Klimakonferenz in Kopenhagen : Die Gerechtigkeitsfrage wird ausgeblendet

Auch die ärmsten Entwicklungsländer müssen auf fossile Energieträger verzichten. Doch das geht nur mit verbindlichen finanziellen Angeboten der Industriestaaten.
Anstehen für Lebensmittel aus dem World Food Program in Süd-Sudan: Sollen die ärmsten Länder am Klimaschutz teilhaben, brauchen sie Hilfe aus dem Norden © Peter Martell/AFP/Getty Images

Klimapolitik wird nur dann effektiv sein, wenn sie Fragen der internationalen Gerechtigkeit stärker in den Mittelpunkt stellt als bisher. Diese Fragen stellen sich sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Beim Klimaschutz geht es darum, die Energieversorgung von fossilen auf erneuerbare Energieträger umzustellen und die Effizienz bei der Energienutzung drastisch zu erhöhen. Damit berührt Klimapolitik den Kern von Wirtschaft und den Kern von Entwicklung, denn (fehlender) Wohlstand ist direkt mit (fehlendem) Zugang zu Energie verbunden.

In den Industrieländern beurteilen wir die anstehende grundsätzliche Transformation unseres Energiesektors, unserer Verkehrssysteme und unserer Siedlungsstrukturen in der Regel eher als eine Aufgabe, die sowohl öffentliche als auch private Investoren vor hohe zusätzliche Kosten stellt und weniger als eine notwendige Investition in die Zukunftssicherung. Eine kostenorientierte Perspektive auf Klimapolitik geht häufig auch mit der Befürchtung einher, dass die Kosten dieser Transformation die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Exporte beeinträchtigen würden. Stattdessen ermöglicht eine frühe Umsteuerung auf eine klimafreundliche oder kohlenstoffarme Wirtschaft, Innovationsgewinne zu machen und die internationale Attraktivität unserer Ingenieursleistungen zu erhöhen.

Was in den Industrieländern aber in der Regel nicht gesehen wird, ist, dass in einer Welt, die sich aus wenigen reichen und vielen armen Ländern zusammensetzt, die Mittel für diese Transformation sehr ungleich verteilt sind. Die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise haben uns die ökonomische Kraft der aufsteigenden Entwicklungsländer, vor allem von China und Indien, vor Augen geführt. Dies nährt Ängste, in der Konkurrenz verlieren zu können, stärkt defensive Politiken und senkt die Bereitschaft zu innovativen und scheinbar risikoreicheren Reformen.

Es ist richtig, dass die EU von den Entwicklungsländern eine Beteiligung am Klimaschutz fordert: Soll die globale durchschnittliche Erwärmung nicht höher als 2°C sein, müssen die absoluten Emissionen gesenkt werden, und daran müssen sich auch die großen Emittenten aus dem Süden spätestens ab 2020 aktiv beteiligen. Aber auch die ärmsten Entwicklungsländer müssen sich auf eine Energieversorgung umstellen, die auf fossile Energieträger verzichtet, spätestens bis Ende des Jahrhunderts. Auch hier gibt es keine Spielräume mehr, um auf Kohlekraftwerke zu setzen. Wird die Aufforderung zu aktiver Klimapolitik jedoch nicht mit verbindlichen Angeboten zur finanziellen Unterstützung bei dieser Aufgabe verbunden, darf es nicht verwundern, wenn die armen Länder sie als faktische Blockade zu mehr Wohlstand interpretieren.

Besonders deutlich wird die Ausblendung der Gerechtigkeitsfrage am Beispiel der Anpassung an den Klimawandel: Die negativen Auswirkungen des Klimawandels werden am stärksten in den Tropen und Subtropen zu spüren sein, mithin in den ärmsten Entwicklungsländern, die weder den Klimawandel verursacht haben noch über ausreichend eigene Mittel oder starke öffentliche Strukturen verfügen, um diese negativen Auswirkungen zu bewältigen.

Diese Länder sind in erheblichem Maße von Unterstützung von außen abhängig, um Anpassungsstrategien zu konzipieren und umzusetzen. Zwischen 2001-2008 hat die internationale Staatengemeinschaft aber nur etwa 313 Millionen US-Dollar für Anpassungsvorhaben in Entwicklungsländern über verschiedene Fonds unter der Klimarahmenkonvention eingesetzt. Kostenschätzungen über den jährlichen Finanzierungsbedarf ab 2020 gehen aber in die Milliarden. Und sie werden steigen, wenn es nicht zu deutlichen Senkungen der Treibhausgasemissionen kommt.

Diese Ausblendung der Gerechtigkeitsfrage ist zutiefst unrealistisch, denn das Kopenhagen-Abkommen erfordert Zustimmung von allen Unterzeichnerstaaten, nicht nur von den wichtigsten Emittenten, also den reichsten Staaten. Soll die globale Erwärmung auf durchschnittlich 2°C begrenzt werden, müssen auch die ärmsten Entwicklungsländer mit ins Boot genommen werden.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Armselig

Zitat:

"1. Oh Gott!

Wann kapiert ihr Medien endlich mal, dass es Klimawandel und Armut nicht gibt?
Herzlichst ihre Julia09"
=====

Warum wollen Sie mir Sichtweisen unterschieben, die ich nicht habe?

Menschen, die anderen Sichtweisen unterschieben wollen, die diese nicht haben, sind meist primitive Zeitgenossen ohne Ethik und Moral. Oft kommt auch noch ideologische Fanatisierung und geminderte kognitive Leistungsfähigkeit dazu.

Wer der Meinung ist, dass es keine Anzeichen für eine vom Menschen gemachte Klimakatastrophe mit apokalyptischen Folgen für die Menschheit gibt, der stellt doch Klimawandel nicht in Frage. Den hat es immer gegeben. Nur ist das kein neues Problem für die Menschheit, die das auch in der Vergangenheit hat lösen können.

Mit der Unterstellung der Leugnung von Armut verlassen Sie dann vollkommen den Boden der Redlichkeit.

Nur hat Entwicklungshilfe und Bekämpfung von Armut mit irgendwelchen klimaapokalyptischen Visionen herzlich wenig zu tun.

Wer Armut mit (Klima-)Ablass- Zahlungen an die 3. Welt meint bekämpfen zu können, die dann in korrupten Taschen versickern und für neue Autos und Privatjets für die jeweiligen Herrschercliquen ausgegeben werden, der offenbart nur seine Naivität.

Lächerlich

Es ist nur noch lächerlich. Im 20. Jahrhundert hatten wir eine Klimaerwärmung um 0,7 Grad (für Pisageschädigte: das ist weniger als ein Grad!!!!!), seither stagniert die Temperatur.
Die ganze Klimahysterie entpuppt sich immer mehr als ein dreister Versuch, dem Steuerzahler in die Tasche zu greifen. Und die "Zeit" spielt mit.

2° und die 3. Welt

oje, man kann nicht mal das Wetter für 2 Wochen verlässlich vorraussagen und eine Konferenz will das zu einem bestimmten Zeitpunkt BESCHLIESSEN?
Leben wir alle schon so tief im Gagaland, dass sowas nicht öffentlich hinterfragt wird?

In Wirklichkeit geht es doch nur mal wieder ums liebe Geld, und zwar richtig grosses.

Und die 3. Welt, sprich Entwicklungsländer, haben seit Jahrzenten Entwicklungshilfe bekommen, die irgendwo versickert ist. Und die sollen nun eigene Beiträge leisten?...

Und zum Kernthema an sich:
Die Zeichen der Zeit deuten darauf hin, dass CO2, IMHO der Mensch gar nicht für den Klimawandel zuständig ist, sondern die Sonne. Dieses müsste erstmal lückenlos geklärt werden.

Dieses hat wohl auch Al Gore erkannt und hat seine Teilnahme in Kopenhagen abgesagt, weil die Konferenz seit Climategate eigentlich total sinnlos ist.