Markt und Moral Helmut Schmidt gibt Regierungen eine Mitschuld an der Krise
Manager haben den Crash des Finanzsystems nicht alleine verursacht, sagte Altkanzler Helmut Schmidt auf dem Deutschen Wirtschaftsforum. Auch der Staat sei verantwortlich.
Helmut Schmidt hält nichts vom Schlagwort der Corporate Responsibility: Wer es benutze, wolle häufig nur zeigen, wie gebildet er sei, sagte er auf der ZEIT-Konferenz "Deutsches Wirtschaftsforum" in Hamburg, die sich dem Thema der unternehmerischen Verantwortung widmete.
Manager sollen mehr Verantwortung übernehmen, heißt es. Doch sie seien nicht die Alleinschuldigen an den Exzessen am Finanzmarkt, sagte Schmidt. Der Altbundeskanzler gibt auch den Regierungen eine Mitschuld.
Warum den Spitzenmanagern in Deutschland nicht, wie beispielsweise in den USA, eine Leitbildfunktion zugeschrieben werde, möchte Josef Joffe vom Altbundeskanzler wissen. Grundsätzlich traut Schmidt den Eigentümer-Managern ein größeres Fingerspitzengefühl zu als angestellten Managern.
In Deutschland greift der Staat viel stärker in Marktprozesse ein als beispielsweise in den USA: Ein sozialstaatlich gemäßigter Kapitalismus.
Doch mancherorts sorgt gerade das staatliche Engagement für Probleme. Gerade die Landesbanken gerieten in Deutschland während der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Helmut Schmidt sieht die vielschichtigen Eigentümerverhältnisse und die dahinter stehenden Interessen als Hauptursache.
- Datum 27.11.2009 - 17:55 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Spätestens dann, wenn ein Unternehmen anzeigt, nicht mehr zahlungsfähig zu sein, hat es sich vor einem Richter zu erklären. Auf eher kurz als lang gab es also noch nie ein Entrinnen. Fraglich könnte indes sein, weshalb sämtliche Amtsträger sich in der Zwischenzeit von gesetzeswegen blind und taub zu stellen haben, wenn sie es in Wirklichkeit nicht sind und auf diese Weise manches Pekuniäre vermeintlich legal entfleuchen kann.
Entfernt. Bitte setzen Sie sich argumentativ mit den Inhalten des Artikels auseinander statt Verdächtigungen und Spekulationen anzustellen. Danke. Die Redaktion/mo.
In einem Punkt habe ich mich zu korrigieren: es muß natürlich ETYMOLOGIE heissen. Die Et-h-ymologie steht nur dem großen Dichter Hoffmann von Fallersleben zu. Und bei ihm ist sie sogar himmlisch:
http://gedichte.xbib.de/F... himmlische Ethymologie.htm
In einem Punkt habe ich mich zu korrigieren: es muß natürlich ETYMOLOGIE heissen. Die Et-h-ymologie steht nur dem großen Dichter Hoffmann von Fallersleben zu. Und bei ihm ist sie sogar himmlisch:
http://gedichte.xbib.de/F... himmlische Ethymologie.htm
Ich hoffe ich begehe kein Sakrileg, wenn ich hier in der ZEIT den Altkanzler öffentlich korrigiere - aber:
a.) Der Begriff "Kapitalismus" stammt keineswegs von Karl Marx. Dieser Terminus wurde in seiner heutigen Wortbedeutung in dem revolutionär bewegten Frankreich des 19. Jahrhunderts (u.a. Radonvilliers, Leroux, Proudhon, Blancs) geprägt. Marx hingegen verwendete die Begrifflichleit "Kapitalismus" kaum, sondern sprach - wie auch der klassische Ökonom David Ricardo - zumeist von Kapitalisten.
b.) Die Trennung der Bereiche Finanzmärkte, "Realwirtschaft", Staat und Wirtschaftspolitik ist unsinnig.
So gilt es festzuhalten, dass neben der Niedrigzinspolitik der FED (US-Notenbank) vorallem die enormen weltweiten Handelsungleichgewichte zur Aufblähung der Finanzblase beigetragen haben - diesbezüglich sind insbesondere die Devisenreserven Chinas und die Netto-Kapitalexporte Deutschlands ("Stupid German Money") zu nennen. Das Leitungsbilanzdefizit der USA und die chronischen Leistungsbilanzüberschüsse Chinas / Deutschlands sind von der Wirtschaftspolitik der jeweilgen Länder mutwillig verursacht worden.
Übrigens, dass die Folgen der Krise hierzulande bisher eher milde ausgefallen sind, obwohl Deutschland wirtschaftlich vergleichsweise hart getroffen wurde, haben wir unseren "automatischen Konjunkturstabilisatoren" (aka Sozialsystem) zu verdanken.
Für weiterführende Informationen zu Punkt b empfehle ich die Lektüre des Blogs des Nobelpreisträgers P. Krugman in der NY-Times.
»Für weiterführende Informationen zu Punkt b empfehle ich die Lektüre des Blogs des Nobelpreisträgers P. Krugman in der NY-Times.«
Meinen Sie etwa den Paul Krugman, der ebenda, in der New York Times, anno 2002 der FED empfahl, die dotcom-Blase durch eine Immobilienblase zu ersetzen? (Zit.: »To fight this recession the Fed needs more than a snapback; it needs soaring household spending to offset moribund business investment. And to do that, as Paul McCulley of Pimco put it, Alan Greenspan needs to create a housing bubble to replace the Nasdaq bubble.«)
Sie haben recht, vielleicht sollte man sich den Herrn noch einmal in extenso zu Gemüte führen. Das würde wenigstens Erhellendes darüber zutage fördern, was man von solchen 'Beratern' zu halten hat.
»Für weiterführende Informationen zu Punkt b empfehle ich die Lektüre des Blogs des Nobelpreisträgers P. Krugman in der NY-Times.«
Meinen Sie etwa den Paul Krugman, der ebenda, in der New York Times, anno 2002 der FED empfahl, die dotcom-Blase durch eine Immobilienblase zu ersetzen? (Zit.: »To fight this recession the Fed needs more than a snapback; it needs soaring household spending to offset moribund business investment. And to do that, as Paul McCulley of Pimco put it, Alan Greenspan needs to create a housing bubble to replace the Nasdaq bubble.«)
Sie haben recht, vielleicht sollte man sich den Herrn noch einmal in extenso zu Gemüte führen. Das würde wenigstens Erhellendes darüber zutage fördern, was man von solchen 'Beratern' zu halten hat.
gewählten Regierungen, in der Art wie wir sie bisher kennen, und da sind/waren sie im Grunde alle sehr, sehr ähnlich gelagert: Ein Haufen von, in der Partei hoch gedienten, willfährigen Bütteln des Geld- und Wirtschaftsadels, gesteuert von einem Heer von abgefeimten, diabolischen Lobbyisten, die sich ein über die andere Legislaturperiode das Zepter übergeben (müssen), weil der Souverän, das Volk, seine Peiniger bzw. die zuletzt amtierenden Dilettanten vermeintlich "abgewählt" hat.
Solange es Volksvertreter gibt, die stets nur dazu bereit sind nach oben buckeln und nach unten den Bürger mit Füßen treten, solange wird sich an dem grundsätzlichen Dilemma (das grundlegend auch zur derzeitigen Wirtschaftskrise geführt hat!) nichts wesentliches ändern. Solange unserer vom Kapital dirigierten Regierungen diensteifrig als Steigbügelhalter für die stete Umverteilung der Ressourcen von unten nach oben fungieren, solange wird zunehmend Verdruss, Ungerechtigkeit, Armut, Siechtum und Zerstörung von Mensch und Natur das Weltgeschehen prägen und die Welt dem sicheren Untergang preisgeben!
So sehr ich Herrn Schmidt schätze, doch hier kommt mir unwillkürlich die Metapher mit den Steinen in den Sinn, die man nicht werfen sollte, wenn.....
»Für weiterführende Informationen zu Punkt b empfehle ich die Lektüre des Blogs des Nobelpreisträgers P. Krugman in der NY-Times.«
Meinen Sie etwa den Paul Krugman, der ebenda, in der New York Times, anno 2002 der FED empfahl, die dotcom-Blase durch eine Immobilienblase zu ersetzen? (Zit.: »To fight this recession the Fed needs more than a snapback; it needs soaring household spending to offset moribund business investment. And to do that, as Paul McCulley of Pimco put it, Alan Greenspan needs to create a housing bubble to replace the Nasdaq bubble.«)
Sie haben recht, vielleicht sollte man sich den Herrn noch einmal in extenso zu Gemüte führen. Das würde wenigstens Erhellendes darüber zutage fördern, was man von solchen 'Beratern' zu halten hat.
Ja, genau diesen Paul Krugman und seinen NY-Times Blog habe ich gemeint. Übrigens, in dem von ihnen zitierten Artikel diskutiert er lediglich Vorschläge, die zur Überwindung der Rezession nach dem Platzen der "Dotcom-Blase" 2001 ohnehin im Raum standen.
Seine Skepsis gegenüber der von Greenspan gefahren Politik der Tax-Cuts & Housing Bubble wird in folgenden Artikel von 2005 deutlich.
http://www.nytimes.com/20...
"Regular readers know that I have never forgiven the Federal Reserve chairman for his role in creating today's budget deficit......At the conference, Mr. Greenspan didn't say in plain English that house prices are way out of line. But he never says things in plain English...."
Und hier der entscheidende Mechanismus der hinter der aktuellen Weltwirtschaftskrise steht.
"The U.S. economy is currently suffering from twin imbalances. On one side, domestic spending is swollen by the housing bubble, which has led both to a huge surge in construction and to high consumer spending, as people extract equity from their homes. On the other side, we have a huge trade deficit, which we cover by selling bonds to foreigners. As I like to say, these days Americans make a living by selling each other houses, paid for with money borrowed from China."
Ja, genau diesen Paul Krugman und seinen NY-Times Blog habe ich gemeint. Übrigens, in dem von ihnen zitierten Artikel diskutiert er lediglich Vorschläge, die zur Überwindung der Rezession nach dem Platzen der "Dotcom-Blase" 2001 ohnehin im Raum standen.
Seine Skepsis gegenüber der von Greenspan gefahren Politik der Tax-Cuts & Housing Bubble wird in folgenden Artikel von 2005 deutlich.
http://www.nytimes.com/20...
"Regular readers know that I have never forgiven the Federal Reserve chairman for his role in creating today's budget deficit......At the conference, Mr. Greenspan didn't say in plain English that house prices are way out of line. But he never says things in plain English...."
Und hier der entscheidende Mechanismus der hinter der aktuellen Weltwirtschaftskrise steht.
"The U.S. economy is currently suffering from twin imbalances. On one side, domestic spending is swollen by the housing bubble, which has led both to a huge surge in construction and to high consumer spending, as people extract equity from their homes. On the other side, we have a huge trade deficit, which we cover by selling bonds to foreigners. As I like to say, these days Americans make a living by selling each other houses, paid for with money borrowed from China."
soll der Karl Marx verraten haben und inwiefern, bitte schön?
Sicher kennen auch Sie das Marxsche Diktum aus dem Manifest auf den Vorwurf, die Kommunisten wollten Vaterland und Nationalitäten abschaffen: "Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben. Indem das Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben [...] muß, ist es selbst noch national, wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie. Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse." Sicher können Sie mir beipflichten, daß noch nirgendwo das Proletariat sich die Herrschaft erobert hat, - die Büttelung der Werktätigen durch verselbständigte Machtorgane mit Totalanspruch auf Akzeptation ihrer Handlungen und selbst ihrer Ideologie im Realsozialismus war allzu offensichtlich. Was bei der Theorie des Karl Marx nicht stimmt, ist das prognostizierende Moment, mit der Entwicklung eines globalen Kapitalismus würden Gegensätze zwischen den Völkern bereits im Verschwinden begriffen sein. Da hatte Marx die Wirkungskräfte der Integrationsleistungen des Nationalstaates und dessen inter-national angelegten Bündnissen auf die lohnabhängig Beschäftigten, i. B. auch unter dem Einfluss der Sozialdemokratie aller Länder, wie das Beispiel Helmut Schmidt ja treffend erhellt, ganz gewaltig unterschätzt.
Sicher kennen auch Sie das Marxsche Diktum aus dem Manifest auf den Vorwurf, die Kommunisten wollten Vaterland und Nationalitäten abschaffen: "Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben. Indem das Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben [...] muß, ist es selbst noch national, wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie. Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse." Sicher können Sie mir beipflichten, daß noch nirgendwo das Proletariat sich die Herrschaft erobert hat, - die Büttelung der Werktätigen durch verselbständigte Machtorgane mit Totalanspruch auf Akzeptation ihrer Handlungen und selbst ihrer Ideologie im Realsozialismus war allzu offensichtlich. Was bei der Theorie des Karl Marx nicht stimmt, ist das prognostizierende Moment, mit der Entwicklung eines globalen Kapitalismus würden Gegensätze zwischen den Völkern bereits im Verschwinden begriffen sein. Da hatte Marx die Wirkungskräfte der Integrationsleistungen des Nationalstaates und dessen inter-national angelegten Bündnissen auf die lohnabhängig Beschäftigten, i. B. auch unter dem Einfluss der Sozialdemokratie aller Länder, wie das Beispiel Helmut Schmidt ja treffend erhellt, ganz gewaltig unterschätzt.
Ja, genau diesen Paul Krugman und seinen NY-Times Blog habe ich gemeint. Übrigens, in dem von ihnen zitierten Artikel diskutiert er lediglich Vorschläge, die zur Überwindung der Rezession nach dem Platzen der "Dotcom-Blase" 2001 ohnehin im Raum standen.
Seine Skepsis gegenüber der von Greenspan gefahren Politik der Tax-Cuts & Housing Bubble wird in folgenden Artikel von 2005 deutlich.
http://www.nytimes.com/20...
"Regular readers know that I have never forgiven the Federal Reserve chairman for his role in creating today's budget deficit......At the conference, Mr. Greenspan didn't say in plain English that house prices are way out of line. But he never says things in plain English...."
Und hier der entscheidende Mechanismus der hinter der aktuellen Weltwirtschaftskrise steht.
"The U.S. economy is currently suffering from twin imbalances. On one side, domestic spending is swollen by the housing bubble, which has led both to a huge surge in construction and to high consumer spending, as people extract equity from their homes. On the other side, we have a huge trade deficit, which we cover by selling bonds to foreigners. As I like to say, these days Americans make a living by selling each other houses, paid for with money borrowed from China."
@lapidar:
Auch wenn die von Ihnen einleitend gestellte Frage höchstwahrscheinlich mit 'Nein' zu beantworten ist, kann ich Ihre Schlussfolgerung daraus nicht teilen.
Englisch ist nun mal Verkehrssprache in der globalen Wirtschaft und darüber hinaus. Ich empfand es daher durchaus als angenehm, bei einer grossen deutschen Zeitung mal einen Leserbrief in englischer Sprache zu lesen.
Interessanterweise erlebe ich andere Gesellschaften in Europa, wie z.B. die niederländische, die dänische oder auch die schweizerische, als weit weniger verkrampft im Umgang mit der englischen Sprache.
Ihre Einschätzung bezüglich Verkehrssprache teile ich. Was den Leserbrief von "Britt Coulthurst" angeht, bleibe ich bei meinem Standpunkt und ergänze, dass es auch im Interesse des Schreibers liegen müsste, dass er mit seiner Meinungsäußerung möglichst viele Leser erreicht und nicht einen Teil.
Wenn ich mir die zum Teil haarsträubenden Anglizismen des deutschen Alltags ansehe, habe ich nicht den Eindruck, dass wir in Deutschland verkrampft mit der englischen Sprache umgehen. Eher ist das Gegenteil der Fall, wenn man sich die vielen - zum Teil auch falsch angewandten - englischsprachigen Begriffe vergegenwärtigt, denen wir täglich ausgesetzt sind.
Ihre Einschätzung bezüglich Verkehrssprache teile ich. Was den Leserbrief von "Britt Coulthurst" angeht, bleibe ich bei meinem Standpunkt und ergänze, dass es auch im Interesse des Schreibers liegen müsste, dass er mit seiner Meinungsäußerung möglichst viele Leser erreicht und nicht einen Teil.
Wenn ich mir die zum Teil haarsträubenden Anglizismen des deutschen Alltags ansehe, habe ich nicht den Eindruck, dass wir in Deutschland verkrampft mit der englischen Sprache umgehen. Eher ist das Gegenteil der Fall, wenn man sich die vielen - zum Teil auch falsch angewandten - englischsprachigen Begriffe vergegenwärtigt, denen wir täglich ausgesetzt sind.
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