Klimagipfel Kopenhagen Das große Feilschen beginnt
Diese Woche versuchen 192 Umweltminister, sich auf ein Abkommen zu einigen. Die armen Länder werfen der EU vor, geizig zu sein – und schimpfen Merkel eine Klimabremserin.
Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen geht in die entscheidende Phase. In der zweiten Woche werden sich die Umweltminister aus 192 Staaten beraten – bislang war in der dänischen Hauptstadt allein auf Beamtenebene versucht worden, sich auf ein globales Klimaschutzabkommen zu einigen.
Frau Merkel hat zwei Gesichter. Sie ist zu Hause eine große Ökologin, aber wenn es ums Geld für den Klimaschutz geht, steht sie auf der Bremse.
G77-Sprecher Di-Aping über Angela Merkel
Die Problemfelder sind auch nach der ersten Verhandlungswoche noch zahlreich. Umstritten zwischen Industriestaaten sowie Entwicklungs- und Schwellenländern ist beispielsweise die Verminderung von Treibhausgas-Emissionen.
Ein Hauptstreitpunkt sind aber vor allem Finanzfragen: Obwohl die Industrieländer hauptverantwortlich für den globalen Temperaturanstieg sind, treffen die Folgen des Klimawandels vor allem die Menschen in den ärmeren Ländern der südlichen Halbkugel. Daher sehen die armen Länder die Industriestaaten in der Pflicht, Finanzhilfe zu leisten.
7,2 Milliarden Soforthilfe sind zu wenig
Die EU hat bisher 7,2 Milliarden Euro als Soforthilfe für die kommenden drei Jahre angeboten, auf die sie sich beim EU-Gipfel in Brüssel vergangene Woche geeinigt hatte. Vielen Entwicklungsländern geht diese Hilfe aber nicht weit genug. Der Sprecher der in der Gruppe 77 zusammengeschlossenen 130 Entwicklungs- und Schwellenländer, der Sudanese Lumumba Stanislaus Di-Aping, warf der EU erneut vor, zu wenig zu tun. "Die EU wirft uns Brotkrumen hin", sagte er der Frankfurter Rundschau.
Die Soforthilfe von 2,4 Milliarden Euro pro Jahr bis 2012 sei viel zu wenig. Wenn das Geld auch sukzessive erhöht würde, gäben die EU und auch die USA "weit mehr Geld für Militär als für Klimaschutz aus", sagte Di-Aping. Seine Kritik richtete er auch direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Frau Merkel hat zwei Gesichter. Sie ist zu Hause eine große Ökologin, aber wenn es ums Geld für den Klimaschutz geht, steht sie auf der Bremse."
Für einen ökologischen Umbau seien zwischen 300 und 500 Milliarden Euro pro Jahr notwendig, sagte Di-Aping.
Die dänische Präsidentin des Klimagipfels, Connie Hedegaard, führte am Wochenende erste informelle Gespräche mit den Umweltministern, darunter auch mit dem Berliner Ressortchef Norbert Röttgen. Sie bewertete die Atmosphäre vor dem Endspurt der Konferenz als "gut und konstruktiv".
Begleitet wurde der Gipfel am Wochenende von Demonstrationen rund um den Globus. Allein in Kopenhagen gingen dabei am Samstag fast 100.000 Menschen aus aller Welt auf die Straße, um den Politikern ihre Forderung nach einem ehrgeizigen Abkommen zu präsentieren.
Für die beiden letzten Gipfel-Tage am Ende der Woche werden dann die Staats- und Regierungschefs aus 115 Staaten erwartet, darunter auch US-Präsident Barack Obama. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll am Donnerstag vor den Gipfelteilnehmern sprechen.
- Datum 14.12.2009 - 08:37 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 13
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Wo soll dieses Geld denn bitteschoen herkommen?
Wenn man sich dann ansieht, dass die EU 7 Milliarden biett und das einmalig, dann fragt man sich schon, wie diese gigantische Luecke je zu schliessen sein wird.
Zum Schluss wird da nur der Verzicht auf solche Summen bleiben. Die Entwicklungslaaender koennen froh sein, wenn sie 50 milliarden jaehrlich bekaemen, aber auch schon das erscheint irreal.
Wie soll bei solch grossen Differenzen nur jemals Einigkeit zustande kommen???
"...zwischen 300 und 500 Milliarden Euro pro Jahr notwendig, sagte Di-Aping."
Es ist hier unklar, welcher "Umbau" gemeint sein soll; jedenfalls sind die Zahlen geringer als die Gesamtkostenschätzungen, die eher zwischen 700 Milliarden und 3 Billionen liegen dürften pA. Als Staatsanteil allerdings wären sie recht hoch.
Was noch zu betrachten wäre, ist der Anteil, den einer der grossen Profiteure der Weltwirtschaftsordnung aus seinem Schatz beitragen will. Von den 2 Billionen Reserven, die China anhäufte, nimmt man wenig Notiz. Wieviel also trägt China nun dem "Umbau" bei?
... wenn die ihre Währungsreserven ausgeben würden, könnten sie ihre Währung ja nicht mehr derart unterbewertet halten. Es wäre mit einem Schlag Schluß mit dem weltweiten Technologiediebstahl. Ich würde das natürlich begrüßen, allerdings ist fraglich, was mit dem Dollar passiert, sollte der Fall eintreten. Vermutlich würde das Ergebnis einer solchen Entwicklung die Klimaprobleme erst mal wieder in den Hintergrund rücken lassen...ala Finanzkrise 2, was ich aber auch begrüßen würde, lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.
... wenn die ihre Währungsreserven ausgeben würden, könnten sie ihre Währung ja nicht mehr derart unterbewertet halten. Es wäre mit einem Schlag Schluß mit dem weltweiten Technologiediebstahl. Ich würde das natürlich begrüßen, allerdings ist fraglich, was mit dem Dollar passiert, sollte der Fall eintreten. Vermutlich würde das Ergebnis einer solchen Entwicklung die Klimaprobleme erst mal wieder in den Hintergrund rücken lassen...ala Finanzkrise 2, was ich aber auch begrüßen würde, lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.
will doch seinen spezifischen CO2 Ausstoss - bezogen auf das eine BIP Einheit - bis 2050 (oder 40,oder 30)um 40% senken. Bei einem weiteren Wachstum von durchschnittlich 9% macht das einen veritablen Anstieg der Emissionen. Deshalb nimmt ja China jede Woche einen neuen Kohlekraftwerksblock in Betrieb.
Das ausgerechnet der Sudan Deutschland scharf kritisiert, ist eine Treppenwitz. Einerseits im eigenen Land einen Völkermord begehen und andererseits 300 - 500 Mrd pro Jahr zu verlangen ist schon der Gipfel der Unverschämtheit. Jeder Cent, der ohne eine effektive Verwendungs - und Erfolgskontrolle in diktatorisch regierte Staaten der Dritten Welt fliesst, ist zum Fenster herausgeschmissen. Aber wenn eine entsprechende Kontrolle verlangt wird, wird entrüstet von Neokolonialismus gesprochen.
… wenn sich die Gruppe der 77 einmal überlegen würde, wie sie das Bevölkerungswachstum in ihren Ländern eindämmen will. Schließlich geht der weltweite Zuwachs seit der Mitte des vorherigen Jahrhunderts zu über 90 % auf diese Länder. Eine Zunahme der Bevölkerung in den Regionen, die nicht zu ertragstärksten Breiten und Längen gehören, bedeutet eben auch eine Menge selbsterzeugtes Elend. Der Anstieg der Hungersnot in Afrika und Teilen Asiens ist wesentlich durch Überbevölkerung bedingt. Zudem steigt die Not durch Landflucht; der Ackerbau wird aufgegeben, die Massen strömen in die Städte, die Abhängigkeit von Nahrungsimporten steigt.
Es bringt nichts sich über grosse Summen aufzuregen und tagelang zu diskutieren, wer diese wem bezahlen soll.
Es bringt auch nichts zu werweissen, wer wieviel CO2 einsparen soll und warum.
Es bringt schliesslich nichts, überall Sündenböcke (z.B. USA oder China) zu bezeichnen und selber zurückzulehnen.
Das einzige, was nachhaltig zu tun wäre und gleichzeitig die meisten Probleme lösen würde, ist die globale heilige Kuh zu opfern und Wirtschaftwachstum als alleinseligmachend zu hinterfragen.
Einschränkungen in unserem Konsumwahn sind unvermeidbar. Auf eine hohe Lebensqualität müssten wir deswegen kaum verzichten.
"Das einzige, was nachhaltig zu tun wäre und gleichzeitig die meisten Probleme lösen würde, ist die globale heilige Kuh zu opfern und Wirtschaftwachstum als alleinseligmachend zu hinterfragen."
Der Washington Consensus ist nunmal nicht alleine auf Südamerika zu beziehen. Der Neoliberalismus gilt nunmal seit Zusammenbruch der Sowjetunion als das einzig wahre, heilbringende System...selbstverständlich nicht zuletzt aufgrund des besten Propagandaapparates.
"Das einzige, was nachhaltig zu tun wäre und gleichzeitig die meisten Probleme lösen würde, ist die globale heilige Kuh zu opfern und Wirtschaftwachstum als alleinseligmachend zu hinterfragen."
Der Washington Consensus ist nunmal nicht alleine auf Südamerika zu beziehen. Der Neoliberalismus gilt nunmal seit Zusammenbruch der Sowjetunion als das einzig wahre, heilbringende System...selbstverständlich nicht zuletzt aufgrund des besten Propagandaapparates.
..."Einschränkungen in unserem Konsumwahn sind unvermeidbar."
Wenn Sie aber fortfahren: " Auf eine hohe Lebensqualität müssten wir deswegen kaum verzichten."
ist das nicht ganz so einfach. Für Menschen, die damit sozialisiert wurden in Spanien oder Italien Urlaub machen zu können, ist es durchaus ein erheblicher Teil der Lebensqualität, einmal Indien, Bali oder Mexiko zu sehen. Es ist für eine Familie schon schön, ein Haus im Grünen zu bewohnen. Viele Leute essen sehr gerne Steaks.
Wenn man natürlich eine Welt des Glassperlenspiels erreicht hat, ist das alles nicht mehr wichtig. Aber der Travers ist hart. Just daran scheiterte der marxische Traum.
PS: Warum sollte Wachstum nicht mehr gehen? Das scheint mir eine schwierige These.
Sowohl die Menge an Ressourcen als auch die Anzahl der Menschen, die Produkte und Dienstleistungen erzeugen und konsumieren können, ist beschränkt, was wohl eine natürliche Grenze für Wachstum darstellen sollte. Fortgesetztes, exponentielles Wachstum in einem derartigen System ist daher wohl nicht das klügste, was man sich vorstellen könnte.
"Wenn Sie aber fortfahren: Auf eine hohe Lebensqualität müssten wir deswegen kaum verzichten. ist das nicht ganz so einfach... Für Menschen, die damit sozialisiert wurden in Spanien oder Italien Urlaub machen zu können, ist es durchaus ein erheblicher Teil der Lebensqualität, einmal Indien, Bali oder Mexiko zu sehen."
Das ist auch kein Problem. Ein Problem ist dass man Indien Bali und Mexiko j e d e s Jahr sehen "muss" um die angebliche Lebensqualität zu erhalten.
"Es ist für eine Familie schon schön, ein Haus im Grünen zu bewohnen..."
Was spricht dagegen? Dass sich das aber nicht jeder leisten kann ist ja heute schon so, die Frage ist vielmehr: w a s für ein Häuschen, welche Bedingungen müssten erfüllt sein.
"...Viele Leute essen sehr gerne Steaks."
Ein gelegentliches Steak kann die Welt verkraften. Aber auch dabei gilt: Grenzenloser Fleischkonsum bedeutet keineswegs höhere Lebensqualität.
"PS: Warum sollte Wachstum nicht mehr gehen? Das scheint mir eine schwierige These."
Weil immer mehr Wachstum unendliche Ressourcen bedeuten würde: unendlich viel Platz, unendlich viel Energie, unendlich viel Wasser usw. Dies ist aber nicht der Fall und wird (logisch) auch nie der Fall sein. Nicht auf dieser Erde jedenfalls.
Sowohl die Menge an Ressourcen als auch die Anzahl der Menschen, die Produkte und Dienstleistungen erzeugen und konsumieren können, ist beschränkt, was wohl eine natürliche Grenze für Wachstum darstellen sollte. Fortgesetztes, exponentielles Wachstum in einem derartigen System ist daher wohl nicht das klügste, was man sich vorstellen könnte.
"Wenn Sie aber fortfahren: Auf eine hohe Lebensqualität müssten wir deswegen kaum verzichten. ist das nicht ganz so einfach... Für Menschen, die damit sozialisiert wurden in Spanien oder Italien Urlaub machen zu können, ist es durchaus ein erheblicher Teil der Lebensqualität, einmal Indien, Bali oder Mexiko zu sehen."
Das ist auch kein Problem. Ein Problem ist dass man Indien Bali und Mexiko j e d e s Jahr sehen "muss" um die angebliche Lebensqualität zu erhalten.
"Es ist für eine Familie schon schön, ein Haus im Grünen zu bewohnen..."
Was spricht dagegen? Dass sich das aber nicht jeder leisten kann ist ja heute schon so, die Frage ist vielmehr: w a s für ein Häuschen, welche Bedingungen müssten erfüllt sein.
"...Viele Leute essen sehr gerne Steaks."
Ein gelegentliches Steak kann die Welt verkraften. Aber auch dabei gilt: Grenzenloser Fleischkonsum bedeutet keineswegs höhere Lebensqualität.
"PS: Warum sollte Wachstum nicht mehr gehen? Das scheint mir eine schwierige These."
Weil immer mehr Wachstum unendliche Ressourcen bedeuten würde: unendlich viel Platz, unendlich viel Energie, unendlich viel Wasser usw. Dies ist aber nicht der Fall und wird (logisch) auch nie der Fall sein. Nicht auf dieser Erde jedenfalls.
"Das einzige, was nachhaltig zu tun wäre und gleichzeitig die meisten Probleme lösen würde, ist die globale heilige Kuh zu opfern und Wirtschaftwachstum als alleinseligmachend zu hinterfragen."
Der Washington Consensus ist nunmal nicht alleine auf Südamerika zu beziehen. Der Neoliberalismus gilt nunmal seit Zusammenbruch der Sowjetunion als das einzig wahre, heilbringende System...selbstverständlich nicht zuletzt aufgrund des besten Propagandaapparates.
... ist gar nicht so schwer, wenn man vermag über den kleinlichen kapitalistischen Tellerrand zu schauen.
Was die Entwicklungsländer brauchen ist KnowHow, z.B. für Solarzellen, Windräder etc. und entsprechende Fabriken. Beides könnten wir ihnen geben, für lau oder wenig Geld. Einige Milliarden dürften reichen.
Damit die uns mit der quasi geschenkten Technik nicht den Markt kaputt machen, sondern auch tatsächlich für sich produzieren, braucht es ein Regelwerk, ein bisschen "Protektionismus" und ordentliche nationale Großprogramme (Überdachung von Autobahnen etc.). Sonst ist wohl kaum ein Hersteller bereit sich von seinem Herrschaftswissen zu trennen.
Man könnte natürlich die Mrd. auch direkt verschenken, in dem Wissen sie fließen ohnehin wieder zurück. Dummerweise ist da die Psychologie vor, denn wer garantiert mir z.B., dass die europäischen Mrd. nicht letztlich wieder in chinesische Billigprodukte investiert werden? Niemand! Außerdem ist es sinnvoller und gerechter, wenn die Produktion weltweit verteilt ist. Ach es ist wirklich ein Kreuz mit diesen freien Märkten und diesem Dreckssystem, in dem man lieber ergebnislos über Unsummen palavert, als über das Naheliegenste.
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