Ruhrgebiet in der Krise Wendeverlierer tief im WestenSeite 2/2

Wenn der ehemalige SPD-Ministerpräsident und Bochumer Wolfgang Clement noch politisch aktiv wäre, hätte er in ihm einen verbissenen Gegner. Geärgert über den geplatzten Magna-Deal hat er sich trotzdem. Clement unterhält persönliche Verbindungen zur Sberbank, die Teil des Konsortiums um Magna war. Und er zögert nicht, vom Ruhrgebiet als "Wendeverlierer" zu sprechen. Die Region sei damals "einfach durch das Rost gefallen, als die ganze Aufmerksamkeit nach Ostdeutschland ging". Dabei habe das Ruhrgebiet bereits damals Hilfe benötigt, um den Strukturwandel voranzutreiben.

Clemens ist nur einer von Vielen im tiefen Westen, die die Abschaffung des Solidarpakts II fordern. "Schließlich müssten Teile des Ruhrgebiets die gleiche Unterstützung erfahren, wie Ostdeutschland über Jahre. Darüber ist immer nur geredet, aber nie konsequent etwas gemacht worden." Es geht um Investoren, Subventionen, aber auch um die Infrastruktur wie Autobahnen und Bahnhöfe. An vielen Stellen ist das Ruhrgebiet kaputt. Clement meint, dass man hier viel Zeit verloren hat, vielleicht sogar 20 Jahre.

"In Duisburg komme ich mir vor, wie 15 Jahre zurück", sagt Siegfried Durlik, der ein paar Kilometer nordöstlich vom Bochumer Opel-Werk lebt. Damals, als Thyssen-Krupp sein Werk in Dortmund dicht machte,  verlor der Stahlarbeiter seinen Job. Nun pendelt er nach Duisburg und arbeitet dort für den Konzern. Seit Jahresbeginn steckt er in Kurzarbeit. "Ich habe gleich gesagt, dass das jetzt da auch losgeht, war ja hier am Anfang auch so. Wollte mir aber keiner glauben. Und dann haben sie den ersten Hochofen vorübergehend stillgelegt, weil die Aufträge eingebrochen waren."

Durlik hat nicht mehr lange bis zur Rente. Ganz sicher wird er der letzte sein, der seinen Arbeitsplatz ausfüllt. "Die Industriearbeitsplätze, die wir heute verlieren, bekommen wir nicht wieder zurück", sagt die SPD-Landeschefin Hannelore Kraft. Sie wiederholt diesen Satz derzeit oft. Man könnte meinen, sie spricht über ihre Stammwähler, zu denen einst auch Wolfgang Welt gehörte. Aber der hat sich längst in Sarkasmus geflüchtet. "Die Opelaner haben Jahrzehntelang gut gelebt, warum sollen sie jetzt nicht mal ein bisschen leiden. Vielleicht kann man ihnen als Trost einen der zahlreichen Wagen schenken, die auf Halde stehen."

 
Leser-Kommentare
  1. Jahrzehntelang wurde der Strukturwandel im Ruhrgebiet dadurch gestaltet, dass man subventionierte Arbeitsplätze schuf. Gerade die populistischen Versprechen der SPD sind heute ihr Menetekel, weil Sie den Betroffenen vermittelte, es wären nur die Reichen, die nicht abgeben wollen. Der Spagat zwischen diesem Populismus und der Realität hat diese Partei letztlich jede Glaubwürdigkeit genommen. Denn diese Versprechen gibt heute die Linke ab und sie kann es nur weil viele immer noch den alten gelogenen Parolen der SPD glauben schenken.
    Wieso sollte es auch plötzlich nicht mehr gehen, was jahrzehntelang skrupelos versprochen wurde ohne Rücksicht auf die Realitäten?
    Sicher das Ruhrgebiet brauchte Hilfe, auch Subventionen, doch sollte sich jeder mal fragen, warum das Ruhrgebiet heute die Region ist, die am stärksten überaltert ist.
    Ich komme daher, ich bin wie so viele meiner Generation ins Rheinland oder Süddeutschland ausgewandert, wenn nicht gleich in die USA, weil die bleierne gewerkschaftliche Unbeweglichkeit, die speziellen sozialdemokratischen politischen Betrügereien jede Perspektive unmöglich gemacht haben nd schlimmer waren als jede bürgerliche Enge.
    Man hatte das Sicherheitsbedürfnis der alten Klientel befriedigt, das brachte Wählerstimmen, hat aber jede nachhaltige Erholung der Region auf Jahrzehnte vertagt.
    An dem Erbe trägt die Region schwer. Nur die ewig Gestrigen folgen noch den Parolen, die heute die Linkspartei verkündet, schlicht weil Ihnen nichts Anderes bleibt.

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