Vor 20 Jahren machte Rheinsberg, ein kleines Städtchen in Brandenburg, die radikale Energiewende. "Die Aufbruchsstimmung war toll, wir wollten alles besser und ökologischer machen", erinnert sich Manfred Richter, damals Bürgermeister und inzwischen SPD-Landtagsabgeordneter. Die Rheinsberger motteten Tausende von kleinen Kohleöfen aus, mit denen sie zu DDR-Zeiten geheizt hatten. Sie gründeten ein Stadtwerk - das wohl kleinste Deutschlands, schließlich hat der Ort gerade einmal ein paar Tausend Einwohner – und nahmen ein umweltfreundliches Holzschnitzelkraftwerk zu Wärmeerzeugung in Betrieb. Dafür bauten sie sogar ein eigenes Fernwärmenetz auf, an dem rund 80 Prozent der Privathaushalte angeschlossen sind und das als besonders energieeffizient gilt.

Es waren symbolische Jahre, 30 Millionen D-Mark investierte die Kommune in die Energiezukunft. Zeitgleich ging das örtliche Atomkraftwerk vom Netz. Die Kohlendioxid-Bilanz der Stadt ist beeindruckend: 1989 emittierte das Städtchen noch 60.000 Tonnen Kohlendioxid. Heute sind es gerade 3000 Tonnen.

Doch inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. "Ich habe noch keine Begeisterungsstürme bei einer CO2-Bilanz erlebt", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Siehl. Die Anwohner schauen auf ihren Geldbeutel, genau wird verfolgt, ob sich der Anschluss ans Fernwärmenetz lohnt. "Die Akzeptanz hängt vom Preis ab, sind wir teurer als eine Öl- oder Gasheizung, haben wir keine Chance", sagt Siehl. Auch Richters Euphorie hat in 20 Jahren Bundesrepublik nachgelassen. "Heute dominiert das betriebswirtschaftliche Denken", sagt er. Es klingt desillusioniert.

Was in Rheinsberg passierte, ist vielleicht typisch für viele Kommunen Ostdeutschlands. Nach dem Mauerfall 1989 herrschte Aufbruchsstimmung, es sollte Schluss sein mit sinnlos verpuffter Energie, dreckiger Luft und toten Flüssen. 20 Jahre nach der Wende ist bei vielen Verantwortlichen Nüchternheit eingekehrt. Die ökologischen Krisengebiete sind zwar beseitigt. Aber nun stellt sich die Frage: Rechnen sich die Investitionen in Zukunftsenergien wie Solar und Wind?

Dabei ist die Umweltbilanz Ostdeutschlands zunächst einmal eine Erfolgsgeschichte. Wer heute durch die neuen Bundesländer fährt, sieht kaum noch ökologische "Hotspots". In der Region Bitterfeld, dem Chemiepark der DDR mit gleich drei Kombinaten, ist ein Solarvalley entstanden. "Eine der sichtbarsten Veränderung im Vergleich zu 1989 ist die bessere Luftqualität", sagt Rüdiger Rosenthal vom Bund für Umwelt und Naturschutz. "Durch die Modernisierung der Kohlekraftwerke konnten die Schadstoffemissionen stark gesenkt werden." Auch die umfassende Sanierung von Häusern und Betrieben hat die Energieeffizienz gesteigert und das Klima entlastet.