Mineralölsteuer Für den Klimaschutz soll Benzin teurer werden

Wer fährt, soll auch für den Klimaschutz zahlen: Verkehrsexperten verlangen von der Politik eine Strategie, die Mobilität umweltschonender macht.

Ohne höhere Mineralölsteuern und Verbrauchsgrenzen für die Autoindustrie wird es nicht gelingen, den Kohlendioxidausstoß des Verkehrs deutlich zu senken. Diese Ansicht vertritt Jack Short, der Generalsekretär des Internationalen Verkehrsforums ITF. "Für die Verbraucher muss es Anreize geben, langfristig Benzin zu sparen – etwa durch eine höhere Besteuerung von Benzin oder eine umweltorientierte Kfz-Steuer", sagte Short dem Tagesspiegel. "Man muss die externen Kosten des Verkehrs in Preissignale umsetzen, sonst wird es nicht zu einer dauerhaften Reduzierung der Treibhausgase kommen", erklärte er weiter. Auch seien langfristige Verbrauchsgrenzen für die Autohersteller wichtig, weil sie dann wüssten, in welche Technik sie investieren müssten.

Das ITF ist eine Denkfabrik in Paris, die eng mit der Wirtschaftsvereinigung OECD kooperiert. Am heutigen Dienstag will das ITF in Kopenhagen eine Studie vorstellen, in der sie Strategien zur CO2-Senkung im Verkehr aufzeigt und die dieser Zeitung vorliegt. Laut ITF geht rund ein Viertel des CO2-Ausstoßes auf das Konto des Verkehrs. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Abhängigkeit von Autos, Schiffen, Flugzeugen und Bahnen von fossilen Energieträgern, die derzeit bei 95 Prozent liegt, deutlich sinken muss, soll die Erderwärmung tatsächlich begrenzt werden. Die Politik solle entsprechende Anreize setzen.

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"Wenn man die Senkung des CO2-Ausstoßes wirklich will, muss man dies ebenso wichtig nehmen wie die Verbesserung der Verkehrssicherheit oder der Infrastruktur", verlangte Short. Vieles sei mit vergleichsweise einfachen und kostengünstigen Maßnahmen zu erreichen, schreibt der ITF. Beispielsweise müssten es die Regierungen attraktiver machen, Bus, Bahn oder das Fahrrad zu benutzen und für eine Ende der Zersiedelung der Landschaft sorgen.

Der ITF hält es "ohne großen Aufwand" für machbar, den Verbrauch von Neuwagen mit herkömmlichen Motoren bis 2020 um 30 Prozent zu senken und um 50 Prozent bis 2050. Innovationen bei herkömmlichen Antrieben hätten insgesamt das größte Potenzial für eine Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes. Solle die Elektromobilität eine größere Rolle spielen, müsse zuvor geklärt sein, woher der dafür nötige Strom komme. "Wenn weiterhin fossile Brennstoffe die Basis bilden, wird das die Senkung der Emissionen im Verkehr wieder zunichte machen", urteilte Short.

Als positives Beispiel für eine Senkung der Verkehrs-Emissionen nennen die ITF-Fachleute unter anderem die Bundesrepublik. Maßnahmen wie höhere Mineralölsteuern, die Maut für schwere Lastwagen oder schärfere Abgasvorschriften hätten dazu geführt, dass der Verkehr seit Ende der 90er Jahre weniger CO2 produziere.

(Erschienen im Tagesspiegel vom 15.12.2009)

 
Leser-Kommentare
    • PGMN
    • 15.12.2009 um 12:16 Uhr

    Erstens darf ich daran erinnern, dass es bereits eine Ökosteuer gibt, weshalb ich die Einführung einer weiteren solchen schon aus Prinzip ablehne.

    Zweitens ist eine gewisse Grundmobilität unerlässlich. Aufgrund fehlender Alternativen zum Auto käme eine Erhöhung der Mineralölsteuer keinem "Anreiz, langfristig Benzin zu sparen" (was für eine zynische Formulierung) gleich, sondern schlicht einer Mehrbelastung.

    Drittens ist es nicht der richtige Weg, den Verbraucher dazu zu zwingen, weniger zu fahren, denn viele sind so schon am absoluten Minimum ihrer Mobilität angelangt, sondern die Fahrzeughersteller aufzufordern, sparsamere Autos zu entwickeln.

    Dieser Vorschlag ist wieder einmal völlig unreflektiert und realitätsfern.

    "No taxation without representation!"

  1. Leider wird genau ein Aspekt davon sich durchsetzen, nämlich die höhere Minralölsteuer. Da sehe ich jetzt schon die EURO-Symbole in den Augen der Politiker leuchten. Das sieht man doch schon daran wie dieser Artikel geschrieben ist. Die Erhöhung der Mineralölsteuer wird dreimal erwähnt und die anderen Maßnahmen einmal(im Nebensatz).
    Ergo: Benzin wird teurer, der Staat scheffelt noch mehr Geld durch Steuereinahmen und das Klima geht leer aus.

  2. Man hätte darauf wetten sollen. Kein Grund, kein Vorwand ist zu weit hergeholt, um eine neue Rechtfertigung für Steuererhöhungen zu bieten.

    • Sempro
    • 15.12.2009 um 12:25 Uhr
    4. ...

    Was man nicht alles aufgrund der Klimalüge durchsetzen kann und keiner wird was dagegen sagen...

    • ngw16
    • 15.12.2009 um 12:27 Uhr

    Diese "Experten" teeren und federn und aus dem Land jagen?
    Vielleicht noch vorher ein Scherbengericht durchführen.

    Die CO2-Lüge wird immer absurder.
    Und dient nur noch für Vorwände zu Einführung einer Öko-Diktatur.

  3. ...sondern um die Aufrechterhaltung eines angeschlagenen und lahmenden Industriezweiges, der seit Jahrzehnten an den Bedürfnissen der Umwelt vorbei produziert.

    Weltweit werden Kraftfahrzeuge produziert, die im Masse-Leistungs-Verhältnis im Individualverkehr völlig überdimensioniert sind.
    Dazu kommt noch ein Haufen "schmückendes Beiwerk" - von den sogenannten Tuning-Bauteilen gar nicht zu reden - die zusätzlich Sprit fressen und somit die Umwelt belasten.

    In den Innenstädten findet man unsinnige Tempo-30-Zonen, die den Sprit und die Abgase nur so aus dem Auspuff laufen lassen. Ein KFZ, dass bei konstanter Drehzahl, aber mit einem anderen Gang die gleiche Wegstrecke zurücklegt, dessen Spritverbrauch ist bei Tempo 30 wesentlich höher als bei Tempo 50!

    Jährlich gehen Millionen von Zeitstunden, Litern an Sprit verloren, nur weil Baustellen sinnlos über Wochen und Monate eingerichtet, aber diese nicht schnell genug beendet werden.

    Der ÖPNV wird immer weiter reduziert, so dass die Bürger auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen sind.

    Die Arbeitsstellen liegen oft kilometerweit vom Wohnort entfernt.

    Bestes Beispiel ist doch Berlin:
    Anwohner aus Brandenburg arbeiten in Berlin und Berliner arbeiten in Brandenburg, bei gleichen Qualifikationen und Arbeitsfeldern.

    Nicht nur dass hier sinnlos durch die Gegend gekarrt wird, sondern auch die Qualität der Arbeit leidet darunter, wenn Mitarbeiter unausgeschlafen ihren Job antreten.

    UMWELTFRAGE:
    WANN RÜSTEN WIR DIE KRIEGSMASCHINERIE AB?

  4. um die Folgen der Finanzkrise zu meistern.

  5. Die Autoabgase sind ja nicht nur klimaschädlich, sondern verursachen dadurch, dass sie mehrere hundert hochgiftige oder krebserregende Stoffe enthalten auch massiv Gesundheitsschäden. Heute bezahlt ja der Autofahrer über alle Steuern die auf das Autofahren erhoben werden nur ca. 20 Prozent der Kosten, die er in letzter Konsequenz verursacht. Jeder, der der Meinung ist, dass die Verursacher auch die Kosten der Schäden tragen, die sie verursachen, müßte also, wenn er ehrlich zu sich selbst ist, für eine massive Erhöhung der Kosten sein. Wenn ich einen Unfall verursache muss ich ja auch für den Schaden des Unfallgegners aufkommen.

    Leider ist das über die Ökosteuer ungerecht gelöst, da nicht jeder gleich stark von den, durch die Ökosteuer gesenkten, Lohnnebenkosten profitiert. Immerhin schafft oder sichert die Ökosteuer dadurch viele Arbeitsplätze. Gerechter wäre allerdings, wenn man einfach die Einnahmen der Ökosteuer in gleichen Teilen jedem Bundesbürger zukommen lassen würde, also von Kleinkind bis zum Renter sollte jeder gleich viel bekommen. Würden die Bürger jeden Monat einen netten Betrag zwischen 50 und 100 Euro pro Person von Staat überwiesen bekommen, dann wäre auch die große Mehrheit für eine Ökosteuer. Nur die Spritmonster-Fetischisten würden wohl noch schimpfen, aber denen kann man mit rationalen Argumenten eh nicht kommen. Außerdem wäre für sozial Schwache und Kinderreiche die monatliche Unterstützung natürlich ein Segen.

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