Prüfbericht Bundesrechnungshof kritisiert geplante Steuersenkungen

Für die von der Koalition geplanten Steuerentlastungen sehen die Prüfer des Bundesrechnungshofs keinen Spielraum. Sie fordern konkrete Pläne zum Schuldenabbau.

Dieter Engels, Präsident des Bundesrechnungshofes, sieht "keinen Spielraum" für Steuersenkungen

Dieter Engels, Präsident des Bundesrechnungshofes, sieht "keinen Spielraum" für Steuersenkungen

Der Bundesrechnungshof hat die geplanten Steuerentlastungen der schwarz-gelben Regierung kritisiert. Für die von FDP und Union im Wahlkampf versprochenen Steuersenkungen gebe es "keinen finanzpolitischen Spielraum".

Rechnungshofpräsident Dieter Engels forderte während der Vorstellung des aktuellen Prüfberichts die Koalition stattdessen zu einem strikten Sparkurs auf. Der Bundeshaushalt habe sich infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise zu einem "echten Sorgenkind" entwickelt. Union und FDP sollten in ihrer mittelfristigen Planung konkrete Aussagen treffen, wie das Rekorddefizit reduziert wird: "Eine entsprechende Strategie ist bisher leider noch nicht erkennbar."

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Damit schließt sich der Bundesrechnungshof der Kritik der Wirtschaftsweisen an den Steuerplänen an. Der Schuldenberg des Bundes summiere sich mittlerweile auf eine Billion Euro. Dafür würden jährlich über 40 Milliarden Euro Zinsen fällig. In den Schuldendienst fließt damit fast jeder fünfte Euro, den der Bund aus Steuern einnimmt. Damit sind die Zinsen der zweitgrößte Etatposten.

Allein die verschiedenen Steuerpakete der letzten zwölf Monate würden bis Ende 2013 zu Einnahmeausfällen der öffentlichen Haushalte im Volumen von 125 Milliarden Euro führen. Union und FDP wollen darüber hinaus Bürger und Unternehmen 2011 um weitere 20 Milliarden Euro im Jahr entlasten.

Zur Haushaltskonsolidierung müssten die Steuern laut Engels zwar nicht erhöht werden. Es müssten die geltenden Steuergesetze aber besser angewandt werden, um die Staatsfinanzen zu sichern.

Aus Sicht der Rechnungsprüfer sind Einsparungen und Mehreinnahmen von rund 21 Milliarden Euro innerhalb von fünf Jahren zügig machbar. So sollten Steuervergünstigungen gestrichen werden. Konkret schlägt der Rechnungshof etwa vor, die Wohnungsbauprämie zu streichen. Dies würde 500 Millionen Euro bringen.

Würden einige Bundesstraßen zu Autobahnen hoch gestuft und dort die Lkw-Maut erhoben, kämen mindestens 100 Millionen Euro im Jahr dazu. Zudem sollten Steuervergünstigungen bei Nutzenergie-Geschäften gestrichen und Einnahmeausfälle von mehr als 500 Millionen Euro jährlich verhindert werden.

In der Fast-Food-Gastronomie ließen sich durch Wegfall des Mehrwertsteuerprivilegs für "Außer-Haus-Umsätze" Mehreinnahmen von 520 Millionen Euro erzielen. Würde internationaler Umsatzsteuerbetrug energischer bekämpft, ließen sich geschätzte Ausfälle von jährlich 2,1 Milliarden Euro vermeiden.

"Sehr viel Holz" liegt laut Engels bei den Bund-Länder-Beziehungen, einschließlich Bildung. Allein eine effizientere Steuerverwaltung würde zu Mehreinnahmen von acht Milliarden Euro im Jahr führen. Das Geflecht gegenseitiger inhaltlicher Abhängigkeiten und politischer Vorfestlegungen sollte weiter aufgelöst werden. Mischfinanzierungen, die aufwändig seien und Subventionswettläufe verursachten, betragen noch mehr als sechs Milliarden Euro jährlich.

 
Leser-Kommentare
  1. dass der Bundesrechnungshof ein (zahnloser) Papiertiger ist, dessen Votum die jeweiligen Bundes-Regierung mal gerade soviel Bedeutung beimisst, wie dem berühmten Sack Reis, der da gerade in China umgefallen ist :((

    • joG
    • 08.12.2009 um 15:39 Uhr

    ...schlagen höhere Einnahmen des Staates vor und Steuerzahler wollen Ausgabenkürzungen in Höhe der Steuerkürzungen. So verteidigt jeder seine Eigeninteressen.

  2. Wir benötigen ein einfaches Steuersystem, in dem jeder ab einer gewissen Einkommensgröße zahlt, ohne Tricks und Ausnahmen. Dann würden viele weniger zahlen als heute, der Staat hätte trotzdem mehr Geld für Bildung und Infrastruktur und könnte seine Schulden bezahlen. Der Haken an der Sache: diejenigen, die dem Staat vorstehen und die Gesetze machen, sind auch diejenigen, die vom derzeitigen System profitieren. Dazu zählen auch Zinsen, die sie vom Staat bekommen für Pfandbriefe und Staatsanleihen etc.
    Auch bei der Staatsverschuldung gilt: die einen zahlen, die anderen bekommen, immer schön von unten nach oben.

    • ribera
    • 08.12.2009 um 16:16 Uhr

    Wie wäre es damit?
    Dass dieser Vorschlag nicht vom Bundesrechnungshof kommt, disqualifiziert ihn.

  3. Lieber ribera, toller Vorschlag mit der Ausgabensenkung, nur welche Ausgaben sollen gesenkt werden? Bitte mal konkrete Vorschläge und kein "wischi waschi", dass kann auch der Rechnungshof!!!!

  4. 6. Egal

    Nach etwa 16 Monaten Finanz- Wirtschafts- und anderer Tödeliö-Krise bin ich mittlerweile der Meinung, daß wir in einerm Irrenhaus sitzen und die Wärter heißen Banker und Politiker.
    Tut mir Leid, wenn ich es so drastisch formulieren muß.
    Aber so langsam drängt sich mir folgende Erkenntnis auf:
    Rette sich wer kann!
    ThB

    • politz
    • 09.12.2009 um 22:25 Uhr

    Gibt es eigentlich irgendjemanden außer schwarz-gelb, der das Wachstumsbeschleunigungsgesetz unterstützt? So viel einhellige Ablehnung seitens aller Wissenschaftler, Behörden und Medien hatten wir selbst zu den schlimmsten rot-grünen Zeiten nicht. Natürlich ist die Kritik gerechtertigt - auch wenn sie oft am falschen Punkt ansetzt.

    So wird zum Beispiel vehement eine Konjunkturwirkung der Erleichterungen für den Hotel- und Gaststättenbereich bestritten. Die Hotels planten, die Erleichterungen nicht an die Kunden weiterzugeben. Doch wenn man generell an die (zumindest teilweise) Wirkung der expansiven staatlichen Fiskalpolitik glaubt, kann man dieser Subvention ihren Konjunktureffekt nicht absprechen.

    Wenn die Preise in der Hotelbranche trotz sinkender Umsatzsteuer gleich bleiben, erhöht sich eben das Einkommen der Hoteliers - die können das Geld dann konsumieren. Oder die Investitionen in der Branche steigen an. Auch die Kindergelderhöhung und die indirekten Einkommensteuersenkungen wirken konsumstimulierend. Der Effekt der Erbschaftsteuerreduzierung dürfte jedoch gegen Null laufen.

    Weil die Konjunkturprogramme einen Teil der Überschssliquidität (die sonst nur die Vermögenspreise stimuliert) über die Ausgabe neuer Staatsanleihen aufsaugen könnten, ist der Nettoeffekt vielleicht positiv. Doch das grundsätzliche Problem der Wirtschaft, die Bankenkrise, löst das Wachstumsbeschleunigungsgesetz nicht. Eher verbaut es die zukünftigen Möglichkeiten für die Konjunkturpolitik.

  5. Der Bundesrechnungshof sollte schnellstens die Verschwendung
    der TV-Gebühren prüfen. Die Gehälter und Gagen der im öffent
    lic-rechtlichen Rundfunk muß offen gelegt werden,denn es sind Zwangseinnamen die wir Bürger entrichten müssen.Einige
    Gagen wurden Dank Bild schon bekannt.Das reicht längst nicht
    Es ist zu befürchten daß ein großer Teil unserer Gelder in
    den Taschen der Absahner wie Gottschalk und Co verschwindet

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