Die Verbraucher in Deutschland haben in der schweren Rezession von der niedrigsten Inflation seit 22 Jahren profitiert. Die Lebenshaltungskosten stiegen 2009 nur noch um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. "Insbesondere Öl und Lebensmittel wurden deutlich billiger", sagte ein Statistiker. "Hier macht sich die Wirtschaftskrise bemerkbar." Noch niedriger war die Inflation zuletzt 1987 mit 0,3 Prozent. 2008 hatten steigende Energiepreise die Inflationsrate noch auf 2,6 Prozent hochschnellen lassen, den höchsten Wert seit 1994. Experten gehen allerdings für das nächste Jahr wieder von einem spürbaren Anziehen der Teuerung aus.

Für Preisstabilität sorgte in diesem Jahr vor allem billigeres Öl. Der Preis für ein Fass fiel wegen der sinkenden Nachfrage infolge der weltweiten Rezession bis auf rund 35 Dollar. Im Sommer 2008 wurden dafür noch bis zu knapp 150 Dollar verlangt. Dadurch gaben auch die Benzin-, Diesel- und Heizölpreise nach: In Nordrhein-Westfalen etwa waren Kraftstoffe mehr als zehn Prozent billiger, Heizöl war um fast ein Drittel günstiger zu haben.

Auch Lebensmittel verbilligten sich deutlich, weil die Preise für zahlreiche Agrarrohstoffe im Zuge der Wirtschaftskrise ebenfalls in den Keller rutschten. Insbesondere Milch und Eier wurden günstiger, Molkereiprodukte kosteten etwa in Nordrhein-Westfalen 9,3 Prozent weniger als vor Jahresfrist, Speisefette verbilligten sich in Sachsen um 5,7 Prozent. Allerdings dürften auf die Verbraucher im nächsten Jahr leicht steigende Preise zukommen: Nach Angaben des Bauernverbandes ist der Preisverfall bei Getreide gestoppt. Auch Schweinefleisch werde wieder teurer, während bei Rind- und Geflügelfleisch mit stabilen Preisen zu rechnen sei.

Zu Jahresende zogen die Preise aber spürbar an; die Inflation stieg im Dezember auf 0,8 Prozent und damit etwas stärker als erwartet. Dabei spielt vor allem eine Rolle, dass der Ölpreis inzwischen wieder höher ist als vor Jahresfrist, was Mineralölprodukte verteuert. Erstmals in diesem Jahr kostete auch Heizöl wieder mehr als im Vorjahr. Binnen Monatsfrist stiegen die Lebenshaltungskosten um 0,7 Prozent. Dabei machte sich das Weihnachtsfest negativ in den Portemonnaies der Verbraucher bemerkbar: Pauschalreisen und Hotelübernachtungen verteuerten sich binnen Monatsfrist zum Teil um mehr als ein Fünftel.

Das gibt nach Einschätzung von Experten einen Vorgeschmack auf 2010: Viele Fachleute erwarten dann, dass die Lebenshaltungskosten im Jahresschnitt um ungefähr ein Prozent steigen. Mit einer stärkeren Inflation sei jedoch nicht zu rechnen: Die steigende Arbeitslosigkeit und die Unterauslastung der Kapazitäten verhinderten kräftige Preisaufschläge, sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Auch von den inzwischen wieder höheren Ölpreisen droht keine Gefahr, weil die Unternehmen Probleme haben, die Preiserhöhungen an die Kunden weiterzureichen." Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht stabile Preise bei Teuerungsraten von knapp zwei Prozent gewährleistet.