Studie zur Deutschen Einheit
Ostdeutschland schließt frühestens 2020 zum Westen auf
20 Jahre nach dem Sturz der Mauer hinkt die ostdeutsche Wirtschaft weiter hinter. Dennoch ging die ökonomische Aufholjagd schneller als gedacht.
© Norbert Millauer/ddp

"Blühende Landschaften"? 20 Jahre nach dem Mauerfall hat der Osten Deutschlands ökonomisch schneller zum Westen aufgeschlossen als gedacht. Dennoch wird es noch Jahre dauern, bis der Wohlstand zwischen West und Ost gleich verteilt ist
Die Wirtschaft in Ostdeutschland wird nach Ansicht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) frühestens 2020 zum Westen aufschließen. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf dürfte in den kommenden zehn Jahren von derzeit knapp 70 auf 80 Prozent des Westniveaus steigen, erklärte das Institut am Dienstag in einer ökonomischen Bilanz zum Mauerfall vor 20 Jahren.
Dennoch vollziehe sich die Anpassung insgesamt doppelt so schnell als im internationalen Vergleich üblich: "Der Aufholprozess der neuen Bundesländer verläuft weiß Gott nicht so schleppend, wie oft behauptet", sagte IW-Direktor Michael Hüther in Berlin. Vor allem die Industrie habe für Impulse gesorgt und sich zum Wachstumstreiber entwickelt. Allerdings bleibe die Arbeitslosigkeit deutlich höher als im Westen.
Nach der Wiedervereinigung sei der Aufbau Ost insgesamt zu positiv gesehen worden, sagte der IW-Experte. "Der entscheidende Fehler war einfach, dass wir eine Erwartungskulisse aufgezogen haben mit blühenden Landschaften." Deshalb sei dann Mitte der neunziger Jahre Ernüchterung aufgekommen, als das Ende des Baubooms zum Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen geführt habe. Inzwischen habe sich aber auch zu großer Pessimismus nicht bestätigt, die Erwartungen hätten sich vielmehr normalisiert, sagte Hüther.
Hatte die Wirtschaftsleistung pro Einwohner 1991 im Osten nur ein Drittel des Westniveaus betragen, so könnte der Anschluss an schwächere Westländer wie Schleswig-Holstein oder Rheinland-Pfalz in gut zehn Jahren gelingen. Dass der Osten aber vollständig zum Westen aufschließt, sei unrealistisch und zu ambitioniert, sagte Hüther. Er verwies darauf, dass es bereits im Westen große regionale Unterschiede gebe und das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Hessen rund 40 Prozent größer sei als in Schleswig-Holstein. Zudem fehlten im Osten große Wirtschaftszentren.
Zwischen Ostsee und Erzgebirge habe sich vor allem die Industrie gut entwickelt: Auf das Verarbeitende Gewerbe entfalle rund ein Fünftel der ostdeutschen Bruttowertschöpfung und damit deutlich mehr als etwa in den USA, Frankreich und Großbritannien. Ziel der Wirtschaftspolitik müsse es sein, die Industrie innovativer und internationaler zu machen. Hüther forderte dazu eine bessere steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung.
Mit dem Auslaufen der Finanzhilfen des Solidarpaktes II 2019 sind nach Ansicht Hüthers keine neuen Sonderprogramme für den Osten nötig. Der Experte des arbeitgebernahen IW appellierte an die neue Bundesregierung im Zuge der von Union und FDP geplanten Steuerrechtsreform ab 2011 den Solidarzuschlag abzuschaffen.
Die stärkste Hypothek für Ostdeutschland in der Zukunft sei die demografische Entwicklung mit einer alternden und zugleich schrumpfenden Bevölkerung, sagte Hüther. Dies werde auch den Mangel an Fachkräften verschärfen. Um gegenzusteuern, sollte die Zuwanderung vereinfacht werden. In der Demografie-Frage sieht Hüther den Osten als "Laboratorium für ganz Deutschland".
- Datum 3.11.2009 - 18:31 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
- Kommentare 2
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Bei allem was aus dieser Ecke "gestudiert" und verkündet wird, muss man leider aufpassen, welche Ziele tatsächlich verfolgt werden.
Mit dem Auslaufen der Finanzhilfen des Solidarpaktes II 2019 sind nach Ansicht Hüthers keine neuen Sonderprogramme für den Osten nötig.
Ah - daher weht der Wind. Hoffentlich hat er recht damit. Wenn nicht, wird es Herrn Hüther aber auch egal sein.
Die stärkste Hypothek für Ostdeutschland in der Zukunft sei die demografische Entwicklung mit einer alternden und zugleich schrumpfenden Bevölkerung, sagte Hüther. Dies werde auch den Mangel an Fachkräften verschärfen. Um gegenzusteuern, sollte die Zuwanderung vereinfacht werden. In der Demografie-Frage sieht Hüther den Osten als "Laboratorium für ganz Deutschland".
Tja - wo sind denn die vielen jungen Leute alle hingegangen, nachdem im Osten alles planiert war? Nach B, BW und NRW zum Arbeiten - teilweise als Billiglöhner. Was soll da Zuwanderung helfen?
Vielleicht kommen die Söhne und Töchter ja zurück, wenn es ausreichend gleich gut bezahlte Arbeit gibt - was eher nicht zu erwarten ist.
Nachwendebedingt kommt Handwerk und Industrie im Osten nur schwer auf die Beine - und das meist nur als Dependance einer Firma aus dem Westen. Als "Laboratorium" möchte sich der Osten nicht wieder verstanden wissen.
Wo ist der Link zur "Studie" in der von ddp übernommenen IW-PR-Meldung, liebe ZEIT? Hier ein Link:
IW: 20 Jahre Mauerfall
Wir haben keine Kohle,Münzen, oder Aluchips ! D.h. der Westen müßte auf Ostnivau absinken,oder? Das Geld, selbst deas der Wiedervereinigung ist in Taschen weniger Spekulanten verschwunden oder zur Westdeutschen Industrie zurück geflossen. Diese Gesellschaft braucht endlich ein anderes Denken, der Welt würde es nichts schaden. Ich hoffe NRW ist wachsam. D.h. nie wieder SPD sondern gleich richtig,denn halblinks ist murcks. FDP sofort die flügel stutzen, bevor diese abheben. Setzt ein neues Zeichen um zu sagen , nach NRW darf der Bund nur mit Euch!
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