Die politische Abschlusserklärung, die das Plenum der Weltklimakonferenz am Samstagmorgen in Kopenhagen "zur Kenntnis" nahm, ist eine einzige große Enttäuschung. Weder enthält der "Copenhagen Accord" das verbindliche Ziel, den weltweiten Kohlendioxidausstoß bis 2050 zu halbieren, noch verpflichten sich die Staaten, alles zu versuchen, um den weltweiten Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Das strengere Ziel einer maximalen Erwärmung von 1,5 Grad wird gar nicht mehr genannt. Auch das ursprüngliche Vorhaben, im Laufe des Jahres 2010 auf weiteren Klimagipfeln ein verbindliches Abkommen zu beschließen, wurde gestrichen.

Windelweiche Willensbekundungen statt harter Verpflichtungen: Diese Erklärung ist praktisch wertlos. Daran ändern die Finanzzusagen der reichen Staaten an die Entwicklungsländer ebensowenig etwas wie das Vorhaben, die Erfüllung nationaler Klimaschutzpflichten künftig von internationalen Gremien prüfen zu lassen.

Wie konnte ein Gipfel, der mit so großen Hoffnungen verbunden war, der trotz berechtigter Skepsis Zigtausende nach Kopenhagen lockte, im Einsatz für ein wegweisendes Klimaschutzabkommen nach Kopenhagen, so kläglich enden? Bis zuletzt hatten Beobachter auf einen Durchbruch gehofft. Wenn 130 Staats- und Regierungschefs sich träfen, um über die Erderwärmung zu beraten, könnten sie nicht mit leeren Händen nach Hause fliegen, hieß es.

Die mächtigsten Staatenlenker aber reisten schon früh ab. Einige, wie Angela Merkel, Barack Obama, Nicolas Sarkozy oder José Manuel Barroso, gestanden ihre Enttäuschung über das Erreichte sogar öffentlich ein. Immerhin aber sei der "Copenhagen Accord" besser als ein komplettes Scheitern der Verhandlungen, verteidigte sich die Bundeskanzlerin.

Das mag sein. Dennoch ist es kein Wunder, dass Entwicklungsländer wie Tuvalu, Bolivien oder der Sudan sich jetzt verschaukelt fühlen und lautstark gegen die Abschlusserklärung protestierten. Für die Menschen in diesen Ländern geht es angesichts des Klimawandels ums Überleben. Doch weder wurden ihre Vertreter mit in die Erstellung des Abschlussdokuments einbezogen, noch entsprechen die Vereinbarungen des "Copenhagen Accords" ihren Interessen. Es ist verständlich, dass sie lange überlegten, die Konferenz platzen zu lassen.

Angesichts eines Klimawandels, der schneller fortschreitet als bislang gedacht, wäre entschlossenes Handeln nötig gewesen. Zumal das Kyoto-Protokoll in drei Jahren ausläuft. Zwar scheint die Zeit bis Dezember 2012 noch lang, doch es ist eine langwierige Angelegenheit, ein Nachfolgeabkommen in die Praxis umzusetzen.Auch deshalb war einmal vereinbart worden, ein solches Abhkommen in Kopenhagen zu verabschieden, möglichst verbindlich und versehen mit konkreten Zielen. Konkret ist in der Kopenhagener Erklärung nichts – der Klimagipfel endet in einem Desaster.