Ulrich Beck im Interview "Die Spaltung wird sich verschärfen"
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Es gibt dennoch Grund zur Hoffnung

ZEIT ONLINE: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat immerhin eine Debatte um gutes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum angeregt.

Beck: Und er hat Recht! Wir müssen viel mehr über Alternativen nachdenken! Selbst die härtesten Kritiker des Kapitalismus müssen zugeben, dass kapitalistische Systeme wandlungsfähig sind – zum Guten! Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ist es gelungen, den Kapitalismus mit mehr sozialstaatlicher Regulierung zu zähmen. In den vergangenen Jahren löst sich diese Form mit der Globalisierung des Kapitals auf, auch das Gebot der Nachhaltigkeit wird auf das Schärfste verletzt. Warum sollte es nicht gelingen, zu Beginn des 21. Jahrhunderts durch Kritik und Alternativen Perspektiven und Institutionen zu installieren, die den Kapitalismus sozialer und ökologischer zugleich machen? Es ist möglich, das System zu reformieren, ohne gleich das Wachstum zu verteufeln, was ich für eine antimoderne Reaktionsform hielte.

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ZEIT ONLINE: Sie haben Vertrauen in die Demokratie.

Beck: Absolut. Auf die Lernfähigkeit des Systems in Kombination mit einer kreativen Demokratie können wir zählen. Wohlgemerkt dann, wenn die Potenziale, die dieser Verbindung innewohnen, nicht blockiert werden. Das ist die Hoffnungsperspektive. Eine überraschende Wende zum Guten ist möglich.

ZEIT ONLINE: Das Gute kommt überraschend?

Beck: Das ganze Leben ist durchzogen von Überraschungen. Das ist etwas, was mich als Theoretiker der Risikogesellschaft elektrisiert: Wir glauben, die Dinge berechnen zu können. Im Grunde aber werden wir laufend überrascht, die Dinge gehen wild durcheinander. Denken Sie an den Mauerfall von 1989 oder an die Finanzkrise und den  Zusammenbruch des Neoliberalismus. Selbst daraus entsteht auch neue Hoffnung.

Die Fragen stellten Philip Faigle und Michael Schlieben  

 
Leser-Kommentare
    • cs
    • 29.12.2009 um 11:55 Uhr

    ... gleich doppelt optimistisch:

    1.) Der Kapitalismus soll all die Übel, die er selber erst hervorgebracht hat, und mit denen er für seine Nutzniesser trotz allen allgemeinen Elends immer noch prima funktioniert, von selber beheben können oder wollen?
    2.) Das gegenwärtige politische System, so "demokratisch" wie es ben historisch hinbekommen wurde, soll zu grundlegenden Änderungen fähig sein? Das wäre schön, aber wenn die Mehrheit in Deutschland angesichts fundamentaler Krisen nur mehr für "mehr davon" in den letzten Wahlen votiert, sehe ich recht schwarz für die Zukunft ...

  1. 2.

    willkommen in dschörmenie: an der realität wird so lange herumanalysiert, bis sie sich plötzlich von grund auf ändert.

    und dann fehlen überall die konzepte, um mit dieser veränderten realität umzugehen. man greift auf das personal, die methoden und die techniken der vergangenheit zurück und macht damit alles noch schlimmer. so war es doch schon immer, nicht erst seit der wende.

    es wäre mal wirklich an der zeit, um FDPBDICDUCSUSPDDGBIGM und konsorten in ruhe u. ohne hämische kommentare ins marktwirtschaftlich-staatsdirigistische nirvana eingehen zu lassen, und sich parallel schon mal auf eine gesellschaft nach dem crash vorzubereiten.

    also: mehr experimente. etablierung temporärer autonomer zonen, tolerierung und förderung informeller ökonomien, daseinsfürsorge jenseits von staatlicher und marktwirtschaftlicher verteilungslogik, das volle programm halt.

    und wem das alles zu heikel ist, der kann einfach damit anfangen, seine möhrchen im balkonkasten zu pflanzen, statt sie bei rewe zu kaufen. auch das ist eine revolution.

    • TDU
    • 29.12.2009 um 12:29 Uhr

    Überzeugt werden müssen nicht die, denen es gut geht und die sind in Deutschland immer noch in der Mehrheit. Es müssen die überzeugt werden, dass der Kapitalismus und Wachstum alternativlos sind, selbst wenn es wie Schlorch. maulsen sagt, auf dem Balkon stattfindet. Aber nichts kommt von der Regierung.

    Wer unten ist, bleibt unten. Nicht mal ein Signal, dass das zumindest anders gewollt ist. Da kann Bildung nicht alles sein. Die wirkt in der Zukunft. Aber nein, Mindestlohn zur Eindämmung der Schwarzarbeit und Ausspielen gegen den Billig-Lohn. Beides zum Prinzip erhoben und Dankbarkeit fordernd bedeutet Zementierung des Stillstandes.

    Und denen es gut geht, wird ihre Angst vor Veränderungen nicht genommen. Die, die das Sagen haben, wollen das ja auch nicht, sondern Pfründe bewahren. Also keine Anzeichen.

    Europa, gerne gesehen zum Abschieben von Ministern wird gegenüber den Bürgern als Diktatur verkauft. Deswegen wohl auch der geringe Ehrgeiz, da richtig Einfluss zu erlangen.

    Beck hat sicher recht, dass nicht alles kalkulierbar ist und er optimistisch bleibt. Aber es gibt auch negative Überraschungen. Unabhängig von denen, die es schon immer gewusst haben. Wenn es mal soweit kommt, liegt es an der in den letzten 15 Jahren einprogrammierten Gleichgültigkeit der Bürger durch die Regierungen.

    Das Signal stand und steht immer noch auf: Gebt ab, dann gehts euch gut. Woanders heisst es: tut was und wir sind für Euch da. Wenns kracht liegts daran, aber nicht an Armut.

  2. 4. hmmm

    Man sollte mal die Politiker fragen, ob die Ursache für die Probleme im Land nicht von ihnen gemacht wurden.

    Statt dessen reden Clowns wie Wulf (oder war es ein anderer) davon, wie überlegen das solidarische Rendtensystem dem bösen kapitalgedeckten Unwesen der Lebensversicherungen ist.

    Hirnverbrannter Blödsinn, man muss nur auf die Renditen der gesetzlichen und der privaten Rentenversicherungen schauen (auch im Tiefpunkt der Krise hatte mein Aktienfonds zur Altersvorsorge deutlich bessere Renditewerte als meine gesetzliche Rente [die Ansprüche daraus])

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aber Achtung das man sich nicht immer nur grad die besonders passenden weil Renditträchtigen Zeiträume rauspickt und ebenso wichtig, wie gut ist die "Rendite" (muss ein Rentensystem tatsächlich rentieren oder vieleicht doch nur grad das nötig Geld umverteilen?) über die für Rentensysteme üblichen Zeiträume von +40 Jahren und ganz besonders zu beachten die Renditen, falls dann überhaupt noch vorhanden, in schlechten Jahren...

    • gauss
    • 29.12.2009 um 18:20 Uhr

    "Hirnverbrannter Blödsinn, man muss nur auf die Renditen der gesetzlichen und der privaten Rentenversicherungen schauen (auch im Tiefpunkt der Krise hatte mein Aktienfonds zur Altersvorsorge deutlich bessere Renditewerte als meine gesetzliche Rente [die Ansprüche daraus])" - Das will ja immer keiner hören. Man kommt schnell in den Verdacht der kommerziellen Finanzberatung, aber genauso ist es. Und: die demografische Entwicklung vor der jeder redet und meint zu warnen, existiert noch gar nicht. Das kommt erst in ein paar Jahren. Gegen ein Umlagesystem ist nichts einzuwenden, es sollte aber die jährliche Teuerungsrate zumindestens ausgleichen. Jede Zeit braucht eben ihr Rentensystem. Die Zeit des Umalgesystems ist abgelaufen. In Zeiten der Hyperinflation hat es definitiv seinen Reiz, wenn zu dem auch genügend Einzahler mit genügend hohen Einzahlbeträgen vorhanden sind. Das kapitalgedeckte Rentensystem in Deutschland hatte bis 1914 eine guten Dienst getan, bei niedrigen Teuerungsraten ein enormer Gewinn für die damalige Bevölkerung.

    • bivi
    • 29.12.2009 um 19:04 Uhr

    Ich will ja die Mängel unseres Rentensystems nicht leugnen, aber wie stände es um die Rendite Ihrer privaten Altersvorsorge, wenn die Staaten, wenn also die Steuerzahler weltweit, die Banken und Investmenthäuser, und damit auch Ihre Anlagen, nicht gestützt sondern im Orkus hätte verschwinden lassen?

    Bei keinem System gibt es die Garantie, das zurückzuerhalten, was eingezahlt wurde.

    Aber Achtung das man sich nicht immer nur grad die besonders passenden weil Renditträchtigen Zeiträume rauspickt und ebenso wichtig, wie gut ist die "Rendite" (muss ein Rentensystem tatsächlich rentieren oder vieleicht doch nur grad das nötig Geld umverteilen?) über die für Rentensysteme üblichen Zeiträume von +40 Jahren und ganz besonders zu beachten die Renditen, falls dann überhaupt noch vorhanden, in schlechten Jahren...

    • gauss
    • 29.12.2009 um 18:20 Uhr

    "Hirnverbrannter Blödsinn, man muss nur auf die Renditen der gesetzlichen und der privaten Rentenversicherungen schauen (auch im Tiefpunkt der Krise hatte mein Aktienfonds zur Altersvorsorge deutlich bessere Renditewerte als meine gesetzliche Rente [die Ansprüche daraus])" - Das will ja immer keiner hören. Man kommt schnell in den Verdacht der kommerziellen Finanzberatung, aber genauso ist es. Und: die demografische Entwicklung vor der jeder redet und meint zu warnen, existiert noch gar nicht. Das kommt erst in ein paar Jahren. Gegen ein Umlagesystem ist nichts einzuwenden, es sollte aber die jährliche Teuerungsrate zumindestens ausgleichen. Jede Zeit braucht eben ihr Rentensystem. Die Zeit des Umalgesystems ist abgelaufen. In Zeiten der Hyperinflation hat es definitiv seinen Reiz, wenn zu dem auch genügend Einzahler mit genügend hohen Einzahlbeträgen vorhanden sind. Das kapitalgedeckte Rentensystem in Deutschland hatte bis 1914 eine guten Dienst getan, bei niedrigen Teuerungsraten ein enormer Gewinn für die damalige Bevölkerung.

    • bivi
    • 29.12.2009 um 19:04 Uhr

    Ich will ja die Mängel unseres Rentensystems nicht leugnen, aber wie stände es um die Rendite Ihrer privaten Altersvorsorge, wenn die Staaten, wenn also die Steuerzahler weltweit, die Banken und Investmenthäuser, und damit auch Ihre Anlagen, nicht gestützt sondern im Orkus hätte verschwinden lassen?

    Bei keinem System gibt es die Garantie, das zurückzuerhalten, was eingezahlt wurde.

    • ludna
    • 29.12.2009 um 12:37 Uhr

    Wenn die Reichen und Maechtigen nicht bereit sind, ein wenig Macht und Wohlstand zu teilen, so wie es im britischen Empire im 19. Jahrhundert der Fall war, werden wieder Unruhen entstehen, wie sie es im Frankreich und deutschen Raum im 19. Jh. gab.

    • bibber
    • 29.12.2009 um 12:39 Uhr

    Wer Geld hat, hat Macht im Sinne von Gestaltungsmöglichkeiten. Das ist endlos, und es geht von Vetternwirtschaft, Korruption über Gesetzesvorhaben, die beeinflusst werden bis hin zu der Installation von "Krisen". Was dagegen hilft, ist die Verweigerung: keine Schulden machen, keinen unnötigen Konsum, seine eigene Ethik bis zum letzten Blutstropfen verteidigen. Richtige und allgemeine Bildung kann dabei nicht schaden. (was meint Ihr, warum der Staat sich seit vielen Jahren vehement mit vorgeschobenen Gründen gegen mehr Bildung wehrt?)

    Die Staatregierungen sind nicht autonom, sie sind vielmehr weitgehend in der Hand von Geldsammlern. Das muß man einfach verstehen, freie und unabhängige Menschen kommen nicht in Führungspositionen. Trotzdem kann ein Parlament vieles machen, nur nicht, einem sehr großen so richtig auf die Füße treten. Deshalb haben wir auch kein funktionierendes Steuersystem ohne Schlupflöcher oder Trickmöglichkeiten.
    Jeder muß letztlich selbst sehen, wo er bleibt, und jeder sollte seine konkreten Gestaltungsmöglichkeiten nutzen, derer es viele gibt. Auf eine große Veränderung zu warten, ist naiv: sie wird nur dann kommen, wenn sie im Sinne der Großen gewollt ist. Aber Kleinvieh macht auch Mist. Wer allerdings selbst Aktionär ist, hat einen schweren Konflikt, da man dann nicht mehr frei denken kann, sondern nur noch kapitalistisch. Daher sollte man sich genau überlegen, was seine Geldanlage bewirkt, wem man sein Geld gibt und ob es nicht Alternativen gibt.

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    Herzlichen Dank für Ihr Kommentar! So ist es! Wir brauchen mehr Denker wie Sie!

    Herzlichen Dank für Ihr Kommentar! So ist es! Wir brauchen mehr Denker wie Sie!

    • rabin
    • 29.12.2009 um 12:44 Uhr

    In der noblen Sauna des Schlosses Elmau in endlichen Wellnesszwirn gehüllt, kann man, ökonomnisch bestens versorgt, weiss gott nicht durch die Pension eines C4 Professor, einen durchaus optimistischen Blick auf die Verhältnisse werfen.

    Der Soziologe zählt bei den Krisen ja eher zu den Gewinnern.

    Wie sähe wohl sein Votum aus, wenn er zu den Verlierern gehörte, deren Zahl sich täglich deutlich vermehrt ?

    Vielleicht wäre der Optimismus da doch eher gebrochen ?

  3. es ist mühsam zu lesen ... wenn man sich vor lachen windet.
    Freud grüsst ... " bei der Bankinstitute mit unvorstellbaren
    Summen gestützt wurden, mit der Begründung " u.s.w. lese ich: " bei der Bankinstitute mit unvorstellbaren Dummen ge-
    schützt wurden, mit der Begrünung ". Ach, langsam wird es köstlich schwarz. Danke für die Denkhilfe. Nun kann ich mir ja dann die Aufstände der Zukunft gleich richtig erklären.
    Noch was für die nächste Zeit ?

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