Die Boeing 787, der "Dreamliner", hat es endlich geschafft. Mit fast drei Jahren Verspätung startete sie in Seattle zum Jungfernflug. Wegen schlechten Wetters hätte der Flugstart fast noch verschoben werden müssen – doch letztlich waren die Voraussetzung günstig genug: Gute Sicht, maximal schwacher Wind und kein Wasser auf der Startbahn.

Drei Stunden nach seinem Start auf dem Flugfeld des Boeing-Werks in Everett nahe Seattle setzte das 57 Meter lange Flugzeug um 22.34 deutscher Zeit sanft wieder auf dem Boden auf. Begleitet von zwei Militärjets war der "Dreamliner" testweise über dem Pazifik gekreist.

Beim "Dreamliner" setzt Boeing so stark wie bei keinem anderen bisherigen Flugzeug auf Kohlefaser statt dem üblichen Aluminium. Das macht die Maschine deutlich leichter und sparsamer – die 787 soll ein Fünftel weniger Treibstoff verbrauchen.

Fachleute sehen den Jet mit seiner neuen leichten Bauweise auf Kohlefaserbasis und des deshalb sparsamen Treibstoffverbrauchs als einen Quantensprung im Flugzeugbau. Für Boeing ist es das erste neue Flugzeugmodell seit über zehn Jahren.

Auch Airbus legt nach

Doch die Konkurrenz hat längst reagiert: Die Airbus-Antwort auf den "Dreamliner", der A350, kommt allerdings ebenfalls später als zunächst geplant und soll nun 2013 in die Luft gehen.

Für Boeing ist der Erfolg des neuen Flugzeugs extrem wichtig. Verzögerungen in der Entwicklung kosteten den Konzern bereits Milliarden. Einige Fluggesellschaften verloren in der Zwischenzeit die Geduld und nutzten angesichts klammer Finanzlagen die Möglichkeit, Orders zu stornieren. Insgesamt liegen Boeing aber immer noch 840 Bestellungen für das Langstreckenflugzeug vor.

Der "Dreamliner" absolvierte am Wochenende die letzten Tests am Boden. Er raste dabei unter anderem mit einer Geschwindigkeit von 240 Kilometern pro Stunde über die Startbahn und hatte auch kurz den vorderen Teil in der Luft.

Nach einem erfolgreichen Erstflug steht ein ausführliches Testprogramm bevor, bei dem sich der "Dreamliner" in verschiedenen Weltteilen beweisen muss.

Für die letzten Tests und den Erstflug versammelten sich am Boeing-Werk zahlreiche Luftfahrt-Fans, die im Internet mit Bildern und Videos berichten.