Opel muss sich GM jetzt teuer erkaufen.

    Hoffentlich bleiben unsere MPs in den Ländern und der neue Wirtschaftsminister hart!

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    ...wenn die Herren Politiker endlich mal Sachverstand und Kompetenz walten lassen.
    Allein, mir fehlt der rechte Glauben!
    In NRW wir demnächst gewählt... Bochum liegt in... genau!

    mit Wahlversprechen gewinnt man Wahlen, die Rechnung wird dem Bürger später nachgereicht, und wenn dann die Journallie noch hilft, das Feindbild US-Manager zu festigen, merkt am Ende mal wieder keiner wer die wahren Versager in Sachen Opel waren / sind / sein werden...

    ...wenn die Herren Politiker endlich mal Sachverstand und Kompetenz walten lassen.
    Allein, mir fehlt der rechte Glauben!
    In NRW wir demnächst gewählt... Bochum liegt in... genau!

    mit Wahlversprechen gewinnt man Wahlen, die Rechnung wird dem Bürger später nachgereicht, und wenn dann die Journallie noch hilft, das Feindbild US-Manager zu festigen, merkt am Ende mal wieder keiner wer die wahren Versager in Sachen Opel waren / sind / sein werden...

  5. Ich halte selbstgefällige Artikel wie diesen für gefährlich für unsere Volkswirtschaft. Wir sind nicht so gut, wie wir uns selbst einreden wollen.

    Ich kann jedem nur empfehlen, mal Deutschland zu verlassen uns sich ein Bild von Verhältnissen im Ausland zu machen. Wer nicht immer nur die Splitter im Auge des anderen sucht, bemerkt schnell, dass wir selbst einen riesigen Balken im Auge haben.

    Indien ist nicht mehr das Entwicklungsland, für das es viele in Deutschland halten. Indien hat inzwischen industrielle Leuchttürme, die Deutschland weit überholt haben. Ähnliches gilt für China.

    Selbst ein Land wie Vietnam entwickelt sich langsam in eine Richtung, die ernsthafte Konkurrenz für deutsche Arbeitsplätze darstellt. Das gilt auch für technologieabhängige Industrien.

    Nicht zuletzt ist eine Reise nach Detroit und South Carolina (Einzugsgebiet des Savannah River Seehafens) hilfreich, um zu sehen, dass die Amis aus der Krise ihrer Automobilindustrie gelernt haben. Was dort gegenwärtig an hochtechnologischen Fertigungskapazitäten entsteht ist jedem deutschen Autowerk weit überlegen. Die USA haben die Message bekommen, wir offenbar nicht.

    Wenn wir nicht zum Niedriglohnland werden wollen, müssen wir aufwachen und besser werden. Gegenwärtig hat uns der Rest der Welt technologisch eingeholt, wenn wir weiter schlafen werden wir in 10 Jahren abgehängt sein.

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    warum ist GM denn jetzt so scharf auf die Opel-Entwicklung?

    warum ist GM denn jetzt so scharf auf die Opel-Entwicklung?

  6. warum ist GM denn jetzt so scharf auf die Opel-Entwicklung?

  7. dann wieder dieselbe Verhandlungsrunde oder machen sie gar zu? Die Marktprognosen scheinen nun ja nicht so schlecht zu sein. http://viereggtext.blogsp...

    • joG
    • 05.11.2009 um 12:33 Uhr

    ...versucht hätte mit illegal versprochenen Subventionen GM zu erpressen, so müssten die Politiker ihre Wähler nun nicht aufhetzen. Jetzt hatte die EU die Situation geklärt und es ist Deutschland bzw Mutti der Schwarze Mann. Das soll der Wähler um Himmels Willen nicht wahrnehmen.
    Auch ist es unvorstellbar, dass die deutschen Politiker dümmer sind als der Mann auf der Strasse. Es war klar, dass GM die Entscheidung erst nach der Wahl treffen wollte, weil man an Magna nicht verkaufen aber Merkel nicht weh tun wollte (vor der Wahl). Es stand doch damals schon in der WSJ, dass GM Opel behalten würde.
    Jetzt die Anti-Amerika-Keule zu schwingen und die Menschen aufzuhetzen, wie die Politiker und Gewerken tun ist nicht nur kontraproduktiv für den Standort. Es ist politisch gefährlich. Ihre Eigeninteressen mögen solches widerliche Verhalten erklären. Es ist aber durchsichtig und enthüllt die Politiker als das was sie sind.

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