20 Jahre Mauerfall Die Umweltbilanz

Keine Frage: Die Natur in Ostdeutschland hat sich vom Raubbau der DDR erholt. Jetzt setzt der Osten auf erneuerbare Energien. Doch noch profitiert er kaum davon.

Die neuen Bundesländer setzen auf Ökostrom. Einer der größten Solarparks Deutschlands ging im Sommer 2009 auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lieberose in Betrieb.

Die neuen Bundesländer setzen auf Ökostrom. Einer der größten Solarparks Deutschlands ging im Sommer 2009 auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lieberose in Betrieb.

Vor 20 Jahren machte Rheinsberg, ein kleines Städtchen in Brandenburg, die radikale Energiewende. "Die Aufbruchsstimmung war toll, wir wollten alles besser und ökologischer machen", erinnert sich Manfred Richter, damals Bürgermeister und inzwischen SPD-Landtagsabgeordneter. Die Rheinsberger motteten Tausende von kleinen Kohleöfen aus, mit denen sie zu DDR-Zeiten geheizt hatten. Sie gründeten ein Stadtwerk - das wohl kleinste Deutschlands, schließlich hat der Ort gerade einmal ein paar Tausend Einwohner – und nahmen ein umweltfreundliches Holzschnitzelkraftwerk zu Wärmeerzeugung in Betrieb. Dafür bauten sie sogar ein eigenes Fernwärmenetz auf, an dem rund 80 Prozent der Privathaushalte angeschlossen sind und das als besonders energieeffizient gilt.

Es waren symbolische Jahre, 30 Millionen D-Mark investierte die Kommune in die Energiezukunft. Zeitgleich ging das örtliche Atomkraftwerk vom Netz. Die Kohlendioxid-Bilanz der Stadt ist beeindruckend: 1989 emittierte das Städtchen noch 60.000 Tonnen Kohlendioxid. Heute sind es gerade 3000 Tonnen.

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Doch inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. "Ich habe noch keine Begeisterungsstürme bei einer CO2-Bilanz erlebt", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Siehl. Die Anwohner schauen auf ihren Geldbeutel, genau wird verfolgt, ob sich der Anschluss ans Fernwärmenetz lohnt. "Die Akzeptanz hängt vom Preis ab, sind wir teurer als eine Öl- oder Gasheizung, haben wir keine Chance", sagt Siehl. Auch Richters Euphorie hat in 20 Jahren Bundesrepublik nachgelassen. "Heute dominiert das betriebswirtschaftliche Denken", sagt er. Es klingt desillusioniert.

Was in Rheinsberg passierte, ist vielleicht typisch für viele Kommunen Ostdeutschlands. Nach dem Mauerfall 1989 herrschte Aufbruchsstimmung, es sollte Schluss sein mit sinnlos verpuffter Energie, dreckiger Luft und toten Flüssen. 20 Jahre nach der Wende ist bei vielen Verantwortlichen Nüchternheit eingekehrt. Die ökologischen Krisengebiete sind zwar beseitigt. Aber nun stellt sich die Frage: Rechnen sich die Investitionen in Zukunftsenergien wie Solar und Wind?

Dabei ist die Umweltbilanz Ostdeutschlands zunächst einmal eine Erfolgsgeschichte. Wer heute durch die neuen Bundesländer fährt, sieht kaum noch ökologische "Hotspots". In der Region Bitterfeld, dem Chemiepark der DDR mit gleich drei Kombinaten, ist ein Solarvalley entstanden. "Eine der sichtbarsten Veränderung im Vergleich zu 1989 ist die bessere Luftqualität", sagt Rüdiger Rosenthal vom Bund für Umwelt und Naturschutz. "Durch die Modernisierung der Kohlekraftwerke konnten die Schadstoffemissionen stark gesenkt werden." Auch die umfassende Sanierung von Häusern und Betrieben hat die Energieeffizienz gesteigert und das Klima entlastet.

Leser-Kommentare
  1. "Zu DDR-Zeiten wurden 80 Prozent des Güterverkehrs auf der Schiene abgewickelt und 20 Prozent auf der Straße", sagt er, "heute hat sich das Verhältnis umgekehrt."

    Das zum Thema "Raubbau der DDR". Jaja. Haben Sie mal den Raubbau der DDR mit dem Raubbau der BRD verglichen? Warum Raubbau der DDR? Bitte erklären.

    Oder soll das einfach nur Stimmungsmache sein, gegen die DDR, zum kommenden Jahrestag?

    Das ist so billig, es ist kaum zu glauben.

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    • Ascag
    • 05.11.2009 um 8:34 Uhr

    Ich möchte gerne an dieser Stelle eine Aktivistin einer der ersten freien Umweltgruppen der DDR zitieren:

    "Die Umweltbelastung in der DDR war zu riechen, zu schmecken, zu sehen, zu hören. Wer bewußt den Kopf aus dem Fenster gehängt hat, war bereits motiviert, sich für Natur und Umwelt einzusetzen. Aber der hatte eben auch den Kopf aus dem Fenster gehängt."

    So leid es mir tut, die Umweltbilanz des sogenannten Realsozialismus war verheerend. Man kann nur froh sein, daß der Ostblock niemals die Wirtschaftskraft des Westens erreicht hat, sonst würde unser Planet schon längst vollständig in Schutt und Asche liegen. Nicht umsonst liegen die Mehrzahl der am schlimmsten verschmutzten Orte der Welt (laut Liste des Blacksmith Institut) auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Tschernobyl ist nur einer der harmloseren Fälle davon.

    Straßenverkehr: Westen Katalysator und bleifreies Benzin; Osten giftblaue Abgaswolken.

    Schwefeldioxid: DDR 5 Millionen Tonnen Emission im Jahr 1989, BRD 800.000 Tonnen.

    Bitterfeld: Zweifelhafter Titel "Schmutzigste Stadt Europas".

    Die Werra hatte einen dreimal so hohen Salzgehalt wie die Nordsee.

    Und unzählige Beispiele mehr für die der Platz hier leider nicht ausreicht.

    Interessanterweise war es mit die Umweltprotestbewegung, mit der die Revolution in der DDR eingeleitet wurde. Die Umwelt war mit eines der Dinge in diesem Staat, was wortwörtlich am schlimmsten zum Himmel stank.

    • Ascag
    • 05.11.2009 um 8:34 Uhr

    Ich möchte gerne an dieser Stelle eine Aktivistin einer der ersten freien Umweltgruppen der DDR zitieren:

    "Die Umweltbelastung in der DDR war zu riechen, zu schmecken, zu sehen, zu hören. Wer bewußt den Kopf aus dem Fenster gehängt hat, war bereits motiviert, sich für Natur und Umwelt einzusetzen. Aber der hatte eben auch den Kopf aus dem Fenster gehängt."

    So leid es mir tut, die Umweltbilanz des sogenannten Realsozialismus war verheerend. Man kann nur froh sein, daß der Ostblock niemals die Wirtschaftskraft des Westens erreicht hat, sonst würde unser Planet schon längst vollständig in Schutt und Asche liegen. Nicht umsonst liegen die Mehrzahl der am schlimmsten verschmutzten Orte der Welt (laut Liste des Blacksmith Institut) auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Tschernobyl ist nur einer der harmloseren Fälle davon.

    Straßenverkehr: Westen Katalysator und bleifreies Benzin; Osten giftblaue Abgaswolken.

    Schwefeldioxid: DDR 5 Millionen Tonnen Emission im Jahr 1989, BRD 800.000 Tonnen.

    Bitterfeld: Zweifelhafter Titel "Schmutzigste Stadt Europas".

    Die Werra hatte einen dreimal so hohen Salzgehalt wie die Nordsee.

    Und unzählige Beispiele mehr für die der Platz hier leider nicht ausreicht.

    Interessanterweise war es mit die Umweltprotestbewegung, mit der die Revolution in der DDR eingeleitet wurde. Die Umwelt war mit eines der Dinge in diesem Staat, was wortwörtlich am schlimmsten zum Himmel stank.

    • mühli
    • 04.11.2009 um 19:02 Uhr

    dass die DDR oft als Negativbeispiel angeführt wird für alles Mögliche, sei es Politik, Wirtschaft oder Umweltschutz. War ja auch zum Großteil so. Aber das mit der Ertragstransferierung gen Westen ist ja auch nichts anderes als wirschaftlicher Raubbau! Nun wurde es ja zum Glück durch die Politik geändert. Wenigstens ein nötiger, kleiner Schritt ist getan!

    Ist keine Stimmungsmache, nur billige Polemik!(@Heinzschmidt)

    • Ascag
    • 05.11.2009 um 8:34 Uhr

    Ich möchte gerne an dieser Stelle eine Aktivistin einer der ersten freien Umweltgruppen der DDR zitieren:

    "Die Umweltbelastung in der DDR war zu riechen, zu schmecken, zu sehen, zu hören. Wer bewußt den Kopf aus dem Fenster gehängt hat, war bereits motiviert, sich für Natur und Umwelt einzusetzen. Aber der hatte eben auch den Kopf aus dem Fenster gehängt."

    So leid es mir tut, die Umweltbilanz des sogenannten Realsozialismus war verheerend. Man kann nur froh sein, daß der Ostblock niemals die Wirtschaftskraft des Westens erreicht hat, sonst würde unser Planet schon längst vollständig in Schutt und Asche liegen. Nicht umsonst liegen die Mehrzahl der am schlimmsten verschmutzten Orte der Welt (laut Liste des Blacksmith Institut) auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Tschernobyl ist nur einer der harmloseren Fälle davon.

    Straßenverkehr: Westen Katalysator und bleifreies Benzin; Osten giftblaue Abgaswolken.

    Schwefeldioxid: DDR 5 Millionen Tonnen Emission im Jahr 1989, BRD 800.000 Tonnen.

    Bitterfeld: Zweifelhafter Titel "Schmutzigste Stadt Europas".

    Die Werra hatte einen dreimal so hohen Salzgehalt wie die Nordsee.

    Und unzählige Beispiele mehr für die der Platz hier leider nicht ausreicht.

    Interessanterweise war es mit die Umweltprotestbewegung, mit der die Revolution in der DDR eingeleitet wurde. Die Umwelt war mit eines der Dinge in diesem Staat, was wortwörtlich am schlimmsten zum Himmel stank.

    Antwort auf "Lachhaft"
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    die DDR hat versucht sich einigermaßen autark zu versorgen.

    Der Westen hat damals schon einen großen Teil der schmutzigen Arbeit anderen Ländern überlassen. Für den Planeten insgesamt war das schädlich genug, aber daheim hatte man eine saubere Umwelt. Und immer noch: schauen Sie sich doch mal an, wie die Dinge in China produziert werden, die wir hier benutzen. Und der Regenwald ist bald alle. Das passiert zwar in Brasilien und Indonesien und unsere Luft hier ist gut, aber wir werden das dennoch zu spüren bekommen. Das ist die Politik des Westens. Also bitte nicht so scheinheilig tun!

    Apropos Raubbau, ich denke den Tagebau Hambach kann man schon fast vom Mond aus sehen. Und der wird nun noch vergrößert...

    die DDR hat versucht sich einigermaßen autark zu versorgen.

    Der Westen hat damals schon einen großen Teil der schmutzigen Arbeit anderen Ländern überlassen. Für den Planeten insgesamt war das schädlich genug, aber daheim hatte man eine saubere Umwelt. Und immer noch: schauen Sie sich doch mal an, wie die Dinge in China produziert werden, die wir hier benutzen. Und der Regenwald ist bald alle. Das passiert zwar in Brasilien und Indonesien und unsere Luft hier ist gut, aber wir werden das dennoch zu spüren bekommen. Das ist die Politik des Westens. Also bitte nicht so scheinheilig tun!

    Apropos Raubbau, ich denke den Tagebau Hambach kann man schon fast vom Mond aus sehen. Und der wird nun noch vergrößert...

  2. die DDR hat versucht sich einigermaßen autark zu versorgen.

    Der Westen hat damals schon einen großen Teil der schmutzigen Arbeit anderen Ländern überlassen. Für den Planeten insgesamt war das schädlich genug, aber daheim hatte man eine saubere Umwelt. Und immer noch: schauen Sie sich doch mal an, wie die Dinge in China produziert werden, die wir hier benutzen. Und der Regenwald ist bald alle. Das passiert zwar in Brasilien und Indonesien und unsere Luft hier ist gut, aber wir werden das dennoch zu spüren bekommen. Das ist die Politik des Westens. Also bitte nicht so scheinheilig tun!

    Apropos Raubbau, ich denke den Tagebau Hambach kann man schon fast vom Mond aus sehen. Und der wird nun noch vergrößert...

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