Finanzkrise Schäuble kritisiert "Raffgier" der Banker

Finanzminister Wolfgang Schäuble glaubt, viele Bankmanager hätten nichts begriffen. Und dass die Wirtschaftskrise die Welt so stark verändern werde wie der Mauerfall.

Wolfgang Schäuble (CDU) hat die Banken aufgefordert, die Staatshilfen anzunehmen. Hier spricht der Finanzminister im Bundestag

Wolfgang Schäuble (CDU) hat die Banken aufgefordert, die Staatshilfen anzunehmen. Hier spricht der Finanzminister im Bundestag

Die Finanzkrise mit ihren globalen Auswirkungen ist noch keinesfalls überstanden, glaubt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Nach seiner Meinung wird die Krise "die Welt so stark verändern wie der Fall der Mauer. Die Gewichte zwischen Amerika, Asien und Europa verschieben sich dramatisch".

Schäuble forderte die Banken auf, die staatlichen Hilfsangebote aus dem Bankenrettungsfonds in Anspruch zu nehmen – auch um eine Kreditklemme zu vermeiden. "Die Wirtschaft springt gerade wieder an. Da müssen wir dafür sorgen, dass den Unternehmen ausreichend Kredite zur Verfügung gestellt werden können", sagte der CDU-Minister in einem Interview. Die Banken bräuchten mehr Eigenkapital. "Und da sind wir in Deutschland im internationalen Vergleich hintendran."

Anzeige

Hart ins Gericht ging der Minister mit der Geschäftsmentalität mancher Banker. "Diese Raffgier zerstört alles, und mich stimmt sehr nachdenklich, dass sie schon wieder um sich greift." Nicht alle hätten begriffen, was schief gelaufen sei und dass man so nicht weitermachen könne. "Da haben viele den Unterschied zwischen einem gesunden Egoismus und Gier nicht verstanden", sagte der Finanzminister. Für Banker oder Manager, die rumjammerten, weil sie nur vier statt fünf Millionen Euro verdienten, fehle ihm jegliches Verständnis.

Gleichzeitig bekannte der Finanzminister, als Privatmann keinen genauen Überblick über die eigenen Kontostände zu haben. "Seit Urzeiten verwaltet die Volksbank Offenburg mein Vermögen. Ich weiß gar nicht genau, wie die mein Geld angelegt haben, und ich will es auch gar nicht wissen", sagte Schäuble. Es würde ihn zu viel Zeit und Nerven kosten. Privat sei er schuldenfrei. Als junger Mann habe er Geld für den Hausbau aufgenommen. Aber das sei längst abbezahlt.

 
Leser-Kommentare
    • ddkddk
    • 22.11.2009 um 15:13 Uhr

    Mindestens einmal am Tag erfolgt verbale Bankerschelte durch einen Spitzenpolitiker.

    Warum sollen sich die Banker ändern? Es wird doch nichts konkretes unternommen! Die Schelte wird von den Bankern schenkelklatschend hingenommen, da sie genau wissen: Im Moment ist Volksberuhigung angesagt, damit sie weitermachen können wie bisher.

    Dieses Weitermachen scheint von der jetzigen Regierung tatsächlich beabsichtigt zu sein und wird auch hinter den Kulissen gefördert. Der Ober-Banker Ackermann geht im Kanzleramt nach wie vor ein und aus und seine Ratschläge werden eher in Politik umgesetzt, als diejenigen von Sachverständigenrat usw.

    Offiziell kann diese Politik natürlich nicht verkauft werden. Deshalb sind tägliche Beruhigungssprüche für das Wahlvolk erforderlich.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • setter
    • 22.11.2009 um 17:31 Uhr

    Volksberuhigung ist sicher ein Motiv und Ziel.
    Dass der Finanzminister Schäuble alle von der Sache her gebotenen Maßnahmen zur Vermeidung einer neuen Finanzkrise (z.B. stärkere Bankenkontrolle und schärfere Vorschriften bei den Wettgeschäften = Derivatenhandel)aus Freundschaft zu Herrn Ackermann vermeiden will, glaube ich nicht. Dazu ist sein Antrieb, den Job als Finanzminister gut zu machen, zu stark. Und man darf nicht vergessen: Im Vorfeld der Finanzkrise haben zwar die Banken enorme Gewinne gemacht (und die großen der Branche, z.B. Deutsche Bank, haben die Krise auch schadlos überstanden), aber es gibt ja auch noch andere Bereiche der Volkswirtschaft, nämlich die vielen Branchen der realen Wirtschaft, denen die Finanzkrise geschadet hat. Und die Lobbyisten aus der Energie-, Bau-, Auto-....branche sehen die Notwendigkeit einer stärkeren Kontrolle der Bankgeschäfte vielleicht anders als Herr Ackermann.

    • setter
    • 22.11.2009 um 17:31 Uhr

    Volksberuhigung ist sicher ein Motiv und Ziel.
    Dass der Finanzminister Schäuble alle von der Sache her gebotenen Maßnahmen zur Vermeidung einer neuen Finanzkrise (z.B. stärkere Bankenkontrolle und schärfere Vorschriften bei den Wettgeschäften = Derivatenhandel)aus Freundschaft zu Herrn Ackermann vermeiden will, glaube ich nicht. Dazu ist sein Antrieb, den Job als Finanzminister gut zu machen, zu stark. Und man darf nicht vergessen: Im Vorfeld der Finanzkrise haben zwar die Banken enorme Gewinne gemacht (und die großen der Branche, z.B. Deutsche Bank, haben die Krise auch schadlos überstanden), aber es gibt ja auch noch andere Bereiche der Volkswirtschaft, nämlich die vielen Branchen der realen Wirtschaft, denen die Finanzkrise geschadet hat. Und die Lobbyisten aus der Energie-, Bau-, Auto-....branche sehen die Notwendigkeit einer stärkeren Kontrolle der Bankgeschäfte vielleicht anders als Herr Ackermann.

  1. ...für ihre Unfähigkeit - oder sollte ich besser: ihren Unwillen sagen ??? - gesetzliche Regelungen zu finden, um eben dies zu verhindern. Genau das ist nämlich die Aufgabe der Politik. Die Aufgabe von Managern ist es Gewinne zu machen. Auch wenn Herr S. mit der Bezeichnung "Gier" den Nagel natürlich auf den Kopf trifft.
    ----
    PS: wer keine Ahnung hat wieviel Geld er hat und wie seine Bank es anlegt, und sich auch nicht dafür interessiert, sagt damit vor allem eins aus: "Ich habe mehr als genug..."

  2. Der Vorkommentator hat vollkommen recht, hier spricht die Moralschelte der Politik gleichsam wirkungslos wie falsch (im Sinne von gelogen). Man "setze auf Freiwilligkeit", gab Herr Schäuble neulich zu Protokoll, als es um konkrete Maßnahmen bezüglich der Banken ging. Seltsam, dass besagte Freiwilligkeit sich erst oberhalb der so sehr umworbenen "Mitte" bildet und genau die beschützt, die schon an der nächsten Krise basteln könnten.
    Wie genau soll denn das von der Kanzlerin proklamierte "Vertrauen der Bürger in den Staat" etabliert werden, wenn ein Bundeskabinett sich nach Gutdünken bildet, "Wachstumsbeschleunigungsgesetz(e)" mit fragwürdigem Inhalt verabschiedet werden und die Maßregelung gerade der potentiellen Verursacher der nächsten Krise sich im Schwerpunkt auf Freiwilligkeit beruft?
    Wahrscheinlich meint Herr Schäuble - aber auch seine umgebende Regierung - dass solcherlei leere Appelle auch außerhalb der Kampfpresse noch geschluckt werden. Aber im Gegenteil, hier werden sie als Zeichen wahrgenommen, als eines, welches den bisherigen Eindruck einfach nur bestätigt und nebenbei auch aufzeigt, wer da Zügel in der Hand und wer im Maul halt.
    Am Rande: Von Herrn Schäuble zu erfahren, dass sein Haus abbezahlt sei und er sich sonst nicht sehr um die privaten Finanzen kümmere, lässt Schelme freudig grinsen ...

  3. auch die Politik hat nichts begriffen, allen voran die Damen und Herren der Legislativen und Exekutiven!

    Nach wie vor ist kaum etwas von dem verbindlich geregelt, was vor Jahr und Tag, um ein Haar, die gesamte Welt in ein apokalyptisches Wirtschaftschaos gestürzt hätte; Trotz damaliger (vor dem Wahlkampf) großspuriger Ankündigungen und Versprechen, der seinerzeit (und in einigen wesentlichen Funktionen noch immer!)agierenden Volksvertreter!

    Wieder mal nix als heiße Luft auf Seiten unserer Potentaten und Business-as-usual bei den Bankstern...

  4. "Haltet den Dieb!" - dies ist, was die Politiker schreien. Doch der "Dieb" sind sie selber. Denn die Ursprünge der Krise liegen in der Politik. Die Investmentbanker spielten nur den Verstärker. Es war die Politik, die eine Niedrigzinspolitik betrieb. Um die durch den Irak-Krieg verursachten hohen Staatsdefizite finanzieren zu können, mussten die Zinsen niedrig gehalten werden. Und es war die Politik, die, um möglichst viele Stimmen zu gewinnen, auch solchen Leuten den Hauskauf ermöglichen wollte, die nicht über die entsprechenden Mittel verfügten. FreddieMac und und FannieMae wurden entsprechend staatlich gefördert. Für ihre Leichtfertigkeit im Umgang mit den auf Subprime Hypotheken basierenden Papieren werden die Banker zurecht kritisiert. Damit brachten sie das Wirtschaftssystem an den Rand des Totalkollapses. Doch die grösste Kritik sollten jene einstecken, diese Papiere erst ermöglichten - die Politiker.

    • setter
    • 22.11.2009 um 17:31 Uhr

    Volksberuhigung ist sicher ein Motiv und Ziel.
    Dass der Finanzminister Schäuble alle von der Sache her gebotenen Maßnahmen zur Vermeidung einer neuen Finanzkrise (z.B. stärkere Bankenkontrolle und schärfere Vorschriften bei den Wettgeschäften = Derivatenhandel)aus Freundschaft zu Herrn Ackermann vermeiden will, glaube ich nicht. Dazu ist sein Antrieb, den Job als Finanzminister gut zu machen, zu stark. Und man darf nicht vergessen: Im Vorfeld der Finanzkrise haben zwar die Banken enorme Gewinne gemacht (und die großen der Branche, z.B. Deutsche Bank, haben die Krise auch schadlos überstanden), aber es gibt ja auch noch andere Bereiche der Volkswirtschaft, nämlich die vielen Branchen der realen Wirtschaft, denen die Finanzkrise geschadet hat. Und die Lobbyisten aus der Energie-, Bau-, Auto-....branche sehen die Notwendigkeit einer stärkeren Kontrolle der Bankgeschäfte vielleicht anders als Herr Ackermann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ddkddk
    • 22.11.2009 um 19:02 Uhr

    Ich glaube auch, dass Schäuble seinen Job richtig gut machen will. Aber hier ist er in einem Umfeld, das ihm kaum Bewegungsfreiheit gibt. Die Banken sind nun einmal unsere heiligen Kühe. Außer Jammern fällt den Politikern hier nichts mehr ein.

    Ein zusätzliches Problem ist die absolute Unfähigkeit der Politiker auf diesem Sektor. Man hätte eigentlich glauben können, dass die staatlich beherrschten Banken am Besten unter Kontrolle gewesen sind. Das genaue Gegenteil hat sich herausgestellt wie z. B. KFW, HSH-Nordbank, Bayerische Landesbank gezeigt haben.

    Ich vermisse einen Solidarfond und/oder eine Solidarabgabe der Banken zur Finanzierung der Steuermittel, die zu ihrer Rettung investiert wurden.

    • ddkddk
    • 22.11.2009 um 19:02 Uhr

    Ich glaube auch, dass Schäuble seinen Job richtig gut machen will. Aber hier ist er in einem Umfeld, das ihm kaum Bewegungsfreiheit gibt. Die Banken sind nun einmal unsere heiligen Kühe. Außer Jammern fällt den Politikern hier nichts mehr ein.

    Ein zusätzliches Problem ist die absolute Unfähigkeit der Politiker auf diesem Sektor. Man hätte eigentlich glauben können, dass die staatlich beherrschten Banken am Besten unter Kontrolle gewesen sind. Das genaue Gegenteil hat sich herausgestellt wie z. B. KFW, HSH-Nordbank, Bayerische Landesbank gezeigt haben.

    Ich vermisse einen Solidarfond und/oder eine Solidarabgabe der Banken zur Finanzierung der Steuermittel, die zu ihrer Rettung investiert wurden.

    • ddkddk
    • 22.11.2009 um 19:02 Uhr

    Ich glaube auch, dass Schäuble seinen Job richtig gut machen will. Aber hier ist er in einem Umfeld, das ihm kaum Bewegungsfreiheit gibt. Die Banken sind nun einmal unsere heiligen Kühe. Außer Jammern fällt den Politikern hier nichts mehr ein.

    Ein zusätzliches Problem ist die absolute Unfähigkeit der Politiker auf diesem Sektor. Man hätte eigentlich glauben können, dass die staatlich beherrschten Banken am Besten unter Kontrolle gewesen sind. Das genaue Gegenteil hat sich herausgestellt wie z. B. KFW, HSH-Nordbank, Bayerische Landesbank gezeigt haben.

    Ich vermisse einen Solidarfond und/oder eine Solidarabgabe der Banken zur Finanzierung der Steuermittel, die zu ihrer Rettung investiert wurden.

    • isualK
    • 22.11.2009 um 19:26 Uhr

    "Gleichzeitig bekannte der Finanzminister, als Privatmann keinen genauen Überblick über die eigenen Kontostände zu haben."
    Da möchte ich mal hören, was die Zeitungen schreiben würden, wenn ein deutscher Außenminister sagen würde, privat mache ich nur Cluburlaube, da mich das Ausland nicht sonderlich interessiert.
    Das ist doch Koketterie in einem Ausmaß, das bestraft gehört.
    Glaubt denn jemand, dass einer Vorstandsvorsitzender eines Automobilkonzerns werden würde, wenn er vorher sagt: Über Autos weiß ich herzlich wenig, weil ich privat nur Rad fahre.
    Klaase Personal, das wir da haben. Erst 2 gescheiterte Länderministerpräsidenten als Finanzminister und jetzt einen, der sich mit dem Thema Geld gar nicht beschäftigen will. Da ist's schon klar, dass wir den Banken ausgeliefert sind.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bichon
    • 22.11.2009 um 20:13 Uhr

    Ausserdem vergass er 100000Dm im Nachtkästchen

    • bichon
    • 22.11.2009 um 20:13 Uhr

    Ausserdem vergass er 100000Dm im Nachtkästchen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service