Entwicklungsländer beim Gipfel Schlupflöcher und Nebelkerzen

Die Welt feilscht in Kopenhagen um Kompromisse. Ob die Entwicklungsländer zustimmen, ist völlig offen. Die Angebote der Industrieländer reichen nicht

Drei Komma Fünf – das ist die wichtigste Zahl des Klimagipfels. Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und der Kölner Beratungsfirma Ecofys haben sie im Rahmen ihres Projekts "Climate Action Tracker" errechnet: Um 3,5 Grad Celsius (plusminus 0,7 Grad) wird sich die Erde bis Ende dieses Jahrhunderts voraussichtlich aufheizen, wenn in Kopenhagen ein Abkommen auf der Basis der bisherigen nationalen Angebote beschlossen würde. Das US-amerikanische Sustainability Institut kam bei einer ähnlichen Berechnung sogar auf 3,8 Grad.

Immerhin, beide Zahlen liegen deutlich unter jenen sieben Grad Celsius, die von Wissenschaftlern bis 2100 schlimmstenfalls befürchtet werden, wenn die Welt weitermacht wie bisher. Aber es ist eben auch deutlich mehr als die zwei Grad Celsius, die der Weltklimarat IPCC als Obergrenze fordert. Eine Erderwärmung darüber hinaus, so die Experten, wird für die menschliche Zivilisation kaum beherrschbare Folgen haben.

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Die "3,5" ist deshalb so hilfreich, weil es im weltweiten Klimaschutz und auf dem Kopenhagen-Gipfel um verwirrend viele Zahlen gehen wird. Für die Öffentlichkeit und selbst die Verhandler ist kaum nachvollziehbar, was die verschiedenen Angebote in den Verhandlungen denn eigentlich bedeuten. Wissenschaftlich ist längst klar, was notwendig wäre: Bis 2050 muss der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen halbiert werden. Für die Industriestaaten wie Deutschland bedeutet dies, ihre Emissionen bis dahin um 80 bis 95 Prozent zu senken, bis 2020 ist in den reichen Ländern eine 40- bis 50-prozentige Senkung vonnöten.

Die bisherigen Angebote der Industrieländer sind ein wildes Durcheinander: Deutschland bietet 40 Prozent bis 2020, die EU lediglich 30 Prozent. US-Präsident Obama hat jüngst eine Minderung um etwa 17 Prozent angedeutet – aber nicht bezogen auf das international übliche Vergleichsjahr 1990, sondern relativ zu 2005. Andere Staaten beziehen ihre Angebote auf das Jahr 2006. Alles aufaddiert, so der Potsdamer "Climate Action Tracker", kommt bei alledem höchstens eine Minderung um 13 bis 19 Prozent bis 2020 heraus.

"Rechtlich verbindlich" oder "politisch verbindlich"?

Die Industriestaaten müssten sich in Kopenhagen also noch ein ganzes Stück bewegen. Und sie müssen einer "rechtlich bindenden" Vereinbarung mit klaren Kontrollmechanismen und Sanktionsmöglichkeiten zustimmen. Auf jedes Wort wird es am Ende ankommen – bisher favorisieren viele Länder nur ein "politisch verbindliches" Abkommen. Eine "Nebelkerze" nennt Christoph Bals von der Klimaorganisation Germanwatch diese Vokabel, denn spätestens bei einem Regierungswechsel wären die Staaten nicht mehr daran gebunden. Sorgenvoll schaut Bals auch auf die vielen Schlupflöcher, die es in einem Abkommen geben könnte – schon eine kleine Detailänderung bei der Anrechenbarkeit von Wäldern als CO2-Speicher oder zur Möglichkeit für Industriestaaten, ihre Klimaschutzpflichten billig im Ausland zu erbringen, könnte den ganzen Vertrag wertlos machen. 

Auch wenn es die Industriestaaten gern anders darstellen: Viele Schwellenländer sind beim Klimaschutz weiter als sie. Brasilien etwa hat eine ehrgeizige Politik zur Emissionsminderung beschlossen, unter anderem durch einen strengen Schutz der Regenwälder. Auch die chinesische Führung hat längst strategische Entscheidungen für ein grüneres Wirtschaftswachstum getroffen – und die Kommunistische Partei kann sie bekanntlich auch ohne große innenpolitische Widerstände umsetzen. In den USA dagegen scheint die politische Debatte im letzten Jahrhundert festzustecken, mit lautem Getöse versuchen Erdöl- und Kohlelobbyisten zusammen mit den Republikanern im Kongress alle ernsthaften Klimaschutzmaßnahmen zu blockieren. In Australien scheiterte Labour-Premier Kevin Rudd gerade mit einem – relativ milden – Plan für einen CO2-Emissionshandel, und die konservative Opposition wird neuerdings von einem bekennenden Klimaskeptiker geführt.

Barack Obama hat zwar kurzfristig seinen Terminkalender umgeworfen und will nun doch in der entscheidenden Schlussphase der Verhandlungen nach Kopenhagen reisen. Doch solange er nicht mehr anbietet als bisher, werden die Entwicklungs- und Schwellenländer einem neuen Klimaabkommen kaum zustimmen. Und zustimmen müssen sie, denn die Geschäftsordnung des Gipfels verlangt Einstimmigkeit. Anders als vor zwölf Jahren in Kopenhagen treten die Länder des Südens heute selbstbewusster auf, die afrikanischen Delegierten zum Beispiel drohten bereits mit einem Boykott.

Leser-Kommentare
    • ngw16
    • 06.12.2009 um 18:53 Uhr

    Nichts ist klar, hoffentlich platzt die ganze Lügengeschichte in Koppenhagen.

    Klar ist nur, die Medien sind längst voreingenommen und trommeln laut: für die Ökodiktatur.

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    ... die ganze Welt hat sich gegen SIE und ein paar andere verschwören. *lach*

    versuchen wird, seine neokolonialen Ambitionen bis in alle Ewigkeit fortzuschreiben. Was kümmert mich das Elend der dritten Welt, was kümmern mich die Millionen Klimatoten - wenn der Profit stimmt ist mir alles andere egal.

    ... die ganze Welt hat sich gegen SIE und ein paar andere verschwören. *lach*

    versuchen wird, seine neokolonialen Ambitionen bis in alle Ewigkeit fortzuschreiben. Was kümmert mich das Elend der dritten Welt, was kümmern mich die Millionen Klimatoten - wenn der Profit stimmt ist mir alles andere egal.

  1. ... die ganze Welt hat sich gegen SIE und ein paar andere verschwören. *lach*

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    • ngw16
    • 06.12.2009 um 21:42 Uhr

    Und viele die diesen Gurus alles abkaufen.

    • ngw16
    • 06.12.2009 um 21:42 Uhr

    Und viele die diesen Gurus alles abkaufen.

  2. versuchen wird, seine neokolonialen Ambitionen bis in alle Ewigkeit fortzuschreiben. Was kümmert mich das Elend der dritten Welt, was kümmern mich die Millionen Klimatoten - wenn der Profit stimmt ist mir alles andere egal.

  3. ich weiß ja nicht ob der Schreiber des Textes unter dem Bild wirklich wußte was er da schreibt oder ob es gerade nur zum "Manipulations-Thema" passt.

    Die entscheidende Frage ist, ob das Bild am Morgen gemacht wurde, da es in den Küstenregionen durchaus üblich ist (Rizhao liegt an der Küste, Provinz Shandong), dass sich in den Großstädten am Morgen ein dichter Nebel bildet, der dann genauso aussieht wie im Bild dargestellt.

    Also werden "Bilder wie diese" sicherlich auch in Zukunft zu sehen sein ;)

    Ok, hab mir gerade die Mühe gemacht das Bild zu suchen... zu finden hier: http://en.chinafotopress.... und siehe da: "Rizhao in Fog" die Zeit manipuliert, danke für die Bestätigung!

    Achja und die Schweinehysterie gibt es in China gar nicht, verwunderlich bei so einer Menschenmenge oder? Bei einem Gespräch mit vertrauenswürdigen Ärzten (Freunde) wurde laut gelacht...

    • ngw16
    • 06.12.2009 um 21:42 Uhr

    Und viele die diesen Gurus alles abkaufen.

    Antwort auf "Na klar..."
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    ... die meisten Klimaleugner würde ich auch kriminell nennen.

    ... die meisten Klimaleugner würde ich auch kriminell nennen.

  4. Wir sind so überzeugt von der Richtigkeit unserer Lebensweise
    und unserem Fortschritt,dass wir gar nicht merken,dass
    unser Fortschritt eigentlich vielfach nur ein Vergrößerung
    von Distanzen also ein Fort - Schritt ist.
    Wie Göthe seine Italienreise gemacht hat,so hat er
    z.B Getreidefelder gesehen:Diese Getreidefelder waren goldgelb
    und blau gefärbt.Das Blau kam von den Kornblumen ,die in jedem
    Getreidefeld zu sehen waren.Göthe fuhr damals mit 1-2
    PS und hatte wunderschöne Begegnungen und Naturerlebnisse.
    Ja wir brauchen sicher mehr wie 50 PS,um für den
    Einkauf oft einige Kilometer zurückzulegen.Unsere Autos
    fahren 200 km um eine Durchschnittgeschwindigkeit von
    30 km/h letztlich aufzuweisen.
    Wir müssen schon oft zur Arbeit weit fahren,weil unsere
    Arbeitsstellen oft und immer öfter in Billigproduktionsländer
    ausgelagert sind.Die Wege zwischen Produzenten und Konsumenten
    sind manchmal so weit wie die Erde rund ist,oder noch deutlich
    mehr.Wegen der dicken Brummer,die das alles transportiern,
    müssen die Autos auch so sicher und schwer sein.
    Es gibt die kleinen Geschäfte meist nicht mehr.Die Bauern,
    wo wir Nahrungsmittel direkt kaufen konnten sind im verschwinden.
    Die Milch legt hunderte Kilometer zurück.
    Karlfried Graf Dürckheim sagte mir in einem Gespräch:
    Der Sinn der Technik ist es Freiraum für das Geistige
    zu schaffen.Wir hetzen zur Arbeit,in der Arbeit in den
    Urlaub,wieder zurück und kommen nicht zur Besinnung.
    Ja sehen wir denn die Natur und die Sonne??Und das Geistige ?

  5. Weltklima zu retten eine gerechtere Weltordnung vonnöten ist,ohne jetzt hochtrabend zu wirken.Und es ist auch klar,dass die bisherigen Industrieländer in einer Geberpflicht sind,schliesslich stammen die Abgase in die Luft hauptsächlich von ihnen.

  6. ... die meisten Klimaleugner würde ich auch kriminell nennen.

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