20 Jahre Mauerfall Bilanz der Einheit
Wie geht es Ost- und Westdeutschland, 20 Jahre nach 1989? Wo gibt es Arbeit, wo wird viel, wo wenig verdient? Zehn Karten zum wirtschaftlichen Stand der Einheit
© Statistische Ämter d. Bundes u. d. Länder; Eurogeographics bezgl. d. Verwaltungsgrenzen
Hier leben die Deutschen. Allerdings sind es nicht überall gleich viele. Die dunkelgrauen Regionen sind besonders dünn besiedelt. Hoch ist die Bevölkerungsdichte dagegen in den intensiv rosa getönten Feldern der Karte. Man sieht: Im Nordosten Deutschlands leben, relativ zur Fläche, besonders wenig Menschen - mit Ausnahme von Ostseestädten wie Rostock und Stralsund oder der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt Schwerin. Am dünnsten ist die Besiedelung mit 39 Menschen pro Quadratkilometer im Landkreis Mecklenburg-Strelitz, der im Südosten Mecklenburg-Vorpommerns liegt. Berlin ist eine Insel in dunkelrosa. Sachsen und Thüringen sind schon dichter besiedelt; die größten Ballungsgebiete aber liegen im Westen: Das Ruhrgebiet mit den angrenzenden Teilen des Rheinlands, der Rhein-Main- und der Rhein-Neckar-Raum. Am wenigsten Platz haben die Menschen in München. Hier leben 4225 Personen pro Quadratkilometer.
Diese und alle folgenden Karten sind dem interaktiven Regionalatlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder entnommen. Sie zeigen die jeweils aktuellsten verfügbaren Daten.
© Statistische Ämter d. Bundes u. d. Länder; Eurogeographics bezgl. d. Verwaltungsgrenzen
Die Bevölkerung des Ostens schwindet immer noch: Die Karte zeigt den Verlust des Jahres 2007. Vor rund einem Monat ließ das Statistische Bundesamt die Öffentlichkeit wissen, dass der Negativtrend auch im vergangenen Jahr anhielt.
Obgleich westliche Kreise mittlerweile ebenfalls an Bevölkerung verlieren, wie die zahlreichen weißen und hellgrau gefärbten Flecken zeigen, ist der Schwund im Osten doch am größten - mit den Ausnahmen Berlin, seinem Speckgürtel, der sich rund um die Hauptstadt legt, und einigen anderen Städten. Um die Jahrtausendwende war das noch anders. Damals gab es im Westen nur ganz wenige Regionen, deren Bevölkerung sank, etwa im Ruhrgebiet, im Saarland oder an der Grenze zu Tschechien.
© Statistische Ämter d. Bundes u. d. Länder; Eurogeographics bezgl. d. Verwaltungsgrenzen
Die Menschen wandern ab (relativ zur Zahl der Einwohner). 2007 verließen viele Menschen Ostdeutschland. Aber auch im Westen ziehen die Menschen vielerorts weg, nicht nur in die großen Städte. Zwar empfingen Hamburg, Köln, München, Dresden oder Weimar vergleichsweise viele Zuwanderer. Aber auch die Regionen an der niederländischen und luxemburgischen Grenze und die Bodenseeregion scheinen den Neuankömmlingen gute Lebensbedingungen zu bieten.
Am größten war übrigens der Zustrom nach Flensburg. Vielleicht, weil es vor zwei Jahren im benachbarten Dänemark viele Arbeitsplätze gab, auch für Deutsche? Die meisten Menschen verlor Hoyerswerda.
© Statistische Ämter d. Bundes u. d. Länder; Eurogeographics bezgl. d. Verwaltungsgrenzen
Warum ziehen die Menschen weg? Vermutlich, weil sie anderswo leichter Arbeit finden. Auch 19 Jahre nach dem Mauerfall (die Karte zeigt die Daten von 2008) ist die Arbeitslosigkeit im Osten immer noch deutlich höher als im Westen. Am höchsten liegt sie im mecklenburg-vorpommerschen Landkreis Demmin: 21,5 Prozent der Erwerbsbevölkerung sind hier ohne Job. Im bayerischen Landkreis Eichstätt sind es nur 1,9 Prozent, das ist der beste Wert in ganz Deutschland.
© Statistische Ämter d. Bundes u. d. Länder; Eurogeographics bezgl. d. Verwaltungsgrenzen
So sah es kurz nach der Jahrtausendwende aus. Viel hat sich seither nicht geändert. Einen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch: Aktuelle Daten zeigen, dass der ostdeutsche Arbeitsmarkt die Krise besser zu verkraften scheint als der Westen.
© Statistische Ämter d. Bundes u. d. Länder; Eurogeographics bezgl. d. Verwaltungsgrenzen
Wo das Rosa besonders dunkel ist, ist ein großer Teil der Arbeitslosen schon lange ohne Stelle. Solche Flecken finden sich vor allem nördlich der Mainlinie: An Ruhr und Rhein, der Nordseeküste, in der Region Hannover oder der Hansestadt Lübeck, im Berliner Speckgürtel oder nördlich von Erfurt. Die meisten Langzeitarbeitslosen gibt es im Landkreis Elbe-Elster, am südlichen Rand Brandenburgs. In Süddeutschland hingegen leben vergleichsweise wenige.
© Statistische Ämter d. Bundes u. d. Länder; Eurogeographics bezgl. d. Verwaltungsgrenzen
Reichtum und Armut sind in Deutschland regional ungleich verteilt. Auch das ist seit Jahren so geblieben: Die ältesten verfügbaren Daten, die der Regionalatlas abbildet, stammen von 1995. Die Karte von damals unterscheidet sich kaum von der hier gezeigten. Vielleicht hat es damit zu tun, dass viele Deutsche die Gesellschaft als sehr ungerecht empfinden - 20 Jahre nach dem Mauerfall ist das für die Politik eine Herausforderung.
© Statistische Ämter d. Bundes u. d. Länder; Eurogeographics bezgl. d. Verwaltungsgrenzen
Je grauer die Karte, desto weniger Sozialhilfeempfänger pro 1000 Einwohner leben in einer Region. Je dunkler das rosa, desto mehr sind es. Hier ist der Ost-West-Gegensatz nicht mehr ganz so stark. Selbst im wohlhabenden Bayern gibt es Landkreise mit einem hohen Anteil von Einwohnern, die von Sozialhilfe leben, aber auch in Niedersachsen oder an der Küste Schleswig-Holsteins.
© Statistische Ämter d. Bundes u. d. Länder; Eurogeographics bezgl. d. Verwaltungsgrenzen
Diese Karte zeigt die Wirtschaftskraft der Regionen: Je grauer, desto niedriger ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf, je rosafarbener, desto höher. Die meisten dunkelgrauen Flecken liegen im Osten. Im Westen sind nur einige Kreise grau gefärbt, etwa an der Küste oder im Saarland. Übrigens muss ein hohes BIP pro Kopf nicht unbedingt mit einer niedrigen Arbeitslosigkeit einhergehen: In Bremen beispielsweise oder an Rhein und Ruhr ist die Wertschöpfung relativ hoch - die Arbeitslosigkeit aber auch.
© Statistische Ämter d. Bundes u. d. Länder; Eurogeographics bezgl. d. Verwaltungsgrenzen
Ein Flickenteppich: So sieht die Karte aus, die das regionale BIP-Wachstum im Jahr 2006 abbildet. Ein Gegensatz zwischen Ost und West - oder Nord und Süd - ist hier nicht mehr zu erkennen.
- Datum 12.11.2009 - 10:13 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:
/Solaranlage_Frankfurt(Oder)-148x84.jpg)





Als Kartograph halte die angewandte Klassifikationsmethode (d.h. Welche Zahlen ergeben welche Farben?) bei den meisten Karten nicht für hilfreich. Die verwendete Methode erzeugt in jeder Klasse die annähernd gleiche Anzahl an Raumeinheiten und damit oft ein unangebracht "harmonisches" Kartenbild. In den Statistiken - und ach, in der Realität wohl auch - vorhandene Brüche, Lücken und Sprünge werden in ihrer Dimension dadurch zum Teil nicht deutlich. Eine Einteilung in Klassen ist immer auch eine Interpretation der Daten...
Trotzdem herzlichen Dank für diesen versachlichenden Beitrag zum Thema "Aufbau West" :-)
Mir fehlen zwei Karten:
* Anteil Zuzügler im Westen aus dem Osten / im Osten aus dem Westen an der Bevölkerung
* Anteil der Bevölkerung, die den jeweils anderen Teil des Landes schon einmal besucht hat.
All dies Karten sagen nichts über den Erfolg oder Misserfolg der Eiheit aus.
Es sind Momentaufnahmen wie Spuren von Wellen im Sand und keine Röntgenaufnahmen der Republik.
Die deutsche Befindlichkeit findet man woanders:
Deutschland auf der Couch
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren